Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 40 (5.10.1917)
- Date
- 1917-10-05
- Page
- Seite 472 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Material nicht zurückzuhalten, um zu zeigen, auf welcher Seite wahre Vaterlandsliebe und stärkeres Pflichtbewußtlein sich gezeigt hat. Auch wir werden es nicht daran fehlen Lassen, unsere nationale Pflicht zu üben, jeder Verkümmerung unserer Kraft entgegenzutreten. Wir haben nicht nötig, irgend etwas zu verschleiern. Wir als Juden dürfen stolz darauf sein, in dieser schweren Zeit uns voll und ganz als Deutsche bewährt zu haben. Wir rühmen uns dessen nicht, denn wir wissen, daß wir damit nur leisteten, was unsere Pflicht uns gebot, aber wir werden nicht dulden, daß uns ein Haar gekrümmt wird, daß unsere Rechte verkürzt werden, daß unsere Vaterlandsliebe angetastet und daß unsere Gleichberechtigung, unsere volle und ganze Zusammengehörigkeit zu unseren Volksgenossen, irgenowre m Zweifel gezogen wird. Mögen sonst innerhalb der deutschen Judenheit Spaltungen und Meinungsverschiedenheiten existieren, darin sind wir alle einig: Kampf, rücksichtsloser Kampf gegen alle, die uns Licht und Lust in Deutschland beschränken und rauben wollen, Verteidigung unseres Rechts, Streit bis zum endgültigen Sieg für unser Verlangen, Deutsche zu sein mir Deutschen. Der „Aurore" entnehmen wir, daß in England der orthodoxe Lord Montagu und in Rußland der Advokat Zarudny zu At i n r st e r n ernannt worden find. Mrt dem ungarischen Waszony sino das viel jüdische Mmrper innerhalb kurzer Zeit. Die orer Genannten haben das Justizportefeuille inne. In Deutschland hat man leider von ähnlichen Beförderungen inchts gehört. Gerade auf dem Gebiete der Justiz werden oer uns die Juden nicht für fähig gehalten, die höheren und höchsten Stellen zu bekleiden. Uno doch befinden sich gerade unter den Juristen in Deutschland so viele Juden, die sich in Wissenschaft und Praxis außerordentlich bewährt und ausgezeichnet haben. * Der „Zeit" in Wien entnehmen wir folgendes: Die englische jüdische Legion. Rotterdam, 22. September. (Priv.-Tel.) (Line ' Deputation des zu gründenden jüdischen Regiments sprach kürzlich, wie die „Dimes" oerichter^ der Lord Derby im englischen Kriegsministerium vor, um die Aufrechterhaltung des ursprünglich von der Regierung angekündigten Planes zu erwirken. &iuc der Hauptforderungen der Deputation geht dahin, daß das 'Regiment einen jüdischen Namen führe. Die Bezeichnung Makkabäer wurde vorgeschlagen und die Erlaubnis erhallen, unter anderen Abzeichen and) den Schild Davids zu tragen. Ferner wurde angesucht, daß mau, soweit als möglich, namentlich während der Avrichlungszeit, diesem Regiment koschere Nahrung überweisen und ihm Gelegenheit geben sollte, den Sabbat als Ruhetag einzuhalten. Außerdem wurde von der Deputation die Behauptung ausgesprochen, daß die Palastinasront für die Verwendung des jüdischen Regiments am geeignetsten sei. Lord Derby erwiderte, daß man, soweit es die militärische Lage gestatten werde, besonders wahrend der Abrichtungszeit, den Samsrag anstatt des Sonntags als Ruhetag festsetzen, ferner, wenn es gurge, oem Regiment koschere Nahrung zuweisen wolle. Gleiche Konzessionen sollten betreffs der jüdischen Feiertage eingeräumt werden. Diese Zugeständnisse könnten jedoch für den aktiven Dienst unmöglich erwartet werden. Bezüglich der Verwendung könnte kein bindendes Versprechen gegeben werden; obgleich gegenwärtig die Absicht bestehe, die jüdischen Bataillone an die Palästinafront zu schicken, konnte sich eine militärische Lage ergeben, die eine andere Verwendung notwendig mache. Das jüdische Regiment, meinte Lord Derby, lverde in dieser Hinsicht sich nicht von den anderen Truppen Großbritanniens unterscheiden wollen, die dorthin gehen, wo sie benötigt werden. Jur Hinblick auf die vielen Dausende von Juden, die in allen Trnppenkörpern der britischen Armee dienen und in vielen Füllen durch ihre Waffentaten sich die Anerkennung ihrer Kameraden erworben haben, könne der Bitte nach besonderen sännen und Abzeichen für das neu zu bildende Regiment, das auf keine glorreichen Taten in der Vergangenheit Hinweisen könne, nicht entsprochen werden. „Es wäre ungerecht," rief Lord Derby aus, „Namen und Abzeichen, die auf das Judentum im allgemeinen Bezug haben, neuen, nicht einmal noch formierten Bataillonen zu gewähren und ihnen so die gleichen Privilegien einzurüumen, die sich andere Regimenter des Königs während der vielen Kriege des britischen Reiches erworben haben. Das Recht auf besondere Benennungen müsse verdient werden, dann wäre er", sagte der Lord, „bereit, diese Frage nochmals zu erwägen." Hingegen sagte er zu, den Wunsch nach der Betonung des Charakters berücksichtigen zu wollen und der Zusammensetzung des Regiments aus Soldaten ausschließlich jüdischer Nationalität beizustimmen. Es täte ihm leid, schloß Lord Derby, wenn durch Versagen eines der Hauptwünsche der Enthusiasmus der Beteiligten gedämpft würde. * Sehr trübe Nachrichten kommen aus Rumänien. Sie wiederholen teilweise früher Gesagtes, ergänzen es aber in betrübendster Weise. Davon mag folgender ausführlicher Bericht aus dem „Vorwärts" hier wiedergegeben werden: B e r n i» chtungsk >a nt» p s g e g e n d i e Juden >i> n R u ru ä u i c u. Die Berliner „Jüdische Rundschau" vom 21. September veröffentlicht einen Bericht aus Petersburg über die grausame Behandlung der Juden durch die rumänische Regierung. Wir entnehmen dem ausführlichen Bericht die folgenden Tatsachen: Die rumänische Regierung, mit Herrn Bratianu an der Spitze, führt gegen die Juden einen förmlichen BerniHtungskampf. Namentlich in den Rückzugstagen oer rumänischen Armee sind nach dem Zeugnis des russischen Botschafters in Jassy, Poklewsky-Kos.ell, Austctji-eitungert gegen eine große Zahl von rumänischen Juden begangen worden. Jeder Rückzug der rumänischen Truppen kostete rumänischen Juden aller Kreife das Leben. Die angesehensten Juden wurden ohne Grund der Spionage verdächtigt und ins Gesüngnis geneckt. Der bekannte rufsische Schriftsteller Korolenko erfuhr z. B. von einigen russischen Offizieren, daß 34 jüdische Soldaten in Bacau auf Urteil des Feldgerichts gehängt wurden. Sie waren der Fahnenflucht angeklagt. In Wirklichkeit waren diese Soldaten, die von ihrem vernichteten Regiment übrig gemieden waren, so lange umhergeirrt, bis sie das nächste Militärqimitier erreicht hatten. Ihren Angaben wurde aber nicht geglaubt, und sie wuroen verdächtigt, sich freiwillig in die Gefangenschaft begeben zu haben und jetzt als Spione von Deutschland nach Rumänien gescyicrr zu sein. Unter den zahlreichen Erschossenen befinden sich auch sieden attive jüdische Sozialdemokraten, darunter der angesehene Sozialist Dr. Wechsler. Herr Bratianu erriärre die Hinrichtung der jüdischen Soldaten für gerechtfertigt und bestritt die Zahl der Getöteten. Im ganzen feien 14 Juden gehängt worden, inner etwa 100 Nichtjuden, von denen die meisten allerdings nicht ruulänische, sondern feindliche Soldaten waren. Als der belgische Sozialistenführer Bandervelde kürzlich die rumänische Front besuchte, venutzte er die Gelegenheit, die rumänischen Machthaber auf die Stimmung in Rußland gegen die rumänischen Judenverfolgungen htnzuweisen. Sofort nach der Rückreife Banderveldes veröffentlichte die rumänische Militärmacht am 15. Juni folgendes Communique: „Der Militärmacht ist zur Kenntnis gekommen, dasz in der Stadt Personen vorhanden sind, die vei unseren Verbündeten falsche Nachrichten über die politische Lage in Rumänien verbreiten. Die betreffenden Personen werdeti vor ein Militärgericht gestellt werden." * Von dem Tode der Königin Eleonora von Bulgarien ist in einer der früheren Uebersichten schon die Rede gewesen. Zur Charakteristik der verstorbenen Königin diene ein Bericht, den wir der „Frankfurter Zeitung" entnehmen: Im „Svensta Dagbladet" vom 15. v. M. erzählt der jetzt als Oberrabbiner in Stockholm lebende Dr. Marcus Ehrenpreis, der aus seiner früheren langjährigen Amtstätigkeit als Großrabbiner von Billgarien auch jetzt noch enge Verbindungen mit hervorragenden Persönlichkeiten Bulgariens unterhält, einige persönliche Erinnerungen an die kürzlich verstorbene Königin Eleonora, die nicht nur auf ihre unermüdliche menschenfreundliche Tätigkeit, sondern auch auf die Zustände ihres Landes nach den Balkankriegen ein Licht