Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1917)
- Date
- 1917-09-28
- Page
- Seite 460 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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uns mit erschreckender Deutlichkeit das wesensfremde undeutsche Verhalten und die wahren, verderblichen Ziele der goldenen und roten Internationale gezeigt, begünstigt durch die bedenkliche Haltung des derzeitigen Kanzlers. Unter der einseitiger? Handhabung des Burgfriedens, während die Blüte der deutschen Männer im Felde stand und steht, hat zur Erreichung dieses Zweckes eine lebhafte, gewissenlose Agitation für die demokratische „Neuorientierung", bestehend in Einführung der Parlamentsherrschaft, allgemeiner Demokratisierung, Abbau der Rechte der Krone, Uebergang zunächst zur Scheinmonarchie, letzten Endes zur Republik, eingesetzt und wird sicher weiter fortgesetzt werden. Tie Erreichung dieser Ziele bedeutet unbedingte Herrschaft der Plutokratie. Was damit für das deutsche Volk und seine Zukunft auf dem Spiele steht, bedarf hier keiner Ausführung. Die Tat entscheidet allein überall im Leben, so auch im politischen Leben, nicht minder also auch in dem großen Kampf der Geister mit die deutsche, völkische, nationale Weltanschauung und die liberaldemokratisch-sozialistisch-plutokratische Weltanschauung. Der ehemalige Reichskanzler v. Bethmann Hollweg — das allsführende Organ dieser letzteren Weltanschauung --- ging in zwölfter Stunde." Herr Babbe ist danach ebenso mit der Reichstagsmehrheit wie mit denr früheren und jetzigen Reichskanzler im höchsten Maße unzufrieden. Ob er bereits der neuen Baterlandspartei als Mitglied beigetreten ist, ist uns nicht bekannt. Die „Frankfurter Zeitung" bringt folgenden Artikel: Die Negierung und der Zionismus. Basel, 17. September. (Priv.-Tel.) Die englische Presse meldet, daß sich der englische Kriegsminister erneut geweigert hat, den: Judenregiment eine besondere Bezeichnung zu geben, ihm ein jüdisches Reginientsabzeichen zu verleihen und diese Truppen jüdischer Soldaten ausschließlich in Palästina zu verwenden. Was letzteren Punkt anbetrifft, so erklärte der Kriegsmiuister seinem jüdischen Jnterviewer, daß die Absicht bestehe, die Truppen an der ägyptischen Front zil verwenden, daß sich die Negierung in dieser Hinsicht für die Zukunft jedoch in keiner Weise binden kann. Die Haltung der englischen Regierung in dieser an sich nebensächlichen, aber in ihren Folgen bedelltllngsvollen Frage zeigt, daß sie sich scheut, den aktivistischen, sozusagen militärischen Zionismus in bindender Form auf ihr Kriegsprogramm zu fetzen, obgleich sie gegenwärtig gern bereit ist, aus der irregeleiteten, gegen die Türkei gerichteten Zionistischen Bewegung, wie sie jetzt in England, Amerika und Rußland auftritt, nach Möglichkeit Kapital zu schlagen. Die „Times", der sicherlich das Judentum höchst gleichgültig wäre, wenn sie nicht die höhere Bedeutung der Frage erkennen würde, ist mit dein Bescheid, den der Kriegsminister seinem Interviewer gegeben hat, nicht zufrieden und fordert die Negierung auf, von halben Maßnahmen zu ganzen Maßnahmen Zu schreiten. Ob es die Zionisten nicht nachdenklich stimmen wird, daß gerade die „Times" jetzt als Vorkämpferin des Judentums auftritt? ★ Den Mitteilungen des Jüdischen Korrespondenzbureaus rm Haag entnehmen wir die nachstehenden Berichte: Das Elend in Saloniki. Der Züricher Korrespondent des Jüdischen Korrespondcuzbureaus im Haag meldet: In der Schweiz hat sich soeben ein Komitee „Pro Saloniki" gegründet, das für die verunglückten Juden dieser Stadt Gaben und Naturalien sammeln will. Die gesamte Schweizer Presse steht dem von den bedeutendsten jüdischen Männern der Schweiz unterfertigten Aufruf dieses Komitees sympathisch gegenüber. Christliche Spender und Freunde der jüdischen Sache haben diese Gelegenheit ergriffen, um ihre Sympathien de nt jüdischen Volke zu bezeugen. Man erwartet, daß die Tätigkeit des Komitees „Pro Saloniki" den besten Erfolg haben wird. Die I u d e n f r a g e in R u m ä n i e n. Dem Jüdischen Korrespondenzbureau im Haag wird aus Zürich geschrieben: Man ist in hiesigen jüdischen und sonstigen Kreisen über das Schicksal der rumänischen Juden sehr besorgt. Der Postverkehr mit Rumänien funktioniert fast gar nicht, und wir erfahren aus kurzen Telegrammen nur, daß die Lage der rumänischen Juden eine entsetzliche ist. Auch Gerüchte über Pogrome und Ausschreitungen, die bisher im kontrollierbar und unwiderlegt sind, wurden in der letzten Zeit verbreitet. Die Zustände in Rumänien -gewinnen durch die Tatsache, daß die rumänische Regierung außer Versprechungen und Ausreden bisher nicht das geringste zur Verbesserung der Schicksale der rumänischen Juden getan ha't, eine ganz besondere Bedeutung. Man ist in jüdischen Kreisen noch nicht über die zu ergreifenden Maßnahmen schlüssig geworden, doch scheint der Gedanke einer Intervention der neutralen Judenheiten bei den Regierungen der Alliierten die meisten Aussichten auf Verwirklichuna zu haben. Man erhofft von einer Aktion der Westmächte, deren Sympathie Rumänien jetzt durch alle Mittel zu gewinnen sucht, für die Besserung der Lage im nicht besetzten Rumänien den gewünschten Erfolg. Auch die in Amerika tätige Liga der dortigen rumänischen Juden beabsichtigt, eine Anklageschrift gegen Rumänien dem amerikanischen Senat zu überreichen, um die höchste Behörde der Union zu einem Eingreifen zugunsten der notleidenden rumänischen Juden zu veranlassen. * Nach einer Haager Drahtmeldung polnisch-jüdischer Blätter erlaubte die amerikanische Negierung nach langen Bemühungen den jüdisch-amerikanischen Hilssausschüssen, Geld für arme Juden nach Polen, Litauen und Galizien zu senden. Dieser Tage wurden nach Holland, von wo aus die Verteilung erfolgt, zunächst 395 000 Dollar abgeschickt, davon 150 000 Dollar für die Jtiden im deutschen Besatzungsgebiet, 100 000 Dollar 'für die Juden im österreichischen Besatzungsgebiet, 50 000 Dollar für die Warschauer jüdischen Schulkinder und der Rest für Palästina und Rumänien. * Wenn diese Blätter in die Hände unserer Leser gelangen, haben diejenigen Feste, die man als die fruchtbaren Tage zu bezeichnen pflegt, ihr Ende erreicht und die lieblichen Feste haben begonnen. Geweiht, gestärkt und erhoben durch die ernsten Tage, innerlich geläutert, schreiten unsere Glaubensgenossen einem neuen Jahre entgegen. Der Sommer ist im Scheiden, der Herbst tritt ein als Vorbereitung für einen langen und schweren Winter. Diese traurige Jahreszeit wird dieses Mal, davon sind alle überzeugt, schlimmer und schwerer sein, als die Winter der von Leiden und Entbehrungen so reichen Kriegszeit. Möge sie, das ist unser innigster Wunsch, unser deutsches Volk und unsere jüdische Glaubensgemeinschaft gerüstet finden. Möge sie der letzte Kriegswinter sein, der uns auferlegt wird. Was aber auch kommen möge, bleiben wir stark und mutig. Eingedenk der großen Vergangenheit mögen wir fest und sicher der Zukunft engegengehen. „Hilf dir selbst, dann wird Gott dir helfen." Nur nicht zweifeln, nur nicht mutlos werden, sondern mit felsenfestem Vertrauen aus die Gerechtigkeit unserer Sache, mit ungebeugter Glaubensinnigkeit, mit Treue eintretend für unsere Ueberzeugung, gestählt durch Liebe zur Ehre und Wahrheit, wollen wir dem kommenden Morgen entgegeneilen. Aus Nacht zum Licht, aus der Trübe zur Helle. Denn ein Morgen muß kommen, strahlendhell und sonnigklar: der Morgen des Weltfriedens, der Völkereinheit, der Freiheit. Mögen auch Wochen und Monate schweren Ringens und schlimmer Leiden vergehen; uns schirmt die tiefinnerste Ueberzeugung von Fortschritt und Sonnennähe, und in dunkler Gegenwart entringt sich der bekümmerten Brust der Ruf: Einst wird.kommen der Tag! | Jfrart Lewy^ Von I. Elbogen. as Judentum hat einen seiner großen Männer, die Wissenschaft einen ihrer hervorragendsten Vertreter zu beklagen. Seminarrabbiner Pros. Dr. Israel Leldy in Breslau ist am Sonnabend, den 8. September, unerwartet aus dem Leben geschieden. Unerwartet, obwohl er bereits im