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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-10-12 · Heft 41 (12.10.1917) · p. Seite 489

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 41 (12.10.1917)
Date
1917-10-12
Page
Seite 489 (sequence 9)
Language
German
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f 4?« ^--L kriegssusstellung in Wlirn. Dsoillon ,Mttltärftrlsorgk". Von Prof. Dr. H. P o l l a k (Wien). in Gang durch die Ausstellung zeigt uns auch die schaffende Kraft des Krieges auf allen Gebieten. Es werden uns in derselben nicht nur die verheerenden und zerstörenden Kräfte in ihrer nie geahnten Entwicklung und Vervollkommnung veranschaulicht, auch die segensreiche, aufbauende, heilende und tröstende Seite des Krieges gelangt zur anschaulichen Darstellung, woran die Militärseelsorge einen hervorragenden Anteil hat. Der ihr gewidmete Pavillon besteht aus zwei Hauptteilen, von denen der eine der katholischen Seelsorge eingeräumt ist, der zweite aber der griechisch-orientalischen, evangelischen, israelitischen und islamitischen Seelsorge gewidmet ist; sie alle bieten viel Sehenswertes und Interessantes. Für dieses Blatt, das uns seine Spalten in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellt, wollen wir uns mit der israelitischen Abteilung beschäftigen. Daß dabei die Militärseelsorge in Wien ganz besonders zum Ausdruck kommt, hat seinen natürlichen Grund einerseits in dem großen Wirkungsbereich derselben, anderseits in der organisatorischen und schöpferischen Tätigkeit ihres Leiters, des Feldrabbiners Dr. Arnold Frankfurter. So wie im österreichischen Heere neben den anderen Militärgeistlichen der Feldrabbiner den gleichen Rang hat, so kommt auch in dem Ausstellungsräume der Milillärseelsorge die Gleichwertnng v* -der Konfessionen zu sichtbarem k Ausdruck. Diese Gleichstellung zeigt auch ein Tableau, auf dem die Feiertage sämtlicher Konfessionen, die derzeit im Kriege nach Diensteszulässigkeit sreizugeben sind und für alle Glaubensbekenntnisse die gleiche Anzahl enthalten — 8 Tage im Jahre —, verzeichnet erscheinen. Und so wollen wir aus der Fülle des Dargebotenen und Ausgestellten einiges hervorheben. An der Wand gegenüber dem Eingang hängt eine im Felde gearbeitete Bundeslade (Holzschnitzerei mit Brandmalerei), die im Innern mit Sternen verziert ist und eine kleine Thora- Rolle birgt. Oberhalb derselben ist ein Nertomid, zu beiden Seiten der Thora-Schmuck, ferner ein Becher aus der Garnisonsynagoge der Wiener israelitischen Militärseelsorge (eine Kriegsspende), eine Gewürzbüchse mit Habdalah; unten steht eine Menvrah mit Kerzen, eine von einem Soldaten geschriebene Esther-Rolle im Silbergehäuse, zwei silberne Leuchter (auch eine Kriegsspende aus der Garnisonsynagoge), ein Schosar, eine kleine Thora-Rolle, geöffnet mit Silberzeiger. Auf dem Tisch liegt ein Gebetbuch mit kunstvollem, holzgefchnitztem Einband, ferner im Tisch ein Modell des Rabbiners-Ornates, dann eine kleine Kriegsliteratursammlung, eine Feldtasche mit den zu einem Feldgottesdienst notwendigen Ritualien. An den Wänden sehen wir Photographien — alle im gleichen Rahmen und Passepartout (was einen schönen, harmonischen Eindruck macht), z. B. das von der Wiener israelitischen Militärseelsorge eingerichtete Militär-Bethaus (Garnisonsynagoge in der Rossauer Kaserne), dann die Militär-Bethäuser in den Kriegsspitälern. Wir sehen ferner den Feldrabbiner beim Gottesdienste der russischen Kriegsgefangenen in Bruck-Kiralyhida und beim Unterricht der Zöglinge in der Kadettenschule. Aber auch die segensreiche, hingebungsvolle Tätigkeit der Seelsorger im Felde wird uns in vielen und interessanten Bildern vorgeführt. Wir sehen den Feldrabbiner Liebesgaben im Schützengraben verteilen. Gottesdienst im Felde abhalten, eine Seder-Feier und Pessach-Küche an den verschiedenen Fronten, das Gotteshaus am Doberdo und Kriegsamulette. Auch andere Bilder sind von Interesse, so z. B. eine Kriegstrauung in derGarnisvnsynagoge, das Gebetbuch als Lebensretter. Lesenswert sind und begeisternd wirken die patriotischen Ansprachen desFeldrabbiners Dr. Frankfurter an die jüdischen Soldaten beim Seder und an die ins Feld abgehenden Krieger, kurz die ganze Geschichte der israelitischenMilitarseelsorge-Tätigkeit ist hier plastisch dargestellt. Der Besucher dieser Ausstellung wird gewiß — das darf man ruhig sagen - wohl belehrt und aufgeklärt über den jüdischen Ritus und seine Ritualien, gründlich unterrichtet über die vielseitige segensreiche TätigkeitdesFeldrabbiuers den lichten, schönenRaumverlasscn. Die einzelnen Gruppenabteilungen zeigen uns in schönen Bildern das edle, vielseitige Wirken und Schaffen der Militärseelsorger aller Konfessionen im Felde und im Hinterlande, die im friedlichen Nebeneinander ihres heiligen Berufes und hehren Amtes mit Aufopferung walten; dieses gewiß ergreifend schöne Bild, es wird und kann seine erzieherische Wirkung für alle Zukunft nicht verfehlen. Und so darf man wohl der Ueberzeugung Ausdruck geben, daß die Ausstellung der israelitischen Militärseelsorge, die sich an interessanten und instruktiven Darbietungen sehen lassen darf, einen wahren K i d d u s ch hasche m bedeutet. Der Nichtjude lernt hier das Judentum von der schönsten Seite kennen und muß sich dessen bewußt werden, daß dasselbe gleichberechtigt den anderen Konfessionen ist. Das Kriegsministerium hat sich mit dieser Ausstellung ein erhebliches Verdienst um das Judentum erworben, wofür dieses ihm gebührenden Dank wissen wird. Rriegsausstellung in Wien: Pavillon „Militärseelsorge . —i,* MM .4 V

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