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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-11-02 · Heft 44 (2.11.1917) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 44 (2.11.1917)
Date
1917-11-02
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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--- 2 bic trotz unvermeidlicher Vergeltungsmaßnahmen bewiesene Gerechtigkeit und Wohlwollen dahingehend Ausdruck zu geben, daß sie sich nach besten Kräften an der Zeichnung der siebenten deutschen Kriegsanleihe beteiligen. Auch die nachstehenden Redner, Herr Wasko, Herr Siegmund Mohnblatt, legten in warmherzigsten Worten dar, wie unendlich wichtig die Befolgung der seitens des Vorsitzenden gegebenen Anregung für jeden rumänischen Staatsangehörigen sei, der das Glück habe, trotz seiner Eigenschaft als feindlicher Ausländer, sich der Freiheit und der wirtschaftlichen Betätigung in DeutsMand erfreuen zu dürfen. Auch die Ausführungen des ehrenamtlichen Schriftführers, Herrn Bar ein sch eck, erweckten verständnisvollen Widerhall, indem dieser noch ganz besonders hervorhob. daß jede einzelne Zeichnung ein kleines Steinchen zum aroßen schönen Bau des von allen gewollten und herbeige sehnten Briedens bedeute. Und die von den Anwesenden noch am selben Abend auf den Vorstandstisch niedergelea-ten Zeicbnirngserklärungen bewiesen, daß die vorgetragenen Wünsche und Anregungen auch auf durchaus fruchtbaren Boden gefallen waren. Einen gleich schönen Erfolg hatten die seitens des Vorsitzenden vorgebrachten Hinweise, daß ein jeder nach seinen Kräften, nicht nur durch eine einmalige, sondern durch eine lausende monatliche materielle Beigabe?ur Förderung der Unterstützung beitragen müsse. Mit einem Dank an alle Anwesenden schloß der Vorsitzende die Versammlung, deren Verlauf wieder einmal den Beweis erbrächt hatte, daß selbst in dieser harten Zeit zwei schöne Eigenschaften immer noch da. wo sie angebracht sind, zur Geltung kommen: Anerkennung und Dankbarkeit einem edlen ritterlichen Gegner gegenüber. &&& Berlin, 30. Oktober. Am 28. d. M. fand eine Sitzung des G e s a m t a u s s ch u f s e s des V o r b a n d e s der Deutschen I li ö c n statt, an der auch zahlreiche auswärtige Mitglieder teilnahmen. Die Sitzung wurde von dem stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Geheimen Justizrat Easse.l, eröffnet, der in einer Ansprache >dem dem Verbände so jäh entrissenen und um ihn« hochverdienten Vorsitzenden. Herrn Iustizrat Marmilian H o r w i tz. einen die Versammlung tief ergreifenden Nachruf widmete. Es wurde ferner des verstorbenen Jnstizrats?lbraham Ofner, der als Mitglied des geschüstsführeuden Ausschusses dem Verbände stets die regste Teilnahme gewidmet und für die Interessen des Judentums und dessen Bekenner, insbesondere auch als erster Vorsitzender des Vorstandes der israelitischen Kultusverwaltung zu München die förderlichste Wirksamkeit Jahrzehnte hindurch entfaltet hat. in ersten Worten gedacht. Die Versammlung beauftragte den Vorsitzenden, den: ausgeschiedenen langjährigen stellvertretenden Vorsitzenden und Mitbearünder des Verbandes, Herrn Iustizrat Breslauer, den tiefgefühlten Dank des Verbandes für seine so eifrige, aufopfernde und erfolgreiche Tätigkeit auszudrücken. Sodann wurden von dem Ausschuß einstimmig durch Zuruf Herr Geheimer Iustizrat Eassel zum ersten Vorsitzenden, Herr Geheimrat F u ch s und Herr Justizrat Hellakorver zu stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. .Halberstadt, 26. Oktober. Der Verein Israelitisches .Heim „Neweh Menuchoh" E. V. versendet seinen Tätigkeitsbericht für die Zeit vom l. Juli 1916 bis 30. Juni 1917, in dem es heißt: „Trotz der trüben Zeiten sind unsere Vermögensverhältnisse besser geworden. Treue Freunde unseres Vereins haben uns ferner zur Seite gestanden. Unsere Mitgliederzahl ist gewachsen. Einzelspenden sind uns zahlreich zugegangen, auch eine Reihe von größeren Stiftungen sind uns im Berichtsjahre geworden. Es stifteten: Frau Bertha Nußbaum geb. Hanauer 600 Mark. Herr Wilhelm Lande und Herr Mar L a n d e in Dresden zur Erhöhung ihrer früheren Stiftung von 600 Mark auf 1000 Mark 400 Mark. Herr Hermann S i l b e r b e r g und Frau Hedwig S i l b e r b e r g zum Andenken an ihre verstorbenen Eltern 1000 Mark. Den Wünschen der Regierung, daß in allen Garten die ansnutzbaren Flächen mit Gemüsen usw. während des schweren Krieges bepflanzt werden sollten, sind auch wir in diesem Jahre Widder gefolgt. Wir haben durch unseren Hausmeister wiederum die früheren Rasenflächen unseres Hausgartens mit verschiedenen Geinüsen usw. besetzen lassen. Der Erfolg war gut, und der Ertrag wurde an unsere dafür dankbaren Heiminfassen verteilt. Das Heim wird zurzeit von sieben älteren Personell- (sechs weiblichen und einer männlichen) bewohnt. Sie fühlen sich in unserem Heim sehr wohl. Sie sind glücklich, eine angenehme Wohnung zu besitzen und sich in unserem schöllen Garten ergehen zu können. Das Versammlungszimmer ist recht gemütlich ausgestattet urch^ durch Spenden mit reichlichem Lesestoff versehen. In diesem VerfammkmrgsMnnler befinden sich auch die Gedenktafeln für die edlen Stifter und.der Jahrzeitleuchter. Bei jeder Jahrzeit wird unter dem Lichte m das Schaber Name des betreffenden Verstorbenen während des Jahrzeittages eingeschoben. Den Kaddisch sagt an dem betreffenden Tage der von uns dazu bestellte Beamte/ — Der Kassenbericht schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 8634,67 Mark. Das Gesamtvermögen des Vereins beträgt 32161,89 Mark. Den Vorstand bilden die Herren: Julius Meyer, Max Baer, Moritz Joseph, Rabbiner Dr. Auerbach, Dr. med. Auerbach, Egon Goldschmidt, Ludwig Rei chend ach. — Hamburg, 26. Oktober. Die Bildung einer jüdischen Jugendkompagnie in Hamburg hat in den jüdischen Jugendvereinen des Reiches, hat in allen jüdischen Kreisen Widerspruch und Verstimmung hervorgerufen. Es wird überall als schädlich empfunden, wenn die Juden selbst, und wenn gerade die jüdischen Schüler sich in allgemein jugendlichen und vaterländischen Dingen von ihren deutschen. Volksgenossen trennen. Wie sie sich mit ihren Mitschülern in der Schule vertragen müssen und im allgemeinen gut vertragen, so sollen sie es auch in den Jugendkompaguien. Unterscheiden diese Jugendkompagnien sich doch grundsätzlich von freien Vereinen, wie dem Wandervogel etwa, indem sie eine offizielle Einrichtung bilden und unter staatlicher Führung stehen. Es heißt den Judenhetzern Wasser auf ihre Mühle treiben, wenn wir da selbst eine Scheidewand ziehen zwischen christlichen und jüdischen Mutschen. Solange es im allgemeinen keine Protestantischen, keine katholischen Jugendkompagnien gibt — eine vereinzelte Ausnahme ist belanglos —, solange haben auch die jüdischen keine Daseinsberechtigung. Eben jetzt, wo England, um nach dem Muster des Bauernfanges Judenfang zu treiben, mit den verächtlichsten Mitteln der Täuschung und der Heuchelei ein „jüdisches Regiment" gründen will^ sollten wir das Verkehrte einer Bildung von Jugendkompagnien um so deutlicher erkennen. Die militärische Jugenderziehung wird ja nach dem Kriege von Staats wegen einheitlich geregelt werden, dennoch glauben wir jetzt schon vor Irrwegen warnen zu sollen. er. München, 26. Oktober. Tie jüdische Kultusgemeinde hat durch das am 19. d. M. erfolgte W leben ihres verdienstvollen Vorsitzenden, Iustizrat Abraham Ofner, der mehr als ein Menschenalter hingebungsvoll für das Wohl der Münchener Judercheit gewirkt hat, einen schweren Verlust erlitten. Der Verstorbene stand im 66. Lebensjahre. Als Anwalt erfreute er sich einer sehr großen Praxis: nicht weniger bekannt war sein Wirken auf humanitärem, und sozialem Gebiet. Seit 33 Jahren war er Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde. Außerdem war er auch im Ausschuß einer Anzahl anderer namhafter Vereine, die den Interessen unserer Glaubensgenossen dienen, erfolgreich tätig. So gehörte er dem Israelitischen Landesverband, dem Verband der Deutschen Juden und dem Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens an. . Osner war ein Wohltäter der Armen und wußte für unzählige Hilfesuchende ohne Unterschied des Bekenntnisses Gutes zu tun. Für sein verdienstvolles Wirken war er mit dem Michaelsorden 4. Klasse ausgezeichnet. Die Beerdigung des Verstorbenen erfolgte unter überaus großer Beteiligung von Leidtragenden aus allen Kreisen. Mit den Verwandten hatten sich eingefnnden: die Vorstandschaft der Israelitischen Kultusgemeinde, ferner Oberbürgermeister Geheimrat Dr. v. B o r s ch t, Vertreter der Stadtgemeinde, Vertvoter der städtisckien Armenpflege, Oberlandesgerichtsprostdent Reichsrat v. Heinzel m a n n, Landgerichtspräsident D ü r b i g , Vorstand der Münchener Anwaltskammer, zahlreiche Richterbeamte, Vertreter des Landesvereiiis für israelitische Kultusgemeinden in Bayern, viele Offiziere, Rechtsanwälte und Industrielle. Rabbiner Prof. Dr. Werner gab in einer trostvollen ehrenden Gedächtnisrede em Lebensbild des verdienten Mitbürgers. Worte des Dankes und der Anerkennung widmeten Vorsteher Nußbaum für die Israelitische Kultusgemeiinde München, Justizrat Wittelshöfer von Fürth für den Oandesverein für israelitische Kultusgememden Bayerns, Iustizrat Leo Oppenheinter für den Israelitischen Frauenverein, Zahnarzt Dr. Baron im Aufträge der Ortsgruppe München des Verbandes der Deutschen Juden und Justizrat Dr. Frankenburger im Namen der München-Loge. '

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