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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-09-07 · Heft 36 (7.9.1917) · p. Seite 422

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 36 (7.9.1917)
Date
1917-09-07
Page
Seite 422 (sequence 2)
Language
German
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Jugend ist bekannt. Was er für den Verein der Lehrer des Rheinlands und Westfalens und dessen Pensionskasse getan, für welche er in wenigen Jahren über 40 000 Mark gesammelt hat, und besonders die Kölnische Israelitische Volksschule, welche unlängst in ihr neues Gebäude eingezogen ist, davon haben die Zeitungen Ausführliches gebracht. Viele Auszeichnungen sind ihm verdientermaßen schon anläßlich seines fünfundzwanzigjährigen Jubiläums in Köln von allen Seiten zuteil geworden. Möge es dem Jubilar noch lange vergönnt sein, zum Wohle seiner Gemeinde und zur Ehre des deutschen und des Gesamtjudentums in Gesundheit und geistiger Rüstigkeit zu wirken! Dir Woche. ** Berlin, den 4. September, aft auf allen Fronten wird weiter unaufhörlich gelkämpft. Das Siegesgeschrei unseres Feinde darf uns nicht irremachen, denn die Berichte unseres Hauptquartiers, denen unbedingtes Vertrauen zu schenken wir das Recht haben, belehren uns, daß von einem Durchbrechen nirgends die Rede sein kann, daß vielmehr unsere herrlichen, kriegerprobten und sieggewohnten Heere allen noch so fürchterlichen Angriffen standzuhalten und sie mit erfolgreichen Gegenangriffen zu beantworten gewußt haben. Gewiß sind auch unsere Verluste schwer, aber wir haben die vollste Berechtigung, auf einen endgültigen Sieg zu hoffen und die Großsprechereien unserer Gegner zuschanden zu machen. Auch die Eroberung von Riga bestärkt uns in dieser Hoffnung. Wenn auch die Länge dieses unerhörten Krieges den im Felde Stehenden und den zu Hause Gebliebenen, die mit immer steigernder Bewunderung die Heldentaten der Krieger anschauen und durch Ertragen kleiner und großer Entbehrungen der Kämpfer würdig zu sein sich bemühen, die schwersten Opfer zumutet, das Vertrauen und die Siegesgewißheit bleibt. Ja, die Ueberzeugung wächst, daß endlich doch die Vergeblichkeit der ungeheuerlichen Anstrengungen unseren Gegnern klar wird und daß die furchtbaren Opfer an Menschenleben, Frachtraum und Luftschiffen sie endlich zwingen werden, von ihrem wahnsinnigen Treiben abulstehen. Einstweilen freilich beharren sie in ihrer Verblendung und haben auch die Friedensmahnung des Papstes ablehnend beantwortet. Am stärksten ist diese Ablehnung seitens Amerikas erfolgt, das, ohne noch aktiv in den Krieg eingegriffen zu haben, sich als stärkster Hort der Freiheit hinzustellen bemüht ist und so tut, als wenn es das unfreie Deutschland zur Freiheit zu zwingen die Aufgabe hätte. Gewiß könnten in Deutschland die inneren Zustände erfreulicher sein. Der neue Reichskanzler hat es bisher nicht verstanden, sich das Bertrauen der Parteien zu erwerben, die neuen Männer, die zu hohen Aemtern im Reich und in Preußen berufen worden sind, waren noch nicht in der Lage, Proben einer Tätigkeit abzulegen, die sich wesentlich von der ihrer Vorgänger unterschied; kein neuer Geist ist bisher in die Verwaltung und Gesetzgebung eingezogen. Aber wie in bezug aus das Aeußere, so ist auch im Hinblick auf die innere Lage unsere Hoffnung und unser Vertrauen unerschütterlich: die Freiheit, der das deutsche Volk durch feine großartigen Leistungen und durch sein opferbereites Verhalten sich würdig gemacht hat, muß ihm werden, nicht aufgezwungen durch den Machtwillen der Feinde, die endlich lernen müssen, sich nicht in unsere Angelegenheiten zu mischen, sondern freiwillig geboten durch das Verständnis unserer Regierungen, die sich mit dem Bedürfnis unseres Volkes vereinen und das Recht anerkennen, das unsere Nation begehrt. * Von j ü d i s ch e n Angelegenheiten mögen zunächst zwei Mitteilung des Jüdischen Korrespondenzbureaus im Haag hier folgen. Sie lauten: Am 31. Juli wurde in Petrograd eine Konferenz zur Festlegung des Programms des allrussischen jüdischen Kongresses eröffnet. Alle jüdischen Parteien und Organisationen des russischen Judentums waren durch 60 Delegierte vertreten. Ins Präsidium wurden Senator Sliosberg, Abgeordneter Friedmann und die Herren Alejnikow, Jakobsohn und Grodsensky gewählt. Der Vorschlag der Poaleizionisten, dem Kongreß die Bestimmung der Tagesordnung zu überlassen, wurde abgelehnt. Die Forderung der Zionisten, die Sicherung der Rechte der Juden in anderen Ländern und die Palästinafrage als gesonderte Punkte auf dem Kongreß zu behandeln, stieß auf den entschiedenen Protest der Bundisten, welche die Einmischung in die Angelegenheiten fremder Länder durch Resolutionen und Protestkundgebungen als unnütz erklärten und die Einfügung der Palästinafrage als eines besonderen Punktes in die Tagesordnung bestritten, da der allrussische jüdische Kongreß keine zionistische Parteitagnng werden dürfe. In der Sitzung vom 2. August wurde eine Einigung erzielt, welche alle Parteien befriedigte. Die Zionisten verzichteten auf die Besprechung der Palästinafrage als eines besonderen Punktes und die Bundisten willigten ein, daß der Kongreß die Frage der Sicherung der bürgerlichen und nationalen Rechte der Juden in Polen, Palästina und Rumänien behandle. Polen wurde mit Rücksicht auf seine bisherige Zugehörigkeit zum russischen Reich an die erste Stelle gesetzt. Das Programm lautet: „Der jüdische Kongreß Rußlands hat den Zweck: 1. Die Grundprinzipien der jüdisch-nationalen Autonomie in Rußland auszuarbeiten. 2. Die Formen und die Sicherungen der Rechte der nationalen Minderheiten festzustellen. 3. Die zeitweiligen Formen der Gemeindeorganisativn des russischen Judenlllms festzustellen. 4. Die Frage der Sicherung der bürgerlichen und nationalen Rechte der Juden in Polen, Palästina, Rumänien usw. Zu behandeln." W i l s o n it n d der Z i o n i s ui u s. Dem Jüdischen Korrespondenzbureau im Haag zufolge berichtet der „American Jewish Chronicle", daß das Mitglied des Großen Aktionskomitees der zionistischen Organisation Leo Äkotzkin, sich nach Petrograd begibt, um ein Handschreiben des Präsidenten der Vereinigten Staaten in bezug auf die Palästinafrage und die zionistischen Bestrebungen der provisorischen Regierung zu überbringen. Diese diplomatische Mission ist ein Teil der allgemeinen politischen Vorbereitungsarbeit der zionistischen Politiker für die Durchsetzung der zionistischen Forderungen auf dem Friedenskongreß — man denke an die Bemühungen des Mitgliedes des Engeren Aktionskomitees Nahum Sokolow bei den Regierungen Frankreichs, Italiens und beim Vatikan und des Präsidenten der englischen Zionistenfederation, Professors Weizman, bei der englischen Negierung, sowie die Vertretung der zionistischen Forderungen durch die sozialistische Fraktion des Zionismus vor dem sozialistischen Bureau in Stockholm — und muß der jüdischen Presse in Amerika zufolge als die bedeutsamste Aktion zugunsten des Zivnimus betrachtet werden, da es sich um ein gemeinsames Eintreten der Negierungen zweier Länder für den Zionismus handle, in welchen die überwiegende Mehrheit des jüdischen Volkes ansässig sei. Der Ernst der amerikanischen Aktion für die zionistische Lösung der Judenfrage erhelle auch daraus, daß heute als feststehend angenonnnen werden dürfe, daß die Anwesenheit eines Vertreters des russischen Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten beim Zionistenkongreß in Petrograd Wilson zu danken sei. Die russische Regierung beauftragte kurz vor dem Zusammentritt des Kongresses ihren Gesandten in Washington, sich über den Standpunkt der amerikanischen Regierung gegenüber dem Zionismus zu unterrichten. Erst die Antwort veranlaßte die russische Regierung, das Ministerium für auswärtige Angelegenheiten auf dem Kongreß vertreten zu lassen. Es leide heute keinen Zweifel, daß Wilson mit äußerster Energie für die Verwirklichung des zionistischen Programms eintreten werde. *

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