Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 46 (16.11.1917)
- Date
- 1917-11-16
- Page
- Seite 546 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Aussprüche Aufdruck verliehen haben: „Wir sind Brüder." Und die Not des deutschen Judentums, über die ich im Hinblick aus die äußeren Feinde lind angesichts der inneren Zerrissenheit mit ernsteter Sorge nachgedacht habe, erschien mir geringer, als ich so viele Männer vereint sah einzig und allein durch den Gedanken des Judentums. Es muß doch nicht so schwer sein, den Kamps für unsere Gemeinschaft durchzuführen. Nur muß in uns allen der Wille zum Judentum erweckt oder wachgehalten werden. Dieser Wille entspricht dem religiösen Erkennen. Darin erblicke ich den großen Borzug der Feldgottesdienste, daß sie das religiöse Erkennen fördern. — Die Wärme unserer Gebete ermaß ich wieder einmal daran, daß sie bald alle meine Gedanken in die Heimat drängten. Das Elternhaus stand lebendig vor mir. Und ich schäme mich nicht zu gestehen, daß die Tränen mir in die Augen traten, als ich daran dachte, wie Vater imb Mutter heute einsam am Tisch sitzen würden und mit banger Sorge ihres einzigen Kindes gedenken würden. So vermengten sich in mir die Gedanken, die sich mit dem Juden tum beschäftigten, mit denen, die meinen Lieben daheim galten. Daher wurde dieser Gottesdienst sür mich zu einem großen Erleben. Ans ihm schöpfe ich die Kraft zu meiner Arbeit für das Judentum; lind ich glaube auch jetzt eher all das persönliche Schwere ertragen zu können, das der Krieg für jeden einzelnen mit sich bringt. Sollte ich inid) vielleicht bei dem großen Andrang, der am Jom Kippur zu erwarten ist, irgendwie nützlich machen können, so stehe ich Ihnen gern zur Verfügung. 2. Gewiß, es gibt einen empfindsamen Resonanzboden für die leisesten Schwingungen, die von außen her auf das Gemüt eindringen — macht aber auch hart und lehrt das so heilsame „aequam niemento rebiis in arduis servare menteni." Der Krieger der ersten Kategorie wie der Hartgewordene — beide mögen aber mit den gleichen Empfindungen wieder in die Kampfzone zurückkehren: es war eine würdige, unvergeßliche Neujahrsfeier, diese hoffentlich letzte jüdische Jahreswende im blutigen Weltkriege! Sie wollen, verehrter Herr Doktor, Ihre Person ungenannt wissen. Eine Befolgung dieses bescheidenen Wunsches hieße die Hauptsache fortlassen. Ihre klaren, klugen, zum Herzen klingenden Worte haben uns ja gerade am unmittelbarsten berührt. Ein wahrhaft guter Redner geht mit der Stimmung seiner Hörerschaft mit und empfängt aus ihr neue Impulse. Haben Sic die Andacht Ihrer SCO Hörer bemerkt, jener rauhen, zum Teil drei Jahre im Kampfe stehenden Männer oder blutjungen Krieger, aus denen das harte Schicksal vorzeitig Männer gemacht hat? Gewißlich. Im Geiste haben die Lauschenden Ihnen herzlich die Hand gedrückt. Freude müssen Sie auch empfunden haben über den kräftigen Männerchor, der dem trefflichen Vorbeter folgte. Nicht unerwähnt bleibe die sonstige Organisation des Festes, besonders die musterhafte, reiche Verpflegung, für die wir Ihrer Vermittlung und dein Entgegenkommen der Intendantur zu danken haben. 3. Es ist mir Bedürfnis, sehr geehrter Herr Rabbiner, auch aus diesem Wege noch einmal zu danken für die schönen Jomtow-Tage, die ich in L. E . . . verbringen durfte. Ich kann mir vorstellen, welche unendliche Arbeit es gemacht hat, eine Veranstaltung wic diese bei der Heeresverwaltung durchzusetzen und dann mit dem mangelhaften Material für eine so große Gemeinde in der Weise in leiblicher und geistiger Weise zu sorgen, wie es geschehen. Daß das Resultat „Kritik" ist, wird und darf Sie, sehr geehrter Herr Rabbiner, nicht weiter beunruhigen; das Bewußtsein der geleisteten Arbeit wird Sie entschädigen und hinausheben über diese Kritik. Mir kommt bei diesen Feldgottesdiensten immer wieder die Urzeit unseres Volkes, die Wüstenwanderung ins Gedächtnis, an die dieser Krieg ja in mehr als einer Weise erinnert. Auch damals führten unsere Vorfahren ja ein Wanderleben, wie wir jetzt im Kriege, mehr oder weniger ausgeprägt. Auch damals wird es in vieler Beziehung an dem „Komfort der Neuzeit" gemangelt haben, und doch bot sich dem Beschauer ein Bild, das ihm den Ausspruch in den Mund legte: Wie schön ist es, wenn eine so große Anzahl vön Glaubensgenossen sich zusammenfindet hier im Felde. Wie anders ist es trotz all der großen Unterschiede, als das alltägliche Zusammensein mit andersgläubigen Kameraden, sei auch dies Zusammenleben noch so einträchtig und angenehm. Wie schön ist das Wiedersehen mit Bekannten und Freunden. Diese Schönheiten beeinträchtigt es nicht, wenn auch das Quartier nicht entfernt an die Wohnungen in Friedenszeiten heranreicht oder wenn die Festmahlzeit nicht den altgewohnten Charakter hat. Die Gleichgesinnten finden sich schon zusammen und schaffen sich im Nahmen des Gebotenen den eigenen Festtag, der ja von innen heraus kommen muß. Natürlich fehlt es auch nicht an der Wehmut: an Gedenken der Heimat, der Familie. Das Psalmwort bleibt eine ewige Wahrheit: Wie wohl ist denen, die in den festen Wohnstätten der Heinrat den Jomtow verbringen, ihr Gebet an dazu geweihter Stelle verrichten können. Vor diesem Kriege haben wir pie gewußt, welche Vorzüge wir genossen, unb daß die Annehmlichkeiten des Heims durchaus keine Selbstverständlichkeit sind. Um so mehr freuen wir uns natürlich der schönen Tage, die uns geboten werden und desto mehr werden wir die Festtage genießen, wenn wir sie wieder, in nicht zu ferner Zeit hoffentlich, in der Heimat verbringen dürfen. Mir werden die Jomim Tauwim im Felde jedenfalls eine Erinnerung fürs Leben bleiben. 4. Tausend, tausende Mal Litt ich Schmerzen und Qual. Hört ich den Tod mir vorübersausen, Sah ich ihn andere packen mit Grausen. Sah allen Jammer und alles Leid Einer traurigen Zeit. Und weinte nicht, wenn Jahre auch vergingen. Wenn auch Gedanken mit Gedanken ringen. Wenn auch zum Viertenmal der Ruf ertönt: „Der Tag ist nah, der alle euch versöhnt, Und wo ein Jude steht in unfern Reihn, Er soll willkommen uns als Bruder sein." Und alle sie von allen Seiten kamen Nur eines Sinns, in eines Einz'gen Namen, Zu trinken von dem Born, von dem die Väter tranken. Und Gott zu danken. Habt ihr ihn auch, den großen Stern, gesehen, Not leuchtend über allen Häuptern stehn? Le Cateau am 17,18. und 26. 1. Anmeldung durch die Truppe! Ess-, Trinkgeschirr mitbringen! Neujahr: Versoshnungstag: am 25. um 67- Uhr 26. 0 ,» 2. Abend-Andachten am 16., 17. um 7 Uhr Morgen- „ „17., 18. „ 8 „ Nachmittag-,, „ 17., 18. „ 3% „ im Theatersaale (Kino). 3. Verpflegung am 16., 17. abends 8 Uhr I am 25. von 5-6%Uhr .. 17.18. mittags 12 .. . .. 26.abds.77, „ .. 17..18. Kaffee 4 ,, | im Hause Rue des Digues 6. 4. Unterkunft in der Mannschafts-Sammelstelle; Rue des Digues 48. 5. Auskunft beim Feldrabbiner Dl*. ScllOH10HS]£i? A.H. Q. Rue Cuvier 15. Offizielle Barte zur Ankündigung des Festgottesdienstes.