Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1917)
- Date
- 1917-09-07
- Page
- Seite 424 (sequence 4)
- Language
- German
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424 Das sind die Hilden des Landes, nach dessen endgültigem Besitz die Feinde streben. Die Sehnsucht dieser Juden aber geht nach Retabliernng der österreichischen Berwaltunug. * An das Ende der diesmaligen Uebersicht stellen wir eine nette Zusammenstellung, die wir dem „Boirwärts" entnehmen. Sie lautet: Deutsche .Klassiker im Jiddische n. Die Sprache der Ostjuden, das „Jiddische", ist in der Weise entstanden, daß durch die starke jüdische Auswanderung, die im 14. und 15. Jahrhundert aus Deutschland nach Litauen und Polen sich vollzog, eine Fülle mittelhochdeutschen Sprachgutes nach dem Osten geschwemmt wurde, das sich dann mit dem Hebräischen verschmolz. Der jiddisel)e Dialekt hat sich iint Lause der Zeit mich diie Werke der Weltliteratur, und zwar ganz vorwiegend die der deutschen, zugänglich zu machen gesucht, wobei die deutschen Werke zumeist wörtlich oder doch nur mit geringen Veränderungen ins Jiddische übertragen wurden. Auf diese Weise sind auch die deutschen Klassiker ins Jiddische übernommen und dadurch den Ostjuden vermittelt worden. Tie „Wiluaer Zeitung" veröffentlicht hierüber einen fesselnden Aussatz, dem zu entnehmen ist, daß von den Werken Goethes sehr viele ins Jiddische übersetzt worden sind. So gibt es vom „Faust" eine ganze Neihe von Uebersetzungen, z. B. von Baschower, Bleicher und Hermalin. Letzterer hat ferner auch den „Wertster", den „Götz", „Elavigo" rund „Egm out" übersetzt. Wie sich Goethe inr Jiddischen ausnimmt, das mögen ein paar berühmte Zeilen der Vorrede zu „Werthers Leiden" veranschaulichen. Es heißt da: „Un du, gute Seele, woß fielst (d. h. fühlst) aselche (d. h. solche) jissu.rim (Leiden), wie er Hot (hat) gesielt (gefühlt), scheps (schöpfe) treest (Trost) von seine Zorers (Leiden) und los (lasse) dos dösige (dieses) Bichel (Buch) sein dein Freind (Freund), wenn du hast (hast) kein Masel (Glück) nit (nicht) zu durch eucßm Schuw> kennst nit (kannst nicht) gefi-n'nen (finden) kein besseren Freind- (Frellnd)." Schillers historisches Pathos schieint dem jiddischen Geschmacke lvenigier zuzusagen, und seine Werke sind daher seltener übersetzt worden. Die „Räuber" hat Kassel übertragen, auch haben Finkel und Harenstein Schillersche Gedachte übersetzt, so z. B. der letztere bm „Jüngling am Bache", der sich im Jiddischen in „dass Jingel 'beim Teich" verwandelt hat. Auch Lessing ist mehrfach übersetzt worden, natürlich vor allem „Nathan der Weise", den Linetzki wörtlich übersetzt, Garin in erzählender Form übertragen hat. Auch „Emilia Galotti" hat in J'udson einen Uebersetzer gesnnden. Zahlreich sindschließlich die jiddischen Uebersetzungen von Werken Heines. Das bekannte Frühlingslied „Leise zieht durch mein Gemüt" stellt sich in der Uebersetznng von Korman folgendermaßen dar: Ss' zihen still durch mein gemit Übliche gefangen. Kling, mein kleeueß srilingslid ttn s-arwig (d. h. lviegen) in klangen. Weit, weit kling, bis jenem Haus Wu die blumen seinen mrftii (lvirst du) dort dersehen a rois (eiue Rose) sog (sage) ich grüß (grüße) von darren (hier). Orobe-KreÄigt gehalten sm ttHnH fittTlBl W ’B fOtS? 3. Dpril 1875 in drr Synagoge?u Köln. Bon Rabbiner Tr. Fra n k. Andächtig vor Gott versa m m e l t e G e m e i n d e! mit gemischten Gefühlen, mit gegenseitig sich bekämpfenden Empfindungelt begrüße ich Sie, die Sie gekommen sind, mit von Gott und seinem heiligen Worte zu hören. Wenn aus der einen Seite ich mich freudig gehoben fühle, zu Ihnen reden zu dürfen, so bin ich anderseits wehmütig gestimmt, wenn ich bedenke, daß ich hier an einer Stätte stehe, an der noch vor kurzem ein Mann gelehrt, ermahnt und erbaut hat, der nicht allein dieser Gemeinde Zierde, sondern auch des Judentums im allgemeinen Stolz und Schmuck gewesen, dessen Herz für das Hohe, Edle und Große begeistert schlug, dessen Liebe nicht nur dieser Gemeinde zugewandt war, sondern auch die entferntesten Glaubensgenossen innigst umschlang. O fürwahr! Der Mann, der segnend und Güte ausstrahlend aus seinem Wirkungskreise von Gottes unerforschlichem Ratschluß in der Fülle der Lebenskraft abgerufen worden ist, der Mann, der als Lehrer in diesem Gotteshause zuletzt gesprochen, verdient es, daß man in dem Augenblick, wo die Verkündigung des Gotteswortes wiederum ausgenommen wird, seiner in pietätvoller Liebe und Dankbarkeit gedenke, und dem entschlafenen Geist nachschauend, rufe ich ihm ins Jenseits hinüber zu: 1212^ pHS „Das Andenken des Gerechten gereiche uns allen zum Segen." Da nunmehr die Zügel der religiösen Führung dieser Gemeinde solchen reinen und redlichen Händen entfallen sind, so beschleicht jeden, der diese Zügel aufzunehmen gesonnen ist. Zagen, Bangigkeit und Beklemmung, da er sich fragen muß, ob es auch ihm gelingen wird, die Geister zu erleuchten, die Gemüter zu heben, die Seelen zu läutern, die Herzen zu veredeln, ob auch ihm die rednerische Gabe, der Reichtum der Gedanken, die Fülle der Bilder, die Schwungkraft der Phantasie zu Gebote stehen, so daß er sich des großen, redegewandten Propheten Jesajas Worte rühmen darf: „Denn wie Regen und Schnee herabkommt vom Himmel, dahin aber nicht zurückkehrt, er habe denn getränkt die Erde und sie befruchtet und wachsend gemacht und Saat dem Säenden und Brot dem Essenden gegeben, also wird mein Wort sein, das aus meinem Munde geht — es wird nicht leer zurückkehren zu mir, es habe denn vollbracht, was ich will, und ausgerichtet, wozu ich es gesandt." (Jesaja 55, 10. 11.) Und dennoch, m. A., unser Beruf ist zu ernst, unsere Aufgabe zu umfangreich, als daß der Ernst und die Größe unserer Pflichten irgendeine Berzagung und Furcht aufkommen lassen dürfen, denn wer verzagt und furchtsam an diesen hohen Beruf herantritt, dessen Wirken und Schaffen ist von vornherein erfolglos; der Krieger, der entmutigt in den Kampf zieht, ist halb besiegt, und der Lehrer in Israel, der znrückschreckt vor der großen Aufgabe, die die Gegenwart ihm stellt, wird jene Höhen niemals siegreich ersteigen, von wo aus. er das Leben beherrschen, leiten und lenken, besäen und befruchten soll. lma1? rurn aabn -pi xm man ^a (5. Buch Mvse 20,8). „Wer furchtsam und zaghaften Herzens ist, gehe und kehre zurück in sein Halls", so lautete schon in altbiblischer Zeit der Mahnruf an die Verzagten. Nein, eine innere 'stimme ruft in uns freudigen und gehobenen Sinnes, siegesgewiß getragen von Mut, gestützt auf Gottvertrauen und auf die eigene, wenn auch bescheidene Kraft, hinauszuziehen in den Kanlpf des Berufes, umgürtet mit dem Schwert des Geistes, gewappnet mit festem Willen lind ausdauerndem Sinn, um die Torheiten und Wahngebilde der Zeit zu erlegen, um die Verkehrtheiten des Zeitalters in ihrem Nichts zu entlarven, um die Verirrten zurückzuführen auf die Bahn der Tugend und Religion, um die Verwirrten zu belehren über das, was Recht und Unrecht, was Wahrheit und Lüge, was gerade und krumm, was gottgefällig und gottmißfällig ist, um endlich das Licht, das reine, Helle Sonnenlicht der Religion und des Glaubens dorthin zu leiten, wo es nachtet, wo im Dunkel der Unwissenheit die Menschen der Willkür des Herzens nachwandeln. M. A.! In unserer heutigen Thoravorlesung wird erzählt von der Feier, die inl Stistszelt stattfand, nachdem die sieben Einweihungstage vorüber waren; es war die Schlußfeier, die mit besonderer Weihe begangen wurde. Der Hohepriester Ahron, geschmückt mit dem hoheupriesterlichen Diadem, erhebt sich zum ersten Male, um das Volk zu segnen; das Volk jubelt und jauchzt, Begeisterung bemächtigt sich seiner, man fühlte sich in die Nähe Gottes gehoben lind hörte den Flügelschlag göttlichen Geistes rauschen: da plötzlich, unerwartet und jäh verwandelt sich das herrliche Bild und an seine Stelle trat ein trauriges, tief ergreifendes und erschütterndes. Zwei Söhne Ahrous, Nadab und Abihu, hatten „fremdes Feuer" nil in das Heiligtum gebracht, das ihnen nicht befohlen worden war, und ein Feuerstrahl aus der Höhe schoß herab und Lötete beide. Doch hören wir, was das Gottesbuch uns berichtet: KiCDI rn'i am Pa xti anPrn nxt nPiyn nx na?an bv Paxm p um innna arx ximaxi an pnx inp-n ema bv iPa’-i xP mt trx 'n nab lanp’i map nPr ia'ffin trx pa 'n nab p»'i amx Paxm 'n 'jaPa wx xicm anx ms Ä