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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-11-02 · Heft 44 (2.11.1917) · p. Seite 528

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 44 (2.11.1917)
Date
1917-11-02
Page
Seite 528 (sequence 12)
Language
German
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„Selbstbeherrschung!! Frauenwürde!!" Wer hat mir das gesagt? Günther, ach, mein Günther, tvas hast du mir getan?! * Ist es möglich, daß ich das, was ich vor mir sehe, erst gestern geschrieben habe? Jahre liegen zwischen gestern und heute, und doch sind es nur vierzehn Stunden, sieben, die ich im Bett verbracht; sieben, in denen ich meine wirtschaftlichen und anderen Pflichten erledigt habe wie alle Tage. Eine Nacht von sieben Stunden ist unendlich lang, wenn man sie durchgrübelt. Man kann ein Leben darin Niederkämpfen, ein getötetes neu erwecken. Man kann sich wandeln vom Leben zum Tode und vom Tode zum Leben. Wie ist das mit mir? Die Welt ist anders, seit ich weiß, daß der Mann, nach dem ich mich gesehnt habe, einer anderen gehört; ich bin anders, seit ich weiß, daß der Mann mich geliebt hat, mich, nur mich. (Fortsetzung folgt.) Litrrarilchr Mitteilungen. — Meister Iohann Tietz erzählte sein Leben, was er als preußischer Feldscher in Ungarn wider die Türken, als Schifssarzt mit holländischen Walfischfängern am Nordpol, auf Reisen in deutschen Landen, als Barbier und Chirurg mit Räubern und Jungfern, Soldaten und Gespenstern, endlich daheim mit zweien Ehefrauen erfahren, und also auf dieser Welt insgesamt hat leiden müssen. Nach der alten, Handschrift in der Königlichen Bibliothek zu Berlin zum ersten Male in Druck gegeben von Tr. Ernst Consentius. Wilhelm Langewiesche- Brandt, Ebenhausen bei München. Das interessante Kulturbild, das die wunderbaren und seltsamen Schicksale eines aus Halle stammenden Barbiers 1665 bis 1738 enthält und das als merkwürdiger Beitrag zur Sittengeschichte vergangener Zeit trotz seiner ungebührlichen Länge wohl empfohlen werden kann, würde wegen seines allgemeinen Inhalts an dieser Stelle nicht zu erwähnen sein. Wohl aber verdient es deswegen hier einen Platz, weil es gelegentlich über Juden spricht. Außer einer Stelle, wo bei der Belagerung einer Stadt im Osten auch jüdische gefangene Männer und Frauen erwähnt werden, und einer anderen, wo Juden als Käufer von Silbergerüt angeführt werden, kommen zwei bemerkenswerte Anführungen in Betracht. Die eine steht S. 194: da berichtet der Barbier, er habe zwei jüdischen Dienern die Wahrheit der christlichen Lehre verkündet und sie so weit gebracht, daß sie sich taufen ließen. Tie andere Stelle mag als nicht üble Anekdote hier abgedruckt werden. Sie steht S. 192 und lautet so: „Es war ein portugiesischer reicher Jude in Hamburg, Texara genannt, welcher fast täglich bei meinen Herrn kam und mit ihm spielete, um ganze Haufen Gold, nebenst andern. Der speisete oft mit meinem Herrn. Ilnd als der Koch einstnrals Sch'leien-Fisch mit wer gelben Rahmbrühe gemacht, und es dem Juden vortrefflich geschmeckt hatte, spricht er zu seinem Koch: „Du machst mir nie so gut Essen." — Der Koch' kombt und fraget unfern Koch. Dieser sagt's seinen Herrn, daß es Schlei' gewesen. Da sänget der Jude an, sich zu verfluchen und speiet; denn sie dürfen keinen Fisch ohne Schuppen esse; doch es war geschehen; und trauete er nicht mehr. L. G. I ü d i s che r N a t i on a l k a le n d er ausd a s I. a h r 5679 (1917/1918). Dritter Jahrgang. Hierausgegeben von Otto Abe'les 'und Ludwig Bato. Wien 1917. Verlag: „Jüdische Zeitung". Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz. Annuaire Israelite pour la Suisse. 5678. 1917/18. Verlag des Jüdischen Jahrbuck)es, Luzern—Leipzig. Die zwei Kalender haben in ihrem eigentlich kalendarischen Teile manches Gemeinsame; sonst sind sie grundverschieden. Der erstere ist durch lind durch zionistisch. Auch für den, der diese Gesinnung nicht teilt, bleibt es staunenswert, mit welchem Eifer und mit welcher Geschicklichkeit hier in größeren Aufsätzen, in zerstreuten Kernworten, in Gedichten und selbst in einer novellistischen Skizze (Emerich Abadi: Asarja wartet: Schilderung eines Palästinensischen Knaben, der auf das Anschauen Jerusalems harrt) der zionistische Gedanke gepredigt wird. Am stärksten tritt das in der Politischen Uebersichl hervor, die von einem der Herausgeber, Ludwig Bato, herrührt, in der die Geschicklichkeit anzustaunen ist, mit der die Begünstigung eines palästinischen Reiches durch die Ententemächte, — eine Begünstigung, die doch den in Oesterreich Lebenden höchst bedenklich erscheinen müßte — begrüßt und für die Zukunft ausgemünzt wird. Nicht minder in Heinrich Loewes Aufsatz über Graetz, mit dem ich inhaltlich sehr wenig übereinstiln«nre, am. wenigsten darin, daß der Historiker als Nationaljude charakterisiert und gefeiert wird. Die Aufsätze sind meist recht lebendig, geschrieben, einiges ist belehrend, anderes unterhaltend; wirklichen Genuß habe ich nur von Max Brods „Elegie an die abgefallenen Juden" gehabt. .Die Ausstattung ist sehr gut, viel besser, als sie bei derartigen Unternehmungen sonst zu sein Pflegt; einzelne Bilder sind ganz vortrefflich. Der Schweizer Kalender unterscheidet sich von dem österreichischen dadurch, daß er zweisprachig ist, daß er nicht bloß Originalbeiträge enthält, sondern auch Proben aus dem Talmud, Gedichte Juda ha Levis, daß er wenig, aber gar nicht zionistisch, dafür aber streng konservativ (orthodox) ist und ein fast ausschließlich schweizerisches Gepräge an sich trägt. Daher werden jüdische Wohltätigkeitsanstalten in der Schweiz geschildert, über die Emanzipation in der Schweiz gesprochen, der Krieg vvm Standpunkt der Neutralen erörtert, besonders aber drei beachtenswerte Mitteilungen gegeben: „Die Statistik der Juden in der Schweiz; die jüdischen Gemeinden in der Schweiz; schweizerische jüdische Vereinigungen." Aus diesem eigentlich schweizerischen Rahmen fallen zwei novellistische Beiträge des verstorbenen Rabbiners Dr. Nt. Lehmann heraus, teils weil sie von einem Nichtschweizer herrühren (freilich sind auch einige andere Reichsdeutsche mit Beiträgen vertreten), teils weil sie nicht in der Schweiz spielen. Vielleicht sind diese Novellen auch schon früher gedruckt. „Der Kozin", nicht übel erzählt, erscheint mir als zu stark moralisierend; dagegen hat mir „Der Kenner", eine Humoreske mit echt jüdischem Witz, sehr gut gefallen. Wir wünschen dem Unternehmen guten Fortgang. L. G. Mchrreinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Das Nährmittelamt nebst Oberbefehlshaber desselben in der Bibel. Ernährungshygienische Skizze von Dr. med. Ratner, Wiesbaden. Sonderabdruck aus der Hygienischen Rundschau 1917, Heft 15. Die zivile Kriegishilfstätigkeit in der altjüdischen Lehre. Bon Dr. med. Ratner, Wiesbaden. Sonderabdruck aus der Hygienischen Rundschau 1917, Heft 15. Eheschließungs- und Trennungsfreiheit der Ausländer in Ungarn. Mit Berücksichtigung des ungarischen Ehegesetzes (Gesetzartikel XXXI vom Jahre 1894) und der neuen ungarischen Zivilprozeßordnung (Gesetzartikel I vom Jahre 1911). Verfaßt von Dr. Ernst Gero, Landesadvokat in Budapest. Eherechtsbibliothek Budapest 1917. lieber das Vaterunser als Jesu Grundzehnwort und Mofis Sinaidekalog. Mit zwei Bucheinlagen: Dekalog und Vaterunser 1907. Für die Echtheit von Dekplog und Vaterunser 1908. Dr. L. Wulsf- Parchim. Selbstverlag 1917. Kommissionsverlag von H. Wehdemann-Parchim. Jenny Bergmann. Die Fingersprache. Gedicht. Der Jude. Eine Monatsschrift. II. Jahrgang, Heft 7. Oktober 1917. R. Löwit. Verlag Berlin-Wien. Natürlicher französischer Unterricht mit Hilfe von Gegenständen uud mit Hilst aller Sinne .des Schülers. Von Bernhard Teichmann, vereidigter Dolmetscher beim Königlichen Amtsgericht zu Erfurt und Verfasser der praktischen Methode. Herausgegeben von Walter Teichmann. Erfurt 1918. Verlag von Bernhard Teichmann. Berichtigung. In dem Artikel „Psalm 30", Seite 494 oben, statt der Pflege muß es heißen „die Pflege". Dann auf Spalte 2 derselben Seite statt erlösest „lösest".

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