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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-10-12 · Heft 41 (12.10.1917) · p. Seite 487

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 41 (12.10.1917)
Date
1917-10-12
Page
Seite 487 (sequence 7)
Language
German
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487 interessiert Dich gewiß, zu erfahren, doch noch nie in Hamburg eine so großartige Leichenfeier stattgefunden wie die unseres Rießer. 134 Wagen begleiteten ihn zur Ruhestätte, und außerdem waren Tausende von Menschen aus dem Friedhofe, aus allen Ständen und Konfessionen, viele Senatoren, alle Advokaten, Doktoren, Freunde und selbst Frauen aller Konfessionen. Professor Aegidi, Dr. Frankfurter und sein Freund Dr. Wolssohn rodeten an seinem Grabe, denn der letztere war und blieb sein Freund, wenn er gleich in den politischen Ansichten ihm weit vorgeschritten war, in freiheitlicher Gesinnung. Die Rede Wolfsohns hat auch Dr. Ree am besten zugesagt. David und ich haben Steinheims die Trauerbotschaft sehr vorsichtig zukommen lassen ... Doch wieder von Rießer. Er starb an einem Karbunkel und litt nur wenige Wochen daran; die Senatorin Haller hat ihn täglich besucht und für seine Pflege gesorgt, er soll aber ohnehin an einer unheilbaren Krankheit gelitten haben, und so muß man sich freuen, daß er dieser plötzlicher entgangen ist und nicht lange gelitten hat." Kheimlch-WMsljlchekabdmerkonkerms eine diesjährige Hauptkonferenz hielt der Rheinisch-Westfälische Rabbinerverband am 22. Juli 1917 ab. Es war die vierte in diesem Kriege. Den Vorsitz führte wiederum Tr. Jacob (Dortmund). Es nahmen teil die Rabbiner Dr. Caro (Köln), David (Bochum), Eschelbacher (Düsseldorf), Frank (Köln), Galliner (Gelsenkirchen), Grabowski (Barmen), Levi (Krefeld), Neumark (Duisburg), Rosenthal (Köln), Samuel (Essen), Scheftelowitz (Köln). Bon den übrigen Mitgliedern sind Begrüßungen, von Dr. Kronheim ein Telegramm aus seinem neuen Rabbinat in Bielefeld eingegangen. Der Vorsitzende konstatiert, daß nunmehr sämtliche Gemeinderabbinate der beiden westlichen Provinzen im Verbände vertreten sind. Dr. Levi (Krefeld) konnte auf eine 25jährige Wirksamkeit zurückblicken, Dr. Frank in Köln beging am 6. September d. I. sein 50jähriges Amtsjubiläum. Als Felörabbmer wirken zwei Mitglieder der Konferenz: Dr. Lazarus (Essen) bei der 11. und Dr. Hanover (Köln) bei der 10. Armee. Auch von ihnen sind Grüße und Berichte über ihre Tätigkeit eingetrofsen. Der Vorsitzende erstattet den Jahresbericht, erinnert an die Beschlüsse der vorigen Konferenz und die Schritte, die zu ihrer Ausführung gemacht worden sind. Die Darstellung, die der Verband der deutschen Juden unter dem Titel „Heeresseelsorge im Jnlande" in den jüdischen Zeitungen gegeben hatte, wurde an derselben Stelle zurückgewiesen und widerlegt. Am 6. September fand eine Sitzung des Zentralausschusses des Rabbinerverbandes in Deutschland in Berlin statt, in welcher unser Vorsitzender unsere Resolution und unser Vorgehen begründete. Hierbei wurde der Brief verlesen, welchen der Verband der deutschen Juden am 23. Juni an das Kriegsministerium gerichtet hatte, um den Einspruch unseres Verbandes betreffend die Militär- und Gefangenenseelsorge und den Vorsitzenden Dr. Jacob persönlich, sowie den Rabbinerstand zu diskreditieren. Dieser Brief rief eine derartige Entrüstung hervor, daß beschlossen wurde, daß die dem Ausschuß des Verbandes der deutschen Juden angehörenden Kollegen sich an dessen Arbeiten nicht mehr beteiligen würden, bis dem Rabbiner- Verband und Dr. Jacob Genugtuung geleistet sei. Zum Ausgleich dieser Differenzen fand am 12. November eine Besprechung zwischen Mitgliedern der beiden Verbände in Berlin statt, die mit dem Vorschlag endete, daß zur Beratung aller religiösen und religiös-organisatorischen Fragen eine zu gleichen Teilen aus Mitgliedern der beiden Verbände bestehende Kommission eingesetzt werden sollte. Dieser Vorschlag wurde in einer Ausschußsitzung des Rabbinerverbandes in Deutschland vom 27. November beraten. Das Resultat war die Annahme folgender von Dr. Jacob vorgeschlagenen Resolution: Der Rabbinerverband hält nach wie vor daran f e st, daß der R abch^n er der gegebene Vertreter der religiösen Angelegenheiten der Juden auch den Behörden gegenüber ist. Unter diesem prinzipiellen Vorbehalt, auf den er nicht Verzicht leisten kann, erklärt sich der Verband bereit, mit dem Verband der d eu t'sch en Juden zusammen zu arbeiten. Er ist damit einverstanden, daß als Grundlage dazu die Arbeit der zu bildenden gemischten Kommission g e n o m m e n w i r d. In die Kommission werden von seiten des Rabbinerverbandes gewählt: die beiden Vorsitzenden Guttmann und Werner^ ferner Jacob (Dortmund) und Blumenthal (Berlin), und als Stellvertreter Rosenthal (Köln), Nobel (Frankfurt), Winter (Dresden) und Kopfstein (Beuchen). Dr. Jacob behält sich eine eingehende Zurückweisung des betreffenden Briefes beim Kriegsministerium und nötigenfalls weitere Schritte vor. Inzwischen hat 'die gemischte Kommission ihre erste Beratung abgehalten, deren Gegenstand eine Eingabe betreffend Urlaub für die jüdischen Mannschaften an den Herbstseiertagen gewesen ist. Ein Versuch der Provinzialverbände, sich auch nach dein Ministerialerlaß vom 4. Oktober die Kontrolle über die Seelsorge auf einem Umwege zu erhalten, indem sie sich von den einzelnen Gemeinden bevollmächtigen taffen wollten, wurde durch eine Eingabe bei dem stellvertretenden Generalkommando vereitelt, indem wiederum auf die Unzuständigkeit der weltlichen Verbände verwiesen wurde. Die sofort eingehende Antwort lautete: „Im Sinne des Erlasses des Kriegsministeriums vom 4. Oktober 1916 lehnt das stellvertretende Generalkommando die Vermittlung des Verbandes der deutschen Juden und seiner Provinzialverbände grundsätzlich ab und überläßt die Regelung der Militärseelsorge der zuständigen geistlichen Stelle." Der Vorsitzende hat ferner nach Einrichtung der Kriegsamtsstellen beim stellvertretenden Generalkommando mangels einer jüdisch-kirchlichen Zentralbehörde für die Provinzen Rheinland und Westfalen zur Kenntnis gegeben, daß sich der Rheinische Rabbiner- Verband, dem sämtliche Gemeinderabbiner dieser beiden Provinzen angehören, zur Vermittlung aller jüdisch-kirchlichen Angelegenheiten zur Verfügung stellt. Wir sind gern zur Mitwirkung bei jedem vaterländischen Werke im Rahmen unseres Amtes bereit und bitten, uns in vorkommendem Falle unmittelbar dafür in Ansvruch zu nehmen. — Ferner wurden die Kollegen im -Felde bei ihrer Seelsorge nach Kräften unterstützt. Insbesondere geschah dies durch Veranstaltung von Sammlungen für die Sederabende im Felde, die sehr erfreuliche Resultate ergaben. In der darauf folgenden Besprechung wurde es allgemein beklagt, daß in den Verhandlungen mit dem Verband der deutschen Juden nicht eine größere Selbständigkeit zu erreichen gewesen sei. Ohne eine solche sei auf eine Würdigung der gerechten Forderungen der Rabbiner, ja, wie die bekannt gewordenen Anschauungen gezeigt hätten, auch nur von dem Wesen ihres Standes niemals zu rechnen. Indessen sei abzuwarten, was mit der gemischten Kommission, in der wir ja durch unserem gegenwärtigen Vorsitzenden und einen Stellvertreter vertreten seien, erreicht werde. Hierbei referiert Kollege Dr. Rosenthal als Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses über die im Kultusministerium unternommenen Schritte zur Aufhebung der Verfügung über die Nichteintragung des Zeugnisses für Religion in die Zensuren und Abgangszeugnisse der Schüler an höhern Schulen. Die Beschwerde fand die wohlwollendste Erledigung. Der Erlaß batte auf einem Irrtum beruht und wurde zurückgenommen. Zum Schluß der Besprechung wird dem Vorsitzenden Dr. Jacob auf Vorschlag des Kollegen Rosenthal der einstimmige Dank der Versammlung für seine mannhafte und geschickte Führung des Verbandes auch in dem abgelaufenen Geschäftsjahr ausgesprochen. Zu Punkt 2. „O r g a n i s a t i o n s f r a g e n" berichtete der Vorsitzende zunächst über die vorbereitenden Schritte, die für den Zusammenschluß aller Provinzialverbände und aller preußischen Rabbiner zu einem Zweckverband unternommen worden such. Gleichzeitig legt er die übermittelten Anregungen und Anträge der übrigen Provinzialverbände vor. Die Versammlung ist der Ansicht, daß eine grundsätzliche, gesetzliche Regelung die einzelnen Mißstände von selbst beseitigen werde, was auf einem anderen Wege nicht zu erreichen sei. Auf Vorschlag des Vorsitzenden wird beschlossen: Der Rabbiner- Verband in Deutschland wird ersucht, durch seine Organe die Vorarbeiten zu einer sach- und zeitgemäßen Revision des Judengesetzes von 1847 mit aller Beschleunigung zu fördern. Hierbei sind vor allem als leitende Grundsätze zu beachten:!. Jedem Juden in Preußen wird die Zugehörigkeit zu einem Rabbinate gewährleistet. 2. Dem Ge mein der abbin er als dem berufenen Vertreter der religiösen Interessen der

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