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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-08-31 · Heft 35 (31.8.1917) · p. Seite 415

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 35 (31.8.1917)
Date
1917-08-31
Page
Seite 415 (sequence 7)
Language
German
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Herkunft sind leider nicht entdeckt worden— die Funde von Assuan und Elephantine umfassen nur einen recht engen Zeitraum —, und was aus den Denkmälern nichtjüvischer Völker ermittelt wurde, konnte nur immer den Wert von Ausgangs- und Kontrollpunkten besitzen, nicht aber den Lauf der Geschichte im Zusammenhang aufhellen. So sind wir also im wesentlichen auf die Bibel angewiesen. Die Bibel aber ist eine recht spröde Quelle für die Chronologie. Sie will ein Religions- und Volksbuch sein; darum gibt sie Daten und Zahlen nicht auf Grund historischer Zuverlässigkeit, sondern meist nach Volksüberlieferungen, selten unter Benutzung historischer Quellen. Selbst da, wo sie zeitgenössische Berichte anwendet, stehen ihre chronologischen Angaben oft im krassesten Widerspruch zueinander, so daß es einer gründlichen Durchforschung bedarf, wenn man sie nutzbar machen will; um wieviel weniger kann man die anderen Nachrichten ungeprüft hinnehmen, die auf, zum Teil recht alten, Volksüberlieferungen beruhen. Für die späteren Jahrhunderte kommen allerdings die mancherlei Berührungspunkte zwischen der jüdischen Geschichte und der anderer Völker zu Hilfe; aber erst in verhältnismäßig junger Zeit lauten deren Angaben hinreichend bestimmt, um mit ihnen zu einem festen Bau ihrer Geschichte zu gelangen und von da aus auch die jüdische Zeitrechnung klarzulegen. Erst in einer Zeit, in der die Praktische Anwendung einer jüdischen Zeitrechnung nur eine nebengeordnete Rolle spielt, fließen die Quellen so stark, daß man aus ihnen reichlich schöpfen und den Durst nach Klarheit stillen kann. Die jüdische Chronologie ist aber ein recht wichtiges Gebiet der Wissenschaft des Judentums. Zunächst als Selbstzweck: Die Elemente der Zeitmessung eines Volkes zu kennen, gehört zu den Vorbedingungen für die Erkenntnis seiner Kulturstufe. Dann aber bedürfen ihrer eine ganze Reihe anderer Forschungsaufgaben auf dem Gebiete der Archäologie, der Exegese und nicht am wenigsten der Geschichte. Trotzdem fehlte es bisher an einer Zusammenfassung aller ihrer Probleme. Meist wurden chronologische Untersuchungen im Rahmen einer bibelexegetischen oder historischen Abhandlung gegeben, oder aber es wurden einzelne Teilgebiete durchforscht; so besaßen wir wohl schon Literatur über die verschiedensten Zeitabschnitte und Fragen der Chronologie, konnten aber ein umfassendes Werk noch nicht benutzen. Mit großer Freude begrüßen wir daher das „Handbuch der jüdischen Chronologie" von Eduard MahlerJ, das diesem oft empfundenen Mangel abhelfen will. Hier finden wir sämtliche Fragen des schwierigen Gebietes untersucht: Zeitteilung und Zeitrechnung der Juden werden bis zur endgültigen Gestaltung des Kalenders und bis in die geschichtlich festliegenden Zeiten hinein zur Darstellung gebracht. In einem ersten Teile werden die einzelnen Zeitmaße behandelt: Stunde, Tag, Woche, Monat und Jahr; die größeren Perioden: Schmittah- und Jobelperiode und die chronologischen Zyklen, sowie die verschiedenen zur Anwendung gebrachten Epochen der Zeitrechnung: die Aeren. Vier Abschnitte des 'zweiten Teiles bringen eine Darbietung der Gestalt dieser Zeitmaße in den einzelnen Epochen der Geschichte, und damit ihre Entwicklung und Fortbildung. Hierbei kommen die verschiedenen Probleme zur Untersuchung, von denen aus der chronologische Aufbau der Geschichte erfolgen kann. Im fünften Abschnitt wird der konstante Kalender geschildert, wie er noch heute für das religiöse Leben in Geltung ist; und in einem Anhänge erhalten wir eine außerordentlich schätzenswerte Reihe von Ver- 0 Grundriß der Gesamtwissenschoft des Judentums: Handbuch der jüdischen Chronologie von Eduard Mahler. Leipzig. Buchhandlung Gustav Fock G. m. b. H. 1916. i!! I I gleichungstabellen für die jüdische und die bürgerliche Rechnung für die Jahre 4001 bis 6000 unseres jüdischen Kalenders, d. i. für die Jahre 240 bis 2239 der bürgerlichen Rechnung nach Christi Geburt. Was. dem Werre einen besonderen Wert verleiht, ist der Umstand, daß der Verfasser sich der Anforderungen bewußt war, mit denen allein man an die Lösung einer solchen Ausgabe herantreten kann: es muß der oft begangene Fehler vermieden werden, einen einseitigen Standpunkt einzunehmen, sei es den mathematisch-astronomischen, den exegetischen, den historischen oder den philologischen. Nur eine Anwendung aller dieser Methoden in Verbindung miteinander verspricht Aussicht auf Erfolg. Nach diesen Grundsätzen hat Mahler gearbeitet; und er war somit zu der Arbeit durchaus berufen, zumal er als Orientalist auch die neuesten Forschungen der Aegyptologie und der Assyriologie ans den Quellen nutzbar machen konnte. Es kann natürlich nicht erwartet werden, daß es Mahler gelungen sein sollte, alle Fragen restlos 31t klären. So verwunderlich es auch erscheinen mag: wir finden in dem Handbuch keine chronologische Uebersicht der Geschichte Israels; aber wir müssen dem Verfasser darip zustimmen, daß er sich eine solche versagt, da sie doch nur eine äußerst lückenhafte Gestalt erhalten könnte. Es wird niemals eine Möglichkeit geben, in die Chronologie der ersten Menschengeschlechter von Adam bis Noah und bis Abraham wissenschaftliche Klarheit 31t bringen. Auch für die Richterzeit ist an der Hand der biblischen chronologischen Angaben eine zuverlässige Aufstellung kaum zu gewinnen. Die für die einzelnen Richter dort gegebenen Zahlen lassen sich nur mit Hilfe aller möglichen vagen Hypothesen mit den an anderen Stellen genannten Gesamtzahlen in Einklang bringen. Nach I. Kön. 6,1 wurde mit -dem Bau des salomonischen Tempels im 480. Jahre nach dem Auszüge aus Aegypten begonnen. Stellt man dagegen die angeführten Zahlen zusammen, dann erhält man insgesamt 541 Jahre, zu denen noch die nicht mit einer bestimmten Zahl gekennzeichneten Zeiten von der Verteilung des Landes bis znm Tode Josuas, der Wirksamkeit der Aeltesten nach Josua und der Zeiten Samuels und Sauls hinzutreten würden. Es bleibt jedoch ungewiß, ob bei der genannten Gesamtzahl von 480 Jahren eine historisch genaue Zahl gedacht war, oder ob nicht vielmehr eine ungefähre Zeitbestimmung das bedeutsame Ereignis in Beziehung zu dem wichtigsten der israelitischen Geschichte bringen wollte. Die alten jüdischen Chronologen haben allerdings diese Zahlen als zuverlässig erachtet und ihre Widersprüche auszngleichen versucht. Zum Beispiel will Seder Olam selbst die 300 Jahre, die in Nicht. 11,26 als Zeitraum von der Besitznahme des Landes bis Jestah genannt sind, aus den Einzelzahlen des Richterbuches bestimmen. Abgesehen davon, daß dies auch nur unter Anwendung von unbelegbaren Zahlen (für Josua 28 Jahre; siehe Raschi z. St.) und Annahmen geschehen kann, ist es auch wenig wahrscheinlich, daß die Zahl als eine chronologisch-genaue gemeint war: Jestah dürste in seiner Botschaft an den König «der Ammoniter kaum auf solche Zuverlässigkeit Wert gelegt haben. Die ernste Chronologie kann den Alten aus diesem Wege nicht folgen, kann diese Angaben ihren Berechnungen nicht zugrunde legen. Vor fast ebenso große Schwierigkeiten stellte den Chronologen die Bibel in ihren Zahlen für die Königszeit. An sich verfolgt sie. ein sehr klares System: sie stellt die Könige von Israel immer neben die gleichzeitigen Könige von Juda und umgekehrt. Man sollte wohl meinen, daß zuverlässigere Angaben gar nicht gewünscht werden könnten. Aber diese (Gleichzeitigkeiten passen vielfach nicht zueinander, und es

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