Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1917)
- Date
- 1917-10-26
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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blicken kann, hat dieses Jubiläum am 18. d. M. durch einen Festvortrag gefeiert, den der jetzige Vorsitzende des Vereins, der Dozent an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums Dr. Jsrnar Ellbogen, vor einemgroßen Publikum im Oberlichtsaal der Philharmonie gehalten hat. Das Podium schmückten die bekränzten Bilder der verdienstvollen ersten Vorsitzenden des Vereins, Dr. G u st a v Karpeles und« Professor Dr. Martin Philippso n. Aboa-dnungen der. Gemeindekörperschaften, Vertreter des Rabbinerstandes und der jüdischen Lehrerschaft nahmen an der einfachen Feier teil; der Akademische Verein für jüdische Geschichte und Literatur war durch eine Abordnung in Wichs vertreten. Der Vortragende schickte seiner Rede voraus, daß der Ernst der Zeit zwar keine frohen Feste dulde, daß aber ein Verein, der sich die Pflege der Geschichte zur Aufgabe gemacht hat, ein Datum, das für die Entwicklung der Organisation von geschichtlicher Bedeutung ist. nicht ungewürdigt vorübergehen lassen kann. Die Begründung des Literaturvereins fällt in eine Zeit des Tiefstandes und der Mutlosigkeit unter den deutschen Juden. Die großen Vorkämpfer für das Recht der deutschen Juden und das alte Geschlecht, das in der jüdischen Gedankenwelt wurzelte, waren dahingegangem Der Jndifferentismus wuchs von Tag zu Tag, während draußen ein neu erwachter Feind giftiger als je alles, was den Juden teuer war, in den Staub zog. Unter den Rcoraamsationsbestrebimgen, die gegen diesen Zustand auftraten, stand der Literaturverein an erster Stelle. Albert Katz (Pankow), der mit dem Verein sein 25jähriges Jubiläum als Mitglied des Vorstandes feiern kann, und sein verstorbener Freund Willi Bambus (Berlin) gaben die Anregung zur Begründung des Vereins, beit G u st a v Ka rpeles durch seinen Namen und Einfluß bald volkstümlich machte. Am 2. Januar 1892 fand die - Gründnngsversammltmg statt; 80 Personen schlossen sich dein jungen Verein an, der heute mehr als 1209 Mitglieder zählt. In 25jähriger eitriger Arbeit wurden durch Vorträge, Diskussionsabende, Fortbildungskurse und die Jahrbücher des Vereins Kenntnisse ausdem Gebiete der indischen Gesckickte und Literatur verbreitet. In der neuen Periode, die vor dem Verein lieat, soll das Arbeitsgebiet eine wesentliche Erweiterung erfahren. Für die reifere Jugend sind Kurse zur Pflege der jüdischen Literatur und der hebräischen Sprache in Aussicht genommen. auch die Begründung einer jüdischen Volkshochschule in der Art der Humboldt-Akademie ist erwogen worden. Der lebhafte Beifall des großen Publikums unterstrich die geistreichen Ausführungen des Vortragenden und das Zukunftsprogramm des Vereins in wirksamer Weise. g/S Berlin, 28. Oktober. Die Witwen- und Waisenkasse der Rabbiner D e u t s ch l a n d s hielt am 14. d. M. dahier eine außerordentliche M i t g l i e d e r v e r s a m m I ung ab. (Einziger Punkt der Tagesordnung war die Umwandlung der Kasse in eine Ruhegehalts- und Hinterbliebenenversicherung. Der Versammlung ging eine Sitzung des Kuratoriums und Aufsichtsrates voraus.' in welcher bekarmtoeaeben wurde, daß Herr Professor Dr. M a v b a u in aus Gesundheitsrücksichten sein Amt als Vorsitzender niedergelegt habe. In Anerkennung seiner großen Verdienste als Gründer der Kasse wurde derselbe zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Zum Vorsitzenden wurde Herr Rabbiner Tr. Freudenthal (Nürnberg) gewählt. Dieser übernahm alsbald die Leitung der Mitgliederversammlung und berichtete über die bisherigen Arbeiten zur Schaffung einer Pensionsversicherung. Diese sollte schon vor einem Jahrzehnt bei Eröffnung der Kasse mit ins Leben treten, mußte jedoch aus Mangel an Mitteln unterbleiben. Jetzt aber sei die Kasse in der Lage, wenigstens ein Ruhegehalt von 1200 Mark beim Eintritt in den Ruhestand wie auch im Falle der Invalidität zu gewähren. Der Satzungsentwurf sei von ihm atisgearbeitet, vom Kuratorium und Aufsichtsrat durchberaten und vom Kaiserlichen Aussichtsamt grundsätzlich gebilligt. Nach eingehender Durchnahme des Entwurfs nahm die Mitgliederversammlung denselben einstimmig an. Die endgültige Redaktion wurde dem Vorsitzenden und Herrn Direktor Tr. Minden als Vertreter des Aufsichtsrates übertragen. Tie Ausgestaltung der Kasse zur Penstonsversicherung, die ein Werk des jetzigen Vorsitzenden ist, bedeutet einen höchst erfreulichen Fortschritt in der sozialen Fürsorge für die Rabbiner. Ihre Vorteile sotten den Mitgliedern der Kasse ohne Erhöhung der jetzigen Beiträge zuteil werden. Bei dem bisher vom Kaiserlichen Aufsichtsamt bewiesenen Entgegenkommen steht zu hoffen, daß die Kasse in der neuen Gestalt bereits zu Beginn des kommenden-Jahres ins Leben treten kann. # Berlin. 23. Oktober. Di e Beisetzung des verstorbenen Justizrat Maximilian Horwitz fand am Donnerstatz, den 18. .d. M., auf dem Friedhöfe in Weißensee statt. Tie ungewöhnlich zahlreiche Trauergemeinde, die sich in der alten Bethalle versammelt hatte, bewies noch einmal die große Beliebtheit dieses verstorbenen Führers der deutschen Luden. Unter den Erschienenen bemerkte man die Vertreter der Gemeindebehörden, die Vorstände des Verbandes der deutschen Juden, des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, des Zentralvereins, Abgeordnete der liberalen Parteien, Vertreter der Anwaltschaft, vieler kommunaler Vereine, Delegierte der jüdischen Studentenverbindungen im K. E. und anderer Organisationen. Die Trauerfeier begann mit einem Gesang, den Chordirigent Michaelis mit dem Chor der Alten Synagoge ausführte, dann hielt Rabbiner Dr. Weiße die Grabrede, in der er das Lebenswerk des Verstorbenen als Segensquell für weite Kreise der jüdischen Gemeinschaft und das Vaterland bezeichnete. Die Abschiedsgrüße des Verbandes der deutschen Juden überbrachte dessen stellvertretender Vorsitzender, Justizrat Cassel. In den Kreisen des Verbandes herrscht tiefe Trauer über den Verlust des hochverdienten Führers. Mit stolzer, selbstbewußter Treue zum Glauben der Väter strebte der Verstorbene nach der Erringung der Gleichberechtigung der deutschen Juden als deutsche Staatsbürger. Durch seine seltenen Eigenschaften ist es ihm gelungen, dieses Ziel bedeutend zu fördern. Das Gedächtnis seiner Tugenden wird in seinen Mitarbeitern mahnend tind fördernd Heiterleben. Justizrat W i lke rief namens der Anwälte am Kammerg e r i ch t dem scheidenden Kollegen herzliche Abschiedsworte nach. Der Zauber seiner Persönlichkeit und die Geradheit seiner Gesinnung machten ihm alle Kollegen zu Freunden, von denen er immer schmerzlich vermißt werden wird. Für den Zentralverein sprach Geheimrat Fuchs. Ter Verein trauert um den Führer, der ihn nahezu ein Vierteljahrhundert aus kleinen Anfängen zu seiner heutigen Bedeutung geführt hat. Horwitz stand in der vordersten Reihe im Kampfe der deutschen Juden um ihr Recht. Der beste Jude sei auch der beste Deutsche, lautete sein Lieblingsivort. Der Zentralverein, der das Lieblingskind des Verstorbenen war, wird seinen Führer nie vergessen, er lebt in den Herzen der Mitglieder weiter. Geheimrat Bert hold Timendorser überbrachte die Abschiedsgrüße der G r o ß l o g e und der Deutschen R e i ch s l o g e n. Auch in der Logenarbeit hat der Verstorbene sich treu bewährt und dem Orden jederzeit gern seinen Rat geliehen. Nach einem ergreifenden El-mole-rachamim-Gebet, das Oberkantor D a v i d s o h n vortrug, beschloß ein Chorlied die Trauerfeier. er. Thorn, 19. Oktober. Auf eine 25jährige segensreiche Amts«- tätigkeit im Dienste der hiesigen jüdischen Gemeinde konnte Herr Rabbiner Dr. Rose n b e r g am 15. d.M. zurückblicken. Mit Rücksicht auf den Ernst der Zeit hatte man von einer Feier größeren Stils Abstand genommen. Um 12 Uhr erschienen in der Privatwohnung des Dr. Rosenberg mehrere Vertreter der jüdischen Gemeinde und Schülerinnen des Lyzeums, dem Rabbiner ihre und der Gemeinde Glückwünsche darzubringen. Der Vorsitzende W i e n e r -dankte im Namen der jüdischen Gemeinde dem Jubilar für seine aufopfernde Tätigkeit und überreichte ihm ein Erinnerungsschreiben, während eine der Schülerinnen ihm einen Blumenstrauß als Angebinde übermittelte. Tr. Rosenberg, der schon im Jahre 1914 seine 25jährige Amtstätigkeit als Rabbiner festlich begehen konnte, dankte bewegt für die dargeb rächten Huldigungen. Der im 58. Lebensjahre stehende Jubilar besuchte das Lehrerseminar in Kassel imd anttierte dann inehrere Jahre als Lehrer. Im Alter von 22 Jahren begann Tr. Rosenberg das Universitäts-Studium, dem er in Marburg und Berlin nachgmg. Die rabbinische Ausbildung empfing er am Rabbinerseminar in'Berlin, nachdem er schon vorher talmudische Studien bei Provinzialrabbiner Tr. M u n k (Marburg) getrieben hatte. Zuerst bekleidete der Jubilar vier Jahre lang das Rabbinat in Brandenburg an der Havel, von wo er nach hier berufen wurde. Besondere Verdienste erwarb er sich um die Ausgestaltung des Religionsunterrichts in unserer Gemeinde. Durch die Einführung der Mä'dchenkonfirmation hat Herr Tr. Rosenberg, der auf streng konservativem Standpunkt steht, seine tolerante Anschauung erwiesen und auch die liberalen Kreise unserer Gemeinde gewonnen. Möge dem verdienten Manne noch eine lange, segensreiche Wirksamkeit beschieden sein. W. Posen, 19. Oktober. Am 14. d. M. fand vor Beginn der Vormittagsandacht in der Synagoge A eine V o r v e r e i d i g u n g von