Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1917)
- Date
- 1917-08-24
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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81. Jahrgang Nr. 34 Wer Gemeindebote. Berlin, 24. August 1917 Beilage zur „Allgemeinen Leitung deS Judentums". korrelponükn?en und Aschrichtttl. Deutschland. &&& Berlin, 21. August. Das K r i e g s m i n i st e r i u m ljot mit Verfügung vom 31. Juli d. I. Nr. 1040. 7. 17. C. la. den Konrmandobehör den von folgenden Wünschen lind Anträgen zu den bevorstehenden Herbstfeiertagen mit dem Anheimstellen Kenntnis gegeben, diesen Wünschen 3 it entsprechen, f 0 \v c 11 e s n n g ä ngrg i st u n d s i ch m i t b c it dien st l ichen Intere s s e n vereinbar e n l ä st t. 1. Mir die nn der F r o n t befindlichen Mannschaften: a) D i e n st b e f r e i u n g am Ver - s ö h n it n gs t a g e , beginnend eine Stunde vor Sonnenuntergang des Vorabends und schließend mit Eintritt der Nacht; soweit möglich, D i e n st b e s r e i u n g an den übrigen Feiertagen; b) Gelegenheit zur Begehung des Neujahrsfestes und Versöhnungstages, soweit möglich auch der anderen Feiertage durch gemeinsamen! G o t t e s d i e n st. Bei Zentralgottesdiensten größerer Verbünde Berücksichtigung des religiösen Reiseverbotes derart, dah die Mannschaften vor Beginn des Feiertages am. Orte des Gottesdienstes? eintrefsen und ihn erst am Schlüsse des Feiertages zu verlassen j brauchen. Wegen Regelung der Einzelheiten werden sich die Herren! Feldrabbiner an die Armeeoberkommandos, denen sie zugeteilt sind,! wenden. 2. Für die Mannschaften in den h e i m atlichen Gär- : nis 0 nen und an f e st e n Standorten in der Etappe:; a.) soweit mit den dienstlichen Interessen vereinbar, Heimat-! i! v I fl u b oder Urlaub Zur n a ch st g e l e g e n e n jüdischen > G emeinde; b) soweit dies nicht möglich ist. Dien st befreiung an den'Festtagen. Berücksichtigung des religiösen Reisever-! botes durch Gewährung der Möglichkeit bei den Urlauben, die Reise; selbst vor Beginn und nach Ende des Feiertages zurückzulegen. 3. Endlich ist gebeten worden, bei Erteilung von Heimaturlaub an die im Felde befindlichen Mannschaften, die Urlnubstermine für die jüdischen Soldaten, soweit möglich, unter Mitberücksichtigung der Feiertage festzusetzen. 2XD Berlin, 21. August. Am 1. Mai 1916 gab es in Preußen an nichtjüdischen höheren Knabenschulen 76 jüdi'che Oberlehrer, davon sechs an. staatlichen Anstalten, je einer in Graudcnz, Strasburg, Berlin, Wittstock, Bromberg und Posen, also sämtlich im Osten. Von den übrigen 70 Lehrern waren 50 von Berlin, je 4 von lvharlottenbrrrg und Frankfurt a. Nt. und 3 von Breslau angestellt. An den höheren Mädchenschulen waren 1916 8 jüdische Oberlehrer und 1 Oberlehrerin tätig gewesen. Dazu kommen die 18 jüdischen Oberlehrer an den beiden israelitischen Realschulen in Frankfurt a. M. Glicht angestellte jüdische Kandidaten gab es 42 in Preußen, und zwar 27 anstellungsstähige (unter 26 77) 6 Probanden (unter 783) und 10 Seminarkandidaten (unter 942). # Berlin, 21. August. De r Re ch n u n g s a b s ch tust der H a u p t v e r w a l t u n a der I il d i s ch e n Ge m einde zu B e r l i n , der in der vorletzten Sitzung der Repräsentanten-Versammlung zur Beratung stand, enthält eine Fülle interessanter Zahlen. Die Abrechnung erstreckt sich auf die Zeit vom 1. April 1915 bis zum 31. März 1916, sie umfaßt also ein volles Kriegsjahr. Wie der Berichterstatter, Repräsentant L e n> i u ski, betonte, hat die Zahl der Zensiten erheblich zugenommen. Im Berichtsjahr waren 44 871 Steuerzahler verzeichnet, die bei einem Steuersatz von 9 ho Prozent von: Einkommen 3 825 303 Mark gegen 3 159 740 Mark im Vorjahre anfbrachten, in dem der Beitragssatz auf 7/io festgesetzt war. Eine Verminderung der Steuerkraft ist also unverkennbar festzustellen, da bei dem erhöhten Satze nach Maßgabe des Vorjahres über eine halbe Million mehr als das tatsächliche Ergebnis zu erwarten gewesen wäre. Die Durchschnittsleistung der Zensiten betrug 85.25 Mark, im Vorjahre bei einem Steuersatz von nur 7Iw Prozent 75,10 Mark, also den gleichen Betrag wie im Rechnungsjahre 1913/14. Die Steuerrückstände sind erheblich gestiegen. Von 377 000 Mark im Jahre 1913 sind sie im Jahre 1914 auf 860 000 Mark ltnb im letzten Jahre sogar auf 1175 000 Mark angewachsen; sie betragen demnach 30 Prozent der Steuersumme. Die gesamten Einnahmen beliefen sich aus 6 150 838 Mart (gegen 5 494 864 Mark im Vorjahre), die Ausgaben auf 5 918 575 Mark (5 567 021), so daß ein Ueberschuß von 23 263 Mark erzielt wurde gegen ein Defizit von 192 000 Mark im ^oriahre. Die Ausgäbesunune von nahezu 6 Millionen Mark verteilt sich auf die verschiedenen Verwaltmmsnveige. Die K u l t u s e i n r i ch t n n a e n un d rituellen B e d ü r s n i s s e erforderten nach Abzug d"r auf diesem Gebiete ernelten Einnahmen einen Zuschuß von 816 846 Mart (856 188 Mark), für das 11 n t e r r i ch t s - und Bibliothek s - Viesen wurden 456 809 Mark (449 700 Mark) ansgegeben. Die A n f w e n d u n gen f n r soziale Z \o c cf e , also für Armenpflege. Woblsabrtswestn. Krankenhaus, die Alter&\krwrannasanstalten und das Hospital, betrugen nach Abzug der Einnahmen (aus Stiftungsmitteln, Spenden nsw.) 692 486 Mark (681 450 Mark). Das c -- erdigungsw e sen . für das 427 334 Mark ausgegeben und 334 549 Mark eingenommen wurden, erforderte einen Zuschuß von 92 785 Mark. Die G ä r t n e r e i v e r w a l t u n g erbrachte 549 578 Mark und kostete 415 216 Mark, so daß aut diesem Konto ein Ueberschuß von 134 362 Mark erzielt wurde. -Für Beiträge an v n a a o a e n v e r e i n e , soziale B e r b a n d e u n d Wohlä t i a k e i t s a nst a l t e n wurden 60 000 Mark verausgabt: das G e m e i n d e b l a t t kostete 32 000 Mark. Eine Mindereinnahme von etwa 50 000 Mark gegen das Borjahr hat die B e r nr i e t u n g d r P l ä tz e in den ständigen Synagogen und den Feitbetiälen erbracht; bier betragen die gesamten Einnahrnen nur 260 000 Mark. Sebr stark wurde das Trauungswesen durch den Krieg beeinflußt; von 29 146 Mark im Jabre 1913 gingen die Einnalnuen im Jabre 1914 auf 13 004, im Jahre 1915 sogar auf 6705 Ncark ntrück. so daß dieses Konto irn lebten Jabre einen Zuschuß von über 1000 Mark erforderte. Die Kapital- und Hypotheken-Sckmlden der Gemeinde belaufen sich auf 13 116 157 Mark gegen 13 210 733 Ncark im Boriahre. Dem 21 522 525,63 Mark betragenden Gemeindevermögen stehen 12 891 892.71 Mark Kapitalschulden gegenüber. E. M. Berlin, °1. August. Am 5. d. M. bat der iüdisehe ^u.rnverein „B n r - K 0 cb b a". in dem die Leichtathletik eine verständnisvolle Pflege findet, bei den Kämpfen um die deutüben üichtathletischen Kriegsmeisterfchafteu einen sebr bemerkenswerten Sng errungen. In der Konkurrenz beim Stafettenlauf hatten n.nter sieben Mannschaften der bekanntesten Sportvereine und Jugendorganisationen, Sinter denen sich auch die Vertreter der Eharlottenburger Turngemein.de der B. f. B. Teutonia befanden, die Bar-Kochba-Mannschaften. einen unbestrittenen Sieg davongetraaen. Die nahezu fünftausendköpfige Zuschauermenge zollte den Leistungen der jüdischen Turner reichen Beifall. Der Sieg der jüdischen Turner beweist die körperliche Tüchtigkeit unserer jüdischen Juaend, die sie jetzt auch im Felde Seite an Seite mit ihren andersgläubigen deutschen Kameraden erweist. W. Posen, 17. August. Die Kriegs b e u t e a u s st e l l 11 u g P 0 s e n wurde feierlich eröffnet. Erschienen waren hierzu u. a. als Vertreter: Stadtvenordn.etenvorsteher Herr Justizrat Plaezek. Stadtverordneter 'Herr Justizrat K i r s ch n e r , Direktor der O st b a u k Herr Kommerzienrat H a m b u r g e r, Herr Stadtrat E l k e l e s. Ein Rundgang durch die Ausstellung fand unter Führung, des Herrn Stadtrat K r 0 n th al statt. Es sei bei dieser Gelegenheit erwähnt, daß sich um das Gelingen .der Veranstaltung der Kriegsbeuteausstellung. Herr Stadtrat Kronthal ganz besonders verdient gemacht hat, auf dem die ganze Last .der Vorbereitnngsarbeiten im wesentlichen ruhte. — Einen braven, biederen Mann hat unsere Synagogengemeinde durch den Tod des Herrn Meyer K 0 lliner verloren. Nur wenige Tage nach dem Tode seiner Gattin ist auch er dahingegangen und weilt jetzt in den lichten Hohen. Wir beklagen den Verirrst eines Mannes mit* vortrefflichen Herzenseigenschaften, der jederzeit, wenn nötig, mit Rat und Tat zur Hilfe bereit war. Tie Überairs große Beteiligung bei der Beerdigung war ein beredtes Zeugnis für die Achtrrng und Wertschätzung, die der Heimgegangene bei allen genossen. In der Leichenrede hob Herr Gemeinderabbiner Dr. F r e i nr a n n ganz besonders hervor, wie der Verewigte bemüht gewesen sei, seine Kinder zu braven Menschen und gestnnungstreuen Juderr zu erziehen. Herr Max Freund, Prokurist der Firma Samuel Herz, beging