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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-11-02 · Heft 44 (2.11.1917) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 44 (2.11.1917)
Date
1917-11-02
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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er. Nürnberg, 26. Oktober. Zum Zwecke der regelmäßigen Unterstützung bedürftiger jüdischer Kriegs- und Zivilgesangener in Rußland, England, Frankreich und Italien steht von seiten eines jüdischen Hilfskomitees ein Unterstützung'sfonds zur Verfügung. Angehörige jüdischer Gefangener, die Berücksichtigung ihrer Angehörigen wünschen, können sich an die Kreisauskunftsstelle Nürnberg, Württemberger Hof-, Zimmer 10, wenden und unter Angabe der Personalien und genauen Gefangenenadresse der Betreffenden Auskunft erhalten. Zur Berücksichtigung gelangen sowohl bedürftige deutsche wie auch österreich-ungarifche Staatsangehörige. Frankfurt a. M., 26. Oktober. lieber die Feier des 60. Geburtstages des Herrn Direktors Dr. Adler sei nachträglich folgendes mitgeteilt: Da der 26. September auf den Versöhnungstag fiel, beging die Philanthropin den Festtag ihres Leiters vorher. Professor Dr. K r a c a u e r als Aeltester des Lehrkörpers der Doppelschulanstalt, würdigte in längerer Rede die Verdienste des Gefeierten um die Schule und überreichte ein Ehrengeschenk. Dann überbrachte die jüngste Schülerin -und ein Primaner die Glückwünsche der Schüler. Daran schloß sich die Ueberreichung einer „Herrn Direktor Dr. Adler in dankbarer Verehrung" gewidmeten, nach modernen methodischen Grundsätzen von dem Kursus der jüdischen Lehrerinnen herausgegebenen Bearbeitung einer Auswahl von „Erzählungen aus der Bibel" durch den Leiter dieses Kursus, Herrn Dr. B. May. Eine riesige Zahl von Gratulanten, Angebinde aller Art, besonders herrlicher Blumenspenden, schriftliche Glückwünsche von nah und fern zeugten von dem großen Maße der Verehrung und Liebe, die Adler durch sein gemeinnütziges Walten hervorgerufen. Am 27. September erschienen in der Wohnung die Vorsitzenden der Frankfurter Lehrervereinigung, Dr. Höxter und I. B. Lev h, um deren Glückwünsche und die des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche darzubringen. Der Frankfurter Verein, der bereits auf dem Frankfurter Derbandstag dem „Vater des Verbandes" den Grundstock zu der damals gegründeten Dr. Adlerschen Darlehenskasse gewidmet hatte, beging auch diesen festlichen Anlaß durch Ueberreichung einer künstlerisch ausgestatteten Adresse und einer Summe von 15 000 Mark zur freien Verfügung des Jubilars. Dabei übergab der genannte Verein noch als besonderes Festgeschenk der „Vereinigung" eine große Bronzeplakette von dem jüdischen Philosophen Hermann Cohen, gearbeitet von Leo H o r o v i tz , und im Aufträge des Lehrerverbandes eine silberne Blumenschale. Der Gefeierte danke in bewegten Worten für diese sinnigen und kostbaren Ehrungen aller Art und bestimmte den „Adler-FondS" zu einer „Stiftung für die berufliche Ausbildung jüdischer Lehrer- und Beamtentöchter". — Karlsruhe i. B., 26. Oktober. Wie das „Verordnungsblatt" mitteilt, erließ der Oberrat Anfang September an die Israeliten Badens folgende Bekanntmachung: „Die Besserung des Loses derjenigen deutschen Krieger, die als Gefangene in Feindeshand gefallen sind, ist eine ernste und schwierige Aufgabe, die nicht den Angehörigen der Bedauernswerten allein überlassen werden kann. Sie, die fern von der Heimat, für die sie tapfer gekämpft haben, vielfach ein sehr trauriges Dasein fristen, sollen wissen, daß wir alle ihrer dankbar gedenken. Zur Betätigung dieser Dankbarkeit gibt demnächst der Landesausschuß der Badischen Gesangenenfürsorge eine schöne Gelegenheit, indem er am 28. September d. I. eine Landessammlung zur Erleichterung der Lage der in den feindlichen Ländern befindlichen badischen Gefangenen veranstaltet. Es soll zugleich eine würdige Erinnerung an den Todestag des vielgeliebten Großherzogs Friedrich I. sein, seit dem nunmehr zehn Jahre verflossen sirrd. Wir bitten alle Angehörigen unserer Landesshnagoge, sich nach Kräften an dieser edlen Veranstaltung zu beteiligen." — Angesichts der Kohlennot und der Notwendigkeit, Brennmaterial zu sparen, mahnt der Oberrat die Gemeinden, in den Synagogen, Religionsschulen und sonstigen Gebäuden der israelitischen Gemeinden, die Beleuchtung und Heizung einzuschränken. Der Gottesdienst ist in einem ohnehin beleuchteten und geheizten Raume abzuhalten. Auch soll die Whaltung des Religionsunterrichtes eingeschränkt. werden. — Stratzbuvg i. Elf*, 26. Oktober. Von einem Mitglied der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde wurde eine Stiftung in Höhe von 25 000 Mark errichtet. Die Zinsen aus dem Kapital sollen dazu verwendet werden, um bedürftigen, besonders begabten israelitischen Schülern, deren Eltern im israelitischen Konsistorialbezirk Unter-Elsaß Wohnsitz haben, den Besuch geeigneter höherer Schulen zu ermöglichen, wodurch sie in den Stand gesetzt werden, einen bürgerlichen Berus, insbesondere den kaufmännischen, technifchen, landwirtschaftlichen oder Handwerkerberuf zu ergreifen. Der Stifter hat bestimmt, daß die Verteilung der Stipendien erst ein I a h r n a ch d e m F r i e - d e n s s ch l u ß beginnen soll. Bis dahin sollen die Zinsen aus dem Stiftungskapital an verschämte Arme, vorzugsweise an solche Familien verteilt werden, deren Ernährer sich irnKriegsdienst befindet, oder die infolge des Krieges in Not geraten sind. Die Stiftung wird von dem israelitischen Konsistorium des Unter-Elsaß verwaltet. Gesterrrich-Anggrn. Z. Wien, 26. Oktober. Im Alter von 76 Jahren ist hier vor kurzem Herr Emanuel Hoff mann nach längerem Leiden gestorben. Der achtzehnte Kultusgemeindebezirk war, wie die „Oesterr. Wochenschrift" berichtet, mit diesem wackeren, braven, schlichten, frommen Manne sozusagen verwachsen. Fünfzig Jahre hat er daselbst für die jüdische Gemeinde väterlich gesorgt. Währing hatte vor fünf Jahrzehnten nur wenige jüdische Seelen. Hosfmann mit einigen guten Juden gründete eine Kultusgemeinde, eine Chewra- Kadischa, und ruhte nicht, bis auch ein würdiges Gotteshaus gebaut war; auch eine Talmud-Thor a-Schule rief er ins Leben. In ihn', wohnte eben der gute Geist alter Ueberlieferung aus dem Kehillaleben; Ehrfurcht vor den jüdischen Heiligtümern, Hochachtung vor den jüdischen Gelehrten und innige Liebe zu allem, was das jüdische Leben ausbaut, und aufrichtige Religiosität. Bei der Gründung der Großgemeinde und Uebernehmen der autonomen Kultusgemeinde Währing in dieselbe trat Hosfmann auch in den Kultusvorstand ein, woselbst er stets durch sein bescheidenes, friedliches, offenes und klares Wesen beliebt und angesehen gewesen ist. Er interessierte sich besonders für das Schulwesen. Auch das israelitische Spital bildete einen Gegenstand seiner Obsorge; er war viele Jahre Obmannstellvertreter der Spitalkommission. So stand er durch Jahrzehnte im Dienste der jüdischen Sache und erfreute sich im 18. Bezirke der größten Beliebtheit und Verehrung, woselbst er geradezu als ein Wahrzeichen galt. Vor Einsetzen der Antisemitenströmung war er durch Jahre im Gemeindevorstande Währing: sein Namen steht heute noch auf dem Kirchenbrunnen. Er war ein Ehrenmann. Als solcher galt er auch in dem großen Geschäftshaus, in dem er über 50 Jahre tätig war. So hat er sich überall bewährt. ' Nächst seiner Familie stand ihm das Judentum znhöchst. Ihm lebte er mit Hingebung und Freude. Ihn betrauert eine treffliche, fromme Gattin und eine brave Tochter mit ihrem wackeren Gatten und Enkelkinder. Sein Haus war ein gut jüdisches. Das Andenken Emanuel Hofsmanns wird im 18. Bezirk unvergessen und stets gesegnet sein. — Am Tage nach Simchas-Thora fand das Leichenbegängnis statt. Im Trauerhause hatten sich überaus zahlreiche Trauergüste, darunter der greise Präsident der Kultusgemcinde, Tr. Alfred Stern, der Vizepräsident Dr. Leopold Kohn mit zahlreichen Vorstandsmitgliedern, Abordnungen vieler Vereine und auch der städtischen Bezirksvertretung eingefunden. Der Kondukt bewegte sich vom Familienhause in der Karl-Ludwig-Straße durch diese nach der Schopenhauerstraße. Die Bahre wurde in den schwarz ausgeschmückten Tempel getragen, woselbst vor großer Gemeinde eine höchst würdige Trauerfeier stattfand. Nach Vortrag des Trauerpsalmes durch den ersten Kantor Szrebrenik mit dem Chore hielt Rabbiner Dr. David Feuchtwang einen kurzen Nachruf, in dem er der großen Verdienste des Verstorbenen um die engere Gemeinde würdigte. Nach ihm sprach der Präsident Dr. Alfred Stern warme Worte der Anerkennung und schilderte den Verblichenen als „Diener Gottes". Dann sprach der Obmannstellvertreter des Tempelvorstandes Herr Dr. Ignatz Win ter bewegte Worte des Abschieds. Hierauf fand die Ueberführung zum Zentralfriedhofe statt, woselbst sich ebenfalls zahlreiche Trauergäste eingefunden hatten, darunter die Vertreter der Kultusgemeinde, Herr Landesschulrat Dr. Markus Spitzer und Herr kaiserlicher Rat Sigmund Kauders. Nach Vortrag der Trauergebete hielt Rabbiner Dr. David Feuchtwang den Nachruf. Herr Dr. Ignaz Winter widmete sodann an der Bahre des Verewigten im Namen aller Vereinigungen, denen er angehörte, und im Namen des Bethauses Währing Worte des Dankes. Oolrn. Z. Lodz, 26. Oktober. Infolge Erschöpfung der Mittel der Gemeinde hat das Repräsentantenkollegium der Gemeinde mit der Aufstellung der Heberolle begonnen, nach der die Gemeindesteuer

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