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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-11-16 · Heft 46 (16.11.1917) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 46 (16.11.1917)
Date
1917-11-16
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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.Kameraden der taten jüdischen Soldaten, die nicht genug Worte des Lobes finden für die Pflichttreue und soldatischen Tugenden der Gefallenen. Daß das keine billigen Worte sind, dafür zeugen die Tränen in den Augen der Sprechenden. Immer wieder wird die Tapferkeit und die unbedingte Zuverlässigkeit der jüdischen Soldaten gerühmt. Wir dürfen stolz darauf sein, wie unsere jüdische Jugend für das Vaterlaild zu kämpfen und zu sterben weiß! Es ist eine heilige Saat, die wir da draußen der Erde anvertrauen, eine Saat, die Maximilian Horwitz durch sein Wirken für Deutschtum und Judentum vorbereitet hat. Der Hinweis auf die jüdische Jugend ist die tiefste Huldigung, die wir dem großen Toten in dieser Stunde erweisen können, Für die Tausende jüdischer Mannschaften da draußen bedeutet sein Name ein Programm. Sein Geist wird auch nach seinem Tode sortwirken zum Wohle des Judentums und des deutschen Vaterlandes. - Die feierlichen Klänge eines Schlußchvres beendeten die ernste Stunde. Berlin, 13. November. Am 29. v. M. fand in Berlin eine gilt besuchte Sitzung des Zentralausschusses des - Rabbinerverbandes in Deutschland statt. Nach einem Nackruf des Vorsitzenden. Professor Dr. Guttmann, für die verstorbenen Vorstandsmitglieder Munk und Eschelbacher wurde eine außerordentlich umfangreiche Tagesordnung erledigt. Aus dem Bericht des Vorsitzenden ist zunächst hervorzuheben, daß durch eine Zuwendung von Herrn und Iran Adler aus Loslau in Höhe von 1000 Mark beim Verband die erste Stiftung errichtet worden ist. Die Sammlung für die Ieiertagsbeköstigung jüdischer Soldaten hat beträchtliche Ergebnisse geliefert, die freilich dem Bedürfnis noch bei weitem nicht genügen konnten. Befremdlich bleibt, daß namhafte Großgemeinden sich von der Beteiligung an dieser Sammlung für unsere Feldgrauen ausgeschlossen haben. Es wird beschlossen, diese Tätigkeit auf breiterer Grundlage fortzusetzen. Eine Eingabe an den Kultusminister, welche gemeinschaftlich mit dem deutsch-israelitischen Gemeindeverband eingereicht werden soll, um den Pflichtcharakter des jüdischen Religionsunterrichtes an den höheren Lehranstalten Preußens festzustellen, wird eingehend beraten und es wird in allen Punkten eine Einigung erzielt. Ein Antrag wird angenommen, demzufolge der Vorstand des Rabbinerverbandes im Hinblick auf die durck den Krieg hervorgerusene allgemeine Notlage bei den Gemeindevorständen wegen der Bewilligung von Teuerungszulagen für die Rabbiner vorstellig werden soll. Dr. Nobel (Frankfurt a. MI macht Mitteilungen über die Versorgung mit Mazzot an den kommenden Feiertagen. Die Anträge des rheinisch-westsä loschen Rabbinerverbandes. darauf binzulvirken, daß durch Aenderung der Gesetzgebung jeder preußische Jude einem Rabbinat angeschlossen, sowie daß auf demselben Wege dem Gemeinderabbiner die seinem Amte angemessene Stellung eingeräumt werde, und der Antrag des mitteldeutschen Nabbinerverbandes, daß noch vor der Aenderung des Gesetzes für den preußischen Rabbiner Sitz im Gemeindevorstand zu erwirken fei, werden einstimmig der Gesetzeskommission als Material überwiesen. Dieser wird aufgegeben, baldmöglichst eine Sitzung abzuhalten. Bezüglich der Entschädigung für Lazarettseelsorge, in der für die christlichen Geistlichen neue Verfügungen ergangen sind, wird der geschaftsführende Vorstand beauftragt, bei der in Betracht kommenden Stelle auf eine gleiche Behandlung der jüdischen Seelsorge hinzuwirken. Einem Antrag der Feldrabbiner des Ostens auf Schaffung einer Zeitschrift für jüdische Soldaten kann wegen der schwierigen technischen Verhältnisse nicht entsprochen werden. Dagegen soll an die Schaffung von Feldbüchereien tatkräftig herangegangen werden. Der Rabbinerverband bewilligt aus einem ihm zur Verfügung stehenden Fonds zu diesem Zwecke 1500 Mark. Außerdem wird ein Aufruf zur Sammlung von Büchern erlassen werden. Aus Antrag von Tr. Kopfstein (Beuthen in Oberschlesien) wird endlich noch beschlossen, Gemeinden, Korporationen und Einzelpersonen als außerordentliche Mitglieder des Rabbinerverbandes zuzulassen und auf die Gewinnung solcher Mitglieder hinzuwirken. Die erfolgreiche Tagung konnte erst am Nachmittag mit herzlichen Dankesworten des Vorsitzenden geschlossen werden. E. M. Berlin, 13. November. Die Repräsentantenversammlung der jüdischeil Gemeinde zu Berlin hat wiederum ein verdientes Mitglied in der Person des Repräsentanten Alexander Hahn verloren. Herr Hahn gehörte der Repräsentantenversammlung seit etwa einem Jahrzehnt als Stellvertreter, zeitweise als Mitglied an; auch in der jetzigen Amtsperiode des Repräsentantenkollegiums war er als ordentliches Mitglied einberufen worden. Hahn war als Vertreter der liberalen Richtung in das Gemeindeparlament entsandt worden. — Der Verstorbene stand fast zwei Jahrzehnte im Ehrendienste der Gemeinde. Er begann seine Tätigkeit als Mitglied der Friedhofskommission, in der er seit 1916 das Amt eines zweiten Vorstehers stellvertretend bekleidete. Seit 1916 gehörte Hahn auch dem Vorstande der Neuen Synagoge an. Von, seinen Kollegen wurde der Verstorbene als eifriger Mitarbeiter sehr geschätzt. Auch zahlreiche andere jüdische Organisationen, wie der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und andere Verbände, beklagen in ihm ein tätiges Vorstandsmitglied. Seit längerer Zeit war der Verstorbene infolge eines schweren Leidens nur noch selten in der Lage, sich seinen Ehrenämtern mit gewohnter Wichttreue zu widmen. W. Posen, 9. November. Die alljährliche Gedenkfeier für die Heimgegangenen Stifter und Wohltäter der seit 57 Jahren hier bestehenden Ritsch e-Flataus che n Waisenmädchen-Erziehungsanstalt fand kürzlich in dem neuerbauten Hause am Goetbe-Park statt. Nach einem Präludium sang der Chor den 103. Psalm. Ein Waisenmädchen trug dann ein Gebet vor. Herr Oberkantor W i l k o m i r s k i sprach das El-mole-rachamim-Gebet. Der Vorsitzende, Herr Manasse Werner, dankte für die ungeteilte Anerkennung der Mitglieder, die mit reichen Spenden die Anstalt bedachten, und verlas die Namen der verstorbenen Wohltäter und Spender. Gesänge unter Leitung des Chordirigenten der Synagoge B, Berggruen, sowie Gebete beschlossen die würdige Feier. B. U. Breslau, 9. November. Am 21. d. M. veranstaltet dasjüdischtheologischeSe m i n a r eine Feier zu Ehren des hundertsten Geburtstages des großen Geschichtsforschers Heinrich Graetz, dessen Lehrtätigkeit an dieser Anstalt und an der hiesigen Universität unvergessen ist und dauernd unvergessen bleiben wird. Seinen vielen Schülern im Inltnb Auslande wären Aufforderungen zur Teil nähme an dieser Feier zugegängen, wenn die Zeitverhältnisse günstiger gewesen wären. Unter dengegenwärtigen Umständen muß es genügen, daß sie durch diese Mitteilung benachrichtigt werden. Die Gedenkfeier ist absichtlich auf einen Tag gelegt, der es jedem ermöglicht, hierher zu kommen, um das Andenken seines Lehrers zu ehren. Der Beginn ist ans 11 Uhr vormittags festgesetzt. — Breslau, 9. November. Der Verband der Synagogengemeinden der Regierungsbezirke Breslau und Liegnitz tritt am Sonntag, 25. November d. I., zu seiner Jahresversammlung in Breslau im Repräsentantensaale zusammen. Die Beratungen werden diesmal vom stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Rabbiner Professor Dr. Guttmann, geleitet werden, da der Vorsitzende, Herr Stadtrat M a r ck, leider verschieden ist. Seit 1912 hatte er als Nachfolger des unvergeßlichen Geh. Justizrats Wollstein als Vorsitzender des Ausschusies den Verband geleitet und, wie ihm seine Kollegen Nachrufen, die Ziele des Verbandes eifrig gefördert, so daß Arbeitsgebiet und Leistungen in erfreulichem Aufschwünge waren. Sein früher Heimgang ist daher aufrichtig zu beklagen. 2S$ Gleiwitz, 9. November. Am 1. d. M. fand in Gleiwitz eine Sitzung des O b e r s ch l e s i s ch e n Rabbinerverbandes statt. Die Sitzung wurde eingeleitet durch ein Referat von Rabbiner Dr. de Haas (Kattowitz) über „Naturwi.ssenschaftliche Hypothesen im Religionsunter richt". An das Referat schloß sich eine angeregte und ausgiebige Debatte an, die vieles für den Religionsunterricht Fruchtbare zeitigte. Im Vordergründe der Beratungen stand eine Aussprache über das Thema: „Was soll und kann für die Angestellten, die schon am frühen Nachmittag dienstfrei werden, in religiöser Beziehung geschehen?" Nach eingehender Besprechung des Themas, in der sämtliche Erschienenen das Wort ergriffen und ihre Meinung äußerten, kann man überein, in einem Anschreiben an die Gemeinden auf die Rot' Wendigkeit hinzuweisen, Räumlichkeiten für den Aufenthalt der in Frage Kommenden bereitzustellen, in denen sowohl geselliges Beisammensein als auch in Lektüre, Aussprache und fachkundiger Belehrung bestehende Beeinflussung im jüdischen Sinne möglich sei. Ein weiterer Punkt der Tagesordnung betraf Fragen der Kriegsausklärung im Bezirk des VI. Armeekorps, an der die Rabbiner Oberschlesiens seit langem wirksam beteiligt sind Nach einem erschöpfenden Bericht von Dr. B r a u n s chw e i ge r (Rybmk) über die letzte Allsschußsitzung des Allgemeinen Rabbinerverbandes schloß die Sitzung.

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