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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-11-09 · Heft 45 (9.11.1917) · p. Seite 531

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 45 (9.11.1917)
Date
1917-11-09
Page
Seite 531 (sequence 3)
Language
German
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Sgl göttlichen Kräfte bewirkten.wie umgekehrt seine schlechte Tat und seine unlauteren Gedanken die göttliche Lebenskraft verringerten und die Harmonie des Weltgeschehens störten. In einem gewissen Sinn schwingt ein solches Denken von alters her in der jüdischen Frömmigkeit in der Ausprägung des Begriffs, „Kiddusch haschem, Heiligung Gottes", nur daß es sich da nicht auf das Rituale richtet und nicht in dieser grobsinnlichen Weise ausgedrückt wurde, wie die Kabbalah es tat. Durch diese sinnliche Ausdeutung wurde nun jedes Wort, jede Silbe des Gebetes, jede Einzelheit des Rituals bedeutsam. Es war derart nur natürlich, daß die Kabbalisten sich als die wahren Erhalter des Judentums empfanden, als diejenigen, die den inneren, verborgenen Sinn der jüdischen Frömmigkeit getreu bewahrten und ihr erst den wirklichen und wirksamen Inhalt gäben. Es wird noch davon zu reden sein, welche Rolle diese Denkweise in Zukunft spielen mußte, als es sich um eine Reform der jüdischen Gebräuche handelte und der Kampf um sie entbrannte. Wie man sich eine Welt der Gnade und Liebe dackite, deren Bewegung die Erlösung beschleunigt, so auch ein Reich des Bösen, das die Erlösung hemmt und verzögert. Während das offizielle Judentum mit Peinlichkeit alles ablehnte, was auch nur im entferntesten an den Glauben an die Existenz eines wurzelhaft Bösen in der Welt und im Menschen anklingen konnte, wie er sich im Christentum in der Anschauung von der Erbsünde ausgebildet hatte, setzten sich in diesem Zweige der Mystik solcher Lehre verwandte Gedanken unterirdisch fort. Wenn sie auch nie zu der Stärke und zu der dogmatischen Gestaltung kamen, wie die Lehre von der Erbsünde und Schwäche des Menschen sie im Christentum gewann, immerhin, sie spielten eine Rolle und durchaus keine geringe. Man fing an, an ein Reich des Urbösen, in der Sprache der Kabbalah „Kelipba" - d. h. Schale — genannt, zu glauben. Jede Sünde im Sittlichen, jede Uebertretnng und mangelhafte Handhabung eines Rituals, jeder Mangel an Andacht im Gebet stärke diese Seite der Welt und vermehre so die Macht des Bösen und hemme Has Reich der Gnade, wie umgekehrt rechte Andacht und Beseelung der Frömmigkeit dem Reich der Gnade zum Siege über das Böse verhelfe. Mannigfache Verzweigung erfuhr dieser Gedanke: die Phantasie waltete in freiem Spiel. Durch Adams Sünde, so lehrte einer der berühmtesten Meister der Kabbalah, Isaak Lurja, sei alles in der Welt in Verwirrung geraten, Gutes und Böses miteinander vermischt. Die messianische Zeit werde erst dann da sein, wenn dieses Chaos gelichtet, das Gute vom Bösen gesondert sein werde. Und diese Scheidung herbeizuführen, sei die wesentliche Abgabe Israels, dein mit seinen Ritualien und Gebeten der Schlüssel zur Sondierung des Bösen vom Guten in die Hand gegeben sei; wenn es ihn nur recht gebrauche! Ihre letzte Vollendung finden alle diese Gedanken in der eigentümlichen kabbalistischen Seelenlehre: davon in einem folgenden Artikel. Dir Woche. B e r l i n, 6. November 1917. ie ungewöhnlich -großen Erfolge unserer und unserer Verbündeten Truppen a u f i t a l i e n i s ch e m Boden (200 000 Gefangene, 1800 Geschütze und ungeheueres I Kriegsmaterial) erfüllen uns mit großer Freude. Neuerdings haben unsere Truppen den Tagliamento überschritten und wieder 6000 Gefangene gemacht. Diese Freude kann nicht gemindert werden durch die bramarbasierenden Redensarten der Italiener, daß zwei der Jsonzo-Armeen unversehrt sich zurückgezogen hätten, denn wir wissen, daß 200 000 Mann einen recht ansehnlichen Teil von Armeen darstellen. Sie wird noch wesentlich erhöht durch die Erklärung der Ententemächte, daß sie dem aufs Haupt geschlagenen Bundesgenossen die Unverletzlichkeit seines Gebietes garantieren. Unsere Feinde, die sich ehedem große Gebietserweiterungen zusprachen, sind schon so fleinlaut geworden, daß sie froh sind, das zu behalten, was sie vormals besaßen. Wenn nun auch Frankreich, das zwar augenblicklich Teilerfolge zu haben scheint, sich aber nicht mächtig genug fühlt, Truppen nach Italien zu senden, von seinen ungerechten Ansprüchen aus Elsaß-Lothringen abläßt, dann ist ein Weg zum Frieden geboten. Um so eher, als Rußland wiederholt erklärt hat, keine Offensive mehr zu wagen, und als England trotz aller gegenteiligen Erklärungen die immer schwereren Verluste spürt, die ihm durch die Unterseeboote zugesügt werden. Wie sich in Italien die Dinge weiter entwickeln werden, steht dahin. Es sieht so aus, als wenn die italienischen Truppen, unterstützt durch ihre Bundesgenossen, einen Vorstotz wagen würden: doch ist zu wünschen, daß die an Mannschaft lind Material Geschwächten die Siegeszuversicht eingebüßt und die Jucht verloren haben, die zu einem Triumphe notwendig ist. Wir hoffen, daß unsere Braven, die nicht nur in fünf Taaen altes wiedererobert haben, was jene in .weiundeinhalbjährigen mühsamen und verlustreichen Anstürmen sich ungeeignet hatten, sondern weit in feindliches Land vorgedrungen sind, sich nickt so schnell vertreiben lassen. Gelingt es gar, Benedia oder Mailand in unsere Hand zu bekommen, so würde der Besitz dieser Zentren nicht nur eine sehr ernstliche Gefahr für unsere Gegner bedeuten, sondern eine .moralische Wucht auf dieleicht erregbaren italienischen Massen ausüben, die einstweilen. da man ihnen die Wahrheit verschweigt oder verschleiert. das wirklich Geschehene kaum ahnen, eine Wucht, deren Folgen man nicht im voraus bestimmen kann. Kommt es. was in dem mühsam geeinten Italien gar nicht unmöglich ist. zu einem revolutionären Ausbruch, dann ist aller Voraussicht nach die Sache der Entente gründlich verloren. Jedenfalls bat sich durch diese italienische Erpedition. die sorgfältig vorbereitet, genial und für die hochmütig nichtsahnenden Feinde überraschend durchgeführt worden ist, die Sachlage gründlich, und zwar zu unseren Gunsten verändert. Wir dürfen hoffen und vertrauen, unb können uns dem Glauben hingeüen. daß unsere Sache einen starken Schritt vorwärts getan hat. Dem eidbrüchigen Italien aber ist eine solche Lektion von Herzen m gönnen, so tiefe Liebe und Bewunderung man auch für die Vergangenheit des schönen Landes hegen mag. * Auch im I n n e r n T e u t s ch l a n d s haben sich gewaltige Veränderungen vollzogen. Der Reichskanzler Dr. Michaelis hat nach einer sehr kurzen bedeutungslosen Tätigkeit seinen Abschied erbeten und erhalten, an seine Stelle ist Graf Hertli ng, der frühere bayerische Ministerpräsident, getreten. Statt eines sehr frommen Protestanten ein gläubiger, der Kirche ergebener Katholik; der erfahrene Verwaltungsbeamte, der sich in seiner ehemaligen Tätigkeit außerordentliche Verdienste erworben, hat einem Professor der Philosophie Platz gemacht, der als Universitätslehrer und Schriftsteller nicht eben Bleibendes schuf, aber durch eine lange Parlaments- und eine kurze diplomatische Tätigkeit Erfahrungen gesammelt hat; der Bürgerliche mußte einem Adligen weichen. Wäre das der ganze Sinn der neuen Aera, so würde die Personenänderung nicht viel bedeuten. Wichtiger müßte sie werden, wenn durch die Berufung eines Stt-ddeutschen beginnende Differenzen zwischen Nord und Süd erstickt würden und wenn durch die Ernennung eines Parlamentariers nun axtcE) andere

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