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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-08-31 · Heft 35 (31.8.1917) · p. Seite 419

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 35 (31.8.1917)
Date
1917-08-31
Page
Seite 419 (sequence 11)
Language
German
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Er fährt heftig herum. „Oho, das deute ich nun aber nicht," fagt er stark betont, „Ostern will ich nun erst mal 'rauskommen, dann sind die sechs Monate um." „Und deshalb soll die Welt sich weiter verbluten? Deshalb sollen weiter täglich Hunderte — na,, Günther, Ihre Wünsche werden die Heeresleitung ja Gott sei Dank nicht beeinflussen, aber daß Sie sich nicht klar sind über das Maß von Gefühllosigkeit" — „Ach, Tante Trude, was wissen Sie denn von vaterländischen Gefühlen!" sagt er verächtlich. „Ihre ewige Friedenssehnsucht" — „Teile ich mit der ganzen aufrichtigen Welt", fahre ich fort. „Gestern begegnete ich dem Sohn von Kaufmann Ahrend, dem Leutnant, der auf Urlaub hier ist. Ich kenne ihn kaum, aber man ist ja so erfreut über jeden Feldgrauen, den man heil und gesund wiedersieht, daß man sich gar nicht beherrschen kann, ihn anzureden. Dieser begeisterte Soldat hat mir erzählt, daß sie alle, aber auchalle, den Frieden ersehnen." „Die haben gut reden," sagt Günther wie vor sich hin beim Auf- und Abschreiten: „die haben dem Vaterland ihren Tribut gezahlt. Aber ich? Man ist ja doch nur ein Mensch zweiter Güte so. Ich würde im ganzen Leben nicht über den Mangel wegkommen. Na, das wird ja auch nicht sein," beruhigt er. sich, „einmal werde ich ja doch noch 'rauskommen." Wir stehen im Eckzimmer, dessen breites Fenster zum Hof hinausführt. Ganz deutlich hört man die Kinder unten lärmen. Eine forsche Knabenstimme singt: „Der Soldate, der Soldate, ist der erste Mann im Staate." Ich sehe erschreckt auf. Mein Gast ist rot geworden bi; unter die Haarwurzeln und hält die Augen bös auf seine Stiefelspitzen gesenkt- Was sich die Menschen doch alle quälen! Jeder mit anderem, und keinem kann man helfen. Ich sehe auf Vaters Bild. (Fortsetzung folgt.) Als die Aegypterin den Moses fand. Rief sie — Jochebeth kam — nach einer Amme, Die Mutter kam mit feingezahntem Kamme Und fern im Archipel gefischtem Schwamme. Sie zog ihn auf, den Sohn, in Pharaos Land, Dess' Wiege stand in Schilf und Ufersand. Auf Juda lag indes schwer Gottes Hand, Sein Volk versank tief in der Knechtschaft Schlamme. Ein Knäblein-Schlachten gab's in jenen Zeiten. Gott ließ herab der Plagen sieben gleiten. Das Herz des Pharaos doch blieb verdorrt. Und als sich dann die Zeiten voll erfüllten, Geschah's, daß Dunkelwolken sich enthüllten. Und Moses führt sein Volk zur Freiheit fort! Alfred Friedmnnn. Sir Laoidsharkr. (Nach N. Simon dem Frommen.) Von Henriette Hirsch berg. er König David schlummert auf seiner Lagerstatt, Des wüsten Kriegsgetöscs ist seine Seele satt. Im Traum sieht er sich kämpfen und ringen uni blut'gen Sieg, Ob auch in seinem Herzen des Hasses Stimme schwieg. . Fern klingen ihm Friedensklänge, sie scheuchen die Träume wild; Und still wird alles Lärmen; die Lüfte wehen mild. Es leuchtet vor Davids Auge des Ew'gen Strahlenflut: Hell glänzen rings die Lande, friedlich die Erde ruht. Und aus dem Himmel klinget lieblicher Engelchor, Her aus den Wolken dringet der Himmlischen Sang hervor. Da tönt mit mächtigem Rauschen die Harfe an Davids Wand, Als würden die Saiten geschlagen von kundiger Meisterhand.' Die Harfe am Lager Davids, sie folgt der Friedensspur: Sie schwieg beim Schlachtentraume, sie tönt im Frieden nur. Die Stunde ist gekommen, mit süßem Sange sie singt. Und leis mit lieblichem Klange die Davidsharfe klingt. Und Davids Seele dichtet viel Lieder kühn und hehr; Tief, wie der Geist der Menschheit, weit, wie das unendliche Meer! Er dichtet die ewigen Psalmen, darinnen glüht und webt Was aller Menschen Herzen mit heiligem Schauer dnrchbebt. Was durch die Menschenseele machtvollen Tones hallt: Das Lob des einzigen Gottes in Davids Psalmen erschallt! Wie vor Jahrtausenden preisen sie noch in unsrer Zeit, Bis hin zur Weltenerlösling, des Höchsten Herrlichkeit! Und alles, was er ans Erden, was er im Himmel erschaut. Die Psalmen Davids künden mit ewig erhabenem Laut. Der Menschheit Trost und Erhebung bleibet das Psalmenwvrt; Hellte, wie in vergangenen Zeiten, des Herzens heiligster Hort. - In Tausenden von Tempeln ertönt das Psalmenwvrt: In Tempeln und in Kirchen, an jedem heiligen Ort. Wie vor Tausenden von Jahren, bis einst zur Messiaszeit. Singt es den Preis des Einz'gen, der Erde Herrlichkeit! - Es jubelt laut die Harfe, die Herzen werden weit, Vor ihren Zaubertönen schwindet der Erde Leid. Die Davidsharfe erklinget, bis wankt der Erde Rund, All, was ein Herz durchdringet, gibt ihre Stimme kund! Wenn rauh im Schlachtgetöse des Hasses Lärmen gedröhnt. Dann leise durch die Seelen der Psalmen Lied ertönt. Einst auf dem Erdenkreise kein Kriegesruf mehr schallt: Und friedvoll die heilige Weise der Psalmen das Herz -durchhallt! Litrrsrjlchr Mitteilungen. — D i e neue G € s c l l s -ch a f t, burlesker Montan von A v t h it r 1 ■ n ndsberge r. 1. bis (>. Tausend. Gebrüder En och Berlngsbuch- Handlung. Hamburg und- Leipzig 1917. Es ist bedauerlich, dem Sinken eines nicht unbedeutenden Talentes zuzusehen. Nur uns diesem Grunde sei es gestattet, ein Buch zu erwähnen, das von einem deutschen Autor jüdischen Glaubens her rührt, freilich mit jüdischen Dingen nichts zu hm hat. Der neue Roman Laudsbergers ist ein burleskes Spiel ans der Gegenwart. Das Motiv ist geschickt erfunden und könnte bei einer geistreichen Behandlung scheue Resultate geben: die Gattin eines Protzen bekommt gleichzeitig mit der T-rau des Portiers ein Kind. Die erster-? eine Tochter, die letztere einen Sohn, durch eine Ungeschicklichkeit der Hebamme werden die Kinder verwechselt, der Sohn der reichen, die Tochter der armen Tauiilie zugesprochen. In gewisser Weise zeigen sich bei den Kindern die Eigen-

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