Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1917)
- Date
- 1917-09-07
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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81. Jahrgang Nr. 36 Der Gemeindevole. Berlin, 7. September 1917 Brilsgr zur „Allgemeinen Leitung drK IudentumK". kvrrklpondrnMn und Aschrichteu. Deutschland. E. M. Berlin, 4. September. D i e Wohltätigkeitsgesellschaft Magine R e x in , Verein zur gegenseitigen Hilfe, hielt anl Sonntag, den 26. v. M., ihre Hauptversammlung ab, die infolge der Kriegsverhältnisse erst so spät angesetzt werden konnte. Magi ne Reim ist eine der ältesten jüdischen Organisationen der Reichshauptstadt. Am 30. August 1804 wurde die Gesellschaft gegründet, „um diejenigen unverheirateten männlichen Mitglieder der jüdischen Gemeinde zu Berlin zu unterstützen, welche durch Krankheit oder Alter in Not geraten sind". Die bis zu dieser Zeit in Berlin bereits bestehenden Gesellschaften sorgten, soweit sie nicht die Ausstattung von Bräuten oder ähnliche Spezialaufgaben hatten, in erster Linie für ihre verheirateten Mitglieder. Die neue Gesellschaft wurde auf dem Prinzip der Selbsthilfe begründet; etwa 200 Junggesellen verpflichteten sich zu einem Monatsbeitrag von vier Groschen. Aus diesen Beträgen wurden dann die verarmten und erwerbsunfähigen Genossen unterstützt. Die Gesellschaft erfreute sich mehr als ein Jahrhundert ständigen Wachstums; bereits 1894 wurde das tausendste Mitglied ausgenommen. Die Familiennamen der Mitglieder der Gesellschaft wiederholen sich von Generation zu Generation. In der diesjährigen 112. Hauptversammlung erstattete der Vorsitzende den Geschäftsbericht, nach welchem die Gesellschaft auch im vergangenen Jahre durch ihr verschwiegenes und segensreiches Wirken in vornehmer Weise viele Sorgen gelindert und Not verscheucht hat. Den bedürftigen Witwen wurden freiwillige Teuerungszulagen gewährt. Die Gesellschaft hat sich stark gemacht, um den nach dem Kriege an sie herantretenden größeren Anforderungen zu genügen. Die altehrwürdige Magine Reim verdient, daß die Werbekraft ihrer Idee ihr stets neue Mitglieder zuführt, damit sie auf der Höhe ihrer Aufgabe erhalten bleibt. Das Bureau der Gesellschaft befindet sich bei der Firma A. Falkenburger, Berlin W, Taubenstraße 16/18. jfrjfr Berlin, 4. September. Das Kartell der jüdischen Arbeitsnachweise, welches die in Deutschland bestehenden indischen Arbeitsnachweise umschließt, hat trotz des Krieges an Bedeutung und Ausbreitung gewonnen. Das Kartell wurde 1913 im Anschluß an die letzte Delegiertenversammlung des Jüdischen Frauenbundes in Leipzig begründet. In ihrem ersten Arlbeitsjähr hat die Ge'chästsstelle in Berlin, die von der Vorsitzenden des Kartells, Frau H e l e n e M e h e r - S t a r g a r d l, geleitet wurde, etwa tausend Fälle bearbeitet und rege Verbindungen auch mit den sozialen Arbeitsvermittlungsstellen des Auslandes angeknüpft. Mit der „Union ok jo >visti Women“ in London und der „Association des jeunes f i 11 e s , S e c t i o n I s r a e 1 i t e“ in Paris wurden bis zum Kriege, segensreiche Beziehungen unterhalten. Nach Kriegsausbruch hörte auch der Austausch von Angebot und Nachfrage zwischen den Kartellvereinen in Deutschland auf, da das anfängliche Ueberangebot von Stellensuchenden jede Vermittlung nach auswärts zwecklos machte. Im April 1915 wurde der allwöchentliche Materialaustausch zwischen den angeschlossenen Nachweisen wieder ausgenommen,' doch blieben die Ergebnisse dieses Jahres mit 700 Fällen um fast ein Drittel hinter dem Vorjahre zurück. An der im August 1914 im Reichsamt des Innern abgehaltenen Besprechung der großen Arbeitsorganisationen über geeignete Maßnahmen zur Beseitigung der weiblichen Arbeitslosigkeit hat das Kartell teilgenommen. Es wurde beschlossen, den Heimarbeiterinnen durch die Fachverbände Arbeit vom Neichsbekleidungsamt und Reichsmarineamt zukommen zu lassen, für deren gute Ausführung die vermittelten Organisationen haften sollten. Das Kartell hat alle Ardutsnachweife und den Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde entsprechend informiert und das Reichsarbeitsamt um Ueberweisung von Arbeit an jüdische Heimarbeiterinnen ersucht. Die Nähstube der KriegshilfskommWon der Jüdischen Gemeinde in Berlin hat daraufhin ArbeA erhalten und wird jetzt noch mit Näharbeiten und Strickmaterial für jüdische Heimarbeiterinnen versorgt. Schließlich hat das Kartell die angeschlossenen Vereine über alle wichtigen Veränderungen und Neueinrichtungen auf dem lausenden gehalten und dauernd Anr eg u ngen über m i ttelt. E. M. Berlin, 4. September. Einen leider noch immer zeitgemäßen Stoßseufzer über die von privater Seite veranstalteten Festgottesdienste an den hohen Feiertagen veröffentlichte vor einem halben Jahrhundert die in Berlin erschienene Wochenschrift für jüdische Angelegenheiten „Die Gegenwart". Das Blatt schrieb im Oktober 1876: „Die hiesigen Blätter berichten von skandalösen Austritten, die in mehreren für die Feiertage eingerichteten Privatsynagogen stattgesunden haben sollen. Das erklärt sich von selbst, weil die fraglichen Kultusstätten weit mehr durch Spekulation und Eigennutz als durch wahres, religiöses Gefühl in Aktivität gesetzt werden. Die Unternehmer legen in ihrem „geschäftlichen" Eifer und in der Sorge für hohe Einnahmen nicht selten eine Rücksichtslosigkeit an den Tag, die jede Andacht fernhalten muß. Anderer Arten von groben Ungehörigleiten wollen wir erst gar nicht gedenken. Es wäre in der Tat an der Zeit, daß die Gemeindeverwaltung Schritte täte, um diesem Unfug materieller Spekulanten, der jedes Jahr erschreckendere Dimensionen annimmt, endlich ein Ziel zu fetzen." Hier haben die verflossenen 50 Jahre kaum Wandel geschaffen. Wer Gelegenheit hat, die Ankündigungen dieser Privatgottesdienste in Berlin und auswärts zu verfolgen, wird ein ernstes Mißbehagen über die marktschreierische Art, mit der viele Unternehmer ihre Veranstaltung ankündigen, nicht unterdrücken können. Leider scheint dieser Unfug unausrottbar zu sein. Eine Bekämpfung desselben erscheint schwer, sie dürste aber nicht aussichtslos sein. Wenn die Gemeinden einfache, würdige Gottesdienste mit guten Vorbetern, ohne Chor und ohne Predigt, in größerer Zahl veranstalten würden, müßte es möglich sein, diese „wilden" Veranstaltungen, die nur zu Erwerbszwecken gegründet und daher auf den Kartenverkauf angewiesen sind, zu unterdrücken. Damit würde eine Erscheinung beseitigt werden, die in jüdischen Kreisen und darüber hinaus Aergernis und Spott erregen muß. ^2 Berlin, 4. September. Die Reichsfleischstelle hat Aktenzeichen 3953/17 — sämtlichen Bundesregierungen, der Statthaltershast von Elsaß-Lothringen sowie sämtlichen Landessleischstellen folgende Verfügung zur Kenntnis gebracht: „Die jüdischen Herbstfeiertage fallen in diesem Jahre auf die Zeit von Mitte September bis Mitte Oktober, und zwar in drei Wochen auf je einen Montag und Dienstag und in einer Woche auf einen Mittwoch (beginnend am Dienstag nachmittag). Um den rituellen Haushaltungen zu ermöglichen, in diesen Wochen Fleisch zu erwerben, würden die Schacht- und Fteischverkaufstage wie folgt sestzusetzen sein: S ch ä ch t t a g : |B e rf a u ssta g: In der vorhergehenden Woche,! 16. September, spätestens der 14. September.! Spätestens der 24. September.!24./25.September. In der vorhergehenden Woche,! spätestens der 28. September. 30. September. In der vorhergehenden Woche, spätestens der 5. September. 7. Oktober. Den hohen Bundesregierungen beehren nur dies mit dem Anheimgeben zur geneigten Kenntnis zu bringen, den Fleischverkauf au den Sonntagen, 16. September, 30. September unb 7. Oktober, gegen Verabfolgung der nächstwöchigen Fleischmarken zu gestatten, und die Kommunalve'rbände anzuweisen, den vorgebrachten Wünschen, wenn irgend möglich, zu entsprechen. <VS) Hamburg, 31. August. Vor zwei Jahren, als er am Rösch Haschonoh in unserer Synagoge am Bornplatz sein Gebet verrichtete, wurde dem Chemiker Dr.-Jng. Albert Wolfs, Leiter der Deutschen Formiatgesellschast (m. b. H.) hiersetbst, die Einberufung zum Heeresdienst überbrncht. Er kam nach dem Osten, wurde zum Unteroffizier befördert und zum Offizierskurkus nach dem Sennelager bei Paderborn abkommandiert. Danach machte er die Kämpfe gegen die russische Offensive in Ostgalizien mit. Hier erlitt er eine schwere Verwundung, an deren Folgen er am 18. v. Nt. im Feldlazarett starb, im blühenden Alter von 38 Jahren. Seine Gattin, die einzige Tochter des Mittelschulleyrers Jacobsohn in Gleiwitz, die bei ihrer greisen Schwieger- Für die Woche: Vom 17.—23. September: Vom 24.- Vom 1. -80. September: - 7. Oktober: Vom 8.—14 Oktober: