Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 46 (16.11.1917)
- Date
- 1917-11-16
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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zu Regensburg, 9. November. All die hiesige Kreisauskunftsstelle und Kriegsgefangenenhilfe erging aus dem neutralen Ausland die Aufforderung, Adressen jüdischer bedürftiger Kriegsgefangener zu sammeln zum Zwecke der regelmäßigen Unterstützung derselben. Die gedachte Unterstützung erfolgt von seiten eines als zuverlässig bekannten Komitees, welches sich Freunde der jüdischen Kriegsgefangenen betitelt, und zwar in Form von Liebesgabenpaketen und Geldsendungen. Die Kreisauskunftstelle bittet daher die Angehörigen jüdischer Kriegsgefangener aus der Oberpfalz, ihr sofort die Adressen der Gefangenen bekanntzugeben. Die Anmeldung soll sich nicht nur auf deutsche jüdische Kriegs- und Zivilgefangene beschränken, sondern sich auch auf österreichisch-ungarische Kriegs- und Zivilgefangene ausdehnen, und zwar ohne Unterschied, ob in französischer, englischer, russischer oder italienischer Gefangenschaft. 0. S. Hildesheim, 9. November. Dev Tag, an welchem unser bandrabbiner Herr Dr. Lewinskh vor 25 Jahren in fein Amt getreten war, wurde zum Festtag für unsere ganze Gemeinde, jung und alt, wie für die Gemeinden des Bezirks. Schon am Freitag abend (8. November) wurde die Feiler eingeleitßt. Die Religionsschüler, welche Sabbat die höheren Schulen besuchen, sandten eine Deputation, l>estehend aus den Lehrern Bach und Ster w und vier Schülerinnen, welche ihrem Leiter eine Tischuhr als Zeichen der Verehrung und Dankbarkeit überreichten. Die Schüler der jüdischen Volksschule erfreuten am Sabbat morgen, vor dem Gottesdienst, den Jubilar durch ein Ständchen. Der Festgottesdienst begann um 8:K Uhr. Das Gotteshaus prangte im Blumen- und Girlandenschmuck. Neben den Mitgliedern der Shnagogengerneinde Hildesheim waren auch Vertreter der Bezirksgememden erschienen. Dr. Lewinskh entrollte in bewegter Ansprache mn Bild seiner Tätigkeit, im Anschluß -an die Worte der Sidra des Sabbats. 1. B. M. Kap. 21, Vers 27, „und sie schloffen beide einen Bund". Nach dem Gottesdienste erschien in der Wohnung des Herrn Landrabbiners Dr. Lewinsky zunächst der Vorstand hiesiger Gemeinde und die Vertreter der Bezirksaemeinden, um ihrem religiösen Führer den Dankfür seine treue Tätigkeit abzustatten, und teilten ihm mit, daß die Gemeinden ihm und seinen Angehörigen das Recht auf Pensionierung nach dem preußischen Bemntenpenstonsgesetz ausgesprochen hätten. Es folgten die Vertreter der Lehrer des Bezirks, die eine Dankadresse überreichtender Vorstand des hiesigen Frauenvereins, der eine silberne Schale widmete: der Beamtenrat der Hillel-Loge U. O. B. B., der dem zeitigen Präsidenten eine kostbare Bronze spendete. Endlos war die Zahl der Einzelgratulanten, eine Fülle von Gaben wurde dargebracht, ein Blumenmeer zierte schließlich die Wohnung des Jubilars. Allen Deputationen wie jeder Einzelperson erwiderte der sichtlich freudig bewegte Landrabbiner in bekannter meisterlicher Weise. Die Lehrer der Provinz überreichten am .Sonntag durch' ihren Schriftführer, Lehrer Spanier (Hannover), ihrem bewährten Mitarbeiter ebenfalls eine Adresse: der Nachbarkolleae, Herr Landrabbiner Dr. G ro nein a n n (Hannover), war am Sabbat dienstlich am Erscheinen verhindert. Er brachte die Grüße der Rabbiner der Provinz am Sonntag. Unübersehbar sind die schriftlichen! Glückwünsche in Form von Telegramm-en und Briefen. Als hervorragend seien erwähnt die des! hiesigen Herrn Regierungsprästdenten, des hiesigen Oberbürgermeisters, die der Synagogengemeinde Hannover, welche zugleich eine Prachtvolle Palme übersandte, Ferner des D. I. G. B., des Rabbiner- Seminars in Breslau, das der Jubilar besucht hatte, des Verbandes der Rabbiner Deutschlands, der Großloge II. O. B. B. u. v. a. Mit Rücksicht ans den Ernst der Zeit war natürlich von. jeder weltlichen Feier Mstand genommen. Möge es unserem verehrten Oandrabbiner vergönnt sein, sein 50jahriges Jubiläum zu begehen, in gleicher Kraft und Frische. 0/*) Frankfurt a. M., 9. November. Der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen zu Frankfurt ä. M. (E. V.) hielt am 7. d. M. seine ordentliche Mitgliederversammlung ab. Nach dem erstatteten Geschäftsbericht belief sich am 30. September d. I. die Zahl der dem Verein ^gehörenden Schwestern auf 68, die der Lehrschwestern auf 3. Fast sämtliche Schwestern waren in der militärischen Verwundeten- und. Krankenpflege beschäftigt. Außerhalb Frankfurts waren im unmittelbaren Militärsnnitätsdienst während des Geschäftsjahres tätig: fünf Schwestern beim Festungslazarett XXIII) in Straßburg-, fünf Schwestern in Kriegslazaretten in Bulgarien, Rumänien, Frankreich und Belgien. Weitere vier Schwestern befinden sich seit Anfang 1916 ununterbrochen im Dienste der Deutschen Sanitätsmisiiou in Bulgarien und arbeiten zurzeit im großen Alexander-Krankenhause in Sofia. Der Frankfurter Lazarettzug?. 1. war dauernd mit einer Schwester unseres Vereins beseht. Im Krankenhause der israelitischen Gemeinde in Frankfurt waren während des Geschäftsjahres durchschnittlich etwa 35 Schwestern angestellt, wovon die weitaus größte Anzahl in der militärischen Verwundeten- und Krankenpflege tätig war. Im eigenen Lazarett des Schwesternhauses (Vereinslazarett Nr. 27) sind dauernd vier bis fünf Schwestern beschäftigt gewesen. Gegenüber diesen großen Aufgaben, welche die Kriegspslege erforderte, mußte naturgemäß die Private Krankenpflege zurücktreten. Der Verein, der es stets als seine Aufgabe betrachtete, seine Schwestern der Frankfurter Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession für die Krankenpflege zur Verfügung zu stellen, muß an die Nachsicht seiner Mitbürger appellieren. Konnte er doch neuerlich an ihn heran-getretenen Anforderungen seitens des Militärsanitätsdienstes um Ueberlassung von weiteren Schwestern für den Heeresdienst wegen Mangel an ausgebildetem Personal nicht mehr entsprechen. Die lange Dauer des Krieges hat es mit sich gebracht, daß viele freiwillige Hilfskräfte, die anfangs tätig waren, ihren Dienst nicht mehr aufrechterhalten konnten. Außerdem hatte die Erweiterung der Kriegsschauplätze einen weiteren Bedarf an ausgebildeten Krankenschwestern zur naturgemäßen Folge. Jüdische, ideal veranlagte junge Mädchen, die den Berus zur Krankenpflegerin in sich fühlen, haben zurzeit Gelegenheit, bei den jüdischen Verbandsvereinen als Lehrschwestern unterzukommen, wobei ihnen eine lebenslängliche, auskömmliche Versorgung in Aussicht steht. Im eigenen Lazarett des Schwesternhauses, Bornheimer Landwehr 85 (Vereinslamrett Nr. 27), betrug während des Geschäftsjahres die Zahl der Offiziersverpftegungstage 289, die der Mannsckaftsverpflegungstage 11 551. Der ferner erstattete Kassenbericht ergibt bei den großen Anforderungen, die an den Verein in der Kriegszeit gestellt werden, und bei dem vollständigen Versagen einer der Haupteinnahmequellen zu Friedenszeiten, nämlich der Privaten Krankenpflege, naturgemäß ein sehr unaünstiaes Bild. Die Verwaltung wird nichtsdestoweniger den schon seit Kriegsbeginn befolgten Grundsatz aufrechterhalten, daß die Pflege der verwundeten und kranken Militärpersonen zurzeit ihre vornehmste Ausgabe sein muh. Gesterrnch-Angarn. 2. Wien, 9. November. Unter großer Beteiligung weiter Kreise wurde der erste Sekretär der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, kaiserlicher Rat Dr. Theodor Lieben, der einem Schlagansall erlegen ist, auf dem Zentralfriedhos zu Grabe getragen. Der Kultus- - Vorstand mit dem Präsidenten Dr. Alfred Stern an der Spitze, die Beamtenschaft, Rabbiner, Lehrer und Funktionäre waren anwesend und zahlreiche Vereine und Körperschaften', denen der Verblichene Förderer war, hatten Vertretungen entsendet. Im Sinne der letztwillig,en Verfügung des Verstorbenen war das Leichenbegängnis einfach, und es wnrde von Leichenreden abgesehen. Präsident Dr. Stern nahm in kurzen Worten Abschied von dem langjährigien, bewährten Mitarbeiter, worauf der Sarg von Beamten der Kultusgemeinde und t>erfö*nlid)en' Freunden des Verblichenen Zll dem von der Kultusgemeinde gewidmeten Ehrengrabe getragen wurde. Vor dem Leichenbegängnis hatte eine Tranerkundgebung der Angestellten der Kultus gemeinde stattgesunden, in der nach einem von Sekretär Dr. Adler gehaltenen Nachruf beschlossen wurde, zum dauernden Andenken an das 44jährige segensreiche Wirken Dr. Liebens eine Doktor-Theodor-Lieben-Stistung zu er richten, die im Sinne des Verblichenen Humanitären Zwecken gewidmet sein soll. ~~ Dr. Theodor Lieben, in Prag am 18. März 1843 geboren, wurde am 15. Dezember 1870 an der Universität in Graz zum Doktor der Rechte promoviert. Am 24. Dezember 1870 begann er seine Rechtspraxis beim k. k. Landesgerichte in Wien, wurde am 24. August 1871, unter Belaffung in dieser Dienstverwen'dung, zum niederösterreichischen Allskultanten ernannt und am 2. Februar 1872 dem k. k. Handelsgerichte in Wien zugeteilt, woselbst er bis 17. Februar 1873 verblieb. Voll diesem Zeitpunkte ab stand er in ununterbrochenem Dienste der israelitischen K-u1tllsgelnein.de Wien. Zunächst an der Seite des Dichters Ludwig Aug.llst F r a n k l Ritter von Hochwarth, später als dessen Nachfolger.