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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-10-12 · Heft 41 (12.10.1917) · p. Seite 485

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 41 (12.10.1917)
Date
1917-10-12
Page
Seite 485 (sequence 5)
Language
German
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ihnen, die bei weiterer Entwicklung, zumal in fsriedenszeiten, zur völligen Umgruppierung führen können. Das um so mehr, als die große Masse des Volkes den Politischen fragen und Lösungsmöglichkeiten erst allmählich zugeführt wird und das Schicksal des jüdischen Nationalismus von den wirtschaftlichen und« politischen Verhältnissen im zukünftigen Königreich Polen durchaus abhängen'wird. pus öriekrn der Naht) de Esltro. Mitgeteilt von Ludwig Geiger. (Schluß.) ahel de Castro reiste nicht selten nach Berlin und empfing ihrerseits in Hamburg Besuche des Zunzschen Ehepaares; Erinnerungen an solche Zusammenkünfte füllen viele Briefe. Hochinteressant für mich und, wie ich glaube, auch für meine Leser sind die nachfolgenden Stellen, -die sich auf meinen Vater beziehen. Rahel de Castro sah ihn im Zunzschen Hause 1839 und muß von ihm einen sehr guten Eindruck empfangen haben, denn sie, die sonst im ganzen kühl über Personen urteilt, redet in -diesem -Falle mit großer Wärme und mit einer ungewohnten Herzlichkeit. Am 24. Juni 1839 sendet sie Grüße für ihn; am 10. August bemerkt sie, daß sie viel von Breslau halte. Am 5. Januar 1840 schreibt sie: „Ein Freund ist im alten Jahre noch aus Eurem Kreise geschieden, der würdige und herrliche Geiger! Wahrlich ein Verlust für Euch! Indessen sein Glück und -die freudigen Aussichten, unter deren Einfluß er Berlin -verließ, werden Euch die Trennung erleichtern, ja, sie auch für ein Glück für Euch erscheinen lassen. Ihr seid keine Egoisten und, -wie Du sagst, neun Monate, die er mit Euch verlebte, sind auch Gewinn; sie haben das Freundschaftsband geknüpft, und -diese Freundschaft überdauert Zeit und Ort, denn sie ist nicht -daran gebunden. Die Reise zur Hochzeit wäre so übel nicht, die Rheinreise und endlich ein kleiner Abstecher hierher?') 30. April 1840 (vorher hatte sie über Herzfeld geschrieben). „Aber Geiger, der ist klar, sich seiner bewußt und doch im Grunde bei sicherer Konsequenz und Charakterstärke kindlichen Gemüts. Alles, was er sagte über Poesie, -war immer nur -die Wirklichkeit in schönem Gewände, die er sich und anderen vor Augen hielt. Wie sehr mir eigentlich Geiger gefallen hat, darüber bist Du gar nicht zu Bewußtsein gekommen, weil ich Gründe hatte, mich nicht zu enthusiastisch zu zeigen, und weil bei Euch immer das eine das andere verdrängte, ich hatte gar zu viel auf einmal." 13. -September 1840. „Hinsichtlich Dr. -Geiger hatte die Mitteilung auch etwas Romanhaftes; so empfangen und beschenkt"') -davon sieht man in der Wirklichkeit wenig; wo wird das Verdienst gewürdigt? Nun, wir - wollen wünschen, daß Geiger das alles nicht dem Rausche der Neuheit zu verdanken habe und daß seine Gemeinde das Echte in ihm schätzen lerne, was eine kurze Sommererscheinung überdauert. Was er über Damaskus geschrieben") gefällt gar nicht, was sagt Zunz “) Geiger hielt sich damals in Berlin auf, »m das preußische Bürgerrecht zu erlangen, und verkehrte aufs intimste im Zunzschen Hause. Seine Hochzeit feierte er am I. Juli 1840 in Frankfurt a. M. Ob Zunz wirklich daran dachte, an ihr teilzunehmen, ist nicht bekannt; der Plan wurde jedenfalls nicht ausgeführt. 1L>) Die Breslauer Gemeinde hatte daS Geigersche Ehepaar, das von der Hochzeit seinen Einzug in Breslau hielt, in außerordentlich herzlicher Weise bewillkommnet und mit Geschenken überschüttet. Mitglieder des Vorstandes waren ihnen eine Strecke entgegenger-eist und hatten sie in einem wahren Triumphzuge nach Breslau geleitet. ") Worauf sich diese Stelle bezieht, vermag ich nicht zu sagen. Eine besondere Schrift über Damaskus hat mein Vater nicht geschrieben. Es mag sich um einen Aufsatz -in einer Breslauer Zeitung handeln, der mir aber nicht bekanntgeworden ist. Im allgemeinen vermied mein Vater, über derartige Dinge öffentlich zu darüber? Er hat es auf direkte Aufforderung geschrieben, die er übel-genommen, höre ich, und -am Schlüsse, wo er Partei ist und seine Gegenpartei -gewissermaßen -ankla-gt und heraussordert, meint man, so etwas hätte er vermeiden müssen." Am 5. August 1842 kommt sie wieder auf Geiger zu sprechen, redet auch von einem Aufsatz Steinheims, der in der von meinem Vater 1841 neu aufgenommenen, aber damals nicht regelmäßig erscheinenden Zeitschrift nicht veröffentlicht wurde, worüber sich Steinheim recht empfindlich bezeigte. Später kommt Geiger nicht wieder vor. Dieses Schweigen erklärt sich daraus, daß Zunz mit meinem Vater seit 1844 in Differenzen geriet, die sich erst allmählich lösten. Ich habe diese Stellen, die meinen Vater betreffen, im Zusammenhang geben müssen und nehme nun wieder den chronologischen Faden auf. Am 3. Juni 1840 schreibt sie über Rießers jüdische Briefe. Die Stelle ist ganz ausgezeichnet, sowohl in dem, was sie über Börne und seinen Gegensatz zu Heine sagt, als in dem, was sie über das Unvermögen Rießers bemerkt, den Poeten voll zu würdigen. Die Selbständigkeit ihres Urteils und dessen schlichter Vortrag machen einen höchst erfreulichen Eindruck. Sie schreibt: . „Ich wollte Zunz und Dir, ehe ich schließe, noch ein Buch empfehlen. Es ist das neueste Produkt von Rießer, es sind Briefe an einen anonymen Freund"), wahrscheinlich wohl an einen fingierten. Diese Briefe sind erst ganz kürzlich herausgekommen, sie besprechen die Angelegenheiten der Juden, ohne eigentlich die Emanzipationsfrage zu berühren, sondern es sind Pfeile, gegen diejenigen gerichtet, die unser höchstes Gut und Heiligtum in der letzten Zeit angegriffen, und besonders gegen Pfizer. Dann geht er zurück bis auf Menzel und nimmt Marggraff und noch einen gehörig mit. Der erste Brief ist eine Art Vorrede und beurkundet die Gründe, weshalb er solange verstummt, entschuldigt sich darüber, und ich meine, dieser Brief sei der schwächlichste Teil eines trefflichen Ganzen, das in neuer Form den alten Rießer wiedergibt. Der erste Brief enthält auch einiges Raifonnement, das ich nicht unterschreiben möchte, weil da nicht immer die Ursachen der Wirkungen nachzuweisen wären. Ich glaube doch; und kein sinnig ausgesprochenes Wort findet nicht seine Ernte, wenn die Saat auch noch so lange unsichtbar in der Erde verborgen ruht. Seine Beurteilung Heines und alles, was dahin gehört, ist vortrefflich: denn Heine war nie ein Repräsentant des Judentums. Er ist ein Dichter durch und durch: ewig schabe, daß er so unentwegt; wäre ihm eine Religion heilig, gleichviel welche, sein poetisches Talent, durchglüht von der Wärme der Wahrheit, hätte sich mit göttlichen Schwingen in den Himmel der Poesie geschwungen: aber er hat das Talent nur, das Gemüt des Dichters fehlt ihm, weil ihm Gott kein Gott der Liebe ist. Börne wurde Christ, war auch voller Erbitterung, aber edler, tiefer, und so rieb es ihn auf. Doch leset Rießer; er spricht alles klarer, richtiger, besser aus, obgleich, ich gestehe es, ich manche Ansicht nicht teile; selbst Heine würdigt er nicht da, wo dieser doch als Dichter große Anerkennung verdient. Aber Rießer ist Jurist und alles Poetische liegt ihm fern, obgleich seine Sprache höchst wohlklingend ist." Am 9. Dezember 1841 schreibt sie über Arnims „Gräfin Dolores" und den Judenhaß, der sich darin kundgebe. Besonders ausführlich berichtet sie über Kleys Abschiedsseier und die Ehrungen, die ihm bei dieser Gelegenheit zuteil wurden. reden. Zunz dagegen hatte, wie bekannt, die grausige Aregelegenheit, in der Juden ungerechterweise angeklagt waren und schwer zu leiden hatten, in einer kräftigen Schrift behandelt. ") G. Rießer: „Jüdische Briefe zur Abwehr und Verteidigung." 2 Hefte. Berlin 184» und 1842. /

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