Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1917)
- Date
- 1917-09-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Berlin, 7. September 1917 8)^Jahrgang. Nr. 36 eitung des Judentums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 M. — Postscheckkonto 32<*. Begründet von Rabbiner vr. Ludwig Philippson Unter Leitung des Geheimen Regierungsrats Professor vr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Ällgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer Straße 46-49, zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Htthfllt* Rabbiner Dr. Abrabam Frank. Zu seinem fünfzigjährigen Amtsjubiläum. Von Dr. D. Leimdörfer (Hamburg). — Die Woche. — Probe-Predigt, gehalten am 3. April 1875 in der Synagoge zu Köln. Von Rabbiner Dr. Frank. — Gottfried Keller und die Juden. Von Ludwig Geiger. — Feuilleton: Tante Trude. Roman einer Vierzigjährigen. Von Anna Goldschmidt.— Literarische Mitteilungen. Der Gemeindcbote «Beilage zur „Allgemeinen Zeitung desJudentums"). Berlin, Hamburg, München, Nürnberg Speyer, Aus der Pfalz, Frankfurt a.M., Mainz, Lodz, New York. — Von Nah und Fern. Nsbbiner Dr. Abraham Frank. Zu seinem fünfzigjährigen Amtsjubiläum. Bon Dr. D. L >c i in dürfe r (Hamburg). in um die deutsche Judenheit hochverdienter Theologe, Herr Dr. Abraham Solomon Frank, Rabbiner der Synagogengemeinde zu Köln, begeht am 6. September 1917 sein fünfzigjähriges Rabbinerj n b i l ä u m. Zu den ältesten Schülern des Breslauer Rabbinerseminars zählend, wirkte er, ein Lieblingsjünger Zacharias Frankls, als jüdischer Geistlicher in S a a tz in Böhmen, wohin er 1867 berufen wurde, sodann in Linz a. d. D„ wo er von 1873 bis 1876 ruhmvoll tätig gewesen, und seit 1876 in der Kölner Gemeinde, woselbst er in Rüstigkeit heute noch seines Amtes waltet. Dr. Frank hat sich als hervorragender Redner, als ein tüchtiger Organisator und Schöpfer vieler humanitärer Anstalten, auch als Vorsteher blühender Institute, insbesondere auch als einflußreiches Mitglied des Kuratoriums der Alliance Israelite sowie des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes einen Namen von Klang weit über die Grenzen des deutschen Vaterlandes erworben. Geboren zu Gudbeyerland in Holland, hat er seine Gymnasialbildung in Holland, seine jüdisch-theologische Ausbildung am Theologischen Seminar in Breslau unter Frankl, Grätz, Bernays, Joel und Zuckermann, seine philosophischen Studien an den Universitäten Breslau und Leipzig vollendet. Als gediegener Kenner der talmudischen Literatur und der rabbinischen Wissenschaft würdigte ihn Zacharias Frankl, seine hebräischen Korrespondenzen zu besorgen und tätig mitzuarbeiten an seiner „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums". Die Synagogengemeinde in Köln hat sich während seiner langen Amtsperiode an Zahl wie an Bedeutung eines großen Wachstums zu erfreuen gehabt. Der Macht seiner Rede sowie seiner Persönlichkeit und seiner aufopfernden Seelsorgertätigkeit gelang es, zahlreiche Wohltätigkeitsinstitute ins Leben zu rufen und zu fördern. Er ist Gründer und Vorsitzender einer Waisenstiftung, die über ein bedeutendes Kapital verfügt; er ist ferner Kurator des Israelitischen Asyls für Kranke und Altersschwache, Geistlicher der Strafanstalt, Vorsteher des Gesangvereins, Vorstandsmitglied vieler israelitischer Unterstützungsanstalten, ferner des Vereins zur Förderung des Handwerks unter den Juden Kölns, des Lehrerinnenheims zu Berlin und Ehrenmitglied verschiedener sonstiger Institute, so auch des Krankenhauses in Neuenahr, das ihn zu seinen Gründern und Förderern zählt. Ganz besondere erfolgreiche Tätigkeit entfaltete Frank in den Vereinen für jüdische Geschichte und Literatur. Die größte Zahl dieser Vereine ist während seiner Amtstätigkeit entstanden und der Kölner Verein hat neben dem Berliner wohl die meisten Mitglieder. Zu den tüchtigsten und tätigsten Mitarbeitern an dem Blühen und Gedeihen der Alliance Jsraelite Universelle zählte Dr. Frank; als erster Vertreter für Deutschland stand er lange Zeit mit den entlegensten Komitees im Auslande in Verbindung. Den großen politischen Zusammenkünften zugunsten der unterdrückten Juden wohnte er bei, besonders der in Paris 1876, wo es sich um die Balkanländer und deren jüdische Einwohner handelte, der auch der entscheidende Kongreß im Jahre 1878 in Berlin folgte. Er hatte damals die Ehre, mit dem jüdischen Justizminister Cremieux zu verkehren. Alle Berichte der Alliance wurden seit Jahren unter seiner Leitung ins Deutsche übertragen, gedruckt und verschickt. In treuer deutscher Vaterlandsliebe wirkte Frank in Wort und Tat und wurde 1907 sowohl für seine patriotische als auch humanitäre Wirksamkeit mehrfach ausgezeichnet. 1907 erhielt er den Roten Adlervrden IV. Klasse bei Einweihung des Waisenhauses in Köln, später überreichte ihm der Vertreter der Königlichen Regierung öffentlich den Königlichen Kronenorden III. Klasse. Als Vertreter der Judenheit ist er bei allen staatlichen Instituten um seine Mitarbeit angegangen worden. Vor kurzem wurde er Mitglied des Provinzialausschusses für den Nationalfonds für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen, dessen Protektor der Kaiser ist. Dr. Frank hat in Köln wie einPriesterdesFriedens den Frieden zwischen den verschiedenen Konfessionen angebahnt und wesentlich gefördert. Er unterhielt Beziehungen zu den höchsten christlichen Geistlichen und staatlichen Würdenträgern, wodurch der Antisemitismus von der Rheinprovinz ferngeblieben ist. Kardinal Fischer, der ihm sehr gewogen war, sagte zu ihm wörtlich: „Wenn Sie in meiner Diözese mit drei Millionen Katholiken irgend etwas von Antisemitismus bei meinen Geistlichen merken, sagen Sie es mir. denn das dulde ich nicht." Nur zweimal mußte er sich über einen Vorgang beklagen; der Kardinal hat auch auf der Stelle nachgeholfen. Der jetzige Kardinal Dr. v. Hartmann hat nach seinem Amtsantritt den Rabbiner Dr. Frank persönlich besucht, was von den Tagesblättern anerkennend für die Toleranz beider hervorgehoben wurde. Eine Spezialität in Franks Beruf sind die Synagogeneinweihungen — nicht weniger als 25 Synagogen in Rheinland und Westfalen hat er eingeweiht —und er wurde, als noch wenige Rabbiner im Westen angestellt waren, bei besonderen Festgelegenheiten der Gemeinden als Festredner berufen. Sein Interesse für die Erziehung der jüdischen