Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1917)
- Date
- 1917-09-28
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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4 Grltkrrkich-Anggra. £2 Wien, 22. September. Das k. u. k. Ministerium des Innern bat an den Borstand der Israelitischen Allianz folgenden Erlaß gerichtet. Zahl 50 380. Wien, am 6. August 1917. Wie dem Ministerium des Innern bekannt, ist die geehrte Israelitische Allianz in Wien seit Kriegsbeginn eifrigst und unter Aufwendung bedeutender Geldmittel bemüht, das traurige Los der israelitischen Flüchtlinge zu lindern. Dieses Hilsswerk stellt sich als eine wertvolle und überaus dankenswerte Ergänzung der staatlichen Flüchtlingsfürsorgeaktion dar. Das Ministerium des Innern nimmt daher die Mitteilung des in der Generalversammlung vom 25. Juni 1917 erstatteten Jahresberichtes gern zum Anlaß, um der geehrten Israelitischen Allianz den Dank für ihr ersprießliches humanitäres Wirken zugunsten der israelitischen Flüchtlinge auszusprechen. Für den k. u. k. Minister des Innern: Unterschrift. Von Mh und ssrrn. — Eine Zusammenkunft aller derer, die Angehörige in englischer Kriegsgefangenschaft haben, findet am Sonntag, den 30. September 1917, vormittags 10 Uhr in Berlin, Restaurant Jägerhof, Königgrätzer Straße 121, statt. — Stadtverordneter Handelsrichter Cohn in Berlin-Wilmersdorf wurde zum Stadtrat gewählt. — Frau Lotte S chreiber, der Gattin des Rabbiners Dr. Schreiber in Potsdam, ist die Rote-Kreuz-Medaille dritter Klasse verliehen worden. — Rentier Carl Memisohn und seine Frau Eva geb. Reumann in Stettin begingen das Fest der goldenen Hochzeit. Beide hatten sich einen großen Freundeskreis in ihrem früheren Wohnsitze Posen erworben. in dem sie namentlich wegen ihres liebevollen, freundlichen Wesens sich der größten Beliebtheit erfreuten. Dem Jubelpaare gingen zahlreiche Glückwünsche zu. — Ein nachahmenswertes Beispiel der Fürsorge für jüdische Mitbürger hat der Magistrat m Magdeburg gegeben. Im Aufträge der Stadtverwaltung werden augenblicklich Fleischkonserven hergestellt, die später zur Verteilung kornmen sollen. Es ist nun seitens des Magistrats angeordnet, daß unter entsprechender Aufsicht auch Konserven für die rituell lebende jüdische Bevölkerung hergestellt werden. - In Halberstadt ist der orthodore und gelehrte Rabbiner Israel Nobel verschieden. Cr rvar ein tüchtiger Talmudist und bekannt auch als glänzender Redrrer. Er rvar Verfasser mehrerer Werke auf eregeti sch-homiletischein Gebiete, die von bleibendem Werte sind. Ehre seinem Andenken! ~ Hauptmann und Handelsrichter Emil Fechheimer in Nürnberg erhielt vom König von Sachsen den Titel Geheimer Hofrat. - Aus Bayreuth wird berichtet:?fn: 3. d. M. besuchte der König von Bayern unsere Stadt. Zur Borstelluug waren seitens der hiesigen Kultusgemeinde Herr Rabbiner Dr. S a l o m o n und der Erste Vorstand Herr K u r z m a n n geladen. Der König reichte beiden Herren die Hand und unterhielt sich mit ihnen über Angelegenheiten der Knltiisgemeinde. — Wegen der Fliegergefahr blieben in diesem Jahre in der Hanptsynagoge und in der Synagoge am Dörneplatz in Frankfurt a. M. an den beiden Abenden des Neujahrsfestes und am Vorabend des Vorsöhnlmgstages die Frauenemporen geschlossen. — Aus Mannheim wird iins geschrieben: In der Wahltagfahrt wurde für den verstorbenen Synagogenrat Julius Bensheimer Herr Fabrikant Eduard Bauer als Mitglied des Synagogenrats und für die gleichfalls verstorbenen Mitglieder der Gemeindevertretung, Herren Dr. Rudolf Carlebach, Gerichtsnotar, und Eduard Mayer, Fabrikant, die Herren Ludwig Zimmern, Kaufmann, und Joseph Wolfs, Kaufmann, Lachnerstraße 12, zu Mirgliedern der Gemeindevertretung gewählt. — Zürn Nachfolger des verstorbenen Präsidenten der Prager Knltnsgemeinde Dr. Arnold Rosenbacher wurde von der Gemeindeverwaltung der Obersinanzrat der k. n. k. Finanzprokuratur Dr. Alois Koscherak gewählt. — Im 70. Lebensjahre verstarb arn 12. d. M. Rabbiner Dr. Benjamin Weiß in Wiener-Neustadt, wo er 47 Jahre segensreich gewirkt hat. Der Verstorbene war der Vater des Herrn A. Weiß, Herausgebers des bekannten österreichischen politischen Nachrichtenbureans, Korrespondenz Weiß. - Ans Budapest wird gemeldet: Entsprechend einem Beschlüsse der Konferenz der israelitischen Knltnsgemeindebeamten sprach kürzlich eine Abordnung beim Kultusminister vor, um von der Regierung die Zubilligung von Kriegszuschlägen zu erbitten. An Stelle des erkrankten Kultusministers empfing Staatssekretär Johann T o t h die aus dem Gemeindesekretär der Pester israelitischen Kultusgemeinde Dr. Julius W e i ß b u r g, dem Oberkantor Lazarus und Schriftführer der Kecskemeter israelitischen Gemeinde Julius V i r a n y i bestehende Deputation, der er versprach, innerhalb der Grenzen der Möglichkeit für günstige Erledigung der Bitte einzutreten. — Wie ausländische Zeitungen berichten, hält es Spanien für seine Pflicht, den spagnolischen Juden in Saloniki in der Not, die über sie gekommen ist, durch Geldmittel beizustehen. Die Regierung hat deshalb beschlossen, eine größere Summe nach Saloniki zu übermitteln. — Man meldet den Tod des Herrn Arthur V l it m aus Belfort, geboren in Thann, eines sehr angesehenen Seidenfabrikanten, der sich in seiner Gemeinde um das Gemeinwohl sehr verdient gemacht hat. — Am 5. August ist in Paris der russische Sliaatsrab Daniel de Poliakoff verschieden. — Die traurigen Ereignisse in Leeds riefen das Bedürfnis wach, einen ständigen Kampf gegen die antisemitischen Ausfälle der lokalen Presse zu führen. Die jüdische Bevölkerung der Stadt . war sich aber darüber im klaren, daß die wenigen Großjuden, die gegenwärtig die Leitung der jüdischen Gemeindeangelegenheiten in Händen haben, dieser Aufgabe nicht gewachsen sind und ihre Methoden der Würde des Judentums widerstreben. Alls die Forderung der nationalen und Arbeiterorganisationen hin wurde eine Versammlung der Vertreter sämtlicher in der Stadt bestehenden 44 jüdischen Gesellschaften, Vereine und Synagogen einberufen, die ein repräsentatives Komitee ans 15 Personen Zwecks „Schutz und Verteidigung der Interessen der Leedser Jndenheit und des gesamten Judentums" wählten. — Zur Anteilnahme an der Mo skalier Beratung der Vertreter aller Nationalitäten, Stünde und politischen Organisationen des Reiches wurden auch Vertreter des jüdischen Volkes leingeladen. Als repräsentatives Organ des russischen Judentums betrachtete die Provisorische Regierung das von der jüdischen Vorkonferenz in Petersburg gewählte Organisationsbureau. Das Bureau delegierte das Mitglied des zionistischen Zentralkomitees Aleinikow, den Senator O. O. G r u s e n b e r g , den Schriftsteller G. Landau, den Vertreter der Poale-Zion Rechtsanwalt Barn, den Vertreter der Vereinigten Sozialisten CH n r g i n und einen Vertreter des Bundes. — Die Zionisten in Odessa haben 300 000 (?) Rubel zur Unterstützung der Juden Palästinas aufgebracht und nach Palästina geschickt. Unter dem alten Regime durften die russischen Juden kein Geld nach Palästina schicken: jetzt ist dieses Hindernis beseitigt und man hofft, daß die oben erwähnte Sendung den Anfang eines großen Geldabganges Rußlands nach Palästina bedeutet. — Die nun von den Deutschen eroberte Hauptstadt Livlands an beiden Seiten der Düna, Riga, zählt unter ihrer Halbmilli onenbevölkerung etwa 40 000 Juden, die in den letzten Jahrzehnten des russischen Regimes. infolge der drakonischen Rahongesetze ein schweres Leben führten. Die Armut im Judenviertel ist nicht so groß wie in Wilna und Warschau. Der Mittelstand ist hier besser entwickelt und die Oberschicht der Intelligenz und der Kapitalkräftigen wesentlich stärker. In den politischen und wirtschaftlichen Kämpfen zwischen Letten und Deutschen, wobei sich die ersteren der russischen Unterstützung erfreuten, die letzteren aber mit ihrer geistigen und kulturellen Ueberlegenheit das Feld behaupteten und trotz aller Russifizierung das deutsche Gepräge der Stadt sicherten, waren die Juden durch Neigung, Sprache und Kulturrichtung in die Reihen der Deutschen gewiesen, was ihre Achtung in den Augen der russischen Behörden nicht gerade erhöhte. Judenausweisungen aus Riga bildeten allezeit eine stehende Rubrik in den jüdischen Zeitungen. Rigas Juden haben keinen Grund, den abziehenden russischen Machthabern — auch nicht denen von Kerenskis Gnaden — Tränen imchzuweinen.—Der verstorbene Bankier Sir Jakob Elijahu S a s s o o n in Bombay (Indien) hat in seinem Testament unter anderem folgende Summen bestimmt: 66 000 Pfund Sterling für ein wissenschaftliches Institut in Bombay, 150 000 Rupies für jüdische Wohltätigkeitsanstalten, Krankenhäuser und Bothe-Midroschiim in Indien, 8000 Rupies für den Oberrabbiner in Jerusalem, daß er für ihn bete, 2000 Rupies für Arme in Jerusalem, 4000 Rupies für die Rabbiner in Saffed, Chebron und Liberias, damit sie für ihn beten. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse. 1