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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-10-19 · Heft 42 (19.10.1917) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 42 (19.10.1917)
Date
1917-10-19
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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t. Budapest, 12. Oktober. Munster' Dr. Wilhelm Vazsonhi ist am Vorabend des Versöhnungstages im Tempel in der Tabakgasse erschienen, wo er vom Vorstand der Religionsgemeinde, mit Dr. Moriz Stiller an der Spitze, enrpsangen und zu seinem Betsitze neben der Bundeslade geleitet wurde. Minister Vazsonhi hat nun an Dr. Stiller ein Schreiben gerichtet, in welchem vr mitteilt, daß er sich in jenem Augenblick der Vergangenheit erinnerte, da er die Schule in der Sipgasse besuchte und oben im Chor mitgesnngen habe. Er empfand das seelische Bedürfnis, diese Augenblicke für sich sestznhalten und den Beweis zu liefern, daß er mit unvergänglicher Pietät jener Schule gedenke, von der aus er seine Laufbqhn angetreten habe. Er widme zehntausend Kronen für die Zwecke dieser Schule. Die Hälfte dieses Betrages soll für einen Zweck der Lehrer, und die Zinsen der zweiten Hülste zur Unterstützung armer Schüler der Anstalt verwendet werden. Die Stiftung!, die Minister Vazsonhi künftig zu vermehren gedenkt, soll den Namen seines Vaters führen, der einst gleichfalls Lehrer war. — Nach dem Diner für den Grafen C z e r n i n ging der Fürstprimas Czernoch auf den Justizminister Vazsonhi zu und drückte ihm seine Freude darüber ans, daß Vazsonhi den Versöhnnngstag im Tempel verbrachte. Fürstprimas Ezernoch sagte: „Tie Minister rnüssen mit gutem Beispiel dem Volke vorangehend Von MH und Lern. Die Berliner jüdische G e m e i n d e hat auf die siebente Kriegsanleihe eine Million Mark gezeichnet. — Der Hilfsverem der deutschen Juden hat der jüdischen Gemeindeverwaltung in Marschau für wohltätige Zwecke wiederum 80 000 Mark übersandt. — Dem bulgarischen Generalkonsul, Kommerzienrat Al a n d e l b a u m , ist das Kriegskreuz zweiter Klasse für Zivildienst verliehen worden. — Das Kriegshilsskreuz erhielten: Dr. Richard Landsberger, Rentner Berthold B u r ch a r d t, Gustav K u r a u e r , Handels«- richter Heinrich Sachs und Sanitätsrat Dr. Wolfsohn (Berlin). --- Am 14. Oktober fand in Königsberg i. Pr. eine Sitzung der Konserenzgemeinschaft der jüdischen G r o ß g e m e i n d e n Deutschlands statt. Die Verhandlungen fanden unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. — Die Tanziger Synagogengemeinde hat auf die siebente Kriegsanleihe 137 000 Mark gezeichnet. — Prediger Leopold L ö w e n st e i n in Glatz ist am 3. d. M. zur letzten Ruhe bestattet worden. Die Gemerndevehörden beklagen den Verlust ihres früheren langjährigen Kultusbeamten, der, durch Gewissenhaftigkeit, Pflichttreue, Herzeusgüte und Bescheidenheit allsgezeichnet, sich über den Kreis der Gemeinde hinaus allgemeiner Liebe und Wertschätzung erfreute. — Aus Bremen wird gemeldet: Dem Armeerabbiner Dr. R o s e n a k, bereits im Besitze des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse, des Bremischen Hanseatenkreuzes, der höchsten Klasse des Silbernen Halbmondes, wurde nunmehr auch der Türkische Eiserne Halbmond verliehen. — Am 0. d. M. verstarb in Halle a. S. Frau Albert Friedländer, die sich mehrere Jahrzehnte hindurch mit hingebungsvollem Eifer im Ehrendienste der Gemeinde betätigte und unermüdlich zum Besten der Armen und Kranken gewirkt hat. Durch ihr Hiuscheiden ist eine fühlbare Lücke entstanden. — Am 30. v. M. starb nach einer Operation der Repräsentantenvorsteher der Synagogengemeinde Köln-Deutz Moritz Weiner. Während der vielen Jahre seiner amtlichen Tätigkeit hat er unermüdlich für das Wohl der Gemeinde gearbeitet, besonders sich bei dem Synagogenneubau hervorragend betätigt. Seine nimmer versagende Hand hat bei allen Gelegenheiten manche Not gelindert. — Aus Frankfurt a. Nt. wird berichtet: Anläßlich seines 60. Geburtstages ist dem wegen seiner hervorragenden Tätigkeit auf dem Gebiete der Bolkswohlsahrt hochgeehrten Direktor des Philanthropins Dr. S. Adler von Verehrern und Freunden ein größerer Geldbetrag übergeben worden. Der Gefeierte hat diesen Betrag zu einer neuen Stiftung für Töchter von Beamten und Lehrern bestimmt, die seinen Namen tragen wird — Herrn Joseph Wisloch in Frankfurt a. M., der wegen seines rührigen und unermüdlichen Wirkens im Dienste der Wohltätigkeit weithin bekannt ist, wurde das Verdienstkreuz für Kriegshilse verliehen. — Dem Assistenzarzt Albert S i m o n s aus Olsen, zurzeit Vereinslazarett Mannheim-Neckarau, wurde das Badische Verdienstkreuz für freiwillige Kriegshilfe verliehen. — Zum jüdischen Neujahrsfest sind pisssmal israelitische Frontsoldaten in einer Zahl von 1000 Mann nach Metz beurlaubt worden, um hier teils im Anschluß.an die meinde und in deren Synagoge, teils in eigenen Abteilungen und improvisierten Tempeln unter Armeerabbiner Dr. Klein "und Feldrabbiner Dr. Wolfs, Gottesdiensten beizuwohnen. Die Verpflegung der Mannschaften während ihres Festurlaubs hatte die hiesige Intendantur durch Lieferung der Feldration sichergestellt, die in einem großen Saal schnell zubereitet und an gemeinsamer Tafel 311 wohlgeordneter Massenspeisung dargeboten wurde. — Die Israelitische Kultusgemeinde Z ü r i ch beabsichtigt, ihren Friedhof an der Friesenbergstraße zu erweitern, zu welchem Zwecke das an den Friedhof anstoßende Erweiterungsgebiet entwässert werden muß. Der Stadtrat beantragt daher, dem Großen Stadtrat für die Erstellung des Kanals in der Friesenbergstraße von der Thalwiesenstraße bis zur Uetlibergbahn einen Kredit von 49 200 Franken zu gewähren. — Der in Zürich wohnende König Konstantin von Griechenland übergab dem Schweizerischen Komitee „Pro Saloniki" 10 000 Franken zugunsten der von der Brandkatastrophe beschädigten Juden Salonikis. —- Der Kaiftr von Oesterreich hat dem wiederholt dekorierten Oberstleutnant Moritz Sein-, seld Edl. von Wäldern au, J.-.R., in Anerkennung vorzüglicher Dienstleistung vor dem Feinde das Militärverdienstkreuz 3. Klasse niit der Kriegsdekoration zum zweitenmal verliehen. — Das neue französische Ministerium Painlevs hat zwei jüdische Mitglieder, nämlich den Deputierten Klotz als ^inanzminister, und den Deputierten Pierre Masse als Staatssekretär im Kriegsministerium. Der erstere war schon öfter Finauzminister. Der Deputierte Masse ist eines der jüngsten Mitglieder der Kammer, und seine Reden weroen stets ^hr beachtet. Es ist |eit Anfang des Krieges das erstemal, daß auch Juden im französischen Ministerium sitzen. Kapitän Henri Paul Goldschmidt, der Schwiegersohn von Emil Deutsch de la Meurthe, ist zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. — „L'univ. isr." bringt einen ausführlichen Artikel über große antisemitische Unruhen in den jüdischen Quartieren von Tunis. Es fanden Plünderungen, Verwüstungen und auch Morde statt. Auch in Biserta, Sousse, Sfax usw. wurden die Juden von den Soldaten geprügelt; ihre Waren wurden aus die Straße geworfen. Es scheint, daß diese Unruhen sehr ernst waren. — Aus Wilna wird uns geschrieben: Ein jüdischer Militärgottesdienst wurde am Versöhnungstage in der großen Ehorsynagoge abgehalten. Unter den Besuchern des Gottesdienstes befanden sich ihre Exzellenzen der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Generaloberst v. Eichhorn und der Etappeninspekteur Generalleutnant v. Trotta sowie der Chef der Militärverwaltung Litauen Seine Durchlaucht Fürst vou I s e n b u r g - B e r st e i n mit Herren ihrer Stäbe. — Weite Kreise der Lodzer jüdischen Gemeinde beklagen das Ableben des Herrn Norbert Koltonski, der im Alter von 53 Jahren verstorben ist. Er war der verdienstvolle Sekretär des Lvdzer Wohltätigkeitsvereins. Der Verstorbene war seit Gründung dieses Vereins zum Wohle seiner armen Mitbürger tätig und fand dabei noch Zeit, an verschiedenen Zeitungen mitzuarbeiten. Sssine Beerdigung fand unter großer Teilnahme weiter Kreise statt. — Das Bureau der öffentlichen Wohltätigkeit von New Jork richtete an Hute jüdische Häuser einen Appell, in dem ersucht wird, jüdischen Kindern, die kein Heim haben, ein solches zu gewähren. Der Orden Bne- Brith hat die Sache in die Hand genommen und bemüht sich, arme jüdische Kinder in Privatfamilien unterzubringen. Die Stadt New Jork wird für jedes Kind 13 Dollar monatlich zahlen. Die Ausstattung mit entsprechenden Bekleidungsstücken und andere Ausgaben (z. B. Heilungskosten) werden auch vom Wohltätigkeitsbureau der Stadt bestritten. — Rabbiner Dr. Stephen S. W i s e, Mitglied des Administrativ-Komitees für den amerikanisch-jüdischen Kongreß, machte nach einem Besuch bei Präsident Wilson folgendes bekannt: „Da sich ein gegenteiliger Eindruck eingebürgert zu haben scheint, bin ich autorisiert zu sagen, daß der Präsident mit Interesse von dem vorgeschlagenen amerikanisch-jüdischen Kongreß Kenntnis genommen hat. Es erscheint zwar notwendig, den Kongreß um kurze Zeit zu verschieben, der Präsident ist aber davon überzeugt, daß der Kongreß den jüdischen Interessen klug und weise dienen werde, und daß seine Verhandlungen und Politik im Einklang mit den Zielen und 'der Politik der amerikanischen Regierung stehen und ihr nützlich sein ryerdfn," Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Fwrgstrahe 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenan. Druck und Verlag von Rudolf Mosft.

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