Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 38 (21.9.1917)
- Date
- 1917-09-21
- Page
- Seite 449 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Grundlage dieser Dekorationen war die Arabeske, die ein zusammengesetztes Flechtwerk bildete aus Blättern und Früchten, die auf eine Schnur gereiht waren; diese Blätter und Früchte waren von Vögeln und anderen Tieren des Ostens, z. B. Löwen u. a., geziert. Diese Motive fanden im 17. und 18. Jahrhundert große Verbreitung in den Synagogen; häufig findet man sie an den Decken und Wänden der Gotteshäuser, namentlich in vielen alten Holzsynagogen. In einigen Synagogen wurden daneben die Totalansichten von Jerusalem gemalt. Ferner wurden als Schmuckornamente angebracht: die 12 Zeichen des Tierkreises, rings um die Kuppel als Symbol für die 12 Stämme Israels. Darstellung des Löwen, des Adlers und des Hirsches, die ebenfalls Vertreter der kleinasiatischen Fauna sind, verwendete man, um Stellen der Heiligen Schrift anschaulich verständlich zu machen. Der Stil der Darstellungen woraus alten Handschriften des Mittelalters entnommen, auch von persischen Teppichen. Sehr oft trifft man an den Wänden der Synagogen folgenden Spruch: „Sei tapfer wie der Panther; leicht wie der Adler; schnell wie der Hirsch und tapfer wie der Löwe beim Erfüllen des Willens des himmlischen Vaters." Der Löwe ist das Sinnbild des Geschlechts Juda; auf der Brust des Adlers in, der Mitte des Schildes werden gewöhnlich die segnenden Hände der Aaroniden angebracht. Oft wurde in den Synagogen in den Mittelpunkt der Zeichnung der große siebenarmige Leuchter gestellt. Auf seinen Verzweigungen wurden gewöhnlich die Worte des 67. Psalmes angebracht. In den alten römischen Katakomben war dieser Leuchter das Symbol des heiligen Todes nach dem Spruche: „Die Seele des Menschen — ein Leuchter Gottes." Auch auf den Vorhängen vor der Bundeslade begegnet man diesem Motiv, das eines der Hauptshmbole des Judentums geworden ist. Daneben waren die Maler bemüht, Elemente der Volkssymbolik in die Dekorationen hineinzubringen, die oft nur den einfachen Zweck hatten, die nackten, kahlen Wände der Synagoge zu bedecken. Häufig sieht man Verzierungen, die mit dem Religiösen keinen näheren Zusammenhang haben. Man findet z. B. Füchse, Pferde, Hähne, Störche, Schwäne, auch Affen usw. Sie wurden meistens aus Darstellungen von Jagden oder Kümpfen rmt Raubtieren usw. hinübergenommen und ohne Bedenken zum Schmuck der Synagogenwünde verwertet. Die Namen der Maler sind meist unbekannt. Nur gelegentlich wird der eine oder der andere erwähnt. So z. B. ein gewisser Leibowitz, der sehr fruchtbar gewesen zu sein scheint und von dem der polnische Schriftsteller Kraschewski berichtet, daß er für seine Werke 100 Abbildungen hergestellt hat. Weit stärker tritt das Kunstgewerbe, Arbeiten in Gold, Silber Utessing, an heiligem Gerät hervor. Für den Meister war es die größte Freude zu sehen, daß die Synagoge von Kronleuchtern, die er geschaffen hatte, erleuchtet wurde. Von einem Meister Boruch wird berichtet, daß er acht Jahre lang Abfälle von Messing wmmelte, um einen Leuchter für die Synagoge herzustellen. Airs Alessing wurden auch Chanuka-Leuchter hergestellt, welche auf den Köpfen von Löwen befestigt sind. Auch die Ueberzüge der Thorarollen sind oft sehr künstlerisch nttsgeschmückt, häufig mit Gold und Silber verziert, und ebenso die Bundeslade, in der die Thorarollen liegen. Hier findet man ichöne Schnitzereiarbeiten, eine der merkwürdigsten in der Synagoge zu Olkeniki. Die Motive für die Schnitzarbeiten waren ebenfalls der Pflanzen- und Tierwelt entnommen. * Aus Sofia wird geschrieben: Die Nachricht vom Tode der Königin Eleonora hat in allen jüdischen Gemeinden Bulgariens ein tief schmerzliches Echo erweckt. Die Königin, die vor fast zehn Jahren als Gattin unseres Fürsten zu uns kam, hatte durch ihr reges Interesse an allen humanitären Bestrebungen rasch die Liebe der gesamten Bevölkerung gewonnen. Auch den jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen brachte die hohe Frau warme Teilnahme entgegen. Bei ihrer Ankunft in Sofia im Jahre 1908 hat sie die beiden Präsidenten der jüdischen Frauenvereine, die ihr ein Blumengewinde überreicht hatten, mit wertvollen Andenken bechrt. Als die Fürstin die jüdische Schule besuchte, beschenkte sie die Schülerin, die das Begrüßungsgedicht deklamierte, mit einem wertvollen Goldschmuck. Dem früheren Oberrabbiner von Sofia gewährte die Königin eine längere Audienz, bei welcher Gelegenheit sie sich eingehend über die materiellen und kulturellen Verhältnisse der Juden Bulgariens informieren ließ. Sie gedachte der seligen Baronin Hirsch, die sie eine heilige Frau nannte. Die Fürstin fragte auch den Oberrabbiner, welche Mittel ergriffen werden müßten, um das große Elend im Judenviertel von Sofia zu mildern. Als die Fürstin hörte, daß die armen jüdischen Schulkinder dreimal wöchentlich freien Mittagstisch erhalten, bat sie den Oberrabbiner, alles aufzubieten, daß den armen hungernden Kindern das Mittagsmahl täglich verabreicht werden könne. Man kam dann auf die spaniolischen Juden zu sprechen, die sich noch immer der spaniolischen Sprache bedienen. Die Fürstin machte hierbei die interessante Bemerkung, daß es in der heutigen Zeit, wo ein allgemeines Bestreben, alles Alte zu zerstören, bemerkbar fei, sehr rührend ist zu beobachten, wie die Juden mit Verehrung und Liebe an allem hängen, was ihnen von ihren Vorfahren überliefert wurde. Ihrer wahrhaft toleranten Gesinnung ist die hohe Frau bis an ihr Lebensende treu geblieben. Die Juden Bulgariens stehen trauernd an der Bahre ihrer verehrten Fürstin. # In der nächsten Woche wird von den Juden aller Länder der Versöhnungstag gefeiert. In heiliger Stimmung, in ernster und schwerer Zeit. „Ganz Israel" darf sich in diesen furchtbaren« Tagen kaum als Einheit betrachten. In allen Heeren kämpfen Juden oft widereinander, für ihr Vaterland, gegen dessen Feinde. Und doch, gerade angesichts dieses Tages, wollen wir die Hoffnung aussprechen, daß bald diese entsetzlichen Greuel aufhören mögen. Ein Gebet um Frieden bringt ja nicht unmittelbaren Nutzen. Ein jeder aber stärke sich in heiliger Inbrunst in dem Gedanken, daß einst eine Zeit kommen möge, in der die großen Interessen der Menschheit wieder eine Förderung erfahren können. Möchten wir alle es erleben, daß der Friede mit seinen Segnungen erscheine und Freiheit der Welt bringe, damit die Welt sich erinnere, daß sie dazu geschaffen ist, die geistigen Aufgaben zu fördern, das Heil der Welt zu erwirken. Dann wird es den Juden aller Länder möglich fein, ihre Religion auszubauen, deren große, mächtige Aufgaben und Pflichten zu erfüllen; dann werden sie, gleichberechtigte Söhne friedlicher, glücklicher Länder, vollkommen anerkannte Bürger der geeinten Menschheit, ihre Kraft stählen. Sie werden bei voller und ganzer Wahrung ihrer Eigenart, einig in der Stärkung ihrer heiligen Ueberzeugung, einig mit ihren Brüdern, stark in Liebe, nachdem sie den Haß, dem blutige Opfer genug gebracht worden sind, vertilgt haben, siegreich und geeint für den Frieden der Welt und die Erfüllung hoher Ideale arbeitend, freudig der Zukunft entgegenschreiten! Direktor Solo pdlrr. (Zu seinem 60. Geburtstage.) Jt2 S hat dem Judentum nie am Männern gefehlt, die ihm durch Vertiefung und Erweiterung religiöser Erkenntnisse. durch Fortentwicklung seines Ideengehalts ein gefestigtes Fundament zu verleihen gewußt haben, nie an Männern, deren