Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 40 (5.10.1917)
- Date
- 1917-10-05
- Page
- Seite 471 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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m werden. Sechsmal hat sich Deutschland bei solchen Anleihen herrlich bewährt. Zum siebenten Male hat es seine Kraft und seine Opferbereitschaft zu erweisen. Wir wollen nicht müde werden, auch unsererseits unsere Leser aufzurufen, ihre Pflicht zu erfüllen und dem Vaterlande zu geben, wessen es dringend bedarf. Wir sprechen nicht von Siegesanleihe und gebrauchen keine tönenden Worte; wir mahnen nur jeden an seine Pflicht. Denket an eure Zukunft, an den Bestand eures Vaterlandes, in dem ihr sicher und ruhig wohnen wollt, denket an das Ziel eurer Kinder und eurer Nachkommen, erinnert euch an eure Ehre, zeichnet die s i e b e n t e K r i e g s a n l e i h e. * Auf die kleinen früher erwähnten Anfragen des Abgeordneten Werner sind nachstehende Antworten des Vertreters des Reichskanzlers erteilt worden: „Gemäß der von mir in der Sitzung des Ausschusses für den Reichshaushalt am 19. Oktober 1916 gegebenen Zusage habe ich unter dem 19. März 1917 dem Herrn Vorsitzenden des Ausschusses für den Reichshaushalt eine Ueberstcht über die persönlichen Verhältnisse der hei den Kriegsorganisationen tätigen Vorstandsmitglieder, Geschäftsführer und Angestellten nach Alter, Verwendbarkeit im Heeresdienst und den' Bezügen an Auswandsentschädigung, Gehalt, Pension unb dergleichen übersandt. Von einer Ausdehnung der Erhebungen auch auf die Konfession ist, wie ich dem Herrn Vorsitzenden des Ausschusses bei der Uebersendung mitgeteilt habe, aus grundsätzlichen Erwägungen Abstand genommen worden." „Eine Bevorzugung von Juden bei Kriegsgesellschasten findet nichr statt. Begründete Beschwerden über das Verhalten jüdischer Beauftragter der Kriegsgesellschasten im neutralen Auslande sind der Reichsleitung nicht bekannt geworden. Eine Stellungnahme zu solchen Beschwerden und gegebenenfalls eine Abhilfe ist nur möglich, wenn bestimmte Einzelsälle namhaft gemacht werden." „Es ist nicht in Aussicht genommen, auch das jüdisch-rituelle Schächten zu verbieten." * Gegenüber solchen erfreulichen Erklärungen ist es tief bedauerlich, daß der Antisemitismus wieder stärker hervortritt. Die „Deutsche Vaterlandspartei", als deren Führer General v. Gebsattel auftritt, bekennt sich offen zu dem niedrigsten Antisemitismus. Der General hat in der „Deutschen Zeitung" einen Aufsatz „Judenwahlen, Judenfriede" veröffentlicht, den wir, so unwürdig er auch ist, unseren Lesern nicht vorenthalten dürfen. Er lautet: Es ist eine merkwürdige und erstaunliche Tatsache, wie kurz vielfach das Gedächtnis der politisch Tätigen ist-ebenso merkwürdig aber auch, wie sicher der Instinkt der mit politischen Dingen nicht Belasteten sein kann. So hatte ich vor kurzem ein Gespräch mit einem fränkischen Landsmann, mit dem ich seines klaren Kopses und treffenden Urteils halber gern mich unterhalte. Natürlich wurde auch über den Krieg und die Friedensaussichten gesprochen, und er kam im Hinblick auf die Haltung der Reichstagsmehrheit zu dem Satz, der mich verblüffte: „Was ist da anders zu erwarten? Diesen Reichstag haben ja die Juden gemacht, jetzt macht er einen Judenfrieden!" Der Reichstag, „den die Juden gemacht haben", — wo hatte ich das doch schon gehört? — Richtig! in Daniel Frymanns ausgezeichnetem Kaiferbuch, in der im Januar 1914 erschienenen fünften Auflage war von den „Judenwahlen" die Rede gewesen in bezug aus diesen, den Zabern-Reichs tag. Dann erinnerte ich mich weiter an die Rede, die im Frühjahr 1912 durch das Land gegangen war, daß der damals gewählte Reichstag aus „Judenwahlen" hervorgegangen sei, weil jüdisches Geld dabei stark mitgewirkt habe, die Wahlmache für die äußerste Linke zu fördern. Ich habe weiter in der Zeitgeschichte zurückgeschaut und sestgestellt, daß dieser Vorwurf damals wirklich erhoben wurde, und daß jedenfalls die damals erfolgte Radikalisierung des Deutschen Reichstages durchaus im Sinne der jüdisch-demokratischen Presse ausgefallen war. Und dieser Reichstag, den der Volksmund als aus „Judenwahlen" hervorgegangen gekennzeichnet hat, in dem die Mehrheit bei jenen Parteien liegt, die zum größten Teil seit der Reichs- Hilf' Deinen Söhnen und Brüdern im Felde! _Zeichne Kriegsanleihe! gründung grundsätzlich alle Forderungen abgelehnt haben, die auf Kräftigung der Macht und Sicherheit des Reiches abzielten-■ ausgerechnet dieser Reichstag soll jetzt maßgebenden Einfluß aus das Kriegsende haben, soll dabei mitwirten, wie der Friede wird? Niemand kann aus seiner Harrt, und ich glaube wahrhaftig, der schlichte fränkische Bauer hat recht, wenn er sagte, der Reichstag der Jndenwahlen wird einen Judenfrieden machen. Denn was wird uns der Friede bringen, den diese Reichstagsrnehrheit will? Den Verzicht auf Belgien, die Preisgabe von Polen, ein locker an das Reich angegliedertes Litauen und Kurland, wahrscheinlich sogar nicht einmal das! Das Reichsgebiet also nicht vergrößert, seine Bewohner aber belastet mit den Milliardenschulden des Reiches, der Einzelstaaten und Gemeinden! Die Folgen sind von wirtschaftlich sachverständiger Seite so oft und so eingehend geschildert worden, daß ich mich daraus beschränken kann, die Schlußfolgerung dieser Kenner sestzustellen: Verarmung und Verelendung! Die schassenden Stünde nuf dem Lande und in der Stadt werden schwerer zu ringen haben als je — allein das Geld, das bewegliche Kapital wird gute Tage sehen, um so bessere, je größer die Not in Stadt und Land ist; es wird der wahre Herrscher werden und durch es, da die Entwicklung das bewegliche Kapital in Massen in die Hände der Juden geführt hat, das Judentum! Es ist einer der schreiendsten Widersprüche in der Geschichte der Menschheit, geradezu ein fürchterlicher Unsinn, daß das kapitalfeindliche Zentrum und die noch kapitalfeiudlichere Sozialdemokratie, beide auf dem Wege über ihre internationalen Neigungen, der dritten Internationale, dem jüdischen Golde, die Herrschaft über das Reich in die Hände zu spielen im Begriffe sind! Aber wenn die Frage wirklich öffentlich so gestellt wird: Deutscher Frieden oder Judensrieden?, so wird unser Volk noch den Abgrund erkennen, vor den es durch ein Zusammenwirken verderblicher Kräfte in der Reichsleitung, in den Parteien und in der Presse geführt worden ist, es wird sich ausbäumen gegen den 'Reichstag der Judenwahlon, der ihm einen Judensrieden bescheren will, und wird sich mit den Kräften verbinden, die den Deutschen Frieden erstreben. Hier liegt eine wichtige und dringliche Ausgabe, der sich die Vaterlandspartei, wie ich meine, nicht wird entziehen können. Gegen solchen Vorstoß ziemt sich ein kräftiges Wort. Wir freuen uns, daß der „Vorwärts" derartiges Gebaren gebührend also geißelt: Der A n t r s e m i t e n g e n e r a l. Zu dem Aufruf des Generals a. D. Frhr. v. G e b s a t t e l gegen den „Judensrieden", den wir vorgestern einer Besprechung unterzogen, wird uns noch geschrieben: Die symptomatische Bedeutung .des von Herrn v. Gebsattel erhobenen Kampfrufs gegen die Juden kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Es handelt sich nicht um den willkürlichen Vorstoß eines einzelnen, sondern nur um die Voreiligkeit eines Mannes, der sein Pulver nicht halten kann. Der zweite Vorsitzende der Alldeutschen hat damit vorzeitig einen Plan enthüllt, der längst sorgfältig vorbereitet ist und im geeigneten Augenblick durchgeführt werden soll. Was geplant wird, ist eine Judenhetze.größten Stils, zu der längst mit Eifer Material gesammelt wird.^.Kein Händler mit jüdisch klingendem Namen, der sich gegen die Kriegswucherbestimrnungen vergangen hat, ist da vergessen, während natürlich gleichgerichtete Taten der „germanischen" Konkurrenz mit dorn - Mantel christlicher Nächstenliebe bedeckt werden. Gewinnen die Kreise, die jetzt „für des Reiches Macht und Herrlichkeit" mit Zunge und Feder kämpfen, die Oberhand, dann wird die jüdische Bevölkerung Deutschlands über den Lohn staunen, der ihr für das Blut, das sie zur Verteidigung des Vaterlandes vergossen hat, zuteil werden wird! Aber eigentlich ist zum Staunen kein Grund, denn jede reaktionäre Hetze trägt die Tendenz zun: Antisemitismus in sich, vom hypernationalistischen Hurra zürn pogrornistischen Hepp Hepp ist nur ein kleiner Schritt! Es wird die Pflicht unserer großen Organisationen sein, solcher Ungebühr kraftvoll entgegenzntreten, auch mit ihrem