Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1917)
- Date
- 1917-10-26
- Page
- Seite 516 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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ii n b Hibhllenchord, auf das G e i st i g e u n d Ewige hindeutend. Schließt glorios." Demgemäß wird auch in dem zweiten Teil des Entwurfs, der hier übergangen werden mag, da es sich in ihm ausschließlich um das Christentum handelt, von den 'Schwierigkeiten geredet, die der Stifter des Christentunis in den Reihen seiner Jünger, in seiner eigenen Zweifelsucht und durch die Verfolgungen seiner Feinde zu bestehen hat. Und Me völlige gedankliche Uebereinstimmung beider Teile bekundet sich darin, daß der zweite mit den Worten schließt: „Das Irdische fällt a l l e s a b, d a s G e i st i g e st e i g e r t s i ch bis zur Himmelfahrt und zur Unsterblichkeit." Was Goethe hier als zufanunentreffende Merkmale jüdischen und christlichen Glaubens darlegt, das ist: das Abstreifen des rein Aeußerlichen, Formalem die Betonung dos Geistigen, die Erhebung des Sinnes in die Höhen. Diese Betrachtung bekundet sich auch in den Versen, Resten der spärlichen Ausarbeitung, die Goethe seinem Sä^ema hinzufügte: Was soll all der Prunk bedeuten? Regt er nicht der Seele Spott? Wenn wir in das Freie .schreiten, Auf den Höhen, da ist Gott. L. G. Literarische Mitteilungen. — Das D o m g u t. Die Geschichte einer Familie von Karl Neurath. Rütten und Loening. Frankfurt a. M. 1913. Dieser ältere, aber jetzt, September 1917, mir erst bekannt gewordene Roman ist ein tüchtiges Stück Arbeit, das in drei Beziehungen an Vorgänger erinnert: 1. in der Darlegung von Familienschicksalen durch mehrere Generationen hindurch, die an Freytag und gewissermaßen an Zola gemahnt, 2. in der Schilderung der Biedermeierzeit, nur daß hier hauptsächlich die Epoche von 1800 bis 1848 behandelt wird, 3. in der Betonung dessen, was man als ganz modern rühmt und was doch im Grunde nur Auffrischung alter Manier ist, nämlich in der Vorführung des Bodenständigen, der Heimatkunst. Der Roman spielt nicht weit von Mainz und erzählt im wesentlichen die Geschichte eines Bauernpächters, späteren Eigentümers eines großen Gutes, des Ignaz Notmüller. Sie endet tragisch, denn der Held selbst, seine Frau, seine beiden Söhne, Heine und Ludwig, sein Bruder Georg und dessen Tochter Eva, die nach dem Tode ihres Vaters von Ignaz ins Haus ausgenommen worden ist, gehen zugrunde. Alle diese Menschen sind prächtig gezeichnet: der Vater in seiner robusten Stärke und in seinem Selbstbewußtsein sucht zwar ausreichend sein Gut auf der alten Höhe zu erhalten und die Gemeinde, deren Bürgermeister er ist, herrlich zu leiten, hat aber nicht die Kraft, das Glück seiner Gattin zu sichern und die Schicksale seiner Söhne zu lenken. Denn diese, in Mainz erzogen, wo sie zu einem höheren Berufe vorbereitet werden sollen, entsprechen nicht den väterlichen Absichten: sie kehren beide, bevor sie ihre Vorbereitung endgültig abgeschlossen haben, ins Vaterhaus zurück; beide (Zwillinge, in Gestalt und Wesen sehr verschieden) entbrennen in großer Liebe zu Eva, die so groß ist, daß Ludwig, von wahnsinniger Eifersucht erfüllt, seinen Bruder lebensgefährlich verletzt, flüchtet und sich den Tod gibt. Dieses tragische Ende, der Untergang einer ganzen Familie, denn auch Eva im Andenken an ihren Heine versagt sich jedem anderen Bewerber und schwindet dahin, ist nicht vollständig motiviert. Das Leben der ganzen Gemeinde, die Charakteristik der einzelnen Typen, z. B. des freigesinnten, sehr verständigen und kraftvollen Lehrers, ferner eines Spenglers Mai, sodann eines Schmiedes und anderer ist vortrefflich, das fanatische Wüten eines herrschsüchtigen Pfaffen, in dessen Banden - die fromme Gattin Rotmüllers und seine Nichte Eva schmachten, der es mit der ganzen Gemeinde verdirbt und schließlich abberusen wird, ist mit großer Kraft dargestellt. Auch das Landschaftliche, sowohl das Landgut als die Stadt Mainz und ihre Umgebung werden in hervorragender, durchaus eigenartiger Weise beschrieben. So große Vorzüge nun dieser Roman auch ausweist und so dankbar meine Leser mir sein werden, daß ich sie auf ein älteres, mir bisher unbekannt gebliebenes und bei aller Anerkennung, die es gefunden hat, nicht genugsam verbreitetes Werk Hinweise, so könnten manche doch verwundert fragen,, warum ich es gerade an dieser Stelle bespreche. Die Antwort, die ich cmfi dieses gerechtfertigte Bedenken zu erteilen habe, ist die: durch den ganzen Nomart geht die Figur eines Juden hindurch, eines Viehhändlers Moses Lob. Es ist ein kluger welterfahrener Mann, der in den politischen, ja auch in den geistlichen Händeln der Gemeinde, auch in der für das Dorf hochwichtigen Frage eines Eisenbahnbaues seine gewichtige Stimme abgibt, der aber auch in den Erziehungsängelegenheiten der Söhne der Bauern um seinen Rat gefragt wird und diesen gern erteilt und der endlich in den Herzensnöten der Eva die Rolle eines tatkräftigen Beichtvaters spielt. „Ich bin zwar e Jüd, aber ich bin auch e Mensch", mit diesen einfachen Worten charakterisiert er einmal sein Wesen (S. 300). Er ist begeistert für die Freiheit, ein Napoleonschwärmer, der, wenn auch einigermaßen bedingt, die Berechtigung der Revolution von 1848 anerkennt und der wohl die Ansicht des Verfassers und des Wesens des ganzen Werkes in folgenden Worten ausspricht: „Das ist immer so. So bei den einzelnen und bei der ganzen Menschheit. Es geht immer auf und -ab. Familien steigen auf und nieder wie die Völker — das ist e so. Er tut mer auch leid, der Rotmüller. Es ist mx zu ändern. Israel war groß vor den Völkern und ist gestürzt tiefer als zuvor! Warum nicht die Rotmüllers? Ihre Zeit ist erfüllt. Nichts bleibt ewig auf der Höhe — es ist ein Wechsel, ein ewiger, und wenn was ist am Niedergang, da hilft keine Kunst und keine Gewalt. Und meint einer: nu es ist e Zufall, nein, es ist immer Ewigkeitsgefetz." Das prächtige Buch mag den Lesern dringend empfohlen werden. L. G., Mtzrrrmlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Warschauer Tafeln zur Gegenwartsgeschichte des Königreichs Polen. Herausgegeben von der Presseabteilung des Berwaltungschess beim Generalgouvernement Polen. Erste und zweite Folge. Rudolf Presber: Notizen am Rande des Weltkrieges. Deutsche Berlagsanstalt. Stuttgart und Berlin 1917. Durch! 2. Teil. Paul Michels Kampf um die Kultur. Von Dr. Ph. Münch-Bonn. Verlag: Oskar Born, Leipzig. Neue Jüdische Monatshefte. 1. Jahrgang Heft 23/24. Abdruck aus: Weltwirtschaftliches Archiv. 2. Band. September 1917. Heft 1. Der Handel Konstantinopels Von N. Honig, Jerusalem. Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, Ergänzungsheft 13. Konfessionelle Militärstatistik. Von R. E. May. Tübingen 1917. Dreibuch. Jüdische Geschichten von Sch. Gorelik I. L. Perez Scholem Alejchem. Wie soll man diese Geschichten lesen? Vorbemerkung von Max Brod. 1916, Jüdischer Verlag Berlin. Die älteste Geschichte Israels im Rahmen lehrhafter Darstellungen. Von Liz. Dr. Anton Jirku, Privatdozent an der Universität Kiel. Leipzig 1917. A. Deichertsche Verlagsbuchhandlung. Werner Scholl. Jüdischer Nationa-lkalender auf das Jahr 5679 (1917/18). Dritter Jahrgang, herausgegeben von Otto Abeles und Ludwig Bato. Wien 1917. Verlag „Jüdische Zeitung". Lprechlaal. Hochgeehrter Herr Geheimrat! Zum Artikel G. Engelmann „Einiges über die Beziehungen Leibniz' usw." möchte ich bemerken, daß der jüdische Freund Leibnizens, Rafael, der im jüdischen Schrifttum bekannte Rafael ha-Levi Hannover ist, der als Verfasser der Werke -HSJH mmb Leyden 1756, und N21251, Amsterdam 1757, auch weiten jüdischen Kreisen bekannt ist. Zuverlässige Nachrichten über sein Leben sowie weitere bibliographische Angaben jetzt bei Gronemann, .Genealogische Studien S. 130 ff. et passim. Da Rafael Hannover 1685 geboren wurde, so war er beim Tode Leibnizens im ganzen über 30 Jahre alt. Rafaeb war demnach zu Zeiten Vost ein alter Jude, aber nicht im Jahre 1716. In ausgezeichneter Hochachtung, ergeben B. W a ch st e i n.