Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 37 (14.9.1917)
- Date
- 1917-09-14
- Page
- Seite 439 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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ärztlicher Ratgeber bei sehr hervorragenden Männern und Frauen der französischen Aristokratie und in Pariser literarischen und künstlerischen Kreisen gewesen sein muß und daß die Beziehungen, die er als Vertrauensmann mit allen diesen Persönlichkeiten pflegte, sich häufig sehr eng und freundschaftlich gestalteten. Auch der beka niste Berliner Stadtrat und Schriftsteller David Friedlaender ist mehrfach vertreten. Von ihm besitzt die Sammlung die Abschrift eines wichtigen Kabinettsschreibens König Friedrich Wilhelms III., sodann drei Briefe des Politikers Ad. Narcisse, Grafen v. Thibandean. und einen von dessen Sohn Autoine Claire Grafen v. Thibandean, alle vier aus den Jahren 1816 und 1817; ferner einzelne Bemerkungen Friedlaenders über die Schrift des Antoine de Rivarol. Sonst ist über den Mendelssohnschen Kreis nicht viel zu finden, weder über seine Freunde noch seine Angehörigen; man müßte einen Brief des Generals Grafen Sebastian! an Henriette Mendelssohn, die Tochter des Weltweisen, nennen, die im Hause des Genannten Erzieherin war. Aber dieser Brief, mir ein paar Zeilen groß, ist ganz gleichgültigen Inhalts. Dagegen tritt die Familie Jtzig ziemlich in den Vordergrund. Von Daniel Jtzig, dem Vater und Begründer des Hauses, finden sich vielfache Aktenstücke: Patente und Schntzbriese von dem Fürsten Friedrich von Anhalt-Bernburg 1758 und 1761; von Isaak Daniel Jtzig, dem Sohne, Reisepässe und Urkunden und ähnliches. In einem dieser Aktenstücke (1795) wird er als „Geheimrat und Bankier des Königs von Preußen" bezeichnet, zum Korrespondenten der französischen Regierung in allen Bankangelegenheiten ernannt und es werden ihm zwei Prozent Provision für die Beschaffung von Proviant zngebilligt. Eine Tochter des Erstgenannten Recha, tritt in verschiedensten Schriftstücken auf: ein Brief an sie von Baron Bignon, jedenfalls dem französischen Gesandten in Berlin, der eine Zeitlang Kommissar für die Verwaltung der Domänen im Gebiete zwischen Elbe und Weichsel war, neun Briefe des Marquis v. Beurnonville 1804 bis 1821, der eine Zeitlang französischer Gesandter in Berlin war, endlich ein Brief der Frau v. Vandeuil, der Tochter Didervts, 1846. Ich habe alle diese Schriftstücke angesehen, aber nichts darin gefunden, das von allgemeinerem Interesse wäre und einen Abdruck verdiente. Nur die eine Tatsache ersieht inan daraus, daß die genannte Frau sehr gebildet war, auch eifrig bemüht, Handschriften zu sammeln (denn der Brief von Didervts Tochter bezieht sich auf ein Autogramm), und daß sie mit den höheren französischen Beamten, die sich während der Okkupationszeit in Berlin aufhielten, in eine Verbindung trat, die sich auch fortsetzte, nachdem die Franzosen schon längst Berlin verlassen hatten. Auch eine andere Tochter des Daniel Jtzig kommt in unserer Sammlung vor: es ist Frau v. Arnstein in Wien. Tie Genannte wurde besonders berühmt während des Wiener Kongresses, da in ihrem Salon die hohe Politik gemacht wurde. Daß sie aber auch schon Jahre vorher lebhaftes politisches Interesse besaß, wird bezeugt durch einen an sic gerichteten Brief des Grafen Franz v. Sauran (1809). Sie wird darin als gemeine Schutzfrau der verwaisten Söhne des verklärten „Hofer" angeredet und es wird ihr ein Bauernbursche empfohlen, der in Wien Arbeit sucht. Zu Mendelssohns Kreise gehört auch der Mediziner Dr. Bloch in Berlin. Ein an diesen gerichteter Brief des Sir Joh. Banks vom 3. Januar 1786, von dem im Katalog nichts abgedruckt ist, den ich aber «ungesehen habe, enthält nichts, was einer Mitteilung wert ist. Zu den interessantesten mit jüdischen Dingen zusammenhängenden Stücken gehört ein undatierter französischer Brief! des Marquis d'Argens an den Buchhändler Nicolai in Berlin, j Ter französische Schriftsteller billigt darin Nicolais Unter- I nehmen, seine „jüdischen Briefe" ins Deutsche zu übersetzen, i und verspricht bei seiner demnächstigen Anwesenheit in Berlin,! ihm Verbesserungen und Zusätze zu übergeben, die bei dieser i Uebersetzung benutzt werden könnten. Endlich sind für die Geschichte der Inden zwei Aktenstücke j von besonderein Interesse. Das eine ist ein Schreiben des Marimilian Julius Leopold v. Braunschweig, des Fürsten, der eine Zeitlang in Frankfurt a. O. lebte, dort bei einer menschenfreundlichen kühnen Tat ertrank und durch mannig-! fache Verse deutscher Dichter, vor allem Goethes, geehrt wurde, an die Judenältesten in Frankfurt a.d.O. vom 19. April 1786h. Ein anderes Schriftstück muß man schon nach einer kurzen Bemerkung des Katalogs als außerordentlich wichtig bezeichnen. Der Katalog meldet darüber „Die Deputiertenversam- lang der Juden von Frankreich und Italien an ihre Religionsgenvssen, französische und hebräisch, 24. Tischri, das ist 6. Oktober 1806. Unterzeichnet Fnrtadv, Präsident, Rvdriguez, Sohn, und I. S. Avigdor, Sekretäre. Huldigung Napoleons des Großen, dessen wohltätiges Genie alle Unterschiede zwischen den Inden und anderen Menschen beseitigen will." Ich habe dieses hochwichtige Aktenstück abgeschrieben und bedauere lebhaft, daß der Eharakter und der beschränkte Raum meines! Blattes mir nicht gestattet, es an dieser Stelle äbzndrncken. Es; würde sich lohnen, dieses hochbedeutsame Dokument der jüdischen Oefsentliehkeit zu übergeben. Einiges über die lgeziehungen £nbmz’ sum Judentum und?u Juden. lZ n m 2 0 0. Todestag Le > bni z'.) Ben G a (v riet (S n g c 1 s m a n >i. s kann nicht überraschen, daß Leibniz, von dem Diderot schrieb: „Niemals vielleicht hat noch ein Mensch so viel gelesen, so viel studiert, so viel nachgedacht und so viel geschrieben wie Leibniz" — und den Schwegler in seiner Geschichte der Philosophie „nächst Aristoteles, den genialsten Polyhistor, der je gelebt", nennt, auch Beziehungen zur jüdischen Philosophie und somit auch zum Judentum und zu Inder, hatte. In einer Monographie Foucher de Eareils „I.eibniz, la Philosophie juive et la Cabale" wird des allerdings nicht tiefgehenden Verständnisses gedacht, welches Leibniz, dank seiner persönlichen Bekanntschaft mit Knorr v. Rosenroth, dem Uebersetzer des Sohar ins Lateinische, für die Kabbala erlangte. Zweifellos hat Leibniz wertvollere Anregungen aus dem Studium des More Nebnchim geschöpft, mit dem er sich ohne ihn in seinen gedruckten Werken zu nennen - , wie aus seinen hinterlassenen Manuskripten hervorging, viel beschäftigte. Jedenfalls intensiver als mit dem große» Stagiriten, dem Maimonides eine solch unendliche Verehrung gezollt hatte. Leibniz zitiert zwar in seinen Schriften oft genug Werke des Aristoteles, aber die kritische Forschung hat ergeben, daß es nichtsdestoweniger höchst fraglich ist, ob er die zitierten Werke auch tatsächlich im Original oder auch selbst nur in Uebersetzungen kennengelernt habe. Der zuverlässigste Prüfstein, ob Leibniz ein Werk von Bedeutung gelesen, ist nämlich in den — Exzerpten zu finden, die er sich ans jedem halbwegs beachtenswerten Buche machte, falls er es überhaupt gründlich gelesen. (Man kann in Leibniz hierin das Vorbild eines späteren großen Polyhistors erblicken —- Jean Paul Friedrich Richters —, der sicherlich auch nebst einer kleinen Bibliothek gedruckter Bücher eine Unmasse vvn Exzerpten h Leider hat sich das Original dieses Schreibens einstweilen in der Lessingschen Sammlung nicht finden lassen.