Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 40 (5.10.1917)
- Date
- 1917-10-05
- Page
- Seite 480 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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tüchtig. Auch Josephci mußte helfen, den Mantel kürzen, die seidene Bluse für Paulas Ucppigkeit erweitern. Der wehmütige Frieden aus Günthers Herzen war über mich gekommen, daß mein Wesen geduldig und weich wurde und ich gefällig alles tun konnte für die Verwandten. Ich habe im stillen die kleine Rose bewundert. Für sie war mittlerweise auch eine Einladung gekommen von ihrer Freundin Erna. Natürlich brannte sie auf das verheißene Fest — sie erwartet sich immer noch nie Dagewesenes, Uebenvältigendes. Die Roschminer Enttäuschung der vorigen Reise hat sie längst vergessen. Aber ebenso natürlich wurde dieser Plan gar nicht in Erwägung gezogen. Neben allen -von Großmama scharf ausgesprochenen Gründen — sie ist dann immer gleich grob, weil sie innerlich vor Mitleid vergehen will, wenn sie einen Wunsch abschlägt — fühle ich dann einen unausgesprochenen nur als Wahrheit heraus: den Standesunterschied zwischen Salomon und Wachsner. Er ist viel zu groß, als daß die eine Schwester im einen und die andere im anderen Hause sein könnte. Das könnte für alle Beteiligten nur peinlich werden. Nun nähte Rosel unverdrossen für die große Schwester mit. lind als ich Paula meine Ehiffonbluse absteckte, die freilich nicht jugendlich genug, aber desto gediegener und feiner an dem jungen Wesen wirkte, fiel Rosel der Großen entzückt um den Sals und sagte: „Der war' ja närrisch, wenn er dich nicht nähme." Da wurde sie getadelt von uns dreien (Josephs war Gost sei Tank gerade nicht im Zimmer) wie jeder, der arglos Wünsche ausspricht, die die anderen alle verschweigen. (Fortsetzung folgt.) Lprechlaal. Llickstuben. Uns acht aus Hamburg folgender Aufruf zu, dem wir Raum geben, weil er Anregungen enthält, die auch für andere Städte nutzbringend sein können. Die cun Schluffe des Schriftstückes initgeteilten Adressen glaubten wir auslassen zu dürfen, da sie unseren Hamburger Lesern anderweitig gekannt sind, für den bei weiten: aröstten Teil der Freunde unserer Zeitung jedoch kein Interesse baben. Die Redaktion. Die Einführung der Bezugscheine, die Knappheit der Stoffe und die hohen Preise sämtlicher Bekleidungsstücke führen zu einer strengen Sparsamkeit, wie wir sie früher auf diesem Gebiete nicht gewohnt waren. Wohl flickte die Frau aus dem Volke auch vor dem Kriege manches Kleidungsstück mehrfach aus, bevor sie es als unbrauchbar beiseite legte. Aber einmal bestand zu jener Zeit immer die Möglichkeit, Neues zu bekommen; und dann wußten auch sehr viele Frauen überhaupt nicht die Nadel zu führen. Die Schwierigkeiten der Beschaffung lassen sich heute nicht mildern, sie sind ein Gebot der Stunde. Wohl aber ist es gelungen, die Frau aus dem Volke mit Flick- und Näharbeit in Berührung zu bringen. Im November vorigen Jahres wurde aus privaten Mitteln in Hamburg der Verein Flickstuben 1916 gegründet, der heute in sämtlichen Stadtteilen bereits vierzehn Flickstuben und drei Schusterstuben unterhält. Er arbeitet mit außerordentlich geringen Betriebskosten: eine Flickstube gebraucht im Monat etwa 16 Mark. Was wollen diese Flickstuben? Sie wollen vor allem dazu beitragen, der Bevölkerung ihre Kleidung zu erhalten. Zn diesem Zweck laden sie alle Frauen und Mädchen (nicht unter 13 Jahren) in ihre behaglichen Arbeitsräume ein und bitten auch die Bezirksvorsteher und Armenpfleger freundlichst, ihnen Frauen und Mädchen zuschicken zu wollen. Der Eintritt ist unentgeltlich, die Hilfe frei. Mitzubringen sind nur Fingerhut, Schere, Ganz, Nadeln und Flicken und die zerrissenen, abgelegten Kleidungsstücke, die ausgebessert oder zu neuen Zwecken umgcarbeitet werden sollen. Die Arbeit in jeder Stube wird von einer Schneiderin geleitet und von Gehilfinnen unterstützt. Die Betätigungsmöglichkeit ist vielseitig. Wer gar nichts kann, wird ebenso freundlich willkommen geheißen wie die geübte Näherin, der es im Hause an Nähmaschine und Schnittmustern fehlt. Man lernt Flicker: einsetzen, Stopfen, Unmndern, Wäsche nähen, Kleider schneidern, verblaßte Somnrerhüte auffrischen, kurz alles, was zur Instandhaltung der Kleidung gehört, die heute so kostspielig ist und nur in: äußersten Notfall durch neue ersetzt werden darf. Aus mehreren alten Kleidungsstücken entsteht oft ein neues, z. B. aus vier Röcken ein Kinderkleid. Als Vorbedingung gilt, daß die Frauen nur solche Sachen mitbringen, die auch wirklich getragen werden sollen, und nicht etwa Flicktücher od. dgl. Ernsthaft und eingehend erwägt dann die Leiterin mit ihnen die Möglichkeit einer Ausbesserung oder Umarbeitung, wobei oftmals die aus der neu geschaffenen Flickensammelstelle des Vereins stammenden Stoffreste nützliche Verwendung finden. Bei dieser Arbeit verwertet die Besucherin nicht nur ihre vorhandenen Kenntnisse, sondern sie erwirbt daneben unentgeltlich neue Handfertigkeiten, die ihr auch nach dem Kriege nur nützlich fein können. Schon jetzt werden die Flickstuben von etwa 500 Personen im Monat besucht. Es erscheint jedoch wünschenswert, den Gedanken dieser Kriegsarbeit in immer breitere Schichten des Volkes hineinzutragen. 20 bis 30 Frauen haben in jeder Stube Platz, und reichen die Räume nicht aus, so sind bereits Ersatzstuben zur Verfügung gestellt. Da einerseits der Einkauf von Kleidung für den Armen heute sehr erschwert ist, sich aber anderseits gerade in den Hausständen der Aermsten häufig Berge von alten Sachen befinden, so stellen es die Flickstuben der Gemeinde anheim, Frauen und Mädchen mit ihren zerrissenen Kleidungsstücken nachdrücklich auf diese willkommene Gelegenheit zum Ausbessern hinzuweisen. Der Ton in den Flickstnben ist besonders harmonisch und nett und verbürgt neben der praktischen Hilfe den Frauen auch einige Stunden gemütlichen Zusammenseins. * Breslau, den 19. September. 1917. Sehr geehrter Herr Geheimrat! In der lchterschie:renen Nummer Ihrer Zeitung bemerkt Herr Gabriel Engelsmann m seinem Aufsatz „Einiges über die Beziehungen Leibniz' zum Judentum und zu den Juden", der More Nebuchim des Maimonides werde in gedruckten Schriften Leibniz' nirgendwo genannt. Das trifft nicht zu. Ich habe bereits in meiner Abhandlung „Der Einfluß der maimonidischen Philosophie aus das christliche Abendland" (Moses ben Mairnon, sein Leben, seine Werke und sein Einfluß, herausgegeben von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft dies Judentums, Bd. I, S. 228) darauf hingewiesen, daß Leibniiz in einer Polemik gegen die Ansicht Bayles, daß das Uebel in der Welt das Gute überwiege, sich zur Widerlegung dieser Ansicht aus eine Stelle im More des Maimonides berufe und bei dieser Gelegenheit seine Hochschätzung dieses jüdischen Denkers zum Ausdruck bringe. Es heißt bei Leibniz (Theodicee III, Nr. 262, eä. Erdmann pag. 582), wie folgt: Mais, quand meme il seroit echu plus de mal que de bien au Genre humain, il suffit par rapport ä Vien, qu'il y a incomparablement plus de bien qu,e mal dans PUnivers, Le Rabbin Maimonide (dont on ne reconnoit pas assez le merite, en disant qu’il esl le premier des Rabbins qui est cesse de dire des sottises (das bezieht sich auf eine Aeußerung Joseph Justus Scaligers in einen: Briese an Jsak Casaubonus; vgl. meine Abhandlung S. 223, A. 4) a aussi fort bien juge de cette question de la prevalance du bien sur le mal dans le monde. Voici ce qn'il dit dans son Doctor perplexorum (P. 3 cap. 12). Auf die französische liebersetzung der Stelle, welche die Ansicht der Anhänger jener pessimistischen Lehre und besonders des Alrasi wiedergibt, folgt dann weiter: Maimonide ajoute, que la cause de leur errcur extravagante est. qiPils s'imaginent, que la nature n’a ete falte que pour eux, el qu’ils comiptent pour rien ce qui est distinct de leur personnc: (Pon ils inferent que quand il arrive quelque chose contre leur gre, tout va mal dans PUnivers. Leider hat das Maimonideswerk in der jüdischen Presse nicht die ihm gebührende Beachtung gefunden. Der erste Band ist im Jahre 1908 erschienen. Meines Wissens ist aber auch in diesen Blättern des Werkes noch niemals auch nur mit einem Worte gedacht worden. Jacob Guttrnann.