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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-10-26 · Heft 43 (26.10.1917) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 43 (26.10.1917)
Date
1917-10-26
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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ni,v: 81. Jahrgang Nr. 43 B.erlin, 26. Oktober 191? ’♦ Vellage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums. Korrelponüm?rn und Mschnchtm. Deutschland. E. R. Berlin, 21. Oktober. Zum erstenmal nach den Ferien trat die Repräsentantenversammlung heute wieder zu einer Sitzung zusammen, die der Vorsitzende, Direktor Minden, nach einer herzlichen Begrüßung der Teilnehmer, mit einem kurzen Ueberblick über die Geschehnisse der Zeit eröffnete. Er führte aus, „daß nun schon zum Viertenmal der Versöhnungstag in den Weltkrieg gefallen ist, der sich immer noch weiter ausdehnt und dessen Ende immer noch unabsehbar ist. Im allgemeinen Völkerhaß ist auch der alte Judenhaß zu neuem Leben erstanden. Zwar zeigt er sich in unserem Vaterlande nicht in der rohen Form wie in einzelnen Staaten der Entente, doch ist es sehr bedauerlich, daß den Symptomen, die sich bei uns zeigen, von den verantwortlichen Stellen nicht schärfer entgegengetreten wird. Das ist nicht nur im jüdischen, sondern auch im vaterländischen Sinne zu beklagen, denn die Feinde unseres Vaterlandes haben ihre stille Freude, wenn sie sehen, daß der Rassenhaß und Religionshader in Deutschland das Einvernehmen unter den Bürgern stört." Hierauf widmete Direktor Minden dem verstorbenen Vorsitzenden des Zentralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und des Verbandes der deutschen Juden, Justizrat Maximilian Horwitz) einen herzlichen Nachruf. Er nannte den Verstorbenen einen echt deutschen Mann, der an rechter Stelle für das Wohl des Judentums wirkte. Die Gemeinde hat seine Verdienste durch ein Ehrenbegräbnis anerkannt. Mit anerkennenden Worten gedachte der Vorsitzende dann der Verdienste, die Juftizrat Bernhard Breslauer, der aus Gesundheitsrücksichten aus dem Gemeindevorstand austritt, sich um die Gemeinde und die von ihm vertretene liberale Richtung erworben hat. Nahezu 30 Jahre war Breslauer im Ehrendienste der Gemeinde tätig. Mit Justizrat Breslauer scheiden noch fünf Mitglieder, deren Amtszeit mit diesem Jahre abläuft, aus dem Vorstand. Es sind dies die Mitglieder Geheimrat Stern, Leopold B a d t, Kommerzienrat Netter, Sanitätsrat Dr. Feilchenfeld und Justizrat Magnus. Zur Vorberatung der Neuwahl bzw. der Wiederwahl wird ein Sonderausschuß von sieben Repräsentanten eingesetzt. Hierauf verliest Herr Professor Blaschke ein von sämtlichen anwesenden Repräsentanten unterzeichnetes Schreiben: „Die Amtsniederlegung der Repräsentanten und Stellvertreter konservativer Richtung erfüllt uns mit tiefem Bedauern. Beweggründe für diesen Schritt, der, soweit wir wissen, ohne Beispiel in der Geschichte unserer Gemeinde ist, sind uns amtlich nicht mitgeteilt worden. Die Mehrheit der Repräsentantenversammlung hat den Bedürfnissen der konservativen Gemeindemitglieder in weitgehendem Maße Rechnring getragen, sie hat der Einrichtung konservativer Religionsschulen und konservativen Jugendgottesdienstes und gerade noch in jüngster Zeit der Wahl von Rabbinern zu gestimmt, die auf dem äußersten rechten Flügel der Orthodoxie stehen. Wir haben fünf Synagogen mit altem und nicht mehr mit neuem Ritus. Wir haben die Mitarbeit der konservativen Gemeindevertreter sowohl in der Versammlung wie in den Ausschüssen und auf allen Gebieten der Verwaltung stets anerkannt und hoch geschätzt. Um so mehr muß befremden, daß angesichts der Prüfungen, die eine überaus schwere Zeit über die Gesamtheit verhängt, ein Riß in die Gemeindeverwaltung und damit in die Gemeinde gebracht wird. Wenn jemals, wäre es gegenwärtig geboten zurückzustellen, was trennt.-und zu beherzigen, was eint. Eine solche Erwartung durfte auch die Wählerschaft hegen, zumal da die ausgeschiedenen Herren durch das Vertrauen nicht bloß konservativer, sondern einer überwiegenden. Zahl liberaler Gemeindemitglieder in das Amt berufen waren. In der Repräsentantenversammlung verbleiben jetzt nur Liberale. Sie werden die erhöhte Arbeitslast willig auf sich nehmen, getreu der feierlichen Verpflichtung, die sie bei ihrem Amtsantritt eingegangen, sind. Sie werden berechtigten Wünschen und Ansprüchen aller Richtungen, insbesondere auch der konservativen, nach wie vor weitherzig zu gewähren bereit und bestrebt sein. Die Aufsehen erregende Amtsniederlegung der fünf Repräsentanten und der drei Stellvertreter erscheint ihnen als ein sachlich ungerechtfertigter Vorgang, für dessen Folgen nicht die Repräsentantenversammlung verantwortlich ist. — Folgende Zuwendungen gelangten zur Annahme: Von den Eheleuten Gebhardt Gold stein 2000 Mark zur Erhaltung zweier Gräber, von Herrn Eduard Freudenthal 2000 Mark zur Erhaltung zweier Gräber, von Herrn Paul Langer 4000 Mark für die Altersversorgungsanstalt, von den Eheleuten Michael Klein 5000 Mark zur Grabpflege, von Frau Anna Salinger geb. Unger 5000 Mark für die Altersversorgungsanstalt, von Herrn Salo Cassirer in Charlottenburg für die Altersversorgungsanstalt 12 000 Mark zur Errichtung eines Bettes zum Andenken an Frau Paula Gotthelf geb. Cassirer, 12 000 Mark und 24 000 Mark für ein Doppelzimmer zum Andenken an den Erblasser und dessen verstorbene Ehefrau Natalie Cassirer. Ferner 300 000 Mark zur Errichtung eines eigenen Heimes Salo-und-Natalie--Cassirer- %ltersversorguirgsanstalt. — Von Herrn Emil Pincus ist vor einigen Monaten eine Eingabe zur Beseitigung der Notlage der Beamtenschaft gemacht worden. Der Gemeindevorstand ist zur Freude des Herrn Pincus ihm zuvorgekommen und hat folgende Grundsätze aufgestellt: Die auf dem Gemeindebeschluß vom 22. Mai/22. Juni beruhende Teuerungszulage erhält die Bezeichnung „Kriegsbeihilfe". Die hauptsächlich bei der Gemeinde beschäftigten Beamten, Lehrer und sonstigen Angestellten erhalten neben den laufenden Kriegsbeihilfen mit Wirkung vom 1. Juli 1917 ab laufende Kriegssteuerzulagen nach bestimmten Gruppen von 600 Mark, 700 Mark, 900 Mark und 1000 Mark. Verheiratete mit Kindern erhalten dazu noch für jedes Kind 10 Prozent der vorstehenden Sätze. Herr Professor Türk dankt dem Vorstand für die großzügige Vorlage und richtet an ihn folgende Bitte: Es sollen auch die Religionslehrer berücksichtigt werden, die sich nicht in fester Anstellung befinden. Für diese müsse durch Erhöhung der Stundenhonorare gesorgt werden, und auch die Religionslehrer an den subventionierten Religionsschulen dürften nicht leer ausgehen. Für die Hilfskräfte an den Knaben- und Mädchenschulen müsse sowohl der Jahresstundensatz wie das' Honorar für die Einzelstunde erhöht werden. Was die Kinder der im Felde stehenden Beamten betrifft, so sollten diese 10 Prozent der vollen Teuerungszulage erhalten. Ein dahingehender Antrag wird einstimmig angenommen. Herr Professor Türk verzichtet darauf, besondere Anträge zugunsten der Religionslehrer zu stellen, nachdem vom Vorstandstisch zugesagt ist, die Honorare einer Revision zu unterziehen. — Zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden der Nepräsentantenversammtung wird Herr Professor Blaschke, zum zweiten Herr Gewerberat P l o t k e, zum stellvertretenden Schriftführer Herr Emil Pincus gewählt. In das Kuratorium des Reichenheimschen Waisenhauses wird Herr Zielenziger, in die Armenkommission Herr Mar Sonnenfeld, in die Waisenkommission Herr Moritz Dud gewählt. In die Kommission betreffend Ergänzungswahlen zum Gemeindevorstand werden die Herren Dr. Minden, Professor Kalischer, Professor Türk, Professor Blaschke und Dr. Ginsberg gewählt. Die Neuwahlen in das Kuratorium der Julius-Jacoby-Stiftung' sollen innerhalb eines Jahres nach Friedensschluß vorgenommen werden. — Die Abänderung des Bormizwähgebetes wird mit den gewünschten Aenderungen genehmigt. — Subventionen erhalten: der Verein Talmud-Thora Knefeth Jisroel 1917/18 3500 Mark, der Verein für Statistik der Juden 1917 1000 Mark, das Israelitische Kur- Hospital Bad Salzbrunn 1917 450 Mark, der Religionsverein Friedenau-Steglitz 1917 2000 Mark, die Kinderheilstätte Bad Kissingen 1917 300 Mark, der Religionsverein Ahawas Scholaum . zur Schuldentilgung 2250 Mark. Der jüdischen Brüdergemeinde Neukölln wird die Subvention für 1916/17 auf den ganzen bisher vorschußweise gezahlten Betrag festgesetzt, auch wenn derselbe ein wenig die Subvention für das vergangene Jahr übersteigt. Für die Besoldung der bei der Armenkommission tätigen Gemeindeschwestern werden 2600 Mark jährlich, für die Neuanschaffung und den Einband der Jugendlegende 426 Mark bewilligt. Hierauf folgt die geheime Sitzung. E. M. Berlin, 23. Oktober. Der De r >e i n für jüdische G e - s chi ch t e u n d L i te r a t u r, der auf eine 25jährige Tätigkeit zurück-

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