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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-08-31 · Heft 35 (31.8.1917) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 35 (31.8.1917)
Date
1917-08-31
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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81. Jahrgang Nr. 35 Berlin, ZI. August 1917 Der Gemeindevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung des JudrntumK". lkorrrlpondrn?kn und Nachrichten.! Berlin, 28. August.! Jüdische Z e n t r a lw o h lf a,h r t s st el l e.! Wer Hütte nicht in der jetzigen Zeit gesteigerter Hilfsbereitschaft die j peinliche Erfahrung gemacht, daß ein und dieselbe Sache von verschiede-! nen Stellen propagiert wird, die neben oder gar gegeneinander arbeiten? j Man gibt gern, man gibt bis an die Grenzen der eigenen Leistungs-- > fähigkeit, man kann sich aber des Gefühls, leider ist es ein richtiges,! nicht erwehren, daß durch die heUlose Zersplitterung viel nützliche Kraft j vergeudet wird. Daran nicht genug, häufen sich in der jüdischen > Presse die Aufforderungen zur Begründung neuer Wohlfahrtsei nrichtungen, deren Verfasser in glühender Hilfsbereitschaft es verabj säumt haben, sich zu informieren, ob nicht bereits längst denl als! dringend empfundenen Bedürfnisse genügt ist. Und anderseits,; welche Strecken von Neuland liegen noch für die jüdische Wohlfahrts-? Pflege brach, dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde, der Großloge i und dem Jüdischen Frauenbund wohl bekannt! Aber vermögen diese! Zentralkörperschaften bei dem jetzigen Zustande des Wettkampfes der - jüdischen Wohltätigkeitsanstalten und Vereine die erforderlichen! Mittel für eine wirksame Offensive der Humanität an die richtige j Stelle zu leiten, wie es die wichtigste Kampfregel verlangt? Denn; nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern bei der wohl noch wichtigeren! und erfolgreicheren stillen Werbetätigkeit, um den einzelnen Vereinen - Mitglieder und Spender zu verschaffen, ebenso bei der Anregung be- güterter Wohltäter und Erblasser sucht jeder so viele und so viel! als möglich für seine eigne Lieblingsaufgabe zu gewinnen. Wer - z. B. für ein Kriegswaisenhaus Propaganda macht, der pflegt nicht! mit einer Rundfrage bei den vorhandenen jüdischen Waisenhäusern! anzufangen, die ergeben würde, daß in den bestehenden Anstalten in Deutschland 200 Plätze frei sind, er kümmert sich auch wenig darum, daß die moderne Jugendfürsorge die Familienerziehung vor der Anstaltserziehung bevorzugt. Das gute Herz spricht allein bei Werbern und Gebern. Dieser uneingeschränkte Wettbewerb hat der jüdischen Wohltätigkeit jene Mittel zugeführt, die als sichtbarer Beweis der unvergleichlichen mildtätigen Gesinnung vor aller Welt dastehen. Jetzt aber, wo die Not so unendlich gewachsen ist, die verfügbaren Mittel zu ihrer Bekämpfung sich täglich durch Rückgang des Wohlstandes vermindern, muß ein ökonomischeres Verfahren gewählt werden, so daß mit den vorhandenen Kräften durch zweckmäßigste Anwendung Größtmögliches erreicht werde! Kein Wunder, daß die Idee der Zentralisation und Systematisierung gleichzeitig an allen Stellen aufgetaucht ist, die einen weiten Ausblick haben. So plante der Deutsch-Israelitische Gemeindebund die Regulierung der öffentlichen Sammlungen und, die Schaffung einer Beratungsstelle sür Wohltäter. Einen noch unpassenderen Plan entwickelt Fräulein P a p p e n he i m , die bekannte Führerin in der allgemeinen wie in der jüdischen Frau?nbewegung, in ihrem in verschiedenen jüdischen Blättern erschienenen Aufsatz mit der Aufschrift: Weh dem, dem das Gewissen schläft! Auch sie erblickt in dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund die berufene Stelle, im Zusammenarbeiten mit dem Frauenbund die Zentralisierung und Organisierung der jüdischen Wohlfahrtspflege zu über- 0 nehmen. Unabhängig davon strebte die Großloge für Deutschland U. O. B. B. dem gleichen Ziele mit den gleichen Mitteln Zu. Schließlich wurde im Anschluß an einen Vortrag, den Herr Magistratsassessor O l l e n d o r f am 30. April d. I. unter - außerordentlich großer Beteiligung im „Verband für jüdische Wohlfahrtspflege in Berlin" gehalten hat, im Sinne des Vortragenden die Schaffung eines deutschen Verbandes für jüdische Wohlfahrtspflege für unbedingt notwendig anerkannt und einstimmig die Bereitwilligkeit zur Errichtung eines Wohlfahrtsamtes ausgesprochen. Eine solche unabhängige Uebereinstimmung aller mit den Problemen praktisch und theoretisch vertrauten Instanzen beweist die Richtigkeit der Idee. Die vorgenannten Zentralkörperschaften würden ihr aber selbst zuwiderhandeln, wenn nun jede von ihnen für sich allein an die Lösung herantreten würde. Deshalb geben sie, die längst gewohnt sind, an großen Werken zusammenzuarbeiten, das gute Beispiel, sich zur Schaffung einer von ihnen mit vereinten Kräften zu verwaltenden „I ü d i s ch e n Z e n t r a l w o h l f a h r t s st e l l e" zusammenzuschließen. Die drei Zentralkörperschaften hoffen, daß ihr Beispiel befolgt werde, daß nämlich innerhalb der einzelnen Gemeinden sich die vorhandenen Verein und Wohlfahrsstiftungen zu einem Verband der W'o hltätigkeitsvereine zusammenschließen, wie das bereits seit längerer Zeit in Berlin, München, Darmstadt, Mainz, Kassel, Hannover und Lübeck der Fall ist. Der Segen liegt auf der Hand: die Mitarbeiter treten in anregungsreiche persönliche Beziehung und tauschen ihre Erfahrungen über allgemeine Fragen und über Bittsteller aus, viele überflüssige Recherchen und unangebrachte Doplpelunterstützun'gen werden vermieden und 'dennoch wirksamere Hilfe als bisher geleistet. Die Jüdische Zentralwohlsahrtsstelle beabsichtigt, neben anderen bestimmte Gruppe n 'v o n B e r e i n e n u ndSt i ftungen zu gemeinsamer Arbeit zusammenzufassen, beispielsweise nach dem Vorbilde des Frauenbundes einen Bund der Männerwohltätigkeitsvereine, der Handwerks-, der Darlehns-, der Brautausstattungsvereine, der Arbeitsnachweise und Berufsberntungsstellen, um Unterstützung auch an solchen Orten zu ermöglichen, wo es an einem entsprechenden Vereine oder einer Stiftung gebricht. Es wird ferner beabsichtigt, eine Sammlung allen Materials an Satzungen, Berichten u. dgl. nicht bloß für die Gegenwart, sondern auch für die Vergangenheit, ähnlich aber umfassender, als es beim „Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege" des D. I. G. B. bereits der Fall ist. Dieses wohl zu ordnende Material bildet die Grundlage für die A u s k u n f t s e r t e i l u n g, die ein sehr dringendes Bedürfnis ist. Zugleich aber treten bei einerklaren Uebersicht Über die vorhandenen Einrichtungen auch die Lücken zutage. Das ist sehr wichtig, denn das Wohlfahrtsamt soll ja die B e r a t u n g s st e l l e der Wohltat e r sein, die bisher bei ihrem edlen Vorhaben lediglich auf den eigenen Erfahrungskreis und den ihrer Berater angewiesen sind. Welcher Privatmann, der eine größere Stiftung machen will, denkt z. V. gleich an die Notwendigkeit von Anstalten für Epileptiker, Geisteskranke, an Krüppelheime — alles dringend vermißte Institute! Ueberbaupt fehlt es bei uns viefach noch an der Anwendung der großen sozialen Gesichtspunkte, wie sie bei der interkonfessionellen Wo h t - t ä t i g k e i t alte Errungenschaften sind. Mit dieser in stetiger Berührung zu bleiben, soll niemals außer acht gelassen werden. Die Mitarbeiterschaft unserer Glaubensgenossen an allen allgemeinen Hilfswerken berechigt uns, auch vor diesen anerkannt zu werden. Gerade in der letzten Zeit sind wiederholt Fälle vorgekommen, daß den Staatsbehörden und den großen interkonfessionellen Humanitätsvereinigungen nicht bekannt ist, welche jüdische Stelle für die einzelnen Aufgaben zuständig ist. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund ist erfolgreich in die Lücke eingetreten. Die Jüdische Zentralwohlfahrtsstelle als die von den führenden Körperschaften der jüdischen Wohlfahrtspflege geleitete Vereinigung ist für die Zukunft die berufene Vertreterin der jüdischen Charitas wie nach innen, so nach außen. Daß den Staatsbehörden selbst unsere Mitwirkung erwünscht ist, geht auch aus einer Zuschrift des den amtlichen Stellen nahestehenden Arbeitsausschusses der Kriegswitwen- und Waisenfürsorge an den ihm ungehörigen Deutsch-Israelitischen Gemeindebund hervor, wo ein Zusanunenarbeiten der amtlichen und Privaten Fürsorge und ein Durchdrungen der ersteren mit sozialen! Geiste angeregt wird. Nebrigens wird die Fürsorge für die Kriegshinterbliebenen auf lange Zeit hinaus ein wichtiger Programmpuukt unseres „Zentralwohlfahrtsamtes" bleiben. Als notwendige Ergänzung kommen da von Zeit zu Zeit zusammentretende ö f f e n t l i ch e K o n s e r e n z e n über die jeweils dringenden Fragen der Wohlfahrtspflege hinzu. Als Beispiel mag die kurz vor dem Kriege gemeinschaftlich vom Gemeindebund und dem Jüdischen Frauenbund veranstalteten Erziehungskonferenz gelten. Die Verbreitung großer sozialer Gesichtspunkte, die keineswegs der Betätigung der Herzensgüte abträglich sind, wird auch durch eine Periodische Vereinszeitschrift gehoben werden, die zugleich geeignet ist, die Mitarbeiter an dem großen Werke miteinander inniger zu verknüpfen und ihr Interesse zu beleben. Manchen anderen Gesichtspunkt mit Rücksicht auf gebotene Kürze übergehend, denken

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