Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1917)
- Date
- 1917-10-26
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Absingen der Gebete durch den Kantor. Oberrabbiner T r e i st - mann hielt in polnischer Sprache die Predigt, worauf der Synagogenchor ein Gebet zum Vortrag brachte. Die zahlreich erschienenen Gläubigen sangen die polnische Nationalhymne. Mit dem Absingen eines religiösen Liedes schloß die Feier. — In der Synagoge in der Promenade versammelten sich gegen 9% Uhr morgens die jüdischen Schössen und Stadtverordneten, Vertreter der Gemeindeverwalruny und des zionistischen Komitees, die Lehrer und die Schüler des Jüdischen" Gymnasiums und Zöglinge verschiedener anderer jüdischer Lehranstalten. Jüdische Pfadfinder stellten die Ehrenwache. Nach dem Absingen mehrerer Gebete durch den Synagogenchor hielt Prediger Dr. Brau de die Festpredigt. Zum Schluß sang der Chor die polnische Nationalhymne. — Unter dem Vorsitz des Herrn Nowinski fand vorgestern eine Versammlung in Sachen der Gründung einer Vereinigung zur Eröffnung und Unterhaltung eines neuen jüdisckM Greisenheims statt. In dem Greisenheim sollen Personen im Alter von über 60 Jahren ausgenommen werden. Vorgezogen werden Lodzer Einwohner. Es wurde ein Ausschuß gewählt, der die Vereinigung des Konstadtschen Greisenheims mit dem neuen Heim verbinden soll. Von Aah und Fern. — Die Wiedereröffnung des j ü> d i s ch e n Volk sb i l d u n g s - und Unterhaltungsheims (Toynbee-Halle) der Berliner Logen U. O. B. B. (Gipsstraße 12a) erfolgt am Sonabend, den 3. November. Die bisher üblichen Darbietungen finden bis auf weiteres an allen Sonnabendabenden um 8 Uhr statt. — Die Rote- Kreuz-Medaille ist dem Zeitungsverleger Herrn Rudolf Mosse verliehen worden. — Der Jüdische Frauenbund beabsichtigt, nach Ostern 1918 in gesunder, landschaftlich schöner Lage Mitteldeutschlands ein Erziehungsheim zu eröffnen, das jungen jüdischen Mädchen eine g u t e h a u s w i r t s ch a f t 'l i ch e u n d F a m i l i e n e r z i e h u n g gewährleistet. Die Anstalt wird weder eine Wohltütigkeitseinrichtung noch ein Erwerbsinstitut sein; sie soll sich selbst erhalten. Da nur eine kleine Zahl von Mädchen ausgenommen werden soll, sind schon jetzt Anmeldungen zu richten an den Vorstand des Jüdischen Frauen-, bundes zu Händen der Vorsitzenden Fräulein Bertha Pappenheim, Frankfurt a. M., Feldbergstraße 23. -- Die Rote-Kreuz-Medaille für Verdienste um das Zentralkomitee vom Roten Kreuz hat Geheimer Kommerzienrat Ar n hold, M. d. Z., erhalten. — Soeben ist eine Weite Auslage der Schrift „Genossenschaftliche Kolonisation in Palästina", von Professor Tr. Franz Oppenheimer, erschienen; der Inhalt boxsehr lesenswerten, kleinen Broschüre ist gegenüber der ersten Auflage vermehrt durch einen einleitenden Aufsatz über den „P i o n i e r b e i t r a g". Die Schrift ist zuin Preise von 15 Pfennig (20 Heller) durch den Jüdischen Verlag G. m. b. H., Berlin W 15, zu beziehen. — Am 16. 'd. M. ist der Rechtsanwalt und Notar Justizrat Leopold Sa lomon einem Herzschlag plötzlich erlegen. Seit mehr als dreißig Jahren übte er in Berlin die Anwaltspraxis aus; er war am hiesigen Landgericht I niedergelassen und gehörte zu den angesehensten Anwälten Berlins. Er wurde unter Beteiligung weiter Kreise am 21. d. M. auf dem Friedhof in Weißensee beigesetzt. — Dem Dentisten H e r m a n n Katz in Berlin wurde ftir freiwillige berufliche Tätigkeit beim Roten Kreuz die Preußische Rote- Kreuz-Medaille verliehen. — Aus Posen wird uns geschrieben: In diesen Tagen konnte die Firma David L u b i n s k i, Herren- und Knabenkonfektion en gros, auf ihr 50jähriges Bestehen zurückblicken. Der Gründer des Geschäfts erfreut sich noch heute reger Teilnahme am Geschäftsbetrieb. — Das Verdienstkreuz für Kriegshilse erhielten in Posen die Herren: Kaufmann Hermann Gutwirt, Professor Dr.-Jng. Grotte von der Königlichen Baugewerkschule, Sanitätsrat Dr. Elkeles und Spezialarzt Dr. C hr ze l i tze r. — Der langjährigen Ersten Vorsitzenden des Jüdischen Frauenvereins in Mürzburg, Frau Sarah Forchheimer, wurde in Anerkennung ihrer verdienstvollen Leistungen auch auf dem Gebiete der Kriegsfürsorge der König-Ludwig-Orden erteilt. — Die Kultussteuer für das Etatsjahr 1917/18 ist für die Synagogen gemein de Köln auf 27,62 Prozent der Einkommensteuer gegen 29,20 Prozent im Vorjahr festgesetzt worden. — Der Krankenschwester Erna Katzenstein -in Köln wurde die Rote-Kreuz-Medaille verliehen. — Frau Selma Winter in Kempen (Rhein) erhielt das Verdienstkreuz für Kriegs- Hilfe.-— In der Darmstädter Hofbibliothek, die Grohherzog Ludwig I. am 15. September 1817 zur freien Benutzung der Oefjftn trichtert übergab und die anläßlich dieses Gedenktages zurzeit eine Jubiläumsausstellung veranstaltet, befindet sich auch eine höchst merkwürdige Handschrift: eine um 1400 geschriebene „Pafsah-Hagäda", in prachtvoll erhaltenem gotischen Lederschnitteinband und mit Bildern aus dem jüdischen Religionsleben. — Jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen aus den besetzten Gebieten Russisch-Polens sind in Fabriken bei Frankfurt a. M. in größerer Zahl eingestellt worden. Der Israelitische Hilfsverein hat gemeinsam« mit dem Verein Weibliche Fürsorge die soziale Fürsorge für diese Arbeiter und Arbeiterinnen übernommen, und wird auch unter Mitarbeit des Rabbiners Dr. Nobel ihren religiösen und rituellen Wünschenentgegenzukommen suchen. — Herr Fabrikant Adolf Flegenheimer in Odenheim erhielt von dem Großherzog von Baden das Kreuz für freiwillige Kriegshilfe 1914/16. — Ter freiwilligen Krankenpflegerin Schwester Charlotte Bloch, Tochter des Herrn Isaak K. Bloch in Schmieheim (Baden), wurde das Kriegshilfskreuz mit Eichenkranz verliehen. — Aus dem Haag wird uns geschrieben: Die Sp enden eingänge des I. N. Fj., die von jetzt ab mit Rücksicht auf die Kursschwankungen in den Landeswährungen bekanntgegeben werden sollen,, haben im September insgesamt beim heutigen Kurse 128 193 Francs ergeben. — Die Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde hat auf Anregung, einer Anzahl jüdischer Mitglieder eine Kommission zur Sammlung jüdischer Volkskunde eingesetzt, die vor allem Material zur Geschichte und Folklore der Juden! in der Schweiz erbringen soll. — Aus Prag wird gemeldet: Oberrabbiner Dr. Heinr. Brody wurde vom Kaiser durch die Verleihung des Ordens der Eisernen Krone dritter Klasse ausgezeichnet. — Me die „Wiener Zeitung" mitteilt, hat der Kaiser dem Leiter der Zentralstelle der Fürsorge «für Kriegsfbüchtlinge in Wien, Hof- und Gerichtsadvokaten Doktor Rudolf S ch w a r z - H i l >l e r, taxfrei den österreichischen Ritterstand und dem Fabrikdirektor Dr. Georg Schwarz sowie der Erna Schwarz-Hille r in Wien das Kriegskreuz für Zivilverdienste zweiter Klaffe verliehen. — Aus Budapest wird berichtet: Für das Knabenwaisenhaus der Pester israelitischen Religionsgemeinde sind folgende Stiftungen eingelaufen: von Frau Alexander Horvät geborenen Sophie Schönfeld auf den Namen ihres verstorbenen Gatten am ersten Jahrestage seines Todes 2200 Kronen; von Frau Jakob v. Hoffman n geborenen Kornelie Schleininger auf den Namen ihres verstorbenen Gatten 6000 Kronen; von Herrn Simon Friedmann und seiner Frau geborenen Jda Schulz auf ihren eigenen Namen 6000 Kronen; von Herrn Alexander Löbl auf den Namen seines gefallenen Sohnes Moritz Ernst Löbl 2000 Kronen; von Herrn Leopold Lukacs und seiner Frau geborenen Elisabeth Kohn auf den Namen ihrer verstorbenen Eltern 6000 Kronen; von Herrn Friedrich Adler auf den Namen seiner verstorbenen Frau geborenen Hermine Bodannßky 6000Kronen; von WitweEdmung Szü c s geborenen Paula Fried auf den Namen ihres verstorbenen Gatten 2000 Kronen. — In einigen englischen Zeitungen werden die Inden in Saloniki an geklagt, den großen Brand in der Stadt verursacht zu haben. Der Brand sei tatsächlich im jüdischen Viertel ausgebrochen. Die Juden in London sind empört über diese Hetze, um so mehr, da schreckliche Berichte von Saloniki kommen, wo fast die gesamte jüdische Bevölkerung ohne Nahrung und Kleidung ist. — Am 15. Oktober wurden in Riga die Schulen wieder eröffnet. Den deutschen Kindern stehen vier Volksschulen zur Verfügung, den lettischen fünf, den jüdischen eine und den russischen Wer. Außerdem ist eine Mittelschule zur Aufnahme von Kindern beiderlei Geschlechts vorhanden. Aus Warschau wird geschrieben: Infolge der Knappheit und enormen Teuerung der Ethrogim (ettua 200 Mark das Stück) konnte sich nur ein verschwindend kleiner Teil der Bevölkerung für das Sukkotfest mit Arba minim versehen. Durch öffentliche Bekanntmachung wurde den Minderbemittelten anheimgestellt, die Wohnungen der Rabbiner zum Zwecke des Lulawbenschens anszusuchen. In vielen Chassidimbethäusern stellten die reichen Besitzer von Ethrogim diese den Gemeindemitgliedern gegen entsprechende Spenden für die Notleidenden zur Verfügung. Ansehnliche Summen sind auf diese Weise für die Armen-- zufammengekommen. Verantwortlicker Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Ylorastraße 5«. Verantwortlich für den Anztigenteil: MaxJunge, Berlm-Friedenan. , Druck und Verlag von Rudolf Moffe.