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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-08-24 · Heft 34 (24.8.1917) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 34 (24.8.1917)
Date
1917-08-24
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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mit 15. August sein 25jähriges Bernfsjubiläum als Angestellter genannter Firma. Ban Geschäftsfreunden wie auch van anderer Leite gingen dem Jubilar zahlreiche Glückwunschschreiben zu. Ban der Firma wurde" ihm ganz besondere Anerkennung und Ehrung zu. teil. H. Murowana Goslirr, 17. August. Einer der ältesten Bürger hiesiger Stadt, Herr Rentier Abraham Giballe, ist im fast vollendeten neunzigsten Lebensjahre gestorben. Ein braver, redlicher Mann, war er von Juden und Christen gleich geachtet mti> geschätzt. Gern lauschte ein jeder seinen Worten und Mitteilungen aus altvergangener Zeit. Er führte einen religiösen Lebenswandel, bewährte sich in der Tat als Jude voll echtem Schrot und Korn. Außer den zahlreichen Angehörigen, auch ans der Ferne, geleiteten viele Bürger der Stadt die Leiche bis zum Grabe. M. Hamburg, 17. August. Herr H e r tz B a ch r a ch, das älteste Mitglied des Reprüsentantenkollegiums der hiesigen Deutsch- Israelitischen Gemeinde, dem er mehr als zwei Jahrzehnte angehörte, ist nach längerem Leiden im 74. Lebensjahre aus dem Leben geschieden. Der Verblichene, der der konservativen Richtung angehörte, zeichnete sich durch seinen Pflichteifer aus; nlit Eifer und j Energie trat er stets für die Interessen des gesetzestreuen Judentums ein. Sein Hinscheiden erregte denn auch in loeiten Kreisen der Gemeinde aufrichtige' Teilnahme. Zur Trauerfeier, die in der Wohnung des Heimgegangenen stattfand, hatten sich außer den Vertretern des Gemeindevorstandes, der Herren Alfred Le v h und I a k o b A l e r a n der, der Vorsitzende des Repräsentanten-; kollegiums, Herr I v s. L i ppm an n, und viele ehemalige Kollegen! eingefunden. Außer Herrn Oberrabbiner Dr. S. Spitzer waren die i Rabbiner des Alten und Reuen Klaus sowie der gesamte Bor-! stand dieses Jnstitlits, in dessen Verwaltung der Verstorbene seit; vielen Jahren hervorragend tätig war, erschienen. Ferner Vertreter- : anderer Institutionen und zahlreiche Freunde. Nachdem sich die Kinder und nächsten Verwandten um den Sarg geschart hatten und | der Schwiegersohn des Verewigten, Herr Js. Meyer, ein tief empfundenes Abschiedswort gesprochen hatte, hielt Herr Rabbiner : Tr. K önigsber g (Berlin) eine von Herzen konnnende und zu Herzen gehende Gedenkrede, in der er ein getreues Lebensbild des Entschlafenen entwickelte. Der Vorsitzende des Klaus-Instituts, Herr A. A u e r b a ch , sprach dem treuen Mitarbeiter in der Verwaltung den Dank des Vorstandes aus: sein Wirken werde hier I stets unvergeßlich sein. Der große Trauerzug, dem sich zahlreiche : Fußgänger anschlossen, bewegte sich nach dem Friedhof in Langenfelde. In der Friedhofshalle sprachen noch die Herren Rabbiner Dr. S. Vamberger und M. Flörsheim herzliche Worte des! Gedenkens. Die vorbildliche Tätigkeit des Dahingeschiedenen werde! in der Gemeinde stets unvergessen bleiben. Rach dem Vortrag der > rituellen Gebete wurden die irdischen Ueberreste dem Schoße der Erde j übergeben. | # Leipzig, 17. August. Der heutige Zustand Palästinas > und Syriens ist ein Argument, das die Entente mit Vorliebe gegen > die Türkei verwendet, die nach allgemeiner Auffassung Palästinas! blühenden Ackerbau und seine hochentwickelte Kultur bei ihrer Er-! oberung zerstört habe. Mit dieser unhistorischen Auffassung räumt ein Aufsatz im „Leipziger Tageblatt" auf. Der Verfasser dieses Artikels stellt fest, daß nicht die Türken, sondern Kreuzfahrer die Verwüster Palästinas waren und daß lange vor diesen schon die Byzantiner im 10. Jahrhundert durch alljährliche Mordbrennerzüge das Land verheert haben. Zn dieser Zeit wurde das Land noch „Der Garten der Welt" genannt und neben dem Ackerbau wurden darin die feinsten Industrien gepflegt. Den ersten Ranbzug nach Syrien veranstaltete Phokas, der spätere Gemahl der Kaiserin Theophano. lieber sein Heer schreibt der mittelalterliche Weltreisende, Rabbi B e n j a m in von T u d e l a : „Sie haben die Heere aller Barbarenvölker, wie sie sie nennen, in Sold genommen, um mit dem König der Togarmavölker, den sogenannten Türken, Krieg zu führen. Denn sie selbst ziehen nicht gern in den Krieg. Ihnen fehlt der Mut dazu. Sie sind schwach wie die Weiber, und es fehlt ihnen die Kraft zum Kämpfen." Phokas verwüstete das freie Land und die festen Plätze nahm er im Sturm. In 22 Tagen soll er 52 Städte und Schlösser geplündert und niedergebrannt haben. „Er tötete nicht nur die Bewohner sondern er vernichtete auch alle ihre Subsistenzmittel; Männer, Frauen und Kinder wurden schließlich niedergemacht oder als Sklaven verkauft, die Häuser geplündert und in Brand gesteckt, die Felder verwüstet, die Obstbäume niedergehauen, die Brunnen verstopft und die Haustiere dem Hungertode preisgegeben. Jahr auf Jahr folgten solche Mordbrennerzüge, die das ganze Land von Askälon bis Bagdad, ganz Syrien und Palästina in eine Wüste verwandelten. Es waren keine wirklichen Eroberungszüge, sondern ungeheure Raubzüge. Wie ein Orkan fegte der Feind, alles zerstörend und verwüstend, über das Land, die Städte wurden ausgeraubt, die Kulturen vernichtet, die Dörfer zerstört, die Palmenwälder abgehauen und' die Bevölkerung hingeschlachtet oder in die Gefangenschaft entführt. Bor wenigen Jahren noch der schönste und bestgepflegte Teil, auf Erden, war Syrien und Palästina eine Stätte des Grauens, in der der Hungertod herrschte, der die Pest im Gefolge hatte. Als die Byzantiner abgewirtschaftet hatten, folgten die Krenzzüge. . ." er. Koburg, 17. August. Eine Stiftung, die sowohl durch ihren Begründer wie durch ihre Zweckbestimmung und ihre Statuten merkwürdig ist, besteht bei der Stadtgemeinde Koburg. Ter 1863 zu Koburg verstorbene Freiherr Ferdinand v. Rast, der 1881 als simpler M. Liebmann geboren wurde, war ein getaufter Jude. Er begründete diese Stiftung mit einem Kapital von 600 500 Mark. Ein Teil des Stiftungsvermögens besteht in zwei florentinischen Adelspalästen. Bon den Erträgen der Stiftung ist ein Drittel für jüdische Maler, Bildhauer und Architekten auS dem Herzogtum Sachsen-Koburg-Gotha bestimmt: auch jüdische Handwerkslehrlinge können aus den Stistnngszinsen Beihilfen zu ihrer Ausbildung erhalten. Ter Stifter, der es bis zum Herzoglichen Kammerherrn brachte, wurde als Sohn des jüdischen Viehgroßhändlers Samter Liebmann in Berlin geboren. Er erwarb siin großes Vermögen im Garnhandel. Köln, 17. August. „11 nsere Gegner und w i r", das war der Gegenstand eines Bortrages, den kürzlich auf der Tagung des Verbandes der Wäschegeschäfte von Rheinland-Westfalen hier Hanptmann v. Amelunxen hielt. Mit besonderem Interesse wurden die Schilderungen aus der Champagneschlacht entgegengenommen, wo der Redner eine Kompagnie des Infanterieregiments Nr. 65 führte, das meistens aus Kölnern bestand, deren ganz hervorragende Tapferkeit und Opferwilligkeit er begeistert schilderte. Namentlich waren es drei j u n g e K ö l n e r namens Clemens, Käser und L e v y , die sich besonders ausgezeichnet, was der Redner nv.tn dem Beifall der Zuhörer an einzelnen Fällen illustrierte. Anknüpfend an die Heldentaten des kleinen Levy aus Köln verurteilte der Vortragende den Antisemitismus aufs schärfste und betonte, daß wir ohne das jüdiscke Element, das auch zum großen Teile die erforderlichen Mittel stelle, den Krieg nicht gewinnen würden. Gestrrrrich-Angam. vr. Wien, 17. August. Die hiesige Israelitisch-Theologische L e h r a lr statt beklagt das Ableben zweier bewährter Kuratoriumsmitglieder. Im Februar d. I. starb Dr. Arnold Rosenbacher, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde in Prag, der sich schon an den Gründungsarbeiten für die Lehranstalt lebhaft beteiligte und dem Kuratorium nahezu ein Bierteljahrhundert angehörte, und im April d. I. verschied der bekannte Wiener Philanthrop S a l o K o h n, der neben seinen ungezählten anderen Vermächtnissen auch dem Baufonds der Lehranstalt — 100 000 Kronen — hinterlassen hat, die für eine Stiftung zum Andenken an seinen verewigten Vater bestimmt sind. Ter Borstand der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde hat die im Vorjahre zu Ehren des 70. Geburtstages des hochverdienten Rektors der Anstalt, Dr. Adolf Schwarz, kreierte Stiftung um 10 000 Kronen bereichert. Die Verleihung der Zinsen erfolgte am 27. Juli, dem Geburtstage des verehrten Mannes. Die Wiener Kultusgemeinde, die sich in einer weit weniger günstigen finanziellen Lage befindet als die deutsche hauptstädtische Gemeinde in Groß-Berlin, subventionierte die Anstalt mit 8000 Kronen; von dem Kuratorium des mährisü>jüdischen Landesmassafonds in Brünn gingen 500 Kronen ein; die Repräsentanz der Landesjudenschast im Königreich Böhmen leistete einen Beitrag von 1260 Kronen: 1300 Kronen steuerte die Kultusgemeinde in Prag bei. Das dritte Kriegsjahr hat sich im Betriebe der Lehranstalt sehr fühlbar gemacht. Die Unterrichtsrüume wurden, wie in den Vorjahren, der Baron-Hirsch,- Stiftung zum Zwecke des Unterrichtes an evakuierte Flüchtlings-

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