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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-10-26 · Heft 43 (26.10.1917) · p. Seite 507

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 43 (26.10.1917)
Date
1917-10-26
Page
Seite 507 (sequence 3)
Language
German
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507 Kulturträger in den kleinen und mittleren rabbinerlosen Geineinden. Als Mittel zur Erfüllung dieser Forderungen schlagen niir vor: 1. Schleuni ge U nter h an dlungen der Gemeindevvrstände an den Orten, wo die jüdischen Volksschulen infolge des Kriegszustandes vor der Auflösung stehen, mit den städtischen und staatlichen Behörden wegen Anstellung des jüdischen Volksschullehrers an den öffentlichen Volksschulen der anderen Bekenntnisse. 2. Unterhandlungen der großen jüdischen Verbände mit den Abgeordneten des Landtages wegen Erlaß eines Not- Gesetzes, das bis zur Vorlage des seit vielen Jahren versprochenen Unterrichtsgesetzes Geltung hat, zur Regelung der durch die Kriegslage veränderten Zustände der jüdischen öffentlichen Volksschulen. Alles spricht dafür, daß ein solcher Wunsch, der mit Klugheit und Festigkeit bei den gesetzgebenden Behörden geäußert ivird und sich vielleicht schon in einem von den jüdischen Verbänden gemeinsam festgesetzten Entwürfe verdichtet, gerade jetzt auf wohlvorbereiteten Boden treffen wird. Aber Eile t u t n o t! Sir Woche. »erlitt. 23. Oktober 1917. iesmal stehen die E r e i g n i s s e i nt O st e n im Vordergründe. Während es im Westen verhältnismäßig ruhig geblieben ist — so erscheint es wenigstens den Daheimgebliebenen, die Kämpfer selbst werden die Hölle, wie das Flandernsche Gebiet bezeichnet wird, heiß genug gefunden >)aben — und an der italienischen Grenze nur ein kleiner Anfang von neuen Unternehmungen sich gezeigt hat, sind die Bewegungen gegen Rußland vorwäts gegangen. Die ganze ottfel Oesel ist in unserem Besitz, unsere Truppen sind schon weiter vorwärts gedrungen, Petersburg gilt als bedroht. Unsere Flotte, die sich bei diesen Unternehmungen tatkräftig gezeigt hat, wagte Vorstöße gegen Dünkirchen; von mannigfachen großen Erfolgen unserer Unterseeboote wird gemeldet. Aus Frankreich und Italien kommen Krisengerüchte; in der italienischen Kammer haben sich die wildesten Szenen abgespielt. Trotz der dort herrschenden Not und der allgemeinen Friedenssehnsucht ist von wirklichen Friedensverhandlungen durchaus noch keine Rede, nur die Sozialdemotraten Deutschlands und des Auslandes fordern energisch den Frieden, aber von einem internationalen Zusammengehen nnt> einem Einverständnis der verschiedenen Gruppen ist nicht die Rede. So muß die furchtbare Zeit, die wir durchleben', noch immer weiter getragen werden; ein neuer Kriegswinter, verschärft durch Kohlennot, Beschränkung der Beleuchtungsmittel, erschwert durch die an vielen Orten, namentlich in den Großstädten, immer fühlbarer werdende Knappheit an LebensuttiMn, bedenklich durch eine unerhörte, kaum verständliche Teuerung aller und jeder Gebrauchs- und Bedarfsartikel, steht vor der Tür. Und doch wollen unb dürfen wir den Mut nicht verlieren, die Arbeitsfreudigkeit nicht sinken lassen und das Vertrauen nicht ausgeben auf einen endlichen Erfolg unserer gerechten Sache. Ueber den E r f o l g d e r f i eb e n t e n Kriegsanleihe sind nun zuverlässige Nachrichten bekannt. 12% Milliarden sind gezeichnet. Man wird sich dieses außerordentlichen Erfolges von Herzen freuen, wird sich aber sagen müssen, daß bei den ungeheuren Aufwendungen, die für den Krieg notwendig find, das nicht die letzte Anspannung der Kräfte war, und wird sich zu neuen Opfern bereit halten müssen, die des Vaterlandes Wohl erheischt. * Unsere inneren Verhältnisse bleiben dunkel. Die Wahlreform wird verschleppt. Die zu Würzburg stattgefundene Tagung der Sozialdemokraten hat dem Reichskanzler ihr Mißtrauen ausgesprochen; auch in weiten Kreisen des Volkes herrscht tiefe Unzufriedenheit. Es bleibt dringend zu hoffen, daß endlich eine zielbewußtere Leitung eintrete und daß dem deutschen Volke, das mit ruhiger Würde so viele Jahre schon schwere Entbehrungen getragen hat, das verdiente reiche Maß der Freiheit gegönnt werden möge. * Ueber jüdische Dinge ist folgendes zu melden: Auf Anfragen des Abgeordneten Dr. Werner (Gießen) hinsichtlich der Bevorzugung jüdischer Kriegsgefangener hat Staatssekretär Helfferich geantwortet, daß zur Herstellung der Mazzoth anläßlich des jüdischen Passahfestes die Heeresverwaltung nur die Menge Mehl gegeben habe, die sonst zur Erbackung der Brotration für die Dauer des Passahfestes benötigt worden wäre. Eine Bevorzugung in seelsorgerischer Beziehung werde den jüdischen Kriegsgefangenen nicht gewährt. * Der „Blochschen Wochenschrift" entnehmen wir nachstehende Mitteilung: Der Gemeindebund der italienischen Juden hat ein Schreiben an die russischen Juden geschickt, dessen Inhalt wir hier wiedergeben: Der Gemeindebund der italienischen Inden begrüßt die lieben Brüder in Rußland in der schönen Morgenröte ihrer Freiheit. Es ist ein feierlicher Moment für das ganze jüdische Volk und für feine ganze Geschichte. Da ihr, unsere Brüder aus Rußland, heute wie immer den gesundesten Kern des jüdischen Volkes bildet, da ihr mit eurer heldenhaften Ausdauer, eurer unauslöschlichen Hoffnung, eurer Treue zu den Idealen unserer Ahnen uns ein leuchtendes und bewunderungswürdiges Beispiel wartet und die flamme des alljüdischen Lebens aufrecht erhieltet, liegt euch heute die Pflicht ob, das Erbgut rein, den Namen und die Ehre unseres Volkes hoch zu halten. Wir sind ein altes Volk, dem die jahrtausendelangen Erfahrungen aus der Geschichte ein wunderbares Vermöge:: verliehen, die Dinge in ihrer nackten Wirklichkeit zu schauen: heute muß diese Gabe sich als nützlich für das jüdische Volk im entscheiden den Momente der Weltgeschichte zeigen, damit es seinen Wert, seine sittliche Größe und die Rechte betone, die es ans alle geistigen und gesellschaftlichen Freiheiten hat. Heute müssen wir selbstbewußte Inden sein, mit geradem Rücken und stolzen: Mut: fest vereinigt in der Heiligkeit und in der Größe unserer Forderungen. Wir, Juden Italiens, erwarten von euch, daß ihr noch einmal zeige:: werdet, wie Israel seine Pflicht erfüllen kann, und wie es, für das Wohl des Landes, in dem es lebt, arbeitend, seinen Platz im Leben der Völker sich erringen kann. Die Geschicke Israels liegen in euren Händen. Wir danken euch im Namen unseres gemeinsamen Ideals und unserer uralten Hoffnungen, denn wir sind überzeugt, daß ihr für derer: Erfüllung würdig arbeiten werdet. * Am 12. November soll in B e t n eine Friedens? o n - ferenz tagen, die von der Zentralen Organisation für einen dauerhaften Frieden einberufen ist. Auf ihr wird auch die Sache der Juden besprochen werden und das von Max Nordau formulierte Minimum-Programm zur Besprechung gelangen. Es wird von dem jüdischen Korrespondenzbureau! im Haag mitgeteilt und mit folgender Aeußerung des holländischen Abgeordneten und ehemaligen Sekretärs im Justizministerium H. C. Dreschelhuis begleitet: - 1. In allen Ländern, wo die Juden in geringer Anzahl leben, volle Rechtsgleichheit. 2. Ueberall, wo sie ein ansehnliches, gegliedertes Bevölkerungselement bilden, Anerkennung ihrer Nationalität, sofern sie dies wünsche!:, und Ausdehnung -aller politischen und kulturellen Zugeständnisse

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