Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1917)
- Date
- 1917-09-28
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 Dr. S. Spitzer die Gedenkrede. In bewegten Worten Mb er der Trauer Ausdruck über den schmerzlichen Verlust, den nicht nur Eltern und Geschwister, sondern auch die Gemeinde erlitten. Der Oberrabbiner entwarf dann ein Bild von der segensvollen Tätigkeit des Verstorbenen, der sein Vaterland so unendlich liebte und durch seinen Patriotismus die Jugend begeistert-ö. Er war aber auch ein treuer Bekenner unseres Glaubens, der alle seine freie Zeit der Erforschung des jüdischen Schrifttums widmete. Hierauf widmete Herr Dr. David Schlesinger dem lieben Verwandten ein ergreifendes Abschiedswort, er war der Stolz seiner Familie, der die großen Tilgenden seines Großvaters pflegte und bewahrte. Nachdem Herr Dr. Weinberg für. den Bund jüdischer Akadenviker einen Nachruf gehalten hatte, wurde der Sarg von Soldaten zur Gruft getragen und unter den üblichen militärischen Ebrenbez-eugungen beigesetzt. — Der im Jahre 1749 verstorbene Oberrabbiner der drei Gemeinden Hamburg - Altona - Wandsbek. Rabbi Jecheskel Katzenellenbogen, der Verfasser der Entscheidungen ..Kneses Jecheskel", hat in seinem Testament bestimmt, daß bei einer Notlage, die die Allgemeinheit betrifft, an seinem Grabe durch den Rabbiner Gebete verrichtet werden sollen. Mit Rücksicht auf die Not der Zeit hat Herr Oberrabbiner Dr. M. Oerner, Altona, bestimmt, daß am Sonntag, den 7. Tischii (23. September), aus dem in der Königstraße, Altona, befindlichen Begräbnisplatz am Grabe dieses berühmten Gesetzeslehrers ein Butzgottesdienst abgehalten werden soll. L. H. Kassel 21. September. Die Stadtverordneten wählten am 16. d. M. einstimmig den bisherigen Stadtverordneten Fabrikant Kommerzienrat Georg Rosenzweig an Stelle des ausgeschiedenen Stadtrats, jetzigen Stadtältesten Hoffa, zum unbesoldeten Stadtrat. Stadtverordnetenvorsteher Justizrat Dr. Schier sprach der Stadtverordnetenversammlung und der Bürgerschaft aus dem Herzen, als er dem neuen Stadtrat Rofenzweig warmherzigen Dank für jahrzehntelange treue Verdienste gegenüber dem Stadtwohl aussprach und das Bedauern ist Wohl allgemein, daß die Stadtverordnetenversammlung eine derart hervorragende, vielseitige und stets eifrige Arbeitskraft verliert, die jetzt dem Magistrat zugute kommt. Sein Name ist seit fast achtundzwanzig Jahren eng mit Freud und Leid der Residenz verknüpft. Stadtrat Rosenzweig gehörte vom 2. Dezember 1889 an zum außerordentlichen Bürgerausschuß, vom 2. August 1892 an zum ständigen Ausschuß und vom 2. Dezember 1894 an zum ordentlichen Ausschuß, worauf er am 2. April 1898 Stadtverordneter wurde. Ununterbrochen hat er seitdem im Stadtparlament gewirkt. Vom 23. April 1898 an war er stellvertretender Schriftführer und vom 28. Juni 1900 an Schriftführer der Stadtverordnetenversammlung. Seine Arbeitskraft war vielen Kommissionen und während des Krieges noch zahlreichen ehrenamtlichen Organisationen gewidmet, und besonders in den städtischen Kriegskommissionen leistete er Hervorragendes. An den Eintritt dieses verdienstvollen Mannes in den Magistrat werden die besten Erwartungen geknüpft. Stadtrat Kommerzienrat Georg Rofenzweig wurde am 2. Juli 1857 in Kassel geboren. Er ist Mitinhaber der bedeutenden Farben-, Glasuren- und Lackfabrik Rosenzweig u. Baumann ur\b Inhaber des Drogengeschäfts L. I. Baumann, Inhaber des Roten Adlerordens und des Kronenordens vierter Klasse, des Verdienstkreuzes für Kriegshilfe und der Roten-Kreuz-Medaille. Mitglied der Handelskammer und Vorsitzender des Kleinhandelsausschusses. Bei zahlreichen öffentlichen Wohlfahrtseinrichtungen stebt er an leitender Stelle. Geradezu Hervorragendes leistete Herr Rosenzweig für seine Glaubensbrüder. Es ist wohl kaum eine Institution in der Gemeinde, die er nicht durch Rat und Tat förderte: Waisenhaus, Krankenhaus, Lehrlingsheim u. v. a. er. Offenbach a. M., 21. September. Unter ungewöhlich zahlreicher Beteiligung erfolgte kürzlich die Beerdigung des Großindustriellen und Philanthropen Geheimen Kommerzienrat Ludwig Mayer. Staatliche und städtische Vertreter, Arbeiter der Fabriken des Verstorbenen, Beamte sowie eine große Anzahl sonstiger Teilnehmer aus allen Kreisen der Bevölkerung hatten sich am Grabe eingefunden. Oberrabbiner Dr. G o l d s ch rn i d t rühmte die bedeutenden industriellen Erfolge des Heimgegangenen und pries seinen aasgebveitoten Wohltätig!- keitssinn, den er namentlich auf dem Gedielte der Kunst und Wissenschaft, im Dienste der sozialen Fürsorge des Vater lall des und der Menschheit iin allgemeinen bewiesen habe. Sein Lebenszweck sei die Förderung alles Wahren, Guten und Schönen gewesen, und wer so gelebt habe, sei ein Gerechter. Als Vertreter des Landesfürsten legte Kreisdirektor Regierungsrat Dr. Spam er einen! prachtvollen Kranz nieder; desgleichen Oberbürgermeister Dr. Dullo, der in besonders warmherziger Weise der großen Verdienste des Verstorbenen um die Stadt Offenbach gedachte. Mit Kränzen und Ansprachen gedachten ferner des Toten Herr Stern-Roth im Namen der Direktoren der Firma, Professor E b e r h a r d t namens der Technischen Lehranstalten, Hauptlehrer Schläger im Namen des Vereins für Sommerpflege der Schulkinder, Gerhäuser für den Feld- und Gartenbauverein, je ein Vertreter der Beamten llnd Arbeiter der Firma. Umrahmt war die eindrucksvolle Totenfeier mit Grabliedern des Frankfurter Opernchors. £2 Frankfurt a. M., 21. September. Vorletzten Dienstag wurde der Leutnant der Reserve Heinrich Auerbach von hier auf dem Ehrenfriedhof der hiesigen Israelitischen Gemeinde zur letztell Rlthe gebettet. Der Verstorbene war bei Kriegsausbruch als Unteroffizier ins Feld gezogen, wurde schon im ersten Kriegsnwnat mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet und, nachdem er von einer damaligen Verwundung genesen, bald nachdem zum Offizier befördert. An der Spitze der ihm anvertranten Kompagnie ist er bei den letzten Kämpfen schwer verwilndet worden und wenige Tage daralif in einem Feldlazarett gestorben. Daß er dem Judentum als Offizier Ehre gemacht hat, bekunden die Briefe, die seinen Angehörigen voll dem Regiment zugegangen sind. Der Regimentskommandeur schreibt: „Ich konnte noch Gelegenheit nehmen, ihm nleine Freude llnd meine ganz besondere Anerkennung für sein überaus schneidiges, heldenmütiges Verhalten auszusprechen." Und der Bataillonskommandeur: „Er war ein umsichtiger pflichttreuer Offizier, auf den man sich verkästen konnte. Ich habe ihm am Morgen des . . . August die Führung der . . ten Kompagnie anvertrauen müssen, da deren Führer plötzlich abkommandiert wurde. Leutnant Auerbach hat nun die ihin völlig fremde Kompagnie ganz ausgezeichnet geführt, so das; ich meine Helle Freude daran gehabt habe." In der „Frankfurter Zeitung" veröffentlichte das Offizierkorps einen Nachruf, darin die folgenden Sätze: „Die schwere Verwllndung, die er in mutigem Vorstürmen an der Spitze der Konlpagnie erhielt, hat ihn uns genommen. Das Regiment verliert einen ebenso Pflichttreuen und tapferen als liebenswürdigen und allbeliebten Kameraden." Holland. — Den Haag, 21. September. Das Jüdische Korrespondenzbureau im Haag berichtet: Die Bewegung zur Bildung jüdischer Pioniergruppen (Hechaluz), die nach Beendigung des Krieges nach Palästina geben sollen, hat auch in der jüdischen Jugend Hollands eingesetzt. Aus Initiative der zionistischen Vereinigung „Haschachar" fand am 2. September unter dem Präsidium des Herrn F. Fronmann eine Konferenz der jüdischen Jugendvcrbände Hollands statt. 17 Korporationen waren durch 60 Delegierte vertreten. Nach Referaten der Herren N. Groß und Samuel Schmeidler, die den Bericht der vorbereitenden Kommission erstatteten, nahm die Konferenz nach eingehender Diskussion folgende Resollition an: In Erwägung, wie immer der Krieg ausgeben möge, daß die Erschließung und Bearbeitung des Bodens durch Juden im heiligen Lande nur durch entsprechend vorbereitete und ausgebildete junge Pioniere erfolgen kann, bäkt es die Cbaluz-Konferenz für die Pflicht der jüdischen Jugend in Holland, sich der in Amerika und in Osteilropa entstandenen Ehaluz- Bewegung anzuschließen lind sie nlateriell und moralisch mit aller Kraft zu fördern. Die Konferenz beschloß die Gründung einer Chaluz- Organisation und wählte eine Kommission, die aus folgenden Sektionen besteht: 1. Landwirtschaftliche Sektion. Dieser obliegt die Aufgabe, junge Leute, die sich dem Pionierberuf widmen wollen, zu organisieren lind sie auf landwirtschaftlichen Betrieben in Holland für ihren Berns praktisch ausbilden zu lassen. 2. Finanzsektion. Diese hat die Aufgabe, die für die Durchführung der gekennzeichneten Aufgaben nötigen Mittel zu beschaffen und Maßnahmen zu treffen, die Ansiedlung der Pioniere in Palästina zu erleichtern. 3. P r o p a g a n d a s e k t i o n. Diese hat die Aufgabe, die allgemeine Propaganda für den Cbaluz-Gedanken in Holland unter der jüdischen Jugend in Wort und Schrift zu führen, wobei die Propaganda für den Pionierbeitrag berücksichtigt werden soll, der bekanntlich dazu bestimmt ist, den Pionieren in Palästina zu Helsen, sich in Pioniergenossenschaften zusammenzuschließen und sie mit der nötigen Ausrüstung zu versehen. In die Kommission wurden die Herren E. Chanania, I. Glas, Berthold Hallen st ein, Jacob Landau, L i n d e m a n n , Ing. L i p s ch ü tz , Oppenheim, Samuel Schmeidler und I. van Tyn gewählt.