Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 46 (16.11.1917)
- Date
- 1917-11-16
- Page
- Seite 545 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Vom ävtisemitischen Deputierten Cuza unterbrochen, erwiderte Herr Take Joneseu: „Rechnen 8ic nicht darauf, daß ich, durch Ihre Unterbrechungell oder Ihre Propaganda eingeschüchtert, die nwra.lische Feigheit begehen werde, eine gewisse Tatsache zu verschweigen, deren Existenz weder Sie noch jemand anders aus der Welt zu schassen imstande sein wird. Denn dg. die Regierungen beider Parteien und der König ihr Wort gesagt haben, ist die Ehre Rumäniens i-m Spiele und wird das Wort Rumäniens respektiert werden. Ich habe diese Frage absichtlich zur Erörterung gebracht, damit die Israeliten a l l e x Länder e s wisse n , daß, wenn es natürlich und gerecht war, aus dieser Frage eine Waffe gegen uns zur Zeit zu machen, wo wir noch nicht entschlossen waren, es heute unnütz und ungerecht wäre, sich dieser Waffe zu bedienen. Wenn die Israeliten Bürger sein werden wie wir, so wollen wir nicht, daß sie uns im Herzen fremd bleiben und daß lvir selbst nur dem Anschein nach ihre Brüder sein sollen. Wir werden zu diesem Zlvecke ein zweites Werk vollenden müssen, ein soziales Werk, und dies wird uns desto eher gelingen, je weniger das Ausland sich hier einmengt. Was mich anbetrisft, so werde ich nicht die Waffen niederlegen, bis die israelitische Frage gebührend gelöst ist." Zu dieser Erklärung des rumänischen Ministers wird uns aus maßgebenden jüdischen Kreisen geschrieben: „Es kann nicht der mindeste Zweifel darüber bestehen, daß die Rede Jonescus nichts anderes bezweckte, als den Bundesgenossen Rumäniens Sand in die Augen zu streuen und die Empörung der jüdischen Welt über die grausamen Judenverfolgungen in Rumänien zu beschwichtigen. Indessen wird die phrasenreiche heuchlerische Erklärung der rumänischen Regierung, die am Schlüsse eine kaum verhüllte Drohung an die Adresse der Juden des Auslands enthält, aus diese nicht den mindesten Eindruck machen. Mit leeren Versprechungen und einem Wechsel auf eine unbekannte Zukunft läßt sich das jüdische Volk um so weniger abspeisen, als es aus Jahrzehnte alter Erfahrung die heimtückische Juden Politik der wechselnden rumänischen Regierungen zur Genüge kennt. Alls der Erklärung Jonescus gehen zwei Dinge klar hervor: Einmal, daß die rumänische Negierung ihre alte Verschleppungs- Politik in bezug aus die Juden nicht aufzugeben gedenkt, was auch die in der Presse gemeldete Antwort des rumänischen Königs an eine jüdisck)e Deputation beweist, in.der er erklärte, daß man der Reform der Judengesetzgebung erst nach dem siegreichen Feldzug werde nähertreten können. Ferner bestätigt die Rede Jonescus die Angaben des rumänischen Sozialistenführers Rakowsky, daß die rumänische Regierung selbst in ihren Versprechungen die Gleich- Berechtigung der rumänischen Juden von der Besitzergreifung Transsilvaniens abhängig macht. Die Juden aller Länder fordern die unmittelbare, vom Ausgang oes Krieges unabhängige Emanzipation ihrer Brüder in Rumänien, sie fordern die Einstellung, der fortgesetzten brutalen. Judenversolgungen seitens der rumänischen Militär- und Zivilbehörden. Die Juden aller Länder sehen in der rumänischen Judenfrage eine Angelegenheit, die alle Völker angeht und beharren aus ihrer Forderung internationaler Garantien für die gesetzliche und faktische Gleichstellung der rumänischen Judenheit." * Im allgemeinen liebe ich es nicht, an dieser Stelle von Berliner jüdischen Verhältnissen zu reden. Trotzdem muß ich heute eine Ausnahme machen. Die Amtsniederlegung der konservativen Repräsentanten zwingt zu einer Aussprache. Warum es geschehen ist, geht aus den Berichten des „Gemeindeboten" hervE. Ich mißbillige den Schritt wie alle meine Gesinnungsgenossen und, wie ich hoffe, viele Konservative selbst. Daß er nicht übereilt erfolgt ist, muß man bei dem Ernst und dem Eifer der Ausgetretenen von vornherein annehmen; von Pflichtwidrigkeit darf man gegenüber Persönlichkeiten nicht sprechen, die, wie im Leben überhaupt, so in ihrer Stellung zur Gemeinde insbesondere, fahre- und jahrzehntelang ihre Pflicht treu erfüllt haben. Aber ich halte denSchritt für taktisch unrichtig, weil dadurch eine ganze Partei sich dar Einwirkung auf die Gemeindeverhältnisse begibt. Ich erachte ihn ferner als verhängnisvoll für die Zukunft, weil dadurch ein wenig nachahmenswertes Beispiel gegeben wird. Er scheint mir außerdem unklug, weil damit den Liberalen die Möglichkeit geboten wird, nun, da sie allein Herren im Hause sind, manches, was ihnen gut, den Konservativen übel erscheint, durchzusetzen. Besonders bedenklich erscheint mir das Vorgehen aber deshalb, weil durch eine solche Lostrennung in beiden Lagern Erbitterung erweckt wird und damit eine Erregung, die mir eher künstlich als natürlich scheint, hervorgerufen wird, die sich bei den künftigen Wahlen in einem ganz besonders heftigen Kampfe entladen muß. Ich sehe endlich darin eine Verkennung der Stellung der Gewählten gegen ihre Wähler. Diese haben ihre Mandanten zur Arbeit auserkoren, sie dursten sich dieser Tätigkeit nicht entziehen, ohne daß die Wähler sie davon befreiten. Ich halte die Männer, die diesen ungewöhnlichen Schritt getan haben, für viel zu ehrenwert, um ihnen niedrige Motive unterzuschieben. Aber sie hätten bedenken sollen, daß sie durch ihr Unternehmen in schweren Zeiten die Einigkeit untergraben und gerade in einer Epoche, in der das Ganze Gefahren entgegengeht, der Gesamtgemeinde schwere Verlegenheiten bereiten. Wir, die Liberalen sind der festen Ueberzeugung nichts getan zu haben, was diesen Schritt rechtfertigt. Wir sind bei allen Beschlüssen, mögen sie Personen oder Sachen angehen, uns bewußt gewesen, dem Ganzen, der Gemeinde, zu dienen. Wir haben nur ihr Wohl und ihr Gedeihen im Auge gehabt, nicht den Vorteil einer Partei. Wir haben konservative Rabbiner gewählt, lassen uns aber das Recht nicht bestreiten, auch liberale, selbst radikale Rabbiner zu ernennen. Wir haben der Minorität Zugeständnisse genug gemacht, aber wir verlangen auch Schutz für die Majorität, und wir können nicht dulden, daß ein kleines Häuflein das Recht zu haben glaubt, seine Meinung als die einzig richtige zu erklären und uns vorzuschreiben, was wir unter Judentum zu verstehen haben. Wir sind überzeugt, daß unsere liberalen Repräsentanten ihre Macht nicht mißbrauchen werden; sollte es doch geschehen, so müssen diejenigen, die die Flinte ins Korn geworfen, sich der Schuld anklagen, nicht wir. Der alte Spruch, daß die „Konsuln sehen mögen, daß die Gemeinschaft keinen Schaden leide", gilt auch hier; die ausgeschiedenen Repräsentanten haben Würde und Bürde abgelegt. Sie sind der Gemeinde gegenüber für den Schaden verantwortlich, der etwa durch, solche Tat geschieht. Wiederum sei ein alter lateinischer Spruch angeführt: „Was tut tust, tue klug, und bedenke das Ende." Die hohen Milchen Feiertage an der Wett- und Mtkront. ur Ergänzung früherer Berichte mögen folgende Mitteilungen dienen. Im Westen, in Le Cateau, fanden Feldgottesdienste unter Leitung des Feldrabbiners Herrn Dr. Salomonski statt. Darüber wurde eine offizielle Mitteilung verbreitet, wohl die erste dieser Art (Abb. 1). Die Feier selbst wird durch zwei andere Bilder (2 und 3) veranschaulicht. Ueber die erhebende Feier ist ein Schristchen erschienen: „Bericht über die jüdischen Herbstfeste 1917 bei einer Armee im Westen in Form von Feldbriefen", der ich folgendes entnehme: 1. Die Tage, die ich jetzt in L. C . . . verbracht habe, werden eine Erinnerung für mein ganzes Leben bilden. In den wenigen Wochen, die ich hier draußen bin, hat sich ein tiefes Bedürfnis nach religiöser Erhebung in mir gebildet. Ich sehnte mich daher nach den Feiertagen, die wir Gelegenheit geben würden, dieses Sehnen zu befriedigen. Es war für mich ein weihevoller Augenblick, als am Vorabend die ersten hebräischen Weisen erklangen. Der erste Gedanke, der mich durchzuckte, war der, dem auch Sie kn Ihrer