Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 40 (5.10.1917)
- Date
- 1917-10-05
- Page
- Seite 478 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3229286-3229326--73458-3285941- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- hazzan 1× ep/1004827
OCR text
Tempelperiode aufgestellt wurden, wie dieselbe noch heute in unseren Synagogen beim Vorlesen der Thora, Haftara usw. zur Anwendung gelangt. Diese Thoravorlesungen fanden aber auch, wie wir aus maßgebendster christlicher Quelle ersehen, bei Einrichtungen des neuen christlichen Gottesdienstes umfassendste Berücksichtigung. Der Musikhistoriker Dr. A. Reismann erklärt unumwunden: „Bei den Juden war dem Stamme Levi mit dem Priesterdienste auch die Pstege der Tonkunst übertragen, und unter dem Klange der Harfen sangen sie die für die verschiedenen Festzeiten bestimmten, meist im Psalmenbuche enthaltenen Gesänge. Unstreitig wurde diese Einrichtung des jüdischen Gottesdienstes vor allem anderen einflußreich auf die Neugestaltung des Kultus, wie er sich allmählich in der emporblühenden christlichen Kirche ausbildete. Diese hatte zunächst keine selbständige Verfassung und keinen selbständigen Kultus, und beide wurden anfangs zumeist nach nationalen Bedürfnissen geregelt; doch bildete überall das Psalmenbuch die Grundlage der öffentlichen Gottesverehrung usw. Nach den apostolischen Konstitutionen mußte, wenn das Lesen aus der Bibel (also minn fWip)fceenöet war, der Vorsänger (also der Chasan) einen Psalm anstimmen, und das Volk fiel erst beim letzten Vers mit dem Kyrie eleison mit ein, usw." Wir vermeinen, nun sowohl aus streng iü'disch-konservativer Quelle (Schilt^-Haaibborim) als nach streng historischwissenschaftlichen Daten (Dr. Aug. Reismann) den Beweis erbracht zu haben, daß sowohl im Tempel zu Jerusalem als auch am Beginne der christlichen Kirche nach gewissen festgestellten Tonzeichen auch die betreffenden Bibel- und Gebetstellen vorgetragen wurden. Das Lesen der Bibel beim christlichen Gottesdienste erfuhr erst später in der abendländischen Kirche eine Abänderung, als die römischen Bischöfe sich zu Vävsten erhoben und mit der äußeren Ausgestaltung des Christentums auch eine Neugestaltung des christlichen Gottesdienstes — gewissermaßen als Protest gegen die in der Kirckie immer noch festbaftenden jüdischen Bräuche — als unabweisbar erachteten. Ambrosius, von 374 bis 367 n. Chr., Bischof von Mailand, hauptsächlich jedoch Papst Gregor l.. 560 n. Ehr., waren die Schöpfer jener neuen Gesangsstile, die nach ihnen Ambrosianischer und Gregorianischer Kirchengesang benannt wurden und allgemeine Annahme fanden. Geleitet von dem Bestreben, die äußere Form des jungchristlichen Gottesdienstes der Botmäßigkeit des Juden- und Heidentums ganz zu entledigen, wurden für die Kantilation neue Tongruvven aufgestellt, welche mit den einstigen Neumen-Tönen musikalisch in gar keinem Zusammenhänge standen, jedoch, sonderbar genug, zumeist jüdisch-vatriarchalische Bezeichnungen erhielten, wie z. B„ der erste Ton hieß Adam, primus homo, der zweite Noe secundus, der dritte tertius Abraham. Allein, die neu aufgestellte gesangliche Verschiedenheit dünkte den damaligen geistlichen Machthabern noch immer nicht als genügend, um den ihnen nötig erscheinenden Berührungsvunkt mit der einstigen Mutterreligion zu vernichten: auch die Benennung des neu ausgestellten Musikgattungsbegriffes mußte zumindest neuartig klingen, und so wurde fortan beim jugendlichen katholischen Gottesdienste nicht mehr nach Neumen und Neginoth, sondern nach „Tropen" gesungen. Geradezu rätselhaft erscheint es, daß auch die damalige Gottesdienstkantilation der Juden, bei der bekannten Abgeschlossenheit der letzteren gegen alles Fremdartige, sich dieser neuen unjüdischen Benennung sympathisch zuneigte. Wann, wo und weshalb auch das Judentum dieser unjüdischen Benennung (Tropp) das Bürgerrecht in seinen Synagogen verlieh, ist leider nirgends auffindbar^, doch steht es f e st, daß die *) Nur in dem im Jahre 1716/18 von dem berühmten Metzer Ehasan Schlome Chasen veröffentlichten, überaus interessanten alten Juden nicht nur eine Mannigfaltigkeit des Tropp beim Vorlesen aus der Thora, Haftara, Megiloth und Thillimsagen kannten, sondern sogar das Lernen im Talmud nach einer allgemein bekannten Singweise (Tropp) ausgeführt wurde. So gab es einen Schultropp (Synagogenkantilation) und einen Stubentropp (Singweise beim Talmudstudium), welch letzterer eine gewisse heilig-religiöse Einwirkung nicht abgesprochen werden kann. Professor Dr. Steinthal erzählte, er habe gelegentlich eines Besuches beim Bischof von Siam (Pallegris), welcher ihm einige Stellen aus den heiligen pirniesischen Büchern vortrug, die Empfindung gewonnen, daß diese Vorleseweise unserem SynagogentroPP sehr ähnlich sei. Professor Steinthal schreibt wörtlich weiter: „Die Erfinder des religiösen Vortrages waren die Buddhisten und die Juden, und derselbe begann mit dem Tropp." Was der hochverehrte, Heimgegangene Philosoph mit dieser Redewendung meinte, ist unergründlich, doch steht es fest, daß nicht allein in den jüdischen Gotteshäusern seit vielen Jahrhunderten mit dem „Tropp" geleient wird, sondern auch beim Talmudstudium wie beim Thillimsagen eine Singweise nach dem „Tropp" zur Anwendung gelangt. (Aus der Festschrift des Oesterreichisch-ungarischen Kantorenvereins mit Erlaubnis des Vorstandes entnommen.) Tante TrüLe. Roman einer Vierzigjährigen. Von Anna Goldschmidt. (31. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) ch Unsinn!" sage ich unwillig, und dann presse ich tonlos heraus: „Mit wem denn?" „Mit Herrn Stern aus Grindeln", sagt sie spitzbübisch. „Es ist nicht wahr", sage ich in verblüfft fragendem Ton. „Sehr richtig, das ist es auch nicht", sagt sie vergnügt. „Du sollst raten, mit wem." „Entweder du sagst es, oder du sagst es nicht", sage ich streng, „zum Faxenmachen bin ich nicht aufgelegt." „Hu, seid ihr alle gefährlich, wenn man mal Spaß macht", sagt sie betreten. „Also mit wem?" herrsche ich. „Mit Bankdirektvr Bär", sagt sie und verbeugt sich dabei, als nenne sie den Namen seiner Majestät. „Nanu?" „Ja, was, da staunst du", triumphiert sie, wieder ganz fröhlich geworden. „Na, hör mal zu, ich will dich nicht länger zappeln lassen. Also du weißt doch, daß sie sich in Roschmin einen Tempel gebaut haben. Paula und ich haben uns furchtbar geärgert, denn bis jetzt war immer Gottesdienst im Löwen. Und da brauchten wir fast nie hinzugehen, im Winter, weil es nicht geheizt war, und im Sommer, weil so viel Männer vor der Tür saßen. Na, Gott sei Dank, eh' der richtige Tempel fertig wurde, sind wir ja weggezogen, und hier gehe ich schrecklich gern hin. Junge Leute gehen in Roschmin nie in den Tempel außer Fritz Kornblum, und das Ekel konnte ich nie leiden, aber hier die Zionisten —" „Ja, möchtest du mir denn nun nicht endlich erklären, was das mit Paula zu tun hat und Herrn Bär?" Merkchen "I3D finden wir nachfolgende Notiz: 2k2'.n mp iZ'rr d’D’öpsb rrnro mrs pn itost .amte ppir D’artan