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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-09-21 · Heft 38 (21.9.1917) · p. Seite 448

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 38 (21.9.1917)
Date
1917-09-21
Page
Seite 448 (sequence 4)
Language
German
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448 Ministerielle Verordnung für den jüdischen Religionsunterricht in Schwerin. Schwerin, den 3. September 1917. Durch die landesherrliche Verordnung vom 29. April 1843 ist für die Kinder jüdischen Glaubens vom vollendeten sechsten bis zum vollendeten vierzehnten Lebensjahr die Verpflichtung begründet, die in einer Stadt eingerichtete jüdische Religionsschule zu besuchen, wenn nicht die Eltern oder Vormünder den Kindern genügenden Religionsunterricht anderweitig verschaffen. Ueber das vierzehnte Lebensjahr hinaus besteht mithin eine Verpflichtung mm Besuch der Religionsschule nicht, und zwar auch nicht für diejenigen Kinder, welche höhere Schulen besuchen, in welchen der Religionsunterricht als obligatorischer Lehrgegenstand für die der Landeskirche angehörenden Kinder auch in den höheren Klassen erteilt wird. Wenn nun in diesen Schulen der Religionsunterricht auch über die Volksschulzeit hinaus für die kirchlich reifen Schüler als ein notwendiges Bildunasmittel angesehen wird, so hält es das Unterzeichnete Ministerium, Abteilung für geistliche Angelegenheiten, im Einvernehmen mit der Vertretung der Iudenschaft des Landes für erstrebenswert, daß auch den Kindern jüdischen Klaubens dieses Bildungsmittel Zuteil wird, zumal gerade die Schüler und Schülerinnen der höheren Schulen oft in ihrem späteren Leben dazu berufen sein werden. auch in dem jüdischen Gemeindeleben eine führende Rolle zu spielen. Da in Schwerin in der von dem Landesrabbiner Dr. Silberstein geleiteten Reliaionsschule die Möglichkeit gegeben ist. daß auch den älteren Schülern und Schülerinnen ein ihrem Alter entsprechender Religionsunterricht erteilt wird, so wollen Sie auf Ersuchen des Landesrabbiners auf die Ihnen geeignet erscheinende Weise die in dem Besuch der Religionsschule säumigen Scküler nachdrücklickist auf die Notwendigkeit des Religionsunterrichts für sie Hinweisen. Großberzoglick Mecklenburgisches Ministerium. Abteilung für geistliche und Unterrichts-Angelegenheiten. An den -6errn Direktor des a) Gymnasiums b) Realgymnasiums Hierselbst. * Nicht minder erfreulich sind die von dem „Jüdischen Korrespondenten im Haag" mitgeteilten Aeufrerungen, die der holländische Minister Treub in einer Unterredung mit dem jüdischen Journalisten Mose ben Zwi getan hat. Der Minister sagte: „Es läßt sich heute nicht mit Sicherheit sagen, welche Fragen aus dem kommenden Friedenskongreß angeschnitten werden. Ob die die Judeusrage zur Behandlung gelangen wird, wird von der Art abhängen. in der man die Friedenskonferenz abhalten wird. Es wird davon abhängig sein, ob man die Friedeusverhandlirngen nur ans die wichtigsten Punkte konzentrieren oder den Persuch machen wird, alle internationalen Fragen aus der Friedenskonferenz nix Lösung zu bringen. Wenn das letztere der Fall sein wird, dann ist die Hoffnung gestattet, daß die Judenfrage nicht vergessen werden wird. Mir ist es als Staatsmann eines neutralen Landes schwer, mehr zu sagen. Wir können den Großmächten nickt vorschreiben, ivas sie ans dem Friedenskongreß behandeln sollen." „Hier in Holland," fuhr der Minister fort, „haben wir keine Judenfrage. Man findet hier bcn Juden sympathisch oder weniger symvothisch. Aber eine richtige antisemitische Bewegung, wie Sie sie in Deutschland oder gar in Oesterreich haben, kennen wir hierzulande nicht, und ich sage, Gott sei Dank, daß wir sie nicht kennen. Und ich persönlich hege gegenül>cr Juden ganz gewiß keine Antipathien. Es gibt unangenehme Juden und unangenehme Christen. Das wird wohl immer so bleiben. Und auch umgekehrt gibt es sehr oute Juden und sehr gute Christen. Eigenschaften sind eben nicht das Monopol Liner religiösen oder nationalen Gemeinschaft. Jeder Jude, der tüchtig ist, macht in Holland ebenso seinen Weg wie ein tüchtiger Christ. Der Jude hat hier freie Bahn und erfährt keine künstliche Hemmungen oder Einschränkungen wegen seiner Religion oder Am gehörigkeit zum jüdischen Volk. Das Talent ist hier die einzige erforderliche Legimation zum Erfolg und der befähigte Jude bringt es bei uns z. B. auch zum Minister. Wir sind auf unsere freiheitlichen Traditionen stolz. Holland kannte niemals Judenhaß oder Judenverfolgungen. Schoy zur Zeit, da Holland eine Republik war, unterschied es sich durch seine judenfreundliche Haltung von den anderen Staaten. Wären wir nicht so judenfreundlich gewesen, dann hätten wir auch keinen Spnroza." Um so unerquicklicher sind die Verhältnisse in Rußland. „Temps" meldet aus Petersburg: Die militärische Niederlage verursacht in der Hauptstadt eine immer tiefer gehende Beunruhigung, die zweifelhafte Elemente auszunutzen versuchen. In Moskau beriefen die Kadettenpartei und die Sozialrevolutionäre in der Stadtduma Versammlungen, um dringliche Maßnahmen gegen den extremistischen Feldzug zu treffen, der zu Gewalttätigkeiten gegen die Juden aufreizt und eine ernsthafte Gefährdung der öffentlichen Ordnung darstellt. In Petersburg gelang es Agitatoren anfangs, Pogrome herbeizuführen. Ein israelitischer Kaufmann und sein Sohn, der auf Urlaub von der Front zu Hause war, wurden getötet und mehrere jüdische Geschäfte geplündert. 'Oi Bei solchen Nachrichten, die eine traurige Aussicht in die Zukunft gewähren', ist es betrübend, wenn man folgendes liest: Amsterdam, 7. September. Dem „Algemeen Handelsblad" zufolge berichtet De Joodsch Wächter, daß bis 10. August sich 20 000 russische Juden in England zum Rücktransport nach Rußland gemeldet haben, weil sie die Rückkehr nach Rußland der Einreihung in die britische Armee Vorzügen. Auch die folgende Nachricht kann mach dem Standpunkt, den wir einnebmen, nicht als erbaulich betrachtet werden: Die beiden Parteien jüdischer sozialistischer Arbeiter Rußlands, nämlich die zionistischen Sozialisten und die jüdisch-sozialistische Arbeiterpartei, haben sich zu einer vereinigten iüdisch^sozialistischen Arbeiterpartei verschmolzen. Die neue Gruppe bleibt den Grundsätzen des internationalen Sozialismus treu und organisiert in Rußland den wirtschastsvolitischen Kampf der jüdischen Arbeiterklasse. Sie besitzt ihre Vertreter im Sowjet und im Rate des Generalsyndikats der russischen Arbeiter, ferner im ukrainischen Zentralkomitee und.im ukrainischen Generalsekretariat. Diese vereinigte Partei zählt bereits über 12 000 Mitglieder: sie gibt in Kiew ein Zentralorgan und außerdem sieben Provinzzeitungen heraus. Bei den gegenwärtigen städtischen Wahlen bildete sie einen Block mit den anderen sozialistischen Grupven und verzeichnete 75 Gewählte. Diese werden einen Bericht und Vertreter zur Stockholmer Konferenz entsenden. In volitiscker Beziehung steht sie auf seiten Kerenskis, der damit'seinerseits bi'in Programm der jüdischen Arbeiterpartei Englands bestritt. die Palästina für die Juden fordert. * Dagegen mag das folgende friedliche Bild, das wir der Münchener Zeitschrift „Der deutsche Steinbildhauer" entnehmen, manchem Leser so erfreulich, wie unterrichtend gelten: ' De! Ml Ziel um der stel En bei: Ar. Blc Blc Ost 18. ma lich Jer geb Syi Adl tisck Sch stell auck der leid Lön Lön m den i nun zwe gebi das des vor Hau Ooli: fach vede form Pser meis tiere der ( 2 Wirt Veifr der Wer L Meff groß die Borr Die Jnnenkunst der litauischen Svnagoaen. Die Juden sind seit alter Zeit ein Volk der Bücher. Während bei anderen Völkern den Ungebildeten durch Bilder, Statuen usw. die Dogmen der Religion anschaulich gemacht werden mußten, schöpfte der Jude seine geistige Nahrung aus dem Buche der Ducker. Malerei und Bildhauerei waren bei der Ausübung des Gottesdienstes nicht unentbehrlich: das Volk der Begriffe hat der Kuw't jedoch nur eine Nebenleistung eingeräumt. Deshalb kam sie «nurf) nicht zur Blüte. Die jüdische Kunst entwickelte sich gewissermaßen unbemerkt, ohne jegliche Unterstützung seitens der weltlichen und geistlichen Macht. Oft wurden ihre bescheidenen Früchte zerstört: aber gerade diesem Unbemerktsein und dieser Zurückgezogenheit haben wir zu danken, daß ein Teil auch der alten Kunstschöpfungen uns bis zum heutigen Tage bewahrt geblieben ist. Wenn man die alten jüdischen Synagogen in Litauen besucht so sieht man, wie wir der „Wilnaer Zeitung" entnehmen, in iamr Ms den A Nttsg die l Ichön "gog, falls N 3 nllen Echo

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