Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 44 (2.11.1917)
- Date
- 1917-11-02
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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ein gezogen werden soll. Als Grundlage dient die Gemeindesteuer von 1915/16 und die Wohnungssteuer. Die Veranlagung der Steirer wird von einem aus 32 Bürgern bestehenden Ausschuß vorgenommen, der bereits drei Sitzungen abgehnlten hat. Weitere Sitzungen werden Sonntags, Dienstags und Donnerstags stattfinden. Vom Ausschuß wurde eine Liste von etwa 300 Personen ausgestellt, die durch Kriegsgewinne reich geworden sind. Diejenigen, die die Steuern bereits gezahlt haben, werden jetzt höher eingeschätzt, die übrigen werden neu veranlagt werden. — Tie Verwaltung des Jüdischen Altstädtischen Waisenhauses bestimmte 4000 Mark zur Errichtung und Unterhaltung einer Schule. — Der zionistische Jugendverein „Z ion- M i s r a ch i" hielt vorgestern eine Versammlung ab. Dem verlesenen Bericht für neun Monate entnehmen wir, daß der Verein 3 00 Mitglieder zählt, einen Lesesaal und eine Bücherei besitzt und sich mit der Errichtung judaistischer Kurse befaßt. Ter Haushaltsplan für das laufende Jahr wurde mit 2400 Mark bestätigt. Von Aah und ssern. - - Ans Anlaß des hundertjährigen Geburtstages von Heinrich G r a e tz hat der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde die Gemeinderabbiner ersucht, in den Predigten am nächsten Sabbat dieses hervorragenden Historikers zu gedenken. - - Die Verwaltung des Oberbefehlshabers-Ost bewilligte hunderttausend Mark als Vorschuß, um sofort eine Anzahl Eisenbahnwagen voll alter und neuer Stiefeln und alter Kleider aus der Schweiz unter die arme jüdische Bevölkerung in Oberost, teils unentgeltlich, teils zum Selbstkostenpreise, verteilen zu können. Es war den fortgesetzten Bemühungen des Berliner „Komitees für den Osten" geklingen, von der Schweizer Negierung die Ausfuhr- -und von der deutschen Negierung die Durchsilhrerlaubnis zu erlangen. - - Eine Gedächtnisfeier f ü r I u st i z r a t M a r i m i l i a n H o r w i tz wird der Zentralverein der Staatsbürger jüdischen Glaubens gemeinsam mit dem Verband der Deutschen Jllden und der Großloge des Ordens 11. O. B. B. am 11. November d. I. im Kaisersaal des Etablissements N heingold veranstalten. Einer Eröffnllngsansprache, die der Landtagsabgeordnete Geheimer Justizrat Eassel hält, wird eine Gedenkrede von Justizrat Fuchs folgen: die Schlußansprache hat der Großpräsident des U. O. B. B., Geheimrat T i m e n d o r f e r , übernommen. — Auf eine 25jährige ununterbrochene Tätigkeit im Ehrendienste der Gemeinde kann Herr I s a a c Stern zurückblicken. Der Jilbilar gehört dem Vorstande der Synagoge in der Kaiserstraße an und ist gleichzeitig Mitglied der vereinigten Synagogenvorstände. Der Vorstand der Synagoge Kaiserstraße hat dem Kollegen an seinem Ehrentage ein geschmackvolles Blumenarrangement überreicht. . Iran I ohan n a A rnhold, die Gattin des bekannten Großindustriellen, Geheimen j Kommerzienrat Eduard Arnhold, ist von Sr. Majestät dem Kaiser aus Anlaß des Geburtstages der Kaiserin durch die Verleihung der zweiten Klasse der zweiten Abteilung des Louisenordens mit der Jahreszahl 1865 ausgezeichnet worden. —- Frau Sanitätsrat Anna S a l o m o n in Berlin, Mitarbeiterin der Impfstelle des Zentralkomitees des Preußischen Landesvereins vom Roten Kreuz, ist mit der Roteu-Kreu?-Mcidaille dritter Klasse ausgezeichnet worden. - Das 25jährige Jubiläum beging dieser Tage die ftitmn A. Iandorf u. E o. in Berlin. Kommerzienrat Jandorf,, der . Begründer der Firma, erhielt aus diesem Anlaß zahlreiche Glückwünsche von Behörden und Vertretern der Handelskörperschaften. Im Namen des Verbandes der Warenhäuser überbrachte Herr Oskar Ti eh die herzlichsten Glückwünsche. Sein 25jähriges Geschäftsjubiläum beging am 24. v. M. Herr D. L o e w e n b e r g e r , Prokurist und Ehef des Kastenwesens im Hause Hermann Tietz. - Der Berliner Nechtsanwalt und Notar Justizrat Arnold Lewinsky ist am 26. v. M^ im 61. Lebensjahre gestorben. -- Der Kriegsveteran Tapeziermeister David Reich in Berlin- Treptow feierte am 29. v. M. mit seiner Frau die goldene Hochzeit. Das Jubelpaar erfreut sich bester Gesundheit. -- Dem Stadtrat und ersten Vorstand der jüdischen Gemeinde in Oranienburg, Herrn Bankier Blumenthal, ist das Verdienstkreuz für Kriegshilse verliehen worden. - Aus Jastrow in Westpreußen wird uns geschrieben: Leutnant und Adjutant Erich Simon, Sohn des Fabrikbesitzers Simon hier- ' selbst, hat das Eiserne Kreuz erster Klasse im Osten erhalten. Für junge Aerzte hat der in Breslau verstorbene Geheime Sanitätsrat Dr. Sandberg eine Stiftung testamentarisch begründet. Das Stiftungskapital, dessen Verwaltung dem Vorstand der Breslauer Synagogen gemeinde übertragen ist, beträgt 6000 Mark; die Zinsen sollen junge Aerzte nach ihrer Staatsprüfung vor ihrer Niederlassung erhalten. — Aus Hamburg wird uns geschrieben: Das seltene Fest der eisernen Hochzeit feierten am 31. Oktober die im Altenhause der Deutsch-israelitischen Gemeinde in der Sedanstraße wohnhaften Eheleute Joseph Philipp und Betty geborene Joseph. Der Jubelbräutigam steht im 89., die Jubelbraut \\a 95. Lebensjahre; beide erfreuen sich voller geistiger und körperlicher Frische. Herr Joseph Philipp war früher nahezu 25 Jahre Kastellan und Bote beim Hamburgischen deutsch-israelitischen Waiseninstitut. — Landrabbiner Dr. Lewinsky in Hildesheim begeht am 3. November sein 25jähriges Amtsjubiläum. — Zum Gedächtnis ihres verstorbenen Sohnes Dr. Fritz Oppenheimer, Assistenzarzt an der Universitätsaugenklinik in Würzburg, errichtete Frau Therese O p p e n h e i nt e r eine mH einem Kapital von 10 000 Mark ausgestattete, für die beste Bearbeitung von Aufgaben aus dem Gebiete der Augenheilkunde bestimmte „Dr.-Fritz-Oppenheimer-Preisstiftnng", ferner eine mit einem Kapital von 40 000 Mark ausoestattete Stiftung für arme Augenkranke. -- Zu Leutnants befördert wurden Referendar Saly G o l d s ch m i d t und Referendar Julius Sonn aus Gelnhausen. — Am 16. v. M. starb in Frankfurt a. M. Herr Dr. Paul Grünbaum im 65. Lebensjahre, nachdem er 28 Jahre an der israelitischen Neligionsschule in vorbildlicher Pflichttreue gewirkt und sich durch wahrhaft frommen Lebenswandel, Milde und Gesinnungsädel, reiches Wissen und Bescheidenheit hohe Achtung erworben hatte. -- In Reichelsheim im Odenwald starb der älteste Mann der Gemeinde, Herr Lob Meyer, im Alter von 82 Jahren. Er war ein echter Jehudi, der auch Thorakenntnisse besaß. An den hohen Feiertagen fungierte er seit vielen Jahrzehnten als Vorbeter. Sein Tod bedeutet einen großen Verlust für die Gemeinde. -- Der Frau Fabrikant Martha Krautsch in Stuttgart wurde am Königingeburtstag das Charlottenkreuz verliehen. — Ans Amsterdam wird geschrieben: Nachdem vor mehveren! Wochen Herr Gobi tz, der Schüler und Nachfolger des verstorbenen i Oberrabbiners Dr. Dünner, als Rektor des Israelitischen Senn- I nariums in Amsterdam verschieden ist, ist jüngst als sein Nachj folger, wiederum ein Schüler des Herrn Tr. Dünner, und zwar Oberrabbiner Louis W a gen an r aus Arnheim, zum Rektor des Seminars gewählt worden. — Rabbiner Tr. M. Friediger in Oderberg- Bahnhof erhielt die Einberufung 'Ctt§ Feldrabbiner und wurde zum Leiter der k. n. k. Militärseelsorge N. 6 in St. Polten bestellt. — Unter der Redaktion von Samuel Meißels hat in Wien ein jüdisches Wochenblatt „Neue Zeit" zu erscheinen begonnen. — Nechnuugsfeldwebel Emauuel Frankel, im Zivilberuf Oberkantor beim Synagogenverein „Beth Israel" in Wien, der seit 1915 zu Militärdiensten beim k. u. k. Infanterieregiment Nr. 63 eingerückt ist, wurde vom k. u. k. 12. Korpskomando für hervorragende Dienstleistung vor dem -Feinde, mit dem eisernen Verdienstkreuze nnt der Krone am Bande der Tapferkeitsm-edaille ausgezeichnet. Derselbe war für die hohen Feiertage beurlaubt und hat die Funktion in der Synagoge „Beth Israel" zur allgemeinen Zu.friedeuheit ausgeführt. —- In der Sitzung, welche der Finnische Landtag in Helsingfors kürzlich gegen den Willen der . Provisorrschen Negierung in demvom Generalgouverneur mit Amtssiegeln verschlossenen Landtagsgebäude nach Entfernung derselben abgehalten hat, wurde auch eine Vorlage über die gesetzliche Gleichberechtigung der Juden angenommen. — Aus Warschau werden Wunderdinge berichtet über das Schachspiel des sechsjährigen jüdischen Knaben Rezeszewski. Er wurde jüngst zum Generalgouverneur v. Beseler eingeladeu und spielte nnt ihm Schach. Ter Regent imb Feldherr sah sich den. Knirps inr braunen Samtanzug von oben an. Die Partie begann. Ter Kleine, ganz Gentl-emen, vornehm im Spiel, fragte immer: „Haben Sie schon gezogen?" Dann zog er und setzte den Gewaltigen, schachmatt. Er pflegt immer zu gewinnen, auch wenn sechs große Männer auf einmal gegen ihn spielen. Der kleine Rezeszewski lächelte die besiegte Exzellenz an und sagte tröstend: „Schießen kennen Sie, aber spielen kenn ich!" Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Alorastratze 5Q. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junae, Derlm-Friedenan. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.