Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1917)
- Date
- 1917-09-28
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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81. Jahrgang Nr. 39 Der Gemeindevote. Berlin, 28. September 1917 Beilage zur „Allgemeinen Bettung de§ Judentums. Oie Heldenanleihe. Bei jedem Kriege sind zwei fragen verboten: wie lange wird der Krieg dauern? und, wieviel wird er kosten? Wie ein Kranker nur Gesundheit will, so darf ein Kriegführender nur Sieg wollen. Was nützt mir die Ersparnis an Aerzten und Arzneien, wenn ich dauerndem Siechtum verfalle, und was das Zukreuzekriechen, wenn der Staat, dem ich angehöre, dauernd geschwächt bleibt? Kraft und Schwache spiegeln sich überall wider, bis in die letzte Bauernhütte: am Sieg wie an der Niederlage haben nicht nur sämtliche Bürger teil, vielmehr werden ganze Geschlechter von dem einen getragen, von der anderen niedergedrückt. So recht der Mensch sonst daran tut, mit seiner Zeit zu geizen, und sein Geld sparsam zu verwalten, ein Narr ist er, wenn er bei großen Lebenskrisen derartigen Bedenken Raum läßt: hier gilt es, alles herzugeben, was inan besitzt — wie Blut und Leben, so auch Zeit und Gut. Die weisesten Herrscher sehen wir in dieser Beziehung am rücksichtslosesten Vorgehen: ich nenne nur Friedrich den Großen und den Siebenjährigen Krieg — verwegen unternommen, rücksichtslos fortgeführt, tollkühn zum Sieg gewendet —, auf dem Deutschlands ganze heutige Größe und heutiger Wohlstand aufgebaut sind. Deutschland steht in einem ihm aufgedrungenen Kampf ums Dasein. Dieser Kampf wird über die ganze Zukunft entscheiden. Denn selbst wenn der Friedensschluß kritische Fragen noch ungelöst läßt, dieser Friede wird nichtsdestoweniger die Richtung bezeichnen — bergauf oder talab. Es geht ums Dasein: freie, glückliche Zukunft dem deutschen Wolke oder allmählicher Niedergang und Versklavung. Zn einer solchen Lage hilft einzig Heldensinn. Was Friedrich der Einzige einst war, das muß heute das gesamte deutsche Volk sein. Friedrich, der schlichte, sparsame König, der um den ökonomischen Aufbau zukünftiger Blüte wie kein zweiter besorgte und verdienstvolle Landesvater, steht im Kriege mehr als einmal am Rande des Staatsbankerotts, die Minister warnen und raten zu jedem Friedensschluß; er aber treibt Geld auf, gleichviel woher und unter welchen Bedingungen; desgleichen mit seinem Heer, das mehr als einmal vernichtet scheint und das er immer wieder ins Leben ruft. An dem schlimmsten Tage — als alles verloren scheint, ruft er noch aus: „Bis zum Tode denn! wütet nur fort, ihr Elemente und schwarzen Schrecken!" Das ist die Geistesverfassung, aus der Sieg und mit dem Sieg Gedeihen, Aufblühen, Wohlstand, Glück hervorgehen. Es ist einmal durch ' b\e geographischen und sonstigen Verhältnisse gegeben: das deutsche Volk ist auf Heldentum angewiesen; es wird entweder heldenhaft oder gar nicht sein. Heldentum aber kann und nruß sich in jeder Handlung des Lebens zeigen; so auch jetzt in der neuen Kriegsanleihe. Diese Anleihe sollte „die deutsche Veldenanleihe" heißen! Zeder Deutsche strebe danach, ein wenig vom Geiste Friedrichs in sich aufzunehmen und gebe fein alles daran mit dem einen Gedanken: Siegen oder sterben! Lorrrlpondrn?rn und Nachrichten. Deutschland. Berlin, 25. September. Das Kuratorium der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums kündigt die Borlesungen für das Winter-Semester 1917/18 an. Herr Dr. Banelh wird lesen: 1. Talmud bab., Baba Kamma K. I, 6 Stunden. 2. Talmud jer., Megilla K. IV, 1 Stunde. 3. Mischne Thora, 13. Buch, 2 Stunden. 4. Orah hajjim, Hil. Sabbat, 1 Stunde. 5. Jore De'a, Hil Trefot, 2 Stunden. 6. Eben hcLezer, Hil. Gittin, 1 Stunde. Herr Dr. Elbogen wird lesen: > 1. Erklärung des Propheten Jesaia, 2 Stunden. 2. Pentateuch mit alten Kommentaren, 2 Stunden. 3. Die alte Kirche und die Juden, 2 Stunden. 4. Jüdisch-ethische Literatur, 1 Stunde. 5. Erklärung historischer Quellenschriften, 2 Stunden. Herr Dr. Tä übler wird lesen: 1. Geschichte des Exils und der Restauration, 2 Stunden. 2. Das Buch der Richter als Geschichtsquelle, 2 Stunden. 3. Hebungen über das Verhältnis der biblischen zur inschriftlichen Ueberlieferung, 2 Stunden. Herr Dr. Freund wird lesen: Die Judenfrage in der deutschen Literatur seit den Freiheitskriegen in ihrer Rückwirkung aus Gesetzgebung und Politik in Preußen (Abendvorlesung), 2 Stunden. Herr Dr. Hoch seid wird lesen: 1. Pirke Abot als Grundlage für den Unterricht in der Glaubens- und Sittenlehre des Judentums, 1 Stunde. 2. Apologetik auf höheren Schulen, 1 Stunde. Das Mitglied des Kuratoriums, Herr Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. Hermann 'G oh e n wird lesen: 1. Die Grundlehren der jüdischen Religion, J Stunde. 2. Hebungen: n) Quellen zur Vorlesung, 2 Stunden, b) Maimonides, More II, 2 Stunden. In der Prävarandie werden, wie bisher, Kurse über Bibel und Kommentare, hebräische Grammatik, Mischna und das Gebetbuch gehalten werden. Raheres wird durch Anschlag am schwarzen Brett bekanntgemacht werden. Die Festsetzung der Stunden wird bei der Eröffnung des Winter-Semesters erfolgen. Alle Vorlesungen und Hebungen sind unentgeltlich. Die Eröffnung des Winter-Semesters erfolgt Donnerstag, den 11. Oktober, 11 Uhr vormittags. Als Zuhörer für die Vorlesungen sind in erster Linie rite immatrikulierte Studierende der hiesigen Universität — und zwar ohne Unterschied der Fakultät - in Aussicht genommen. Auch andere Personen können auf Grund besonderer Ermächtigung an den Vorlesungen teiluehmen. Die Anmeldung erfolgt bei dem derzeitigen Vorsitzenden des Lehrer-Kollegiums, Herrn Dr. Tä übler, anr Donnerstag, den 11. Oktober, 12 Uhr, Freitag, den 12. Oktober, und Montag, den 15. Oktober, 11 bis 12 Uhr, im Sprechzimmer der Lehranstalt. Außerdem ist Herr Dr. Täubler stets nach seinen Vorlesungen zu sprechen. &&& Berlin, 25. September. Der Verband der V e r - eine für j ü dische Geschichte und Literatur in Deutschland (Sekretariat Berlin-Pankow, Florastraße 58) versendet soeben folgerndes Rundschreiben: Den uns angeschlossenen^ Vereinen machen wir hierdurch die Mitteilung, daß wir in diesem Jahre eine nene Rednerliste nicht herausgeben. Die noch vorhandenen Exemplare der letzten Rednerliste können durch das Sekretariat bezogen werden. — Gleichzeitig richten wir Ihre Anfmerksarnkeit darauf, daß am 31. Oktober d. I. der hrmdertste Geburtstag von Heinrich Graetz, dem berühmten Verfasser der Geschichte der Inden, stattfindet. Es ist eine Ehrenpflicht der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur, diesen Tag feierlich durch die Veranstaltung eines Vortrages zn begehen. ft## Berlin, 25. September. Die E i n fu h r st e l l e f ü r Z e d e r n lt n d P a l m c n in Frankfurt a. M. schreibt uns folgendes: Trotz aller Bemühungen von behördlicher und privater Seite ist es nicht gelungen, di-e Aufhebung des italienischen Ausfuhrverbotes für frische Lnlowim zn erwirken. Wie sich heran sstellt. geht das Verbot von der Pariser Wirtschaftskonferenz der Entente aus, die dabei auch keinerlei Ausnahme für die rein religiösen Zwecken dienenden Palmen zuließ. Infolgedessen werden in diesem Jahre nur trockene Lulowim geliefert werden, wobei es uns gelungen ist, dem Handel zur Ergänzung seiner Vorräte ein gewisses Quantum in brauchbarem Zustande befindlicher trockener Palmen zur Verfügung zu stellen. Was Esrogim betrifft, so ist die Einfuhr ausschließlich ans p-alästineusi s che Ware beschränkt worden. Griechische und .talieuische Esrogim werden daher in diesem Jahre nicht zu haben sein. Die Preise für das Publikum sind einheitlich für das ganze Deutsche Reich von uns wie folgt festgesetzt worden: Esrogim allein (Durchschnittsqualität) 7,25 Mark, Lulowiin allein 1 Mark, komplette Arba Minim (Durchschnittsware) mit trockenem Lulow, gebunden 11 Mark, bessere ausgesuchte Ware 14 Mark, Liebhaberware bis zn 25 Mark. er. Berlin, 25. September. In der Nacht von Freitag zu Sonnabend starb kaiserlicher Rat Dr. Adolf Ko Hu t nn« 69. Lebensjahre. Der Verstorbene war ein Schriftsteller von außerordentlicher Biel-