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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-10-26 · Heft 43 (26.10.1917) · p. Seite 515

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 43 (26.10.1917)
Date
1917-10-26
Page
Seite 515 (sequence 11)
Language
German
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Armer Herr Stern! denn das ist für Rose >dcks Signal. Sie > ahmt ihn mit mehr Komik als Lebenswahrheit, denn sie hat j ihn nie im Leben gesehen, bloß nach der Beschreibung ihrer j Schwester, so drollig nach, daß Großmama ersticken will vor Lachen. Die Tränen rollen ihr nur so über die Backen. Herr Stern ist die Witzfigur im Hause geworden/ er wird eine große Rolle im Hochzeitskarmen, das Rosel heute schon schwere Sorge macht, spielen. Und wenn Tante wieder ernst ist, nimmt sie meine Hand und sagt: „Der liebe Gott hat viel zu verschenken, mein Tochter." Freilich, Tante Phine. Auf dem Jahrmarkt gab es viel Uhren, aber die Kinder, die kein Jahrmarktsgeld hatten, konnten sich doch keine kaufen. j „Nu siehste, der liebe Gott hat's so gefügt. Ohne den Lehrer in Roschmin. Ich Hab n abgeschrieben übrigens." „Bennos wegen? Recht so, Tante! Wenn er es nun aber übel nimmt? Wir haben doch noch die Rosel?"! „Soll er!" sagt sie wegwerfend, „was hat er schon for! Verbindungen? Was for Leute verkehren schon dein Lehrer; in Roschmin! Außer sein Vetter in Magdeburg — von den j hat er geprahlt, solange ich en kenne." — j „Den wollen wir lieber gar nicht erwähnen, gute Tante! Phine", sage ich vorsichtig, aber herzlich und fasse ihre beiden Hände. „Ich denke, .Paula hat solche schöne Tasse von ihrem Bräutigam bekommen? Soll ich die gar nicht sehen?" „Rosa, hole mal die Sevrestasse", sägt sie in stolzem Ton. Und dann zu mir: „Schew? Wie mers nimmt! Ich kann nischt Schenes dran sehen. Wahrhaftigen Gott, die for sufzig Pfennige bei Barasch, weiß, mit e Rosenkränzchen, gefallen mir zehnmal scheuer. (Fortsetzung. folgt.) Lionitt und Deutscher Jude. ermanisches Volk — es achtet, es liebet uns nicht; Drum ziehn wir nach Zion, wo väterlich winkt uns das Land, Wo künftig den Kindern die heilige Sprache man spricht! Und du, der nicht folgt, bleib fern uns, ein Assimilant!" Das Sittengebot, das der Welt offenbart der Prophet, Natursang, der bergeverrückend in Psalmen erbraust. Nur Deutschlands begeisterten Genius lebendig durchweht: Die Stimme Jehovas vernehm' ich vom Munde des Faust. F. L. Mitzkllkn. Luther als Begünstiger eines Jitden für eine Professur. Am 3. Dezember 1543 schrieb Luther an den Kurfürsten Johann Friedrich, um die nach dem Tode des Matthäus Aurogallus (11. November) frei gewordene Professur der hebräischen Sprache neu zu besetzen. Er empfahl dazu den Lukas Erdenberger mit der Bemerkung, daß er treu, fleißig, auch ernst sei und erfüllt von der reinen Lehre, „welches alles vynnöten ist, dem, der hebräisch lesen soll. Denn viele Hebraisten sind, die mehr rabbinisch, denn.christlich sind." Kurfürst Friedrich forderte, darauf den Rektor der Universität auf, bestimmte Vorschläge zu machen. Dieser Aufforderung kam der Rektor mit seinen -Kollegen, unter denen sich auch Luther befand, nach, indem er aussührte: Die bedeutendsten Hebraisten seien zur Zeit Münster in Basel,. Ziegler in Leipzig, Oslander in Nürnberg, .Heli u s in Jsny. Die Universitätslehrer fügten aber gleich hinzu, „die nicht zu haben sein würden", lieber die genannten'Gelehrten sollen hier keine näheren Daten angegeben werden; Genaueres kann man in meinem Buche „Das Studium der hebräischen Sprache in Deutschland im 15. und 16 Jahrhundert" Nachlesen. Nur kurz will ich darauf Hinweisen, daß von den Genannten in weiteren Kreisen die bekanntesten Sebastian Münster und Helius sind. Der erste, Verfasser eines hebräischen-Wörterbuches und Kommentars vieler biblischer Schriften, hatte, von Juden gelernt. Der andere, Helius, ist der bekannte jüdische Gelehrte E l i a s L e v i t a. Es bleibt außerordentlich merkwürdig,, daß in einem amtlichen Schreiben, das von Luther mit unterzeichnet i-st, dieser jüdische Gelehrte als ein möglicher Kandidat für eine Professur an einer deutschen Universität im Jahre 1543 genannt und empfohlen wird. Daß man auf ihn keine weitere Rücksicht. nahm, ebenso wenig wie aus die mit ihm Genannten, erklärt sich zunächst daraus, daß die Empfehlenden dabei bemerken, daß er nicht zu haben sein würde. Aber es ist ungemein wichtig, daß er überhaupt genannt wurde, ohne daß von seinem Bekenntnis geredet und daraus, die Unmöglichkeit deduziert wird,, ihn zu dieser Stellung zu berufen. Der Ausgang der Sache interessiert uns. weniger. Der Vollständigkeit mag. erwähnt, werden, daß die Stelle geteilt und daß zu ihr, also mit halbem Sold, der zuerst von Luther genannte Erdenberger und Fabricius ernannt wurden, und daß Fabricius, da er mit dem Hungerlohn nicht auskommen konnte, bald wieder Wittenberg verließ. L. G. . ..A ..... Zum 31. Oktober. Bei Gelegenheit des von den Protestanten gefeierten vierhundertjährigen Reformationsfestes sei auf Folgendes hingewiesen. Als 1817 das dritte Jubeljahr ider Reformation gefeiert wurde, wollte sich auch Goethe au dmr Fest beteiligen. Allgmein zugänglich ist nur sein kurzes Festgedicht mit dem Bekenntnis seiner Zugehörigkeit zur neuen Lehre: „Wir protestieren all mit Lust." Unbekannt dagegen ist ein Schema zu einer großen Reformationskantate, zu der Goethe durch seinen wackeren Freund Zelter angeregt wurde. Das Schema findet sich nur in dem Goethe-Zelterschen Briefwechsel, wo es niemand sucht; erst in die Weimarer Ausgabe von Goethes Werken (Bd. 16, 1894) hat es Ausnahme gefunden; jetzt kann man es auch, leider ohne die geringen Anfänge der wirklichen Bearbeitung, von denen am Schluß dieser Skizze die Rede sein soll. Nachlesen, in^dem sonst empfehlenswerten Buche. Karl Merker: „Bon Goethes dramatischem Schassen" (Leipzig, Berlin 191*7, €>. 607—-609). Goethe stellt nicht, wie man meinen sollte, Protestantismus . und Katholizismus, sondern.Judentum und Christentum einander gegenüber. Aber dieses Entgegensetzen soll nichts Feindliches .bedeuten, sondern einerseits entsprechend der. üblichen Auffassung, das. Judentum als. Vorstufe des Christentums .hinstellen, andererseits aus das Gemeinsame beider Religio,neu, den.langsamen.Fortschritt und seine Behinderung durch.Gegner Hinweisen. Der erste Teil der Kantate, der. unser besonderes Interesse erweckt, lautet so: . , - ...... „Symphonie, zum Schluß Donner auf Sinai. Zudringender Halbchor (Volk). Es will in der Nähe sehen, was da vorgeht. Abhaltender Halbchor (Leviten). Das Volk wird vom Sinai zurückgedrängt und betet an. Sprecher (Aaron). Leitet das Ereignis ein, erwähnt des Abfalles zum goldenen Kalbe. Das Volk demütigt sich und empfängt das Gesetz. Sprecher (Josua). Zug durch die Wüste. Eroberung des Landes. Kriegerische Hirtenchöre im Sinne derer meiner Pandora. Sprecher (Samuel). Den schwankenden Zustand zwischen Priestertum und Königtum aussprechend. Beharren des Königs und des Volkes bei dem Begriff des einzigen' Nationalgottes. Salomons Regierungsantritt. Frauenchöre. Sulamith, die Geliebteste in der Ferne. Priesterchöre. Einweihung des Tempels. Chöre aller Art. Sprecher (Elias). Die Abweichung gegen Baal vorbereitend. Dienst auf Höhen und im Freien. Chöre des Volkes, das zur Heiterkeit früheren freieren Himmelslebens zurückkehrt. Muntere Festlichkeit, minder religiös. Chöre des Priesters Baal, pfaffenartig mit Härte und Roheit imponierend. Sprecher (Jonas). Drohungen. Grohe Feindesrrrassen in der Ferne weissagend. Herandringen des Feindes, Beängstigung. Untergang des Reiches, gewaltsame Gefangenschaft. Lieblich, lamentabel. Spreche^ (Jesaias). Rettung und künftiges Glück verkündend. Chöre es dankbar ausnehmend, aber im irdischen Sinne. Propheten-

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