Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1917)
- Date
- 1917-10-26
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdischen Mannschaften statt. Herr Gemeinderabbiner Dr. Freimann hielt die Ansprache. Er erläuterte die Heilighaltung des Eides und daß bei den Juden zu allen Zeiten ein Gelübde gegen GE und die Mtmenschen treu innegehalten wurde. Ganz besonders, betonte er, ist der Eid des Soldaten dem Obersten Kriegsherrn gegenüber. Treue und. Gehorsam find die Hauptpflichten für die Verteidiger des Vaterlandes. Mit dem üblichen KaisergebeL und Erteilung des Priestersegens endete der feierliche Akt der Vereidigung, dem auch viele Gemeindemitglieder beigewohnt hatten. P. L. Köln, 19. Oktober. Noch vor einigen Tagen brachten wir die Mitteilung von den Ehrungen, die Frau Rabbiner Dr. Plato anläßlich der Feier ihres 80. Geburtstages entgegengebracht wurden, und schon erreicht uns die Kunde von dem plötzlichen Hinscheiden der so hochverdienten Wohltäterin. Rastloses Arbeiten, unermüdliches Streben im Dienste der Menschenliebe, und die tiefinnerste felsenfeste Ueberzeugung, ihre Kraft für ein hohes, ideales Werk eingesetzt zu haben, bezeichneten ihren an Mühen, aber auch an Erfolgen reichen Lebensweg. Wie sehr sie in den weitesten Kreisen geschätzt und verehrt wurde, zeigte das überaus große Trauergesolge, dem sich auch eine stattliche Zahl der Zöglinge des Kinderheims angeschlossen hatte. Im Sterbehause nahm Herr Rabbiner Dr. Plato in herzlich rührender Weise Abschied von seiner Mutter. In dem Lebensbild, das Herr Rabbiner Dr. Rosenthal auf dem Friedhofe entwarf, schilderte er in ergreifenden Worten die Dahingeschiedene als eine große Tochter des großen Gelehrten S a m s o n Raphael Hirsch, dessen Wort, der Mensch könne als Geschöpf Gottes sein Wirken bis zu einer höchst vollendeten Tat steigern, sich an ihr bestätigt habe. Er rühmte sie als Gattin und Mutter, sprach von ihrer unerschütterlichen Glaubenstreue und Glaubensstärke, wie sie gleichsam als Genie der Wohltätigkeit aus einem Nichts ein Großes geschaffen, und so mit Erfolg den Kampf gegen Not und sittliches Elend, die Feinde der Menschheit, geführt und ein unsterbliches Werk vollbracht habe. — Ehre ihrem Andenken! — Füvth, 19. Oktober. In der letzten Sitzung konnte Herr Oberbürgermeister Dr. Wild mitteilen, daß der Stadt Fürth wieder eine neue große Stiftung angefällen ist. Herr und Frau Großkaufmann Siegmund Holzinger haben zum Andenken all ihren auf dem Felde der Ehre gefallenen Sohn 50 000 Mark zil einer „Max Holzingerschen Gedächtnisstistung für Wohltätigkeitszwecke" überwiesen. Außerdem haben die gleichen Spender in Erfüllung einer letztwilligen Verfügung ihres Sohnes 5000 Mark gestiftet, .die zu einem „Max Holzingerschen Kriegsblindenfonds" zur jährlichen Unterstützung von Kriegsblinden verwendet werden sollen. Wie Herr Oberbürgermeister Dr. Wild ferner zur Kenntnis brachte,, hat ein ungenannter Spender 6000 Mark zu Kriegswohlfahrtszwecken aller Art und Herr Karl Haßberger anläßlich der Wiedergenesung seiner Frau Gemahlin 1000 Mark zum Fonds für Kriegsnotleidende aller Art geschenkt. er. Buttenwiesen, 19. Oktober. Am 14. d. M. wurde Herr' Jacob Sänger zur letzten Ruhe bestattet. Freunde und Bekannte aus nah und fern waren herbeigeeilt, um dem trefflichen Manne die letzte Ehre zu erweisen. Ter Verblichene wirkte ein Menschenalter als Beamter in der Israelitischen Kultusgemeinde Buttenwiesen und hat sich durch seinen Eifer, seine Pflichttreue und MenMnsreundlichkeit die Liebe und Berohrung aller erworben. Dr. Kahn aus Jchenh a n s e n und Lehrer S o n n aus Butt e n wiesen sprachen am Grabe tief ergreifende Abschiedsworte. er. Stratzbuvg i. E., 19. Oktober. Ueber den v o r b i l d l i ch e n P a t r i o t i s m u s einer j ü d i s ch e n Greis i n schreibt die hiesige „Straßburger Post": „Jil der Ersteiner Straße zu Neudorf lvohnt eine Frau Helene Wolf, die Wlitwe und 96 Jahre alt ist. Tie noch recht muntere Matrone hat sich ganz in die schwere Zeit eingelebt, nimmt mit der schmalen Kriegskost vorlieb und beansprucht nichts Besseres.- Die Nörgler, die da sagen, es ließe sich nimmer ertragen, könnten sich ein Beispiel an der alten Frau nehmen, die frohen Herzens auf ein gutes Kriegsende hofft, eifrig den Tagesbericht verfolgt, den sie noch ohne Brille liest und die sogar als treue Anhängerin ihres Glaubens den Langen Tag über fastete und allwöchentlich zu Fuß nach, der Synagoge wandert." Dänemark. 2. Kopenhagen, 19. Oktober. Dieselbe Erscheinung, die dem Leser in der gesamten Weltpresse entgegentritt, ist auch in Dänemark zu borzeichnen: die größten und angesehensten Zeitungen der Hauptstadt und der Provinz bringen in -ihren Spalten häufig Artikel über, allgemein-jüdische Fragen!, undchas bis zum Kriege in jüdischen Dingen wenig interessierte dänische Publikum wird durch Männer wie'Georg Brandes und Professor S r m o ns e n mit jüdischen Fragen bekannt gemacht. Der Krieg hat diese Fragen dem dänischen Publikum nahegebracht, und im allgemeinen sind es auch die mit dem Kriege zusammenhängenden Fragen-, die besprochen werden: Hilfsarbeit für die vom Kriege betroffenen Juden, die Lage der jüdischen Minorität in Polen usw. In der letzten Zeit jedoch findet man immer häufiger Artikel, die sich nicht nur an daS soziale Verständnis dies Publikums wenden, sondern, auch wichtige Fragen des Judentums, wie Palästina und den Zionismus, behandeln. . Diese Artikel zeugen oft von einer genauen Kenntnis der jüdischen Gedankenwelt und entstammen nicht einem aktuellen Kriegsinteresse, sondern einer wirklich ernsten Beschäftigung mit den modernen Strömungen im Judentum. Irr den letzten Tagen ist wiederum ein Artikel erschienen, der sich unter der Ueberschrift „Jndenland" mit dem/ Zionismus beschäftigte. Diesen Artikel bringt die Septembernimmnr des „Pressens Magasin", das vom dänischen Journalistenverein herausgegeben wird und eine sehr große Verbreitung hat. Der Verfasser des Artikels Dr. Jensen, spricht von der allgemeinen Lage im Heiligen Lande, das, abgesehen von den blühenden jüdischen Kolonien, einen öden und traurigen Anblick darbiete. Den Juden sei es gelungen, dem unfruchtbaren Boden Brüchte abzugewinnen, in den wüsten Gegenden Pflanzungen/ anznlegen und Ackerbau zu betreiben. Doch ,^yjcht als Ackerbauland.^ hat Palästina eine Zukunft, sondern als Ziel für'Touristen.hat es einzig., dastehende Aussichten. Mit seinen hohen Bergen und tiefen Seen, bietet es ein jedes Klima, jede Flora, jede Fauna. Mit seinen heilenden Quellen mb seinen allen Nationen heiligen Erinnerungen wird. Palästina im Lause ganz kurzer Zeit eines der ersten Touriftenländer -der Welt werden, wenn es einmal gute Verbindung mit der Umwelt bekommen wird. Ter Krieg hat jetzt schon Eisenbahnen ins Landl gebracht; wenn bi-efe Linien, die in der Richtung Nord-Süd gehen. Quer- . linien bekommen, d>ie über die Berge hinüber zum Meere hinunterführen, ist die Dur des Landes weit geöffnet. Bis jetzt j-edoch fehlt dort vor allem eines: Gesetz und Ordnung im Lande, Zivilisation'." Auch auf das Verhältnis der jüdischen Minorität zu. der arabischen Bevölkerung geht Dr. Jensen mit viel Verständnis ein: er streift auch die Frage, wie sich die verschiedenen christlichen Völker der Schaffung eines jüdischen Palästinas gegenüber verhalten werden, und spricht schließlich die Hoffnung aus, daß die Araber ebenso wie die anderen fremden Nationen zu der Ueberzeugung gelangen werden, daß das jüdische Volk sein historisches Recht auf Palästina hat. Dr. Jensen knüpft daran noch einige allgemeine Bemerkungen über die zahlreichen Gebiete, die jüdisches Können und jüdischer Geist beeinflussen und beherrschen. Zum Schluffe macht er folgende, sehr interessante Bemerkung: „Schließlich kann man noch daran erinnern, daß die Juden das Volk des Friedens sind. Eines der wichtigsten Gebote des Talmud ist: Frieden zu stiften. Vieles deutet darauf hin, waß wir einen jüdischen Frieden bekommen werden, insofern, als der Frieden in erster Reihe das Werk jüdischer Männer werden wird." Kaien. Z. Lodz, 19. Oktober. Aus Anlaß des hundertjährigen Todestages des polnischen Nationalhelden Kosciuszko fanden in ganz Polen herrliche Feiern statt, an denen auch die Juden regen Anteil nahmen. In der Stadtverordnetenversammlung verlas unser - Glaubensgenosse, der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Stanislav Jarocinski, einen Antrag des Magistrats, wo-, nach in Lodz ein Kosciuszko-Denk mal errichtet werden soll. Es wurde die Bildung eines Denkmalkomitees vorgeschlagen und. um Bewilligung eines . Kredits von 10 000 Mark nachgesucht, der in den. Haushaltsplan für das Jahr 1917/18 ausgenommen werden soll.. Die Stadtverordneten erhoben sich von den Sitzen und . gaben damit ihrer Zustimmung Ausdruck. — Die Altstätter Synagoge in der Wol-, borscher Straße war von außen und innen geschmückt. Ueber dem Eingänge prangte ein Kosciuszko-Bild. Die jüdische Pfadpfindervereinigung hatte eine Ehrenwache gestellt. Als Vertreter der Stadtverordnetenversammlung waren die Herren Rzewski und Jahrblum erschienen, außerdem war eingetrosfen: das Repräsentant enkollegium der jüdischen Gem>eindeverwaltung. ein Abgeordneter des Kostiuszko-Festkomitees u. <?. Die Feier begann mit dem"