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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-11-09 · Heft 45 (9.11.1917) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 45 (9.11.1917)
Date
1917-11-09
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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wird das Gedenken an Adolph Eisenstädt nicht verlöschen. Nach diesen Ansprachen wurde der Sarg der Erde übergeben. — Thor«, 2. November. Antisemitische Rüpeleien im hiesigen. Stadttheater haben eine Anzahl jüdischer Besucher dieses Museutempels veranlaßt, den hier erscheinenden Zeitungen folgende Notiz einzusenden: „In der gestrigen Stadttheatervorstellung von „Golds ch in i e d s Töchterlein" hat ein Mitglied des Theaters, der die Rolle des Theater- und Konzertagenten Schl am einer verkörperte, durch die übertriebene Art seines Spiels den Unwillen einer großen Anzahl Theaterbesucher jüdischen Glaubens erregt. Es ist nicht anzunehmen, daß der Verfasser des Stückes in der Person' eines Geheimen Kommissionsrates eine derartige Verzerrung dieser Nolle beabsichtigt hat; es erweckte vielmehr den Anschein, als ob der betreffende Schauspieler einen billigen Effekt erhaschen wollte. Im Namen der übrigen Besucher jüdischen Glaubens verbitten nur uns eine derartige Belästigung und Anrempelnng durch einen Schauspieler von der Bühne herab." Es ist zu erwarten, daß die Leistung unseres Stadtth-eaters diesen frisch importierten antisemitischen Unfug abstellen wird. H. W. Aus der Provinz Posen, im November. Posen. Das Verdienstkrenz für Kriegshilfe wurde dem Kaufmann Herrn Leopold B r n u d t, Hierselbst, in Anerkennung seiner Verdienste bei Turchführilng der Kriegsnmßimhmen verliehen. -- Die Retigionsschule des Gemernderabbiners Herrn Dr. F r e i m a n n zeichnete für die siebente Kriegsanleihe den Betrag von 10 200 Mark. - Hohensalza. Am 19. Oktober verschied hier Herr Adolf H e i m a n n im 74. Lebensjahre. Bei dem großen Leichenbegängnis zechte sich, m welch hohem Ansehen der Verstorbene bei allen Bürgern der Stadt gestanden. -- Bromberg. Unter großer Beteiligung ist hier Herr Salomon C o h n zu Grabe getragen worden. Der Verewigte erreichte das Greisenalter von 81 Jahren und war allgemein beliebt und geachtet. — N a w i t s ch. Das Bankhaus Hermann Lo-ewy bierselbst zeichnete zur siebenten Kriegsanleihe für sich und seine Kunden 1 Million Mark. — Schroda. Am 18. Oktober starb für das Vaterland nach schwerem Leiden, das er sich im Felde z-ngezogen hatte, der Musketier Nt a r Hei m amt, Sohn des Kaufmanns Herrn Adolf Heimann, im Alter von 22 Jahren. -- Pud ew i tz. In der hier abgehaltenen Stadtverodttetensitzung nahm die Versammlung mit vielem Dank die hochherzige Stiftung über 5000 Mark an. die der Königliche Handelsrichter Isidor Nies; in Berlin ans Anlaß seines 60. Geburtstages seiner Vaterstadt Pu benutz zur Untersuchung bedürftiger Bürger und Bürgerinnen ohne Unterschied der Konfession und Nationalität, die keine öffentliche Armenunterstützung beziehen, überwiesen hat. — B o j a n v w v. Die jüdische Altersversorgnngsanstalt (Moritz Rohrsche Stiftung), die sich auch an der vorigen Kriegsanleihe in erheblichem Maße beteiligte, hat ans die siebetlte Kriegsanleihe wiederum 24 000 Mark gezeichnet. H. Ostrowo i. P., 2. November. In der Sitzung des Vaterländischen Franenvereins wurde beschlossen. Frau Justizrat V o s; anläßlich ihres Fortznges von Ostrowo zur Anerkennung für unermüdliche Arbeit im Verein znm Ehrenmitgliede des Vaterländischen Franenvereins zu ernennen und dem Kinderheim, dessen Abteilnngsvorsitzeiide Frau Boß war, den Namen „Emilie-Voß- Kinderheim" zu geben. Sodann wurde für Frau Justizrat V o ß Frau Jnstizrat Golds ch m i d t gewühlt. — Ohlau, 2. November. Der Ehrenbürger unserer Stadt, Herr Geh. Medizinalrat Dr. Lichtwitz, beging am 28. v. M. sein goldenes Doktorjubiläum. Die Universität Breslau übermittelte ihre Glückwünsche und ließ das erneuerte Toktordiplom durch Herrn Sanitätsrat Tr. Kr ecke r überreichen, der zugleich die Glückwünsche des ärztlichen Vereins überbrachte. Die Stadt feierte den Jubilar, den sie zu seinem 70. Geburtstag bereits znm Ehrenbürger ernannt hatte, durch ein Ständchen und durch eine kunstvolle Adresse, welche vom Bürgermeister und einer Deputation des Magistrats überreicht wurde. Der Kreis Ohlan, die ärztlichen Vereine Breslaus unb Schlesiens, zahlreiche sonstige Körperschaften und Private sandten Gratulationen. Der Jubilar war Teilnehmer der Feldzüge 1866 und 1870/71 und Zeuge der Kaiserproklamation in Versailles. Seit der Rückkehr ans dem Felde ist er ununterbrochen als Arzt in Ohlan ansässig und bekleidete fast 30 Jahre das Amt des Kreisarztes und Leiters des Kreiskrankenhauses. Während des jetzigen Krieges war er als Oberstabsarzt und Chef der Lazarette tätig und wurde erst kürzlich durch Verleihung des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Hamburg, 2. November. Das Nepräsentantenkollegium der Deutsch-Israelitischen Gemeinde hielt im Gemeindehaus eine Sitzung unter Vorsitz des Herrn Jos. L i p p m a n n ab, der als Kommissare des Gemeindevorstandes die Herren Jakob Alexander und Heinrich L e v v beiwohnten. Der Vorsitzende gedenkt zuerst in warmen Worten des verstorbenen Mitgliedes der Gemeindevertretung, des Herrn H. Bachrach, der mehr als zwei Jahrzehnte ununterbrochen dem Kollegium angehörte. Nach Erledigung einiger internen Angelegenheiten wird in die Beratung der Gemeindeabrechnung für das Jahr 1916 eingetreten. Die Abrechnung weist bei einem Gesamtbetrag von 309 791 Mark einen Fehlbetrag von 41895 Mark auf. Die etwas erhöhten Stellereinnahmen von rund 200 000 Mark haben dazu beigetragen, trotz der durch die Kriegszeit erheblich gesteigerten Lasten der Gemeinde, den Fehlbetrag nicht allzu groß werden zu lassen. Bon den einzelnen Ausgabeposten seien besonders erwähnt: Armennnd Wohlfahrtspflege mit insgesamt 103 829 Mark, während das Schul- und Bildnngswesen 92 833 Mark erforderte. Unter den Kriegs - ansgaben befinden sich 4400 Mark als Bewilligungen für die Patengemoinden Goldap, Gumbinnen und Trakehnen und für die Aufstellung eitler Statistik der hiesigen jüdischen Kriegsteilnehmer. Nach einigen Erläuterungen der Vertreter des Gemeindevorstandes wird die Abrechnung als richtig anerkannt und genehmigt. Die Abrechnung der Depositenkasse milder Stiftungen der Gemeinde ergibt die interessante Tatsache, daß bei der Genieinde rund 3 Millionen Mark milder Stiftungsgelder hinterlegt sind, deren Zinsen für wohltätige Zwecke und humanitäre Einrichtungen der Gemeinde teils nach den Angaben der Stifter, teils nach dem freien Ermessen des Vorstandes verwendet werden. Der Antrag des Gemeindevorstandes betreffs Erhöhung der Gebühren des Pächters der Friedhossgärtnerei in Ohlsdorf wird vorn Vertreter des Gemeindevorstandes mit Hinweis auf die allgemeine Steigerung -der Löhne und der Materialien eingehend begründet und nach kurzer Anssprache genehmigt. Der Vorsitzende berichtet sodann über die Sitzung der Kommissare der Repräsentanten mit denen des Gemeindevorstandes zur Prüfung des Antrages auf Errichtung einer Seelsorge für jüdische Kranke und Irre in den betreffenden Anstalten. Die Notwendigkeit dieser Maßnahme sei in der Kounnission allseitig anerkannt worden und es sind auch weitere Schritte in der Vorbereitung, die wohl bald diese allseitig gewünschte Einrichtung verwirklichen werden. In geheimer Sitzung wird alsdann Herr L u d lv i g Joshua zum Mitglied des Schulvorstandes der Tatnlud-Thora-Realschnle für den verstorbenen Herrn A. Mttmund gewählt. er* Düsseldorf, 2. November. Ter hiesige jüdische Jugendbnnd hat sich in der Oststraße ein eigenes Heim eingerichtet, das mit einer zeitgemäßen ernsten Feier eröffnet und der Benutzung übergeben wurde. Im Mittelpunkt der schlichten Veranstaltung, ztl der alle jüdischen Vereinigungen Düsseldorfs Vertreter gesandt hatten, stand die Weiherede des Rabbiners Dr. Schuf tan, der vor allem die Notwendigkeit der Erziehung zu bewußten jüdischen Dcnlscken betonte. Für die Shnagoaengemeinde svrach Geheimer Sanitätsrat Tr. M e y e r , für die Großloge Rabbiner Dr. Max Eschelbach er. Die Grüße des Zentralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens übermittelte das Handelskammermitglied O. M a n e s, die des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands Landesrabbiner Tr. N i e g e r in Braunschweig. Von Schwesternvereinen sprachen unter anderem die Vertreter von Hamburg, Duisburg, Krefeld. Eingeleitet wurde die eindrucksvolle Feier durch Klaviervorträge des jungen Düsseldorfer Pianisten Julius Grün stein: Herr Durra vom Schauspielhaus sprach einen Prolog. Am Nachmittag fand eine Bezirkstagung des westdeutschen Bezirksverbandes der jüdischen Jugendvereine statt, die sieb in der Hauptsache mit der Vereinsarbeit im Kriege befaßte. — München, 2. November. Seit einiger Zeit werden hier an einzelne führende--Perfönlichkei ten und Schriftleituugen in Maschinenschrift hergestellte Hetzgedichte versandt, die in kläglichen Reimereien unbegründete Vorwürfe und Verleumdungen gegen unsere israelitischen Mitbürger enthalten. Der gemeine Feigling, der diese Pamphlete vertreibt, hütet sich, seinen Namen zu nennen und vermeidet in der Art seiner Schandbriefe sorgsam alle Anhaltspunkte, die zu seiner Entdeckung führen könnten. Wenn nun auch jeder vernünftige Empfänger diese Briefe möglichst ungelesen in den Papierkorb werfen wird, so muß doch gegen diesen Versuch, den Burgfrieden ztr stören tmd das Gift der konfessionellen Hetze bei uns zu

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