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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-08-31 · Heft 35 (31.8.1917) · p. Seite 411

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 35 (31.8.1917)
Date
1917-08-31
Page
Seite 411 (sequence 3)
Language
German
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411 höchste und reinste Form der sittlichen Wahrheit darstellen. Nicht deshalb, weil das Judentum uns mehr Freiheit als das dogmatische und kirchliche Christentum seinen Bckennern läßt, halten wir an unserem Glauben fest, sondern weil wir uns als Träger der religiösen und sittlichen Wahrheit fühlen und die Pflicht empfinden, die Lebensart unserer Väter sortzusetzen. Sir Mochr. Berlin, den 28. August. tatt-an dem Goethe-Tage der Welt von Frieden und Freiheit zu reden, muß der Chronist an Krieg denken und von Krieg berichten. Denn statt der erhofften Verminderung blutiger Tätigkeit ist eher eine Vermehrung zu konstatieren: auf allen Seiten wird fast ohne Unterbrechung gekämpft. Schlacht in Flandern, Schlacht bei Verdun, Schlacht am Jsonzo; in allen diesen ungeheuren Unternehmungen, von denen unsere Heeresverwaltung täglich zu melden hat, haben wir und unsere Bundesgenossen trefflich bestanden, die wütenden, immer wiederholten Angriffe glänzend abgewehrt, unsere Stellungen fast restlos behalten. Ja, noch mehr. Gegen Franzosen und Italiener ist es gelungen vorzurücken, ihnen manchen zäh verteidigten Ort abzunehmen und namentlich von den Italienern Gefangene und Beute zu erlangen. Gegen die Russen dauert der erfolgreiche Vormarsch fort. Auch der U n t e r s e e b o o t k r i e g hatte im Juli glänzende Erfolge zu verzeichnen, nicht minder der Luftkrieg. Liest man freilich die Berichte der Gegner, so möchte es scheinen, als wäre der Erfolg aus ihrer Seite. Aber die Tatsache, daß sie nirgends vorrücken, immer wieder von neuem ihre Pläne ändern und auf dem Terrain beharren müssen, das sie seit Monaten, teilweise seit Jahren innehaben, während sie hofften, unsere Linien zu durchbrechen und in unser Land den Krieg zu tragen, beweist, wie unzuverlässig ihre Mitteilungen sind. Nirgends, wenn man von kleinen Strecken des Elsasses und unbedeutenden Abschnitten Galiziens absieht, spielt -sich der Krieg in den Gebieten Deutschlands und seiner Bundesgenossen ab, vielmehr sind die Länder unserer Gegner, vor allem Belgien und Frankreich, Stätten grauenhafter Verwüstung, und sie selbst tragen dazu bei, ihre eigenen Städte mit alten herrlichen Bauwerken zu zerstören und durch ihre Luftangriffe das Leben und Eigentum ihrer Bundesgenossen zu gefährden und zu vernichten. Trotzdem wollen diese Verblendeten nicht an die Vergeblichkeit ihrer Anstrengungen glauben, sie hoffen noch immer, uns niederzuringen und den endgültigen Sieg an ihre Fahnen zu heften. Darum lehnen sie, wenn auch in verklausulierten Worten von ernster und wohlwollender Erwägung, das Friedensangebot des Papstes ab; sie, die in ihren eigenen Ländern bedroht sind und selbst dazu beigetragen haben, blühende Provinzen in rauchende Trümmerstätten zu verwandeln, in Einöden, die Jahrzehnte bedürfen, um wieder zu menschlichen Wohnungen zu dienen; verlangen nicht nur die bedingungslose Räumung dieser von uns eroberten und durch unser Blut gedüngten Gebietsteile, sondern erfrechen sich, von uns Rückgabe solcher Provinzen zu verlangen, die seit 1870 von uns zurückerobert, ursprünglich deutsches Land, uns von Rechts wegen zukommen. Darum ist, so entsetzlich auch die Fortdauer dieses nicht für möglich gehaltenen Völkermordens auch genannt werden muß, an ein Aushören gar nicht zu denken. Freilich gibt es noch immer Optimisten, die an einen nahen Friedensschluß glauben; der nüchtern urteilende Politiker muß dagegen, wenn er auch keinerlei pessimistische Gesinnung hegt, an einen vierten Kriegswinter und an neue Frühjahrsoffensiven denken, ohne sich der Aussicht hinzugcben, daß die Angriffe des zu Ende gehenden Sommers 1017 schon abgeschlossen seien. So traurig aber solche Aussichten sind, so schwer die Verluste und Leiden, auch die Entbehrungen, denen wir entgegengehen, auch sein mögen, — es hilft nichts als Ausharren im gerechten Kampf und Bewahrung des Mutes nnb der Tapferkeit, die erfordert werden, um die wahnsinnige Einbildung unserer Gegner zu vernichten. * Unter den kleinen Anfragen, die im H a u p t a u s s eh u ß an den Deutschen Reichskanzler gerichtet sind, befinden sich mehrere des Abgeordneten Werner. Sie feien hier nur mitgeteilt, um die ganze verbohrte Gesinnung des Abgeordneten zu zeigen, der jede Gelegenheit benutzt, um die törichten, hundertmal widerlegten Anklagen zu wiederholen und Angriffe gegen die Juden zu schleudern, die haltlos sind und erworbene Rechte bedrohen, in deren Genuß sich die Juden seit langer Zeit befinden. Die Anfragen lauten: „Die deutsche Heeresverwaltung hat wiederholt auf die religiösen Anliegen 'der jüdischen Kriegsteilnehmer bei israelitischen Festtagen weitgehende Rücksichten nehmen zu müssen geglaubt. Das sorgsame Eingehen auf die seelischen Belange der Jndenheit hat sich aber auch auf die gefangenen jüdischen Offiziere und Soldaten erstreckt. Es ist ihnen nicht nur zn religiösen Feiern und Bewirtungen bei ihren in Deutschland wohnenden Stammesgenossen Urlaub ans Gefangenenlagern erteilt worden, sondern man gab ihnen auch in der Zeit schwerster Einschränkungen für die deutsche Bevölkerung ausreichende Mengen feinsten Weizenmehls zur Herstellung der rituellen Mazzot. Belege für diese Dinge habe ich seinerzeit im Hanptnusschuß erbracht. Eine Zusage auf Abstellung ist noch nicht erfolgt. Ich ersuche deshalb uni eine schriftliche Antwort, ob der Reichskanzler die vorgetrageneu Beschwerden für die Zukunft gegenstandslos zu machen gedenkt?" Endlich seien noch zwei Anfragen des antisemitischen Abgeordneten Werner, der im ganzen nicht weniger als neun ans einmal gestellt hat, registriert. Er fragt, ob „der Reichskanzler bereit sei, auch das jüdisch-rituelle Schächten zu verbieten, um das der jüdischen Bevölkerung gewährte Ausnahmegesetz zu beseitigen?" Sodann glaubt er feststellen zu können, daß die Zuwanderung von Personen jüdischen Stammes ans Polen, Galizien und Rumänien allmählich wie in Deutsch-Oesterreich so auch bei uns einen bedenklichen Umfang annehme. Ist dem Reichskanzler bekannt, fragt er, „daß viele dieser Neudeutschen, wie die Polizeilisten ausweisen, gewerbsmäßige Hehler, Taschendiebe - und Lebensmitteüvncherer sind, daß sic sich alle durch starke Abneigung gegen Reinlichkeit und körperliche Arbeit anszeichnen und daß sie durch ihre geschäftliche Veranlagung und eigenartige Gesittung für den unter der Not der Zeit schwer leidenden Mittelstand eine besondere Plage und, vom völkischen Standpunkt gesehen, für das Deutsche Reich einen höchst unerwünschten Zuwachs bilden?" * Zwei Aeußeruu'gen christlicher Schriftsteller über Z i v n i s - m u s verdienen eine Wiedergabe, um ihre Stellung zu kennzeichnen. Tie eine lautet: Zit der Frage des Zionismus ergreift nun auch der fortschrittliche Landtagsabgevrdnete D. T r a u b das Wort in seiner „Christlichen Freiheit" (Nr. 32). Diese Ausführungen geben wir hier wieder: „Der Präsident der Bereinigten Staaten hat sein Herz entdeckt und sich für den Zionismus erklärt. Wie kommt er dazu? Keine religiöse Empfindung hat ihn dazu getrieben; das rein politische Geschäft zwingt ihn zu dieser Stellungnahme. Die Engländer haben zehn Bomben über Golgatha geworfen; das war etwas grob. Wilson versucht es feiner, er will der Türkei Palästina abnehmen. Zu dem Zweck stärkt er die Ansprüche der jüdischen Zionisten, welche ihr angestammtes Mutterland wieder in Besitz nehmen möchten. Nun wäre eine solche Stellungnahme selbst des Präsidenten der Bereinigten Staaten zunächst eine harmlose Sache, wenn nicht eine große Bewegung dahinter stehen würde. In der Monatsschrift „Der Jude", die zielbewnßt und vorzüglich geleitet ist, erscheint eine Neberschau

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