Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-09-07 · Heft 36 (7.9.1917) · p. Seite 425

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 36 (7.9.1917)
Date
1917-09-07
Page
Seite 425 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3229286-3229322--73385-3285864
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

LNpk wpa -iükS 'ft "Qi ->V8 Kirr pn« Sk nwo man pH« DTl N22K Dm bs '2B b^l „Eine Feuerflamme fuhr aus von dem Ewigen und verzehrte auf dem Altar das Ganzopfer und die Fettstücke, und das ganze Volk sah es und jubelte und fiel auf sein Angesicht. Da nahmen die Söhne Ahrons, Nadab und Abihu, ein jeder seine Rauchpfanne, taten Feuer hinein und legten Räucherwerk darauf und brachten vor den Ewigen fremdes Feuer, das er ihnen nicht geboten hatte. Da ging eine Feuerflamme von dem Ewigen aus und verzehrte sie und sie starben vor dem Ewigen. Und Moses sprach Zu Ahron, das ist es, was der Ewige geredet: Durch die, die mir nahe sind, will ich geheiligt und vor dein ganzen Volk verherrlicht werden. Und Ahron schwieg." So weit das Gotteswort. An der Hand dieser Worte wollen wir nunmehr, entsprechend der mir heute zugefallenen Aufgabe, über die Stellung reden, die ein Lehrer in Israel, ein Führer der Gemeinde, einnehmen soll, was er zu beachten und was er zu vermeiden hat. Gott aber erleuchtete unseren Geist und weckte den Sinn und die Aufmerksamkeit der Gemeinde, Amen! I. Ein großes, vielsagendes und inhaltreiches Wort ist es, das Muses an den Hohepriester Ahron, an den tiefgebeugten Vater, richtete, als seine beiden Söbne entseelt vor ihm lagen: -Q*! H *"QTT X17I '22 Sin wnp» 'mpn -\mb 'n "I22K OPN 22 »das ist. das der Ewige gesprochen: durch die, die mir nahe stehen, will ich geheiligt ltnb vor dem ganzen Volke verherrlicht werden." Die Hochstehenden, die Hervorragenden unter den Menschen, die Spitzen der Gesellschaft müssen mit leuchtendem Beispiele, mit gutem Vorbilde vorangehen, soll die Menge, die Masse, die Gesamtheit folgen. Je höher die Stufe ist, die man erklommen hah desto mehr steigern sich auch die Anforderungen, die man an uns zu stellen berechtigt ist. Wer über andere, sei es an Macht, an Ansehen, an Kenntnis, an Reichtum, hervorragt, gleicht einem hohen Berge, der meilenweit aus der größten Entfernung gesehen wird und zu dem Tausende hinaufblicken. Wem Gott das Zepter in die Hand gegeben und die Krone aufs Haupt gesetzt hat, kann, durchdrungen von seiner hohen Sendung, auf Tausende und Millionen Staatsangehörige einen versittlichenden Einfluß ansüben und durch eigenes Vorbild den Sinn für Unterwerfung unter das Gesetz, Achtung vor dem Recht, Liebe zum Vaterlande bis in die entlegensten Winkel des Staates wecken und fördern. Wer mit irdischen Gütern gesegnet ist, kann durch den weisen Gebrauch seiner Schätze und vernünftige Verwendung seines Ueberslusses der Wahrheit die Bahn brechen, daß nicht Gold und . Glanz, Geld und Gut an sich einen höheren Wert haben, sondern erst durch Verwendung zu sittlichen Zwecken und edlen Zielen an innerem, dauerndem Gehalt gewinnen. Der Mann der Wissenschaft, der tief und weit in das Gebiet der Erkenntnis vorgedrungen ist, wird all die Halbwisser in bescheidener Selbstschätzung sesthalten, so er selbst seine Wissenschaft ableitet von und zurückleitet zu dem Urquell aller Weisheit, zu Gott. Es liegt einmal in der menschlichen Natur, zu den Ausgezeichneten, zu den Ersten der Gesellschaft hinaufzuschauen, und wenn diese einen falschen Weg einschlagen, so liegt die Gefahr nahe, daß andere denselben Weg betreten; denn die Menge sagt sich, sie, die Großen müssen es doch besser wissen, sie sind mit Bildung, mit Wissen, mit Ansehen und Einfluß ausgerüstet HET! DirnStf QBVID 'n *"H*7 mr> "sie kennen doch gewiß den Weg des Ewigen, das Recht ihres Gottes." Dazu kommt, daß die Großeri und Einflußreichen mit einer gewissen Geschicklichkeit der Sünde ein schönes Gewand anzulegen, sie täuschend mit einem schimmernden Gewand zu umhüllen verstehen, so daß die Sünde leicht mit der Tugend verwechselt werden kann und für die Unkundigen und Ahnungslosen den Charakter des Verbotenen gänzlich verliert.' M. A.! Wenn der mit der Macht nnd Herrschaft ausgerüstete Führer des Volkes, wenn ferner die Reichbegüterten und endlich der Mann der Wissenschaft ein Vorbild sein müssen für alle, die zu ihnen hinanfschauen, so richtet sich diese Forderung in einem erhöhten Maße an denjenigen, der an der Spitze einer religiösen Genossen schaft steht, an den Lehrer Israels, an den Verkünder des Gotteswortes. Dieser muß sich stets die Mahnung gegenwärtig halten “T22K DIH Sj ’3S Sn EHpK '21p2„durch die. die mir nahe stehen. Will ich geheiligt werden und vor dem ganzen Volke verherrlicht werden." Der Beruf eines religiösen Führers ist ein erhabener und hoher; in seine Hände sind die heiligsten Interessen des Israeliten gelegt, ihm ist anvertraut die Wartung, die Pflege und der Schutz des väterlichen Glaubens; er soll belebreu über die Art und Weise, wie man Gott dienen, verehren und heiligen soll, er sott das Gotteswvrt lehren, erklären und deuten, soll den Willen der Menschen stählen, den Charakter festigen, den religiösen Sinn wecken, die Glaubenskraft erhalten, er soll anregen zu guten Taten, anspornen zu menschenfreundlichen Werken, er soll, Gott nahestehend, auch die Menschen Gott näher bringen. Zu dem Lehrer des Gotteswortes sieht die Gemeinde mit Vertrauen hinauf, ihm folgt man, sollte man wenigstens folgen; er sei ein Vorbild echter Religiosität und rechter Glanbensinnigkeit, sein Lebenswandel sei beispielgebend; er hüte sich vor Fehl, Irrtum unb Abweichung von dem, was Recht und Gesetz ist; denn ein Fehltritt, von ihm begangen, zieht tausende Fehltritte, von anderen begangen, nach sich; gar üppig und unheilvoll wuchernd geht die Saat des Unglaubens und des Aberglaubens, die er ausstreut, auf. Darum wurb-eix auch Ahrons Söhne Nadab und Abihu so schwer bestraft; sie waren Priester und standen als Führer und Leiter an der Spitze der Gemeinde. Kaum war das Heiligtum eingeweiht und das Stiftszelt seiner hohen Bestimmung übergeben, kaum sind die ersten Opfer dargebracht, da kouunen die Priester schon und bringen „fremdes Feuer" in die Wohmmg Gottes und entweihen die Stätte der Gottesverehrung, tun irgend etwas tfS „was Gott ihnen gar nicht befohlen hatte." Was wäre ans dem Gottes-, Tempel- und Altardienst geworden, wenn hier beim Beginn desselben die Priester willkürlich und eigemnächtig in den von Gott angeordneten Gottesdienst straflos eingreifen durften? Wäre hier nicht alsbald Anlaß zu einer Vielgestaltung der Gottesverehrung gegeben und die einheitliche Gottesdienstsorm, wie sie nun einmal für das erst zu einem Religionsvolk sich entwickelnde Israel unentbehrlich war, unmöglich gemacht? Wäre nicht hier alsbald die spätere Klage gehört worden lö2«?S nö2 n:i2 ins! 1NX S2 „Jeder baut sich seinen eigenen Opferaltar nach Willkür und Gutdünken?" Fürwahr, wie eine Warnungstafel steht die Erzählung des plötzlichen Todes der Ahronssöhne da, um jeden Priester, der das Heiligtum betritt, zu mahnen, kein „fremdes Feuer" in das Gotteshaus zu bringen, denn *D2K am S2 ,1S Sn «HpK Wp2 "durch die, die mir nahe Rabbiner Dr. A. Frank (Röln).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.