Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1917)
- Date
- 1917-11-09
- Page
- Seite 536 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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getan. Seine freigebige Hand hat den Hilfsbedürftigen und Armen viel Gutes erwiesen. Sein edelmännischer, vorbildlicher Gemcinsinn wird in unserer Gemeinde nie vergessen. Gemeindeverwaltung Planegg, Baycrl, Bürgermeister." Dem allseitigcn Ansehen und der bedeutenden sozialen Stellung, welche Emil Freiherr v. Hirsch eingenommen, entsprach auch das Begräbnis, das am 25. September auf dem Alten israelitischen Friedhof an der Thalkirchener Straße zu München stattfand, nach Zahl und Art der Teilnehmer. Erstere war ungemein groß, letztere umfaßte alle oberen und mittleren Gesellschaftsklassen. Zur Tranerfeier mit den Verwandten, darunter Oberst Freiherr v. Fleury, dem Schwiegersohn, hatten sich eingefunden: Oberbürgermeister Geiheimrat Dr. v. Borscht und Rechtsrat Hörburger als Vertreter der Stadtgemeinde München, Vertreter des Distriktsrats München links der Isar, Generalleutnant v. Enler-Chelpin, Generalmajor v. Pfetten, Major v. Wenz zu Niederlahnstein und andere Offiziere, katholische Geistliche, darunter der Dekan Geistlicher Rat Danzer aus Martinsried-Planegg und Pfarrer Schroll, Bankdirektvren, Großindustrielle, Oberleutnant Brenning mit Mannschaften der militärischen Jugendkompagnie 22 und Vertreter der Frauenvereine vom Roten Kreuz; weiter die Bürgermeister von Planegg, Gräselsing und Krailling mit den Beigeordneten, der Lehrkörper der Volksschule Planegg, Vertreter des Lazaretts Planegg, der Deutsche Kriegerbund München, die Veteranen- und Kriegervereine von Maria - Eich-Planegg und Krailling und viele andere Leidtragende. Rabbiner Professor Dr. (S. Werner hielt zu Beginn der Tranerfeier in der reich gezierten Halle eine ehrende Gedächtnisrede. An der Ruhestätte legten unter Worten des Dankes und der Anerkennung Kränze nieder: Rcgierungsrat Tr. Hainz für den Tistriktsrat Ptünchen links der Isar, Bürgermeister Bayerl für die Gemeinde Planegg, Bürgermeister Hartinanu im Namen der Gemeinde Gräselsing, der Frauenverein vom Roten Kreuz Planegg-Krailling, das Verwaltungs- und Pflegepersonal sowie die Verwundeten des Lazaretts Planegg, die militärische Jugendkvmpagnie 22 und der Deutsche Kriegerbund. Beim Grabschmuck lagen Kränze von der Stadtgemeinde München, von der Gemeinde Krailling, vom Zentralkomitee des Frauenvereins vom Roten Kreuz Abteilung YJ, von der Direktion der Bayerische» Vereinsbank, von der Schlvßbrauerei Planegg, von den Beamten der Frhrl. v. Hirschschen Guts- und Forstverwaltungen, vom Männerturnverein München 187», von der Feuerschützengesellschaft Planegg und von der Metallwarenfabrik Wilhelm Baier. Nun liegt das schöne friedliche Schloßgut Planegg im rauhen vberbayerischeu Herbstwind und trauert um seinen eifrig fürsorglichen letzten jüdischen Herrn. FI. Lin Leichen und seine jörnennnng. Von Rabbiner Tr. F r i e b m a n n lLublmitz). as Z.eich en, von dem hier die Rede sein soll, sind zivci gleichseitige, ineinander verschlungene Dreiecke, die sechs Spitzen (Ecken) ergeben, und zwar je zwei nach rechts und links und je eine nach oben und unten. Und seine übliche Benennung ist: Mögen David oder „Schild Davids". Was soll das Zeichen bedeuten und worauf feine Benennung Hinweisen? Es kann kaum ein Waffen ge rät gemeint sein, dessen sich der heldenmütige König bedient hätte. Denn dann wäre es doch auffallend, daß von einem solch en weder in der Bibel noch im Talmud Erwähnung geschieht, ivähreud sonst daselbst viel von Wafsengeräten berichtet wird. Und iveiter müßten wir darüber erstaunt sein, daß gerade ein W a f f e n g e r ä t auf „heiligen" Gegenständen erscheint, wie es mit dem „Di. D". ja der Fall ist. Nein, der „Schild > Davids" bedeutet etwas anderes als ein Waffengerät. In! den vielen Kämpfen und Kriegen, die der König zu führen j hatte, war sein Schild derselbe, welcher schon in der ältesten Zeit der Schild unseres ersten Stammvaters Abraham U'ar, und der seitdem der Schild seiner Nachkommen geblieben ist: der ewige Gott. Das Zeichen soll demnach auf das Dasein und die Weltherrschaft des Ewigen Hinweisen. Zu demselben Zwecke wurde ja schon im Tempel zu Jerusalem gewisse Opferteile nach sechs Richtungen geschwungen, und am Hüttenfeste iverden mit dem Feststrauß je sechs Schwingungen geinacht, und zwar vier nach den vier Himmelsrichtungen und je eine nach oben und unten. Die sechs Schwingungen deuten nach der Meinung eines berühmten Talmudlehrers auf den Schöpfer des Weltalls hin, welcher die vier Enden der Welt, den Himmel und die Erde geschaffen hat. Weshalb aber ivurde dieses Zeichen mit dieser Bedeutung gerade „Schild Davids" und nicht etwa „Schild Abrahams" genannt? Nun, seit ältester Zeit wird im Judentum der kommende Messias als ein Nachkomme aus dem Hause Davids bezeichnet, und die Sehnsucht nach dem Erlöser und Befreier der Menschheit war zu allen Zeiten in Israel lebendig und tief. Ter „M. D." als Z e i ch e n der Weltherrschaft des > ewigen Gottes sollte diese Sehnsucht und ihre einstige Erfüllung stets in Israel fördern. Nur auf diese Weise kann das Zeichen und seine Benennung verständlich und einleuchtend werden. Schließt nicht auch die Benediktion (nach der Haftara-Vorlesung), welche vom Messias handelt, mit den Worten: „Gelobt seist du, Ewiger, Schild Davids"? Die Atessias-J d e e gehört dem Zeitalter des Propheten Jesaias an (Kap. 11 und 12), und diese Idee wurde in den späteren Zeiten erweitert und vervielfältigt. Halten wir aber an diesem Ursprung fest, so können wir vielleicht auch das Alter des Zeichens und seiner Benennung nahezu sicher eruieren. Dazu hilft eine Mitteilung Lidzbarskis, mit welcher uns Dr. Klein in der „Freien Jüdischen Lehrerstimme" vom 15. März d. I. bekanntmacht, daß nämlich das sogenannte „Mogen-Davids"-Z eich en schon im siebenten Jahrhundert vor der gewöhnlichen Zeitrechnung in Gebrauch war. Und Lidzbarski, fügt hinzu: „Durch diese Tatsache erledigen sich alle Einwände gegen das hohe Alter dieses Zeichens. Höchstens kann von der Jugend dieser Benennung gesprochen iverden." Indessen einen AltersuntersckMd zwischen Zeichen und Namen des „Dt. D." anzunehmen, scheint mir nicht richtig. War das Zeichen da, so muß auch seine Benennung gleichzeitig mindestens vorhanden gewesen sein, ivcnn man nicht gar für den älteren Namen noch erst ein rechtes Zeichen gesucht und später gefunden hat. Oder soll etwa des Zeichens Name früher ein anderer geivesen und später geändert worden sein? Für eine solche Annahme liegt gar kein Grund vor. Im Gegenteil möchte ich meinen, daß gerade dem hohen Alter des Zeichens auch das hohe Alter seiner Benennung entsprechen dürfte. Schauen wir einmal nach, welche Zeit dafür am besten in Betracht käme, so finden wir aus den ersten Blick die Regierungszeit des Königs Ehiskija dafür am geeignetsten. Die fünfzehn Jahre (710 bis 696), welche dieser König nach dem Untergange des assyrischen Reiches noch regierte, wären eine Zeit, in der sowohl das Zeichen als auch die Benennung des „Mögen Davids" entstanden sein kann. Es war ein goldenes Zeitalter für die innere Entwicklung des Reiches Juda gekommen. Der Ewige hat Ehiskija vor seinen Feinden ringsum Ruhe verschafft, wie vorher schon David, und er hatte nach der, auf so wunderbare Weife erfolgten Niederlage Sanheribs in Aegypten von keiner Seite mehr einen Angriff zu befürchten. Wie schon unter David, wunderten Fremdlinge in das glückliche Juda ein und schlossen