Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1917)
- Date
- 1917-09-07
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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mutter in Köln weilt, erhielt dorthin die amtliche Benachrichtigung, das; der edle Verblichene ans dem Militärfriedhvfe in Lyczakow zur ewigen Ruhe gebettet wurde. --- Tr. Albert Wolfs wurde am 23. Mai 1879 in Köln a. Rh. geboren. Dort absolvierte er das Realgymnasium. Dann studierte er Chemie an der Technischen Hochschule in Charlottenburg und bestand das Diplom-Hanpteramen mit Auszeichnung - er erhielt die silberne Staatsmedaille sowie das Doktor-Ingenieur-Examen. Bald fand er Beschäftigung in einer chemischen Fabrik Oberschlesiens. Später wurde er nach Budapest berufen, wo er die chemische Fabrik G. Richter, die vom ungarischen Staate subventioniert wurde, gebaut, eingerichtet und selbständig geleitet hatte. Einige Jahre vor Ausbruch des Weltkrieges erfand dieser geniale Mann ein neues, hervorragend Praktisches Gerbverfahren, das sich durch vielfache Versuche im In- und Auslande glänzend bewährt hat. Zar Ausbeutung dieser aussichtsreichen Erfindung hat er die Deutsche Formiat-Gesellschaft in Hamburg begründet. Run ist dieser hochbegabte und tatkräftige Manu, der durch seine Friedensarbeit hätte großen Segen für unser Vaterland stiften können, durch den Krieg jäh hinweggerafft worden. Er ruhe in Frieden! oi'. München, 31. August. Ein tatkräftiges Eintreten Deutschlands für die Freiheit der jüdischen Kolonisation in Palästina fordert der bekannte Kenner der asiatischen Türkei und Verfasser mehrerer vorzüglicher Bücher über die Türkei, Major E a r'l FranzEnd re s, in einem Artikel in den „Münchener Neuesten Nachrichten". Major Endres schreibt: „Bei einiger Kenntnis der Gesamttürkei muß fest-gestellt werden, daß es im ureigensten Interesse der Türkei liegen muß, die kulturelle Entwicklung Palästinas durch die Juden nicht nur zuzulassen, sondern durch vernünftige Maßnahmen zu fördern und zu unterstützen: denn jüdische Kolonisation allein vermag Palästina zu einem leistungsfähigen Laude zu machen. Es verrät eine ganz erstaunliche Kurzsichtigkeit. wenn in pantürkischen Kreisen die zionistische Bewegung als eine gefährliche bezeichnet wird, und es ist gerade im Interesse der Türkei bedauerlich, wenn im Widerspruch zu den bestehenden Vertrügen mit den Zentralmächten einflußreiche Kreise es durchzusetzen vermochten, daß den Juden (auch denen osmanischer Nationalität) neuerdings Landankauf in Palästina verboten ist. Deutschland wird sich durch entsprechende Aufklärung ,lv-i der strebender türkischer Kreise und durch entsprechende Programmaufstelluug für die Friedensverhandlungen detr nicht zu unterschätzenden Dank und die noch weniger zu unterschätzenden Sympathien aller Juden der Welt erwerben. Dieser Dank und diese Sympathien werden unvergleichlich größer sein, als sie heute Amerika und England gegeben werden, von denen die Juden klar erkennen, daß das Interesse am Zionismus beim -einen Wahlpolitik, beim anderen ureigenstes, imperialistisches Orientinteresse ist." J. A. Nürnberg, 31. August. Das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielten: Stud. jur. Richard Friedmann, Leutnant d. R. 21. bahr. Jus.-Regt., Sohn des Fabrikbesitzers Hugo Friedmanu. Art.-Hauptmaun d. R. Großhändler Martin Stahl. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Gefreiter I. E i ch e n b r o n n c r; Kanonier Stefan Fleis ch m a n u , Sohn des Kaufmanns Max Fleischmann: Kaufmann Heinrich Lippmann, Sohn der Kaufmaunswitwe Panline Lippmann: Wachtmeister d. L. Adolf Eichbaum: Art.-Vizewachtmeister d. R. Tr. Lothar Wallerst e i n e r : Wilhelm B l u m e n t h a l, Vizefeldwebel einer bahr. M.-G.-K., Sohn des Kaufmanns Adolf Blumenthal: Unteroffizier Julius Stern; Art.-Unteroffizier Adolf N e u st ü t t e l, Sohn der Kaufmanuswitwe Johanna Neustättel: Gefreiter Moritz Reis, Sohn des Kaufmanns Adolf Reis; Richard Jung, Rechtsanwalt und Leutnant d. R. im 7. bahr. Landw.-Ins.-Regt.; Art.-Gefr. Stud. Fritz Dinkel s b ü h l e r , Sohn des Herrn Theodor Diukelsbühler. Das bayerische Militärverdienstkrenz zweiter Klasse erhielt: Vizeivachtmeister Friedrich W a l l e r st e i n e r. Das bayerische 'Militärverdienstkreuz dritter Klasse erhielten: Landsturm- Unteroffizier Leopold Ober n d o r f e r , Mitinhaber der Firma I. Gerngroß u. Eo.; Gefreiter Alfred Al n n s b a ch, Sohn des Kaufmanns Benno Mansbach: Rafael Wei l, Kaufmann in Fürth. Das bayerische Ntilitärverdienstkreuz victer Klasse erhielten: Art.-Leutnant d. L. Arihur Schmidt, stellv. Direktor der Dresdner Bank; Leutnant d. R. Fritz Rosen zweig, Sohn des Kaufmanns Ludwig Rosenzweig; Stabsarzt d. R. Dr. med. Baruch Latte. Die bayerische Silberne Tapferkeitsmedaille erhielt: Vizefeldwebe'x Hermann H e i m a n n. Das preußische Verdienstkreuz für Kriegshilfe erhielt: Kommerzienrat Ludwig Metzger, 2. Vorstand der israel. Kultusgemeinde, in Anerkennung seiner Verdienste um die Reichsdarlehnskasse. Das österrreichische Ehrenzeichen zweiter Klasse vom Roten Kreuz erhielt: Großkaufmann Gustav Ger st in Bamberg. Das österreichische Kriegskreuz für Zivilverdienste erhielten: Rechtsanwalt und Hauptmann d. L. Dr. Albert Kann; Kaufmann Eamillo R o b i t s ch e k; Kaufmann Arthur S ch ö n f e l d; Geh. Hofrat Alfred Nathan in Fürth. Der Titel eines sächsischen Geheimen Hosrates wurde verliehen: dem Kgl. Handelsrichter und Hauptmann d. L. Fabrikbesitzer Emil Fechheimer. — Speyer, 31. August. Zum Abschied von ihrem scheidenden' Bischof, dem nunmehrigen Erzbischof von München-Frei sing Dr. v. F a u l h a b e r , versammelten sich die Katholiken der Stadt vordem bischöflichen Palais. Der Erzbischof dankte seinen Diözesnnen für die ihm bisher geleistete treue Mitarbeit sonne den Andersgläubigen für die Unterstützung seiner Bestrebungen zur Erhaltung des inneren Friedens, während draußen der fürchterliche Kamps tobe. Leine loyale Gesinnung den jüdischen Bürgern gegenüber faßte der hohe Geistliche in die Worte zusammen: „Mein Gruß gilt auch jenen Mitbürgern, deren Väter uns die Propheten und die unsterblichen Psalmen als Labsal in schweren Zeiten geschenkt haben, die am Fronleichnamstage auch ihre Häuser geschmückt und in dieser schweren Zeit den Armen viel Gutes getan haben. Tie barmherzigen Schivestern haben mir vieles davon erzählt." — Aus der Pfalz, 31. August. Die Versammlung von Vertretern der pfälzischen Killtusgemeiuden, zli der in dem Rundschreiben vom März 1917 eingeladen wurde, hat die Gründung eines Verbandes der i s r a e l i t i sch e n K u l t u s a em e i u d e ii er Psal z beschlossen und gleichzeitig die Satzungen des Verba-we^ sestgestellt. Dreißig Gemeinden sind dem Verband beigetreten. Der Vorstand möchte gern alle Gemeinden im Verbände vereinigt haben, was ihm bis jetzt nicht gelungen ist. Der „Verband der israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz" mit dem Sitz in Neustadt a. H. beziveckt: 1. Einwirkung auf diejenigen Angelegenheiten der staatlichen sonne der gemeindlichen Gesetzgebung und Verwaltung, welche die Inden als solche betreffen, durch Stellung von Anträgen an die Organe der Gesetzgebung und Verwaltung und durch Erstattung von Gutachten; 2. Einwirkung auf die Führung der Kultusgemeindevermaltung im Rahmen der geltenden Vorschriften, insbesondere Regelung des jüdischen Armen- und Krankemvesens, der Dienstverhältnisse der Kultusgemeindebeamten und von Fragen verrvaltungstechnischer Art, durch Sammlung' und Vermittlung der Anschauungen und Erfahrungen der einzelnen Kultusgemeiudeverlvaltungen und durch Ausarbeitung von Vorschlägen; 3. Einwirkung auf iunerkirchliche Angelegenheiten durch die gleichen Mittel wie bei 2; 4. Unterstützung von Organisationen, welche die Förderung jüdischer Interessen zum Ziele haben; 5. Herbeiführung -eines friedlichen Ausgleichs bei Streitigkeiten innerhalb ejner Gemeinde oder zw-ischeu Gemeinden durch Erlaß eines Schiedsspruchs oder in anderer Weise; 6. Repräsentation der pfälzischen Juden bei feierlichen Anlässen durch Entsendung eines Vertreters oder in sonst geeigneter Weise. Ter Vorstand besteht aus 11 gewählten Mitgliedern, 1 Rabbiner und dem Vorsitzenden des pfälzischen israelitischen Lehrervereins. er. Frankfurt a. M., 31. August. Der Palästinensische Hilfsvereiu „L ein a a u Z i o u", dessen besondere Bedeutung für die arme jüdische Bevölkerung Jerusalems in der Unterhaltung einer moderneuropäischen Augenklinik besteht, hat auch weiterhin der ottomanischen Regierung und ihren Verbündeten seine Augenklinik zur Behandlung der Bevölkerung wie verwundeter Heeresangehöriger zur Verfügung gestellt. Allein in dem Vierteljahr vom 1. Juli bis 30. September 1916 betrug die Anzahl der Gesamtbehandlungen 66 659. Dem Leiter der Klinik, Dr. T i cho , wurde neuerdings das Ehrenzeichen zweiter Klasse voul Roten Kreuz mit der Kriegsdekoration verliehen. Im Laufe der letzten Monate sind infolge der Evakuierungen, ebenso aber auch infolge der allgemeinen Erhöhung der Lebensmittel- und Arzneipreise die Ansprüche au den Verein und seine Klinik stark gestiegen, so daß ^r mehr als je aus die Förderung wohlwollender Menschenfreunde angewiesen ist, um seine allen Bekenntnissen zugute kommende — Hilfsarbeit nicht wesentlich einschränken zu müssen. Ter Sitz der Verwaltung ist in Frankfurt a. M. .Vorsitzender ist Herr Rabbiner Dr. N o b e l.