Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 40 (5.10.1917)
- Date
- 1917-10-05
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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81. Jahrgang Nr. 40 Der Gemeindebote. Berlin, 5. Oktober 1917 Vellage zur „Allgemeinen Leitung de§ Judentums. Ist jemals eine Herabsetzung des Zinsfußes -er Kriegsanleihe möglich? Es ist wohl denkbar, daß in späteren Jahren der deutsche Geldmarkt wieder so günstige Verhältnisse sieht, daß weiterhin ein öprozentiger Zinsfuß ungerechtfertigt, wenn nicht gar ungerecht erschiene. Vorsorglich hat deshalb die Reichsleitung sich immerhin die Möglichkeit osfengehalten, nach 1824 mit vorgängiger Aufkündigung den Zinsfuß herabzusetzen. Wann das sein wird, weiß heute niemand; das kann sehr wohl viele Jahre nach 1924 sein. Wir erleben es vielleicht überhaupt nicht mehr. Eine Herabsetzung des Zinsfußes ist aber jedenfalls nicht möglich, ohne daß die Reichsfinanzverwältung die bare Rückzahlung des Kapitals zum Nennwert (zum Nennwert; mit dem Kursstand hat das also nichts zu tun!) denjenigen anbietet, die mit der Zinsfußherabsetzung etwa nicht zufrieden sein könnten. Hat jemand nach der Aufkündigung — von der also niemand wissen kann, ob und wann sie kommen wird — eine besser verzinsliche und ebenso sichere Möglichkeit, das Geld anderweitig anzulegen, so läßt er sich selbstverständlich sein Kapital bar znm Nennwert zurückzahlen. Zulässig ist eine Kündigung seitens des Reichs überhaupt nicht vor 1. Oktober 1924. KorrrlpondrnNn und Kachrichttn. SeutschlsnL. &&& Berlin, 3. Oktober. Vielfachen Anregungen und Wünschen zufolge sind durch Vermittlung der Feldrabbiner die Drucksachen der H a u p t st e l l e für Berufsberatung der Juden auch im Felde in großer Zahl zur Verteilung gelangt. Gerade bei den Kriegern, die sich in Sorge um die Gestaltung ihrer wirtschaftlichen Zukunft nach der Rückkehr aus dem Felde befinden, ist natürlich besonderes Interesse für die Fragen der Berufswahl vorhanden. Wie bereits in einer früheren Veröffentlichung dargelegt wurde, besteht jetzt für Kriegsbeschädigte die Möglichkeit, die Kapitulantenlausbahn einzuschlagen, auf diese Weise den Zivilversorgungsschein zu erhalten und sich so den Zutritt zur mittleren und unteren Beamtenlaufbahn zu verschaffen. Es ist dringend erwünscht, daß geeignete jüdische Kriegsteilnehmer hiervon besonders Gebrauch machen. Die Hauptstelle hat ein besonderes Merkblatt hergestellt, das die früheren einschlägigen Veröffentlichungen zusammensaßt und über die Fragen der Beamtenlaufbahn Auskunft gibt. Dieses Blatt sowie alle sonstigen Veröffentlichungen stehen Kriegsteilnehmern kostenlos bei der Hauptstelle für Berufsberatung der Juden, Berlin SW, Lindenstraße 3, oder bei den einzelnen örtlichen Beratungsstellen zur Verfügung. •fe v- Berlin, 3. Oktober. Das.jüdische Kinder hei m unterhält im Norden Berlins in der von der ärmeren jüdischen Bevölkerung stark bewohnten Gegend des Schönhauser Tores im eigenen, zweckmäßig ausgestatteten Hause verschiedene gutgeleitete, Jugendpflegeanstalten. Das Haus Fehrbelliner Straße 92 beherbergt seit sieben Jahren einen Kindergarten für vorschulpslichtige Kinder, einen Kinderhort für die Schuljugend, eine Kinderstube für ein- bis zweijährige Kinder und eine Unterkunftsstätte für vorübergehend unversorgte Kinder. Im Hort werden mit den Kindern die Schularbeiten erledigt; in den Freistunden wird gelesen oder gespielt, einmal wöchentlich erteilt ein Fachlehrer Handfertigkeitsunterricht, während Buchbinderarbeiten, Rohrflechterei und andere Beschäftigungen unter Aufsicht eines Hortlehrers getrieben werden. Auch zu häuslichen Beschäftigungen werden die Kinder herangezogen; sie Helsen beim Reinigen, Waschen, Plätten, beim Kochen und anderen Arbeiten. Außer dem Kindergarten und -Hort beherbergt das Haus die „Unterkunft für vorübergehend unversorgte Kinder", die in mehreren Raumen zehn Betten enthält. Diese Kinder bleiben Tag und Nacht im Heim, sie erhalten Anstaltskleidung und werden von der Leiterin der Unterkunftsstätte sehr liebevoll betreut. Die Kinderstube nimmt täglich etwa zehn ein- bis zweijährige Kinder aus. Für diese Kleinsten wird der notwendige Aufenthalt im Freien durch einen -unmittelbar angrenzenden Dachgarten ermöglicht, der, in einen Rasen- und Sandplatz geteilt, mit Blumenbeeten und einer Laube versehen ist, so daß die Kinder auch bei Regen draußen sein können. Zwei .der Lehrerinnen wohnen in der Anstalt, die so einfach tute möglich gehalten ist, aber allen Forderungen der Hygiene, wie Ventilation, Oelanstrich und Linoleurnvelag Rechnung trägt. Kinderstube und Kinderhort haben infolge des Krieges eine besonders hohe Inanspruchnahme aufzuweisen, da viele Mütter durch die Einziehung ihrer Männer zürn außerhäuslichen Erwerb gegangen sind. Auch mehrere nichtjüdische Kinder wurden im Hort verborgt.' Das Kinderheim beherbergt täglich etwa 150 Kinder, von denen 120 im Heim gespeist werden. Die Unterkunft für vorübergehend unversorgte Kinder wurde im Jahre 1916 für 67 Pfleglinge mit insgesamt 1595 Pslegetagen in Anspruch genommen; die Kinder blieben durchschnittlich 24 Tage m der Unterkunftsstätte. Int Hort waren 71 Kinder untergebracht, im Kindergarten 55 Zöglinge. Tie Leistungen des Kinderheims werden vom Magistrat Berlin durch einen jährlichen Zuschuß von 1000 Mark, von der Berliner Jüdischen Gemeinde ourch eine lausende Subvention von 500 Mark anerkannt. Der Rechnungsabschluß des jüdischen Kinderheims schließt in Einnahme und Ausgabe mir 27 23 9 Mark ab. W. Posen, 28. September. Außer den bereits genannten Zuweisungen aus Posen für oatz Kaufmannserholungsheim Ludwigshöhe oer Aloschin stno noch folgende zu melden: AU Rosenberg 5000 Alark. — utto Stern, in Firma Leopold Goldenring, 5000 M. -- Firma Philipp Lewet 1000 AU — Adolf A lport 1000 M. E a l v a r y u. Al a schier 1000 Al. — Gevrüder Heppner u. Eomp. G. m. b. H. 1000 Al. S. Herzog u. Söhne 1000 Al. — Richard Kr law bex, Inhaber der Firma Eduard Kaatz, 1000 Al. — Hartwig Al a m r o t l) u. e o m p. 1000 Al. — Alfred P i n n 1000 AU — Adotf Priwin iOOO Al. - D. Scheret Witwe 1000 Al. — Aus Bromderg: 2l dam, Zigarre n s a b r i ke n, 1000 Al. — Rodert A r 0 n 1000 Al. — Julius Drilles 1000 AU — Leo Br ü a mann 1000 M. --- Jiiuus F r i e d l a e nv e r, m Firma Isidor Rvsemhal, 1000 M. Dresden, 28. September. Der Berw altungsbericht und die Jahresrechnung der Israelitischen Religionsgemelnoe zu Dresden auf das Jahr 1916 ist soeben erschienen. Ali-t Ructsicht auf die Zeuumstände gl die Berichterstattung oiesmal nur auf das Nötigste befchrankt. Es werden nur die Veränderungen, die ftch nt Den einzelnen Zwergen der Verwaltung h\ diesem Jahre gegenuver öeiiji'uujcn oes Vorjahres ergeben haben, erwähnt. Vis zum Abschluß dieses Berichtes hat der Krieg lewer weitere fünf Opfer unter den Mitgliedern der Gemeinde gefordert, die im Bericht mit Flamen nufgefuhrt suw. Ter Bericht toeist ferner ein Verzeichnis von GemetndemitgUeoern auf, die mit dem Eisernen Kreuz und verschiedenen anderen Kriegsdetoratlonen ausgezeichnet wurden. Fünf Mitglieder wurden zu Offizieren befördert. Die Linderung der durch den Krieg emgerretenen tot erfordert fortgesetzt größere Aufwendungen; trotz der größten Schwierigkeiten in oer Beschaffung der Lebensmittel wurde oie alsbald nach Kriegsausbruch eingerichtete Verteilung von Lebensmitteln an Bedürftige aufrechterhalten. Der Bericht errennt mit Dank an, daß diese Weiterführung wesentlich dadurch möglich gewesen ist, daß das Städtische Lebensuuttelamt Bolksnahrungsmittel aus seinen Bestünden überlassen hat. Die Verwaltung und Vertretung der Gemeinde hat durch die ErgänznngSwahl vom 26. November 1916 keinerlei Veränderung erfahren. Der Shnagogenkomtuissiou wurde Herr Josef Eohn zugewählt. Seit Februar 1917 ist Herr Dr. Eugen Gärtner zum stellvertretenden Rabbiner bestellt. In der Religionsschule schied nach kurzer Tätigkeit Herr Daniel Mansbach ans dem Lehrkörper, da er zum Heeresdienst einberufen wurde. An seine Stelle trat Herr Rabbiner Alex Lew in, auf den Herr Benno Bloch und, feit Mai 1917, Herr Bernhard Isaak folgte. Seit den