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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-11-02 · Heft 44 (2.11.1917) · p. Seite 525

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 44 (2.11.1917)
Date
1917-11-02
Page
Seite 525 (sequence 9)
Language
German
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525 mir die Gefahr zu fein, die die Zionisten für das Judentum heraufbeschwören, daß sie seinen messianischen Beruf schwächen, wenn sie den nationalen Gedanken in den Vordergrund stellen, wenn sie aus dem „Volke des Buchs" ein leibhastiges Volk machen. Der Gedanke, in Palästina eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte oder einen nationalen jüdischen Staat zu schaffen, der den Heimatlosen eine Heirnat, den anderen ein Vorbild und Jungbrunnen sein wird, mag Werbekrast haben und die Juden stärker aufrütteln, aber das Mittel ist mehr berauschend als kräftigend. Ich glaube nicht, daß der Staat, den die Juden dort aufrichten werden, für die Westjuden ein Jungbrunnen fein wird, und daß die Juden Palästinas auch für sie Pioniere und Vorbilder sein werden. Bedenken >vir die Gefahr, die wir für die Judenheit der Diaspora heraufbeschwören! Sollte dieser Staat —und nach ihm müssen alle Heimstätten und Nationalbestrebungen tendieren — eintreten in den Haß und Streit der Völker? Soll er zu den Mittelmächten oder zur Entente halten? Soll er ein Staat mit garantierter Neutralität oder der Spielball der großen Mächte sein? Was wir in dieser Frage von englischen Stimmen hören, mahnt doch zu allergrößter Vorsicht. VII. Und was nun? Zwei Weltauffassungen stehen sich gegenüber, die beide dasselbe Ziel verfolgen, das Judentum neu zu beleben. Sie streiten über Weg und Endziel. An sich ist ein Streit der Ideen kein Unglück; im Gegenteil, er ist ein Symptom des Lebens. Für uns ist nichts schlimmer als Jndifferentismus und Stagnation. Mir ist die falsche Bewegung lieber als die Ruhe der Leblosigkeit. Führen wir den Kampf im Lichte der Wahrheit, mit den Waffen des Geistes, beseitigen wir alles, was Beschimpfung, Verhetzung und Denunziation ist, so wird unser Kampf nicht vergebens sein. Weg mit den Schlagworten: Assimilant und ,vaterlandslos, unjüdisch und undeutsch, jüdischer Chauvinist und deutscher Chauvinist usw.! Kämpfen wir gemeinsam gegen den gemeinsamen Feind und stellen wir ihm gegenüber zurück, was uns trennt! Daß die Westjuden hier bleiben werden, daß für sie ein Uebersiedlungsprogramm nicht in Frage kommt, darüber sind wir wohl alle einig. Wir müssen bas Judentum also auch abseits von Jerusalem und Zion wiederbeleben,. Kämpfen nur gegen Antisemiten und Täuflinge! Unterschätzen wir nicht den Wert der Abwehrkämpfe! Die Behauptung de^ Rechts ist eine Pflicht unserer moralischen Selbsterhaltung gegen die Glaubensgemeinschaft. Wir müssen für die Gleichberechtigung der Judenheit eintreten um der Gleichbewertung des Judentums wegen, um den Abfall der Schwachen zu verhüten. -Abwehr verlangt Wissen, und Wissen bringt Selbstbewußtsein und Stolz und Treue, die über das Ende des Kcunpfes hinausreichen. Kämpfen wir gegen das Renegatentum und arbeiten wir gemeinsam an dem Hilsswerk für Entrechtete und Heimatlose! Ich lege auf das Zusammenarbeiten der Organisationen das größte Gewicht. Unsere jüdischen Organisationen müssen den Juden geschlossen entgegentreten, die glauben, Judenpolitik auf eigene Faust treiben zu können, die sich in die bestehenden Organisationen nicht einsügen wollen und die, weil sie in der Bewegung nicht stehen, durch seichten individuellen Rationalismus die Judenfrage lösen zu können glauben, die in ihrer Naivität glauben, man brauche bloß die Speisegesetze aufzugeben, dem Talmud abzuschwören, das jüdische Gemeindewahlrecht aufzugoben, die Sozialdemokratie zu stützen oder zu bekämpfen und dergleichen Naivitäten mehr, und dann sei die Judenfrage endgültig gelöst. Ein methodisches organisiertes Zusammenarbeiten ist jetzt mehr denn je notwendig. Die Regierung ist vorurteilsloser geworden; in den unteren Schichten des Heeres und der Bevölkerung hingegen regt sich nach der ursprünglichen Einigkeit wieder der Geist der Verhetzung. Wieder sind große Kräfte am Spiele, die den heraufziehenden Unwillen des Volkes von sich aus die Juden ablenken wollen. Das wird uns vielleicht dazu führen, zu der Regierung eine andere Stellung zu nehmen. In der Ostjudenfrage, in der eine bedauerliche Kräftezersplitterung stattfindet, ist ein gemeinsames Vorgehen dringend notwendig. Nun, da auch in Rußland das Morgenrot der Freiheit zu dämmern scheint, wird es unschwer sein, auch die Ostjudenfrage im Sinne der Menschlichkeit zu lösen oder wenigstens das Ostjudenelend zu lindern, ohne für die gesamte Judenheit ein nationales Banner aufpflanzen zu müssen. Ich glaube kaum, daß ein Widerstreit darüber sich erheben wird, ihnen dort, wo sie leben, Heimat, Menschenrecht und Menschenfreiheit zu schaffen. Wir werden auch darüber einig sein, daß man in Ansehung der Freizügigkeit die Ostjuden nicht unter ein Ausnahmerecht stellen darf, das nur für sie, nicht für die christlichen fremden Nationalitäten gilt. Der Gedanke der Abwanderung und Umpflanzung auf fremden Boden kommt dann erst in zweiter Reihe, wenn menschenwürdige Daseinsbedingungen dort an der Stelle, an der sie jetzt leben, nicht in absehbarer Zeit geschaffen werden können. In dein Zusammenwirken der Kräfte wird der richtige Weg gefunden werden. Insoweit es sich um die Wahrung der staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen Stellung der Juden in Deutschland und um die Vertretung aller den deutschen Juden gemeinsamen Interessen handelt, haben wir im Zentralverein und im Verbände bereits bestehende Organisationen. Daß Bodenhcimers Auffassung, der Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens treibe im wesentlichen Assimilationspolitik, nicht richtig ist, ergibt dessen Betätigung in der Schächtfrage, bei der Unterstützung der K.-C.-Verbindungen, der jüdischen Jugendvereine, der jüdischen Berufsberatung und in zahllosen anderen Fragen, wo von Assimilation keine Rede ist. Bei der engen Verbindung zwischen Verband und Zentralverein wäre es auch ganz ausgeschlossen, daß hier eine andere Politik wie dort getrieben wird. Für die Betätigung der Zionisten zur Wiederbelebung des Judentums vorerst im deutschen Vaterlande und rückwirkend auf das gesamte Judentum stehen Verband und Zentralverein offen. Introita, nam et hic Dii sunt! Tante Trude. Roman einer Vierzigjährigen. Bon Anna Goldschmidt. (35. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) aula, die hat je nu freilich Sinn for so was. Ich denk, wie ich das dunkelblaue Ding sehe: „Gott, was en Umchein! Was hat er sich da aufschwatzen lassen!" Aber gestern war die Frau Baumeister Schindler hier, ne entfernte Kusine von ihn, was die alle Paula honorieren! Als kriegte sie ne halbe Million mit. Die Blumen dort hat se mitgebracht. Schene Stuß! Jetzt bei die Teuerung noch so viel Geld for Blumen ausgeben! — Die hat ne Brühe gemacht mit die Tasse. Sie hat auch eine, nich halb so schen, und die koste schon 30 Mark. Schma, 10 Taler for so en Schnokes!" Und sie sieht die Tasse, die Paula mit Stolz hinhält, — Paula hat sich in Bennos Zimmer zurückgezogen, weil sie sehr eilig an Martin schreiben muß, — mit bräutlichem Entzücken und tiefer Geschmeicheltheit an. „Absolute Fernhaltung

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