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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-10-19 · Heft 42 (19.10.1917) · p. Seite 501

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 42 (19.10.1917)
Date
1917-10-19
Page
Seite 501 (sequence 9)
Language
German
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501 nicht die nackten Geschichtsdaten, sondern Ergriffenheit von denselben und ihre Deutung, die aus den alten Geschichten zu uns reden. Der Schwung und die Begeisterung würden im stockenden Lesen der Schüler erstickt werden. Wie ein Gedicht es verlangt, daß der Lehrer es beim erstmaligen Darbieten selbst vorträgt in möglichster Vollendung, so auch diese von starken Gefühlen getragenen Erzählungen. Wollen wir ihnen gerecht wenden, so muß die in ihnen enthaltene „Stimmung", die Religiosität, frei sich auswirken können. Das geschieht nicht zuletzt aber auch dadurch, daß der Verstand keinen „Anstoß" empfindet, nicht fortgesetzt „beunruhigt" wird durch Unmöglichkeiten. Und da hat unsere Lektüre und Besprechung der Mose-Geschichten sichtlich den Blick der Kinder richtig eingestellt. Damals war es noch der brennende Busch, der Zug durchs Schilfmeer, bei welchem sie ihren Lehrer mit der Frage bestürmten: „Gibt es das wirklich?" Und damals wurde es ihnen noch nicht ganz leicht zu begreifen, daß gerade hinter diesem „nicht zu Glaubenden" der „G l a u b e" steht, die Gewiß heit des Gottes, der hals, als Menschenmacht versagte . . . ." Die nächste Stunde führt wieder zurück zur realistischen Darstellung im Richterbuche Kap. 1, ergänzt durch Mitteilungen über die Resultate der Ausgrabungen. Nun werden die Kulturverhältniffe Kanaans charakterisiert, das Babylons nachwirkende Macht gespürt und dann unter Aegyptens Hoheit stand. Als diese Herrschaft schwächer wurde und die kanaanäischen Stadtregenten, die sich gegenseitig eifersüchtig bekämpften, zu größerer Selbständigkeit gelangten, da war die Zeit der Einwanderung und „Eroberung". Im fünften der von Krohn herausgegebenen Ouellenhefte für den Religionsunterricht findet man „Außerbiblische Quellenstücke zur Richterzeit", die dem Lehrer und nach dessen Auswahl auch dem Schüler das wichtigste Material geben. Die Prophetin Debora steht im Mittelpunkte dieses gestaltenden Unterrichts. Krohn zeigt, wie in der großen Gefahr, die den Stämmen in der Kison-Ebene von der feindlichen Uebermacht drohte, die Seherin in der Glut ihrer Gottesbegeisterung mit der Erinnerung an die Hilfe, die der Ewige bisher so wunderbar gewährt hatte, die Herzen entflammt, und wie dann der Tag den herrlichen Sieg bringt, dessen Gedächtnis im Herzen des Volkes bleibend wurzeln mußte. Im einzelnen mag Krohn in der Lebhaftigkeit seiner schöpferischen Phantasie manchmal übers Ziel schießen. Die Schilderung des ekstatischen Tanzes der Debora erscheint zu theatralisch und gar nicht stilgemäß. Man weiß ja, daß in der modernen Prophetenliteratur das Entrücktsein des Propheten in oft sehr gewagten Hypothesen mannigfach übertreibend behandelt wird. Aber im ganzen gibt Krohn auch hier eine sehr eindrucksvolle, lebhaft gefühlte Darstellung, die für Kinder sicher von bleibendem Werte sein wird. So nahe ans Herz heran rückt der Autor das alte Geschehen, daß es fast verschmilzt mit dem großen Geschick >der Gegenwart. „So aber versinkt alle Wildheit des Geschehens, wie des heutigen, so des damaligen, in diesem Großen: Israel hat Jahve erlebt. Sichtlich sieht es ihn im Wetter von Süden her. von Seir, Heraufziehen, um den Seinen zu Helsen. Und was unmöglich schien, es wurde wahr: Siseras glänzende Macht versank in Fluten und Schlamm, er selbst wurde vom Weibe erschlagen. Deboras Glauben , er hat Israels Glauben und Israels Zukunft errettet." Es braucht kaum gesagt zu werden, daß hier immer von „Jahve" geredet wird. Bei der herrschenden Abneigung gegen den Gebrauch von Fremdwörtern könnte man, wen» das Wort nicht mit „Gott" wiedergegeben werden soll, der „Ewige" sagen, zumal ja in der Bibel selbst die Bezeichnung sehr deutlich etymologisch erklärt wird. Man würde dann auch nicht so sehr die falsche Vorstellung vom besonderen Judengott verbreiten, die häufig so sonderbare Früchte zeitigt (siehe Kittels Gutachten!). Wer wird gleich vom christlichen Wettergott reden, wenn man in vielen Gegenden Deutschlands noch heute (schon um 1512 übt der Franziskaner Thomas Murner Kritik an dem Brauche) Prozesiionen „um Regen" abhalten sicht. Auch heute noch umfaßt der Begriff Gott einen sehr dehnbaren, einen sehr vielgestaltigen Inhalt, selbst in derselben Religionsgemeinschaft. Sollten nicht sehr wesentliche Unterschiede sein zwischen dem Gottesbegriff eines bayrischen, westfälischen, pommerschen Landmannes und dem Mausbachs oder Harnacks? Ich denke, es ist gut so, daß das Wort wenigstens nicht intolerant ist und sich nicht wehrt gegen so manches-, was in ihm vorgestellt wird. Man sollte es sich daher abgewöhnen, für den Gott der alten Israeliten im Unterrichte, auch wenn man auf wissenschaftlicher Grundlage lehrt, ein besonderes Wort zu gebrauchen. Wie nun auch in der späteren Zeit, wenn einzelne Stämme in Bedrängnis waren, tapfere Männer, die die alte Art und den alten Glauben nicht verleugneken, helfend und kämpfend einsprangen, das wird in trefflicher Zusammenfassung und mit erbebenden Vergleichen dargestellt, auch wie in der späteren Zeit, als „das Volk" nun bereits zur Einheit erwachsen war, diese Bilder alter Heldenzeit ihm erscheinen mußten. Das Buch schließt mit den Worten: „Ruhe und Frieden wäre der Untergang gewesen; Krieg aber und Kamvf führten zum Siege, und die Toten der Schlacht wurden die Saat zum Leben. Die Helden aber dieser wilden Zeit, die Richter, sie sind jeder einzelne, so viel oder wenig wir auch von ihm noch erfahren, vom „Geist Jahves" erfüllt, Heerrufer Jahves gewesen, und sie haben fortgesetzt, was Mose begonnen. In langer Reihe sind ihre Namen dem Gedächt nis Israels eingegraben, hell erstrahlt unter ihnen auch der Name eines Weibes. D e b o v a . die dankbar die Spättu en eine „Mutter in Israel" genannt haben." Es ist sicherlich erfreulich zu sehen, wie selK st dieser Teil der Bibel, den manche Pädagogen gern unberk cksichtigt lassen möchten, da er zu wenig fittlicki-religröse Mt iregungen biete, durch einen tüchtigen Lehrer zu' einem we rtvollen Mittel religiös-geschichtlicher Bildung wev.de» Baum. Tante Trude. Roman einer Vierzigjährigen. A Bon Anna Go.ldschmidt. (38. Fortsetzung.) . (Nachd ruck verboten.) fßr hat mich heimbegleitet. Der Tod s einer Mutter, die Stunde, die er nach seiner ernsten Reifs mt* zugebracht hat, hat viel Streitbares in uns geschlicht. “*• un uns wieder einander versöhnt. Er hatte de n alten, h. los warmen Ton und freute sich kindlich, mich „auf > ^te Art mal in seiner Bude" gehabt zu haben. Von Paulas Reise sagte ich ihm nichts. Ich hätte nicht auch noch diese Aufregung ertragen können, 'die Spannung,, wie er sich dazu stellen würde. 4 *?' Der Lehrhing von unserem Kaufmann ' drüben kam angestürzt. Eben sei bei ihnen antelephoniert v oovben. er solle doch, dem Fräulein Rehfeld bestellen, daß sie fr y schnell wie möglich zu Frau Sternheim kommen möchte. S' $ habe so gute Nach- 1 richten. .

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