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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-10-19 · Heft 42 (19.10.1917) · p. Seite 495

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 42 (19.10.1917)
Date
1917-10-19
Page
Seite 495 (sequence 3)
Language
German
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Austausch - nut serndlrchew Staatsmännern hevbeizuführen, nicht einen Schritt vorwärts gemacht haben, eine- Erklärung, durch die alle in letzter -Zeit verbreiteten Friedensgerüchte leider völlig widerlegt werden und -auch -die Hoffnung auf einen Erfolg der päpstlichen Bemühungen gänzlich vernichtet wird, fuhr er fort: In London hat jüngst der ehemalige Marineminister Churchill, der Führer der genialen Expedition nach Antwerpen, gesagt, England rechne mit dem inneren Zusammenbruch Deutschland s. Die Wand, die Deutschland von dem endgültigen Zusammenbruch trenne, sei nur noch dünn. Churchill sagte in dieser Rede auch, ein Staatsmann, der aus den Erfahrungen nicht lerne, sei nicht, nur dumm, sondern ein Verbrecher. Ich will nicht so hart urteilen. Immerhin sollte Churchill im Hinblick auf seine zweite geniale Expedition, die auf Konstantinopel zielte und auf Gallipoli unter den Bajonetten der Türken ein wenig rühmliches Ende fand, gelernt haben, daß selbst eine dünne Mauer Widerstand zu leisten vermag, wenn diese Mauer aus Männern besteht. Zwischen dem Rattenloch in der Nordsee, das auf englisch Hornsriff heißt, und dem Jsonzo ist eine recht dicke und unerschütterliche Mauer aufgerichtet. Wenn Churchill auf deren Zusammenbruch wartet, kann er sich in.Geduld fassen. Die Rede Asquiths sollte eine Lehre für die sein, die aus der von Asquith im Parlament in Form einer Zwischensrage vorgetragenen Frage nach Deutschlands Absichten in Belgien hoffnungsvolle Schlüsse auf den Friedenswillen dieses Parlamentariers glaubten ziehen zu können. In seiner letzten Rede hat Asguith die französische Forderung nach der Rückgabe Elsaß-Lothringens als vollkommen gleichwertig gestellt neben die Forderung einer Wiederherstellung Belgiens und damit die Dinge so hingestellt, wie sie sich nach eingehendem Studium der Gesamtlage, nach.Machrichten aus den verschiedensten Quellen, aus den neutralen Ländern und aus dem Lager der Feinde mit überzeugender Deutlichkeit darstellen: die Frage, um die die Völker Europas kämpfen, ist nicht in er st er Linie die belgische Frage, es ist die Zukunft Elsaß - Lothringens. England hat sich nach zuverlässigen Nachrichten Frankreich gegenüber diplomatisch verpflichtet, so lange für die Rückgabe Elsaß-Lothringens einzutreten, als Frankreich selbst an dieser Forderung festhält. Deshalb scheint es angebracht zu sein, auch die Stellung Deutschlands zu dieser Lage ruhig, klar, aber auch fest zu umschreiben, da merkwürdigerweise nicht nur bei, unseren . Feinden, sondern manchmal sogar, bei neutralen Freunden Zweifel. an. unserer Stellungnahme in dieser Grundfrage laut werden.! Auf die Frage: Kann Deutschland in Elsaß-Lothringen Frankreich irgendwelche Zugeständnisse machen? haben wir eine Antwort: Nein, nein, niemals! Solange eine deutsche Faust eine Klinge..halten kann, kann die Unversehrtheit des Reiches, wie wir sie von unseren Vätern übernommen haben, nicht Gegenstand von Zugeständnissen sein. Elsaß-Lothringen ist Deutschland s S ch i l d, das Symbol der deutschen Einheit. Dafür, bin ich sicher, treten alle ein, von links bis rechts. Ich gehöre nicht zu denen, die glauben,, daß. ein offenes Aussprechen einer, solchen. Tatsache dem Auskommen eines aufrichtigen Friedenswillens in der Welt schädlich sein, könnte. Ich glaube,, daß ein solcher aufrichtiger Friedenswille nur auf dem Boden der vollkommensten Klarheit gedeihen und fruchtbar werden kann. Deswegen halte ich es notwendig gegenüber den anderen Dingen, die in neuerer Zeit in der Oeffentlichkeit einen so breiten Raum eingenommen haben, mit . aller Schärfe und Deutlichkeit-dem Jnlande und noch mehr dem Auslande gegenüber heute zu unterstreichen: * Wofür wir fechten werden bis zum letzten Blutstropfen, sind nicht phantastische Er¬ Das neue Gemeindehaus der Deutsch- Israelitischen Gemeinde in Hamburg. oberungen, es ist die Unversehrtheit des Deutschen Reiches. In Frankreich haben Staatsmänner, als es ihnen geraten schien, die von Rußland ausgehende Formel „ohne Annexionen" anzunehmen, den durchsichtigen Kunstgriff gebraucht, das, was in Wirklichkeit eine nackte gewaltsame Eroberung ist, mit dem Worte „Desannexion" zu umkleiden. Der Kunstgriff ist zu plump, um einer Widerlegung wert zu sein. Man muß die Väter des Gedankens darauf aufmerksam machen, daß nirgends geschrieben steht, welcher Zustand der Weltgeschichte das „ne varietur“ mit sich bringen soll. Wenn wir Deutschen uns das Wort Desannexion zu eigen machen wollten, so fallen uns schöne Worte wie Toul und Verdun ein. Richtigstellung verlangt auch eine Ansicht, die in der Presse unserer Gegner immer wiederkehrt, daß die politische Haltung Deutschlands sich schärfer abzeichnen würde, sobald die militärischen Ergebnisse der großen Herb st schlachten abgeschlossen vorliegen. Es ist eine vollkommen irrtümliche Auffassung der deutschen Politik, zu glauben, daß wir je nach Ausfall einer Unternehmung teurer oder billiger, nachgiebiger oder hartnäckiger sind. Das ist vollkommen falsch. Die Grundzüge unseres Verhaltens sind von allen Faktoren nach sorgfältiger Beratung festgolegt. Außer dem französischen -i.Wunsche nach Elsaß-Lothringen ^.gibt es kein absolutes Hindernis für den Frieden, keine Frage, die nicht durch Beratungen gelöst werden könnte, um derentwillen sich die Aufwendung so vielen Blutes und so ungeheurer Mittel vor den Völkern und der Geschichte rechtfertigen ließe. Ein weiterer Grundfehler der Anschauungen unserer Gegner, der auch im Jnlande manchmal hervortrat, ist, als ließe sich noch im heutigen Stadium des ungeheuren Kampfes durch öffentliche Erklärungen von der Redner t r i b ü n e die politische Lage um ein Wesentliches fördern. Den öffentlichen Erklärungen haftet naturgemäß der für einen derartigen Zweck schwere Mangel an, daß sie ihrer Natur nach verhältnismäßig einfach sein müssen. Gerade dadurch, daß alle schwebenden Fragen miteinander verknüpft sind, sich gegenseitig bedingen, ihnen Abhängigkeit innewohnt, ^kann die öffentliche Erklärung den Anforderungen des Augenblicks nur in beschränktem Maße gerecht werden. Dann hat auch die öffentliche Erklärung, die Diskussion der Parlamente, den Mangel, daß der verantwortliche feindliche Widerpart fehlt. Die öffentliche Erklärung bindet allein einseitig den, der sie abgibt, läßt aber dem Gegner vollkommene Bewegungsfreiheit. Wir dürfen einen wesentlichen Punkt nicht vergessen, welchen unsere Gegner mit großer taktischer Kunst verschleiert haben. - Sie haben noch nicht einmal ihre Friedensziele in einer Weise, kundgegeben, die auch nur annähernd den bestehenden Tatsachen entspricht. Was ste der Welt mitgeteilt haben, ist ein vollkommen utopisches Maximal- und Eroberungsprogramm, das nur durchgeführt werden kann nach der vollständigen Niederringung Deutschlands und aller seiner Verbündeten. Ihnen auf diesem Wege zu folgen, haben wir keine Veranlassung. Die deutsche Regierung hat das bisher abgelehnt und wird es ablehnen. Unsere Politik ist real und nüchtern und rechnet mit den Tatsachenwie sie sind. Stellen sich unsere Gegner so, als könnten sie über das, was die Reichsleitung, was.das deutsche Volk will und beabsichtigt, keine Klarheit bekommen, so ist das Heuchelei. . Unsere Antwort auf die Note des Heiligen Stuhles und die darüber im Parlament, wie ich heute wieder hervorheben möchte, in breiter Uebereinstimmung mit ihm gegebene Erklärung können jedem, der hören und verstehen will, über die wesentlichen Grundlagen des deutschen politischen Friedensprogramms keinen Zweifel lassen. Die gegenwärtige Politik kann nur erfolgreich sein, wenn sie von der Zustimmung der breiten Menge des deutschen Voltes getragen

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