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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-10-19 · Heft 42 (19.10.1917) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 42 (19.10.1917)
Date
1917-10-19
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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- 19. Oktober. Am 7. d. M. fand anläßlich des achtzigsten Geburtstages der Gründerin des Israelitischen Kinderheims' in Köln, der Frau Rabbiner Dr. P l a t o, eine Feier statt, die geh zu elner außeroroenNichen Ehrung oer hochdelagtcu Jubilarin gestaltete. Die Feier wurde durch ein Lied der Anstaltskindsr eingeleitet. Es folgte - ein von Herrn Lehrer G r ü nebau m verfaßtes und von einem Mädchen der Anstalt vorgetragenes Gedicht, in dem das segensreiche Wirken der Frau Dr. Plato geschildert wurde. Frau Moritz Lipmann überbrachte im Namen des Vorstandes des Kinderheims Glückwünsche, und schilderte in beredten Worten, wie das Heim sich aus kleinen Anfängen zu einer, wert Wer die Grenzen Kölns segensreich wirkende Anstalt entwickelt hat, und daß Frau Dr. Pleno es war, dre der Anstalt immer neue Ziele gesteckt ituö <aftles ihren Aufbau gefördert habe. Herr Oberbürgermeister Adenauer überbrachte die Glückwünsche der Stadt und betonte, daß diese das größte Interesse an der ferneren Entwicklung und dem wohltätigen Wirten der Anstalt nähme. Herr Stadtrat Eliel sprach im Namen der Synagogengemeinde und hob besonders hervor, daß Frau Dr. Plato der Ge- Nl.iuide viece Lasten aogenvncmen haue, und daß diese nuederum sich verpflichtet fühle, das Kinderheim nach Kräften zu unterstützen; er könne dies auch, soweit es ihn betrifft, für die Zukunft zusichern. Herr Rabbiner> Dr. Rosenthal knüpfte in seiner geistvollen Rede an den Harvschanoh Rabbo, den Tag der großen Hilfe, an urtb führte aus, daß sich an Frau Dr. Plato das Wort des Sängers erfülle „Airs dem Munde der minder und- Säuglinge hast Tu Dir die Macht gegründet." Als Vorsitzender der vereinigten Wohlfahrtseinrichtungen der jüdischen Gemeinde beleuchtete Herr Feilchenseld das JNjammemonten des äunoerhern^s mu de»l übrigen Wohuütigkeitsanstalten der Gemeinde. Herr Rabbiner: Dr. F rank wies daraus hin, wie er stets die Tätigkeit und das Wirken der Frau Dr. Plato bewundert habe und beglückwünschte sie, daß das von chr Zur Blüte georauM Werr tu itji.eiu va/une Loa ti,vciu Soht.e, dem ^ncecwr der Anstalt, weitergesührt werde. Fräulein Hauptlehrerin P. L o e b überbrachte in Vertretung! des Herrn Rektor. Cdblenz die Glückwünsche der städtischen Israelitischen Volksschule und betonte die guten Beziehungen zwischen Heim und Schule. Die Schule habe am besten Gelegenheit, die Leistungen der Anstalt zu bewerten und zu beobachten, daß der kindliche Frohsinn nicht durch einen: engherzigen Anstaltsgeist unterdrückt wird. Sie gedachte ihres unvergeßlichen Lehrers, des edlen hochverehrten Gatten der Jubilarin,, dessen Geist der Milde und Menschenliebe sich in ihrem Werke widerspiegelt. Als Vertreterin c<s atvvivtu» Frau a 11 iuu: muii 25 ^)ayre nur <yruu Dr. Plato zusammenwirtt. Als Vorsitzende des Israelitischen Frauenvereins sprach Frau B. Auerbach, Herr Falken st ein für die Chew-raus, Herr Moritz L e v y jr. sür die Peah. Als Vertreterinnen für die -nationale FrauengemeinsÜMst überbrachten Frau Oberbürgermeister Becker und Frau Professor S ch r o er. Glückwünsche. Zum Schlüsse dankte Herr Direktor Plato im Namen seiner Mutter und führte aus, daß es dieser nur durch die Hilfe Gleichgesinnter möglich war, sür die'Entwicklung der Anstalt zu wirken. Möge die unsterbliaie ^cyvpfung ocr tfrcUl Dr. Piaio alheitrge Forderutig finden! Frankfurt a. M./12. Oktober. Wie den soeben erschienenen hiesigen statistischen Jahresübersichten zu entnehmen ist, betrug im Jahre 1915 bei der i s r a e l i t i \ ch e n G e m e i n d e die Zahl der Synagogen 4, die der beitragenden Mitglieder 9300, die Zahl der Rabbiner 5, die der sonstigen Kultusbeamten 11. Die Zahl der Trauungen war im Berichtsjahr 22, die Zahl der Beerdigungen 296 der Uebertritte zum Judentum von der evangelischen Kirche 3, von der katholischen 1, die Zahl der Uebertritte zur evangelischen Krrche 5, zur deutsch-reformierten 1. Die Einnahmen an Kultussteuern betrugen 632 630 Mark, die Ausgaben 935 000 Mark. Tie hiesige orthodoxe israelitische R e l i g i o n s g e m ein« jdiöf t besitzt eine Synagoge, 1206 beitragende Mitglieder, 1 Rabbiner und 11 sonstige Kultusbeamte. Es fanden 2 Trauungen und 50 Beerdigungen statt. Die Kultussteuern betrugen 114 795 Mark, die Ausgaben für Kultuszwecke 105 898 Mark. Die städtischen höheren Knabenschulen wurden von 498 jüdischen Schülern besucht, die höheren Mädchenschulen von 598 jüdischen Kindern. Die staatlichen' höheren Schulen wurden von 35, private höhere Knaben-- schulen von 48 jüdischen Kindern besucht. Die Realschule der israelitischen Gemeinde wurde von 354 Knaben und 249 Mädchen besucht. Die öffentlichen Volksschulen wurden von 120 jüdischen Knaben und 205 jüdischen Mädchen, die Mittelschulen von 46 jüdischen Knaben und 105 jüdischen Mädchen, die Bürgerschulen in den Vororten von 6 jüdischen Knaben und 12 jüdischen Mädchen besucht, die israelitische Volksschule von 208 Knaben und 167 Mädchen. Auf Kosten des Armenamtes hatte das israelitische Gemeindespital ant 1. April 1915 einen Bestand von 35 Patienten, der Zugang betrug im Lause des Jahres 295. Das Gumpertzsche Siechenhaus und die Versorg,ungsanstalt für Israeliten verpflegten 17 Patienten, das Rothschildsche Hospital 11. Die 1905 gegründete jüdische Bibliothek und Lesehalle verlieh bei einem Bestand von 2011 Werken 700, die Zahl der Benutzer der Bibliothek betrug 95, der des Lesesaals 6882. Bei der weiblichen Fürsorge für israelitische Frauen betrug die Zahl der Stellensuchenden 1802, die der offenen Stellen 1446, die der besetzten 404. er. Stratzbuvg i. E., 12. Oktober. Durch Rundschreiben forderte das israelitische Konsistorium die jüdische Bevölkerung des Unterelsaß aus, die siebente Kriegsanleihe zu zeichnen. Oberrabbiner Dr. L e v y und die Synagogenverlvaltung von Straßburg, richteten einen warmen Appell an die Gemeindemitglieder, sich an der Zeichnung der siebenten Kriegsanleihe rege zu beteiligen. Mit dem Hinweis, daß die jüdischen Soldaten mit Blut und Leben für das Vaterland einstehen, wird in dem Aufruf der Erwartung Ausdruck gegeben, daß keiner der in der Heimat weilenden jüdischen Mitbürger seine vaterländische Pflicht verweigern wird. Grsterrrich-Angam. 2. Wien, 12. Oktober. Zu den Berichten, die über die ungestüme Ausweisung der Fremden, insbesondere der galizischen Juden, aus Budapest veröffentlicht wurden, erhält die „Zeit" von der Bereinigung der Budapester jüdischen Presse die Mitteilung, daß die jüdifch-ronsessionellen Blätter Ungarns gemeinsam ein Telegramm an den Kaiser richteten, in dem sie den Monarchen davon in Kenntnis setzten, daß die galizischen Flüchtlinge in Budapest auf Veranlassung des Ministers des Innern Ugron „wie Hunde aus den Straßen zusammengefangen" und abgeschoben werden. Die Verwirrung und die Verzweiflung angesichts der plötzlichen Ausweisung soll, wie die jüdischen Zeitungen Mitteilen, eine derartige sein, daß Wahnsinnsfälle unter diesen Flüchtlingen Vorkommen. Ein galizischer Flüchtling hat in einem solchen Waynsinnssall, in dem er um Hilfe gegen die Gewaltmaßregeln der Budapester Behörden schrie, ein Mordatteutat verübt. Die Kage der Flüchtlinge aus Galizien ist, wie die Zeitschrift besagt, in Budapest gegenwärtig eine unleidlictje. Der Flucht lingsausschuß hielt unter Vorsitz des Obmannes Dr. R. v. Halb an und in Anwesenheit des Ministers des Innern Grasen T o g g e n b u r g, des Ministers Dr. R. v. T w a r d o w s k h sowie der Fachreferenten aus dem Ministerium des Innern und aus dem Finanzministerium eine Sitzung ab. Bor Eingehen in die Tagesordnung senkten die Abgeordneten Reizes, K u r a n d a und R auch die besondere Aufmerksamkeit des Ausschusses aus die Meldungen, welche ihnen aus Budapest über die zwangsweise Ausführung der dort noch weilenden galizischen Flüchtlinge, insbesondere jener mosaischer Konfession, zugekommen waren. Insbesondere wurde auch hervorgehoben, daß die Vertreter der Budapester Presse sich in dieser Angelegenheit telegraphisch an den Kaiser um Schutz für diese armen Leute gewendet haben. Minister des Innern Graf Toggenburg erklärt, daß bereits das Nötige eingeleitet wurde, um amtliche Nachrichten über die Angelegenheit zu erhalten. Im übrigen sei auch ein Vertreter des Ministeriums des Innern mit den maßgebenden Faktoren in Ungarn bereits mündlich in Verkehr getreten, um wie bisher in vollem Einvernehmen die Behandlung der in Ungarn sich aushaltenden Flüchtlinge zu regeln. Nach längerer Debatte wurde folgender Antrag der Abgeordneten Reizes und Kuranda zum Beschluß erhoben: „Die Meldungen über die letzten Ereignisse in Budapest und über die' rücksichtslose Behandlung der sich dort befindenden Flüchtlinge hat der Flüchtlingsnusschuß mit lebhaftem Befremden ausgenommen und nimmt die Erklärung des Ministers des Innern, wonach die österreichische Negierung die geeigneten Schritte zur Wahrnehmung der Interessen dieser Flüchtlinge in die Wege geleitet habe, in der Anhoffnung energischer Verfolgung dieser Aktion mit Befriedigung zur Kenntnis. — Hierauf ging der Ausschuß zur Beratung der Repatriierungsfrage, beziehungsweise der Durchführungsmaßnahmen 31t den im September gefaßten Beschlüssen des Ausschusses über.

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